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Mystery (diverse)



Uwe Voehl, Catalina Corvo, Michael Marcus Thuner

Coco Zamis 26 Friedhof der Verdammten

rezensiert von Thomas Harbach

Für den vorliegenden sechsundzwanzigsten Band unterstützt Michael Marcus Thurner Expokrat Uwe Voehl und Catalina Corvo beim laufenden Zyklus. Michael Marcus Thurner fühlt sich immer am literarisch „wohlsten“ – was die Qualität seiner Arbeiten angeht -, wenn er einem soliden Expose folgt, in das er seine insbesondere im Horrorbereich positiv gesprochen pervers sadistische Phantasie einfließen lässt. Zu den schaurigsten Höhepunkten der ganzen Serie – und die junge Hexe musste bislang schon viel erleiden – gehört sicherlich die Zeitlupenvergewaltigung – ihr Peiniger betont mit sadistischem Vergnügen, das er um die entgegen gesetzten Fähigkeiten Coco Zamis verfügt – durch einen Dämonen. Mit grenzwertigen Vergnügen quält er sein Opfer um einen schier „unendlich“ erscheinende Zeitraum, der länger ist, als die Hexe ertragen kann. Diese brutale wie unter die Haut gehende Szene ist nur einer der vielen kleinen „Höhepunkte“ des vorliegenden Romans, welcher allerdings hinsichtlich des Gesamtzyklus die Handlung zu wenig vorantreibt.
Über weite Strecken liegt Coco Zamis ihrer Kräfte beraubt im Koma. Meistens auch noch in einem Sarg. Sie ist der entscheidende Spielball im Kampf der beiden Zentrumsdämonen. Nocturnos Ziel – dessen Willen sie sich ja im vorletzten Roman zu Gunsten ihrer Familie unterwerfen musste – kann nur mit ihrer Hilfe den Weg ins centro terrae finden. Während im letzten Roman „Das Dorf der Stille“ im Mittelpunkt gestanden hat, scheint sich Uwe Voehl mit der den Roman einleitenden Catalina Corvo – „Nächte des Wahnsinns“ und Michael Marcus Thurner – er hat die Titelgeschichte als zweiten Teil der Sammlung verfasst – wieder auf das Fundament zu besinnen. Die letzten Seiten des vorliegenden Romans implizieren, dass Coco Zamis nur Werkzeug in Nocturnos bislang nicht durchschaubaren Plan gewesen ist und die Rettung seinerseits nur von langer Hand vorausschauend eingeleitet worden ist.
Im Gegensatz zu einigen anderen Romanen der „Coco Zamis“ Serie leidet „Friedhof der Verdammten“ weniger unter einer über weite Strecken der Handlung zur Passivität verdammten Coco Zamis. Nur die zum ungezählten Mal verwandte Amnesie dient im vorliegenden Doppelband eher als Streckung einer stellenweise etwas zu dünnen Handlung und wird folgerichtig am Ende von „Friedhof der Verdammten“ mit einem allerdings sehr kleinen Knalleffekt wieder aufgehoben. Warum diese inzwischen zu einem Klischee reduzierte Idee immer wieder verwandt wird, bleibt ein Geheimnis des Autorenteams und wirkt im vorliegenden Band überflüssig.

Zwei andere Handlungsarme entschädigen den Leser für den Verzicht auf die attraktive wie selbstbewusst Hexe. Georg Zamis sucht weiterhin nach seiner verschwundenen Schwester. Der Weg hat ihn am Ende von „Das Dorf der Stille“ in entlegene Regionen Tibets geführt. Diese Handlungsfaden nimmt Catalina Corvo auf. Zusammen mit seinem ambivalenten Helfer und nach seinem Körper lechzenden Geist Peter finden sie ein verwunschenes Kloster im Himalaja, welches das Tor zu einer anderen Dimension bewacht. Georg Zamis gelingt es, in das geteilte Dorf aus dem Vorgängerband einzudringen und eine erste Spur seiner Tochter zu finden. Georg Zamis wird von der Autorin solide bis interessant beschrieben. Nicht selten haben die Autoren im Verlaufe der Serie insbesondere Georg Zamis zu einem arroganten Playboy mit eindimensionaler Persönlichkeit reduziert. Die Sorge um seine Familie im Allgemeinen – die dritte Handlungsebene – und seine junge Schwester im Besonderen wird von Catalina Corvo überzeugend und nachvollziehbar beschrieben. Die Dialoge mit Peter, dem opportunistischen Geist, lebhaft und unterhaltsam. Vor allem das geheimnisvolle Kloster wird überzeugend beschrieben, verbleibt aber im Vergleich zu den Verbalexzessen Michael Marcus Thurner eindeutig im Schatten. Der Autorin gelingt es allerdings nicht, mit diesem Szenario viel Spannung zu erzeugen. Die intensive Hintergrundatmosphäre wird zu wenig vom Handlungsverlauf wieder gespiegelt.
Sehr viel interessanter ist das Geschehen in Wien. Michael Zamis ist ja zu einem hilflosen in einem feuchten Verließ hausenden Freak reduziert worden. Seine Frau Thekla – ihr „Bündnis“ mit Asmodi gehört immer noch rückblickend zu den am meisten überraschenen Wendungen der bisherigen Serie – beherrscht ihn mit sichtlichem Vergnügen. Weitere Familienmitglieder sind eher schockiert. Der Schiedsrichter der schwarzen Familien Toth überreicht Thekla eine weitere Herausforderung. Entweder verlassen die restlichen Zamis Wien oder die ortsansässigen Dämonen werden sie vertreiben. Dieses Szenario ist nicht neu, zumal Toth in der letzten Auseinandersetzung zwischen den Oppositionsdämonen und den Zamis ausgesprochen ambivalent sich engagiert hat. Jetzt sind die Zamis mit dem Freak Michael, der verschwundenen Coco Zamis und den sie verzweifelt suchenden Georg Zamis extrem geschwächt. Es bleibt abzuwarten, ob Uwe Voehl und seine Autoren diesem Szenario noch etwas Überraschendes abgewinnen können. Vielleicht wäre es sinnvoller gewesen, anstatt auf eine erneute Vertreibung hinzuarbeiten, die Zamis entweder zu Sklaven eines bislang unbekannten Dämonenclans zu machen oder sich eine andere originellere Strafung in einem engeren Zusammenhang mit der Geschichte Wiens einfallen zu lassen.

Michael Marcus Thurners zweite Hälfte des Romans fällt nicht so stark ab wie bei einigen Vorgängerbänden, bei denen Logan Dee zum Teil unglückliche Expose bearbeiten musste. Über weite Strecken hat der Leser allerdings das unbestimmte Gefühl, als leide Thurners Part unter der Notwendigkeit, dem Leser einige solide handlungstechnische interessante Szenen auf einem blutigen Tablett zu servieren und viel entscheidender unter dem Hemmnis, den übergeordneten Handlungsbogen nicht all zu weit voranzutreiben. Diese Unentschlossenheit zeigt sich im ganzen Roman. Alle drei Spannungsbögen laufen fast phlegmatisch nebeneinander her, präsentieren gruselige bis sadistische brutale Höhepunkte und enden in einer Schleife, welche weder die Protagonisten entscheidet voranbringt noch dem Leser nützliche Informationen hinsichtlich des Zieles des Minizykluses präsentiert.
Die Leichenschändung auf dem Friedhof gehört sicherlich zu den positiven Höhepunkten in der zweiten Hälfte des Buches, aber im Vergleich zu den Offenbarungen am Ende von „Das Dorf der Stille“ wirkt dieser Abschnitt ernüchternd und wenig fesselnd.
Die Idee, die reale Welt zu verlassen und das Geschehen in eine andere Dimension wie das centro terrae zu verlagern, ist im Grunde eine mutiger wie logischer Schritt. Nach der globalen Ausbildung Coco Zamis in den ersten Bänden, den verschiedenen tragischen bis historisch berührenden Exkursen in die Vergangenheit vom Mittelalter bis zum nationalsozialistischen Terror sowie den verschiedenen die Gegenwart berührenden Ereignisse bis zu einem eingefrorenen „Wien“ ist es Zeit, zu neuen Ufern aufzubrechen. Vor allem ein – wie im vorliegenden Band – angedeuteter längerer Verzicht auf die besonderen Fähigkeiten der Zamis – die zu oft in letzter Sekunde als eine Art MacGuffin entscheidend wieder zum Vorschein gekommen sind – könnte die Spannung wieder erhöhen und die einzelnen Figuren verwundbarer machen. Das Uwe Voehl noch nicht alles über die Zamis erzählt hat, wird deutlich, wenn Coco Zamis sich ein Foto ihres im Kampf gestorbenen älteren Bruders Demian anschaut.
„Friedhof der Verdammten“ ist im Vergleich zum Jubiläumsband 25 deutlich schwächer. Stilistisch solide bis stellenweise ausgesprochen gut erzählt, verläuft die Handlung zu wenig stringent, zu wenig auf ein großes Ziel ausgerichtet, um den Leser wirklich zu befriedigen. Einzelne schon angesprochene Höhepunkte sowie die interessante Zeichnung von bislang eher als Nebenfiguren verwandten Protagonisten halten allerdings das Interesse des Lesers aufrecht. Es bleibt abzuwarten, wann Uwe Voehl und seine jeweiligen beiden Autoren durchstarten und dem Minizyklus die Geschwindigkeit angedeihen lassen, welche die bislang präsentierte, nicht uninteressant und ausbaufähige Prämisse verdient hat. Sandobals Titelbild ist einer der schönsten der bisherigen „Coco Zamis“ Serie.

Uwe Voehl, Catalina Corvo, Michael Marcus Thuner: "Coco Zamis 26 Friedhof der Verdammten "
Roman, Hardcover, 252 Seiten
Zaubermond Verlag 2001

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