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Mystery (diverse)



Andrea Bottlinger

Macabros 8- Shab Shodds Lügenträume

rezensiert von Thomas Harbach

Die größte Überraschung des vorliegenden achten „Macabros“ Abenteuer verbirgt sich weniger im Inhalt, als bei dem Autoren. Im Gegensatz zu den bisherigen sieben von Christian Montillon anynom verfassten, aber laut Impressum lektorierten Doppelromanen stammt der vorliegenden Band nicht aus seiner Feder. Andrea Bottlinger outet sich als Autorin des Romans. Unter dem Pseudonym Susanne Wilhelm hat sie schon - ebenfalls nach einem Expose von Christian Montillon - an den neuen „Larry Brent“ Romanen im Blitz- Verlag mitgeschrieben. Die 1985 in Karlsruhe geborene und Literarwissenschaft studierte Andre Bottlinger fühlt im doppelter Hinsicht große Schuhe aus. Dan Shocker Stil wird von Christian Montillon überwiegend sehr zufrieden stellend, behutsam modernisiert kopiert. Die Dialoge wirken teilweise überzogen geschrieben, fügen sich aber in ein für Dan Shockers Schreibweise einzigartigen Stil Rhythmus. Andrea Bottlinger gibt sich zwar sehr viel Mühe, Dan Shocker und Christian Montillon im Sprachstil zu folgen, aber manche Passage - insbesondere die in der Gegenwart spielenden Episoden - wirkt zu überambitioniert, zu bemüht, um gänzlich überzeugen zu können. Der zweite sehr große Schuh ist der Brückenschlag zu den Anfängen der Heftromane, der wahrscheinlich nur für Anhänger Dan Shockers wirklich zu beurteilen ist.
Die Handlung setzt unmittelbar im Anschluss an „Der Dämonenschwarm der Tausendfältigen“ ein. Anscheinend handelt es sich bei „Shab Sodds Lügenträume“ um den Mittelband einer Trilogie bestehend aus insgesamt Halbromanen. Björn Helmark versucht mit seinen Freunden die Welt der Baummenschen gegen den Dämonenschwarm des Tausendfältigen und die nur einmal in der originalen Heftromanserie auftauchenden Spinnenritter zu verteidigen. So sehr sich Andres Bottlinger auch bemüht, Spannung zu erzeugen, so schwer fällt es ihr bei diesem Ausgangsszenario. Die Sympathien sind in Christian Montillons Expose zu eindeutig verteilt und das die bislang positiv in Erscheinungen getretenen Baummenschen die Auseinandersetzung natürlich unter größten Opfern gewinnen, ist keine wirkliche Überraschung. Björn Hellmark selbst wird vom Tausendfältigen gefangen genommen und wurde zu einem Planetoiden gebracht, auf dem Mascada in der Parallelhandlung ein eigenes sehr viel interessanteres Problem zu lösen hatte. Das Ausgangsszenario mit dem Doppelgänger - wer ist das Original, wer die Fälschung ? - ist bekannt und droht in Klischees abzudriften. Die neue Dämonengöttin Mascada muss unterscheiden, wer der beiden Shab Sodds der echte ist. Natürlich gibt es unter den Dämonenerzeugern einen Betrüger. Handlungstechnisch dauert es eine gewisse Zeit, bis Mascada auf eine ausgesprochen originelle Idee kommt, welche die laufende Handlung mit den schon angesprochenen Wurzeln der Serie verbindet. Die Dämonengöttin zieht Erinnerungsfetzen - in Form von Rückblenden erzählt - aus den Gedächtnissen der beiden Shab Sodds, die sie in Form von den Titel gebenden Lügenträumen in die Köpfe von Menschen und passenderweise Feliden projiziert. Am Ende kann Mascada nicht nur den gordischen Knoten durchschlagen, sondern für den ganzen Handlungsbogen erhält die Dämonengöttin eine neue Art von „geistiger Waffe“, die sie gegen ihre ärgsten Feinde - inklusiv des gerade gefangen genommenen Björn Hellmarks - einsetzen könnte und wahrscheinlich im folgenden Roman „Höllentanz der Knöchernen“ auch wird.
Der dritte Handlungsfaden droht bei diesen beiden Szenarien fast unterzugehen. Al Nafuur und Arson gelangen wir dem bekannten Team einhundert Jahre in die Vergangenheit, wo in Wingst bei Cuxhaven der Grundstein für die Erschaffung der Dämonenmaske gelegt wird.
Es lohnt sich, vor der Lektüre dieses Doppelbandes den vierten Band der ursprünglichen Reihe zu lesen, um die Zusammenhänge besser verstehen zu können. Christian Montillon und Andrea Bottlinger knüpfen fast nahtlos an diese Ereignisse an. Mit den Hobbykultisten Vincent Wenser und seiner Frau Isabell führen die Autoren neue Charaktere ein. Die in der Vergangenheit spielende Handlung ist eine lesenswerte Mischung aus bekannten Klischees - ohne das wirklich ein echtes Gruselgefühl entsteht, zu sehr fühlt sich der Leser an die „Coco Zamis“ Romane erinnert - und phantastischen Elementen, die aus dem reichhaltigen „Macabros“ Kosmos einfließen. Andrea Bottlinger gelingt es nicht ganz überzeugend, die siebziger Jahre wieder zum Leben zu erwecken. Manches wirkt ein wenig zu distanziert, zu überambitioniert geschrieben. Erst als dieser Seitenarm zum dämonischen Leben erwacht, gelingen der Autoren eine Reihe von sehr guten Schockeffekten.
Was die beiden Haupthandlungen allerdings schwerer zu beurteilen macht, ist der nicht so schockierende, aber dafür auch weniger Erwartungshaltung erweckende Cliffhangar. Viele Fragen sind noch offen, wobei die Konzentration auf Nebenschurken der ursprünglichen Serie wie Shab- Sodd und Myriadus dem Gesamtkonstrukt gut tun. Für wenige Leser wird es überraschend kommen, das die Dämonenerzeuger auch geschlechterspezifisch handeln. So gibt es einen weiblichen und natürlich einen männlichen Dämonenerzeuger, was angesichts der Charakterisierung der Figuren eher weniger eine Überraschung als eine konsequente Extrapolation ist. Mit Mascada verfügt die Romanserie immer noch über eine vielschichtige Antagonisten, die allerdings hinsichtlich ihrer Handlungsebene unter dem etwas zu langsamen, zu wenig strukturierten und vor allem immer wieder das Tempo hindernden Aufbau leidet. Die Lügenträume stören die dynamisch geschriebene Schlachtszene, wobei zusätzlich einige Fragen hinsichtlich ihrer Entstehung zu oberflächlich abhandelt werden. Warum sind es eigentlich Lügenträume und weniger Visionen oder Bilder aus dem Gedächtnis der beiden Shab- Sodd Inkarnationen? Kann man/Dämon im Traum überhaupt lügen und wann wird die Schwelle zur Manipulation überschritten. Das wirkt teilweise wie eine archaische Alternative zu Filmen wie „Inception“, nur nicht so elegant und vor allem packend beschrieben.
Beim Kampf mit den Spinnenrittern wird der Leser unwirklich eher an einen „Conan“ Roman bester Howard´scher Prägung als an einen für Dan Shocker typischen „Macabros“ Band erinnert. Da wirkt mancher zu übertrieben und der Kampfverlaufe alleine wirklich „übermenschlich“ bis übernatürlich. Da wollte die Autorin ihrem Protagonisten im wahrsten Sinne des Wortes wirklich ein heroisches Denkmal für die Ewigkeit bauen und scheint ein wenig über das Ziel hinausgeschossen zu sein.
Es liegt weniger an der Gastautorin - vielleicht bleibt sie auch der Serie nach Exposes von Christian Montillon treu? - denn an der zu komplexen Handlung, die „Shab Dodds Lügenträume“ zu einem weniger intensiven Lesevergnügen als einer der bisherigen Höhepunkte der „Macabros“ Neuinkarnation „Der Dämonenschwarm des Tausendfältigen“ macht. Alle Elemente sind vorhanden, aber der Versuch, mit der Entstehung der „Dämonenmaske“ noch einen Handlungsarm in den schon sehr kompakten, aber nicht immer notwendigerweise stringent erzählten Roman zu packen, ist ein wenig zu viel. Die Verknüpfung der neuen Romanen mit Dan Shockers Vorlagen ist exzellent und die Quellenrecherche scheint im Gegensatz zu Christian Montillons ansonsten aus den „Perry Rhodan“ Romanen bekannten Mut zur Lücke deutlich ambitionierter und besser zu sein. Die handelnden Figuren sind von Andrea Bottlinger gut getroffen. Nur wer die Dialoge ein wenig genauer liest, kann erkennen, dass der Band nicht von Christian Montillon geschrieben worden ist. Manche arg vertraute Floskel fehlt. Erst nach Abschluss dieses Minizyklus lässt sich der ganze Plot beurteilen, im Vergleich aber zu den anderen „Zaubermond“ Serien, die teilweise unter plottechnischen Durchhängern - siehe „Coco Zamis“ und leider auch die Einzelabenteuer bei „Professor Zamorra“ - leiden, ist „Dan Shocker´s Macabros“ momentan trotz der angesprochenen Schwächen aufgrund der ambitionierten Handlung das beste Pferd im „Zaubermond“ Stall.


Andrea Bottlinger: "Macabros 8- Shab Shodds Lügenträume"
Roman, Hardcover, 252 Seiten
Zaubermond Verlag 2011

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