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Mystery (diverse)



Volker Krämer

Professor Zamorra 35:
Bibleblack

rezensiert von Thomas Harbach

Schon mehrfach haben die Zaubermond „Professor Zamorra“ wie auch „Maddrax“ Hardcover Nebenfiguren aus den laufenden Heftromanserien aufgegriffen und ausführlich ihre Vergangenheit erzählt. Volker Krämer setzt sich im 35. Hardcover mit „Starless Biblebelt“ auseinander; einer Figur, der Zamorra in einem der selteneren, aber nicht uneffektiven Ausflüge in den Bereich der Science Fiction begegnet ist. Im Vergleich zu anderen Hintergrundromanen verbindet Volker Krämer leider ein wenig unergiebig eine Rahmenhandlung mit der faszinierenden, wenn auch am Ende etwas unoriginell und überhastet aufgelösten Lebens- und Leidensgeschichte des Söldners, des Killers und letzt endlich auch des Vampirs. Im Gegensatz zum euphorischen Klappentext berichtet Volker Krämer im Rahmen von einem Auftrag für den ERHABENEN der DYNASTIE DER EWIGEN, der Starless wieder zurück zur Erde führt. Im Nachhinein ist dieser Auftrag eher unwichtig und wird – im Verhältnis zu den Rückblenden – des Romans im Grunde im Vorübergehen erledigt. Anscheinend dient der Rahmen nur dazu, Professor Zamorra zumindest für den zweiten Lebensabschnitt des noch menschlichen Starless zu einem Ohrenzeugen zu machen. Ein Verzicht auf die Rahmenhandlung hätte es Volker Krämer ermöglicht, bei dem vorgegebenen Handlungsumfang die Zeitsprünge, in denen Starless seinen Erzfeind und den mittelbaren Mörder seiner Familie sucht, etwas glatter und eleganter zu gestalten. Weiterhin ist die Behauptung des Klappentextes falsch, das „man“ – impliziert die ganze Bevölkerung des mittelalterlichen Europas – sein Kommen mehr als jede Seuche fürchtete und der Name Bibleblack lautete. Nur ein ganz ganz kleiner Teil der Bevölkerung hat überhaupt von der Existenz Bibleblacks durch das Schicksal von Glaubensbrüdern Kenntnis genommen. Bibleblack wird vom Klappentext zu einer Art übermächtigen Weltbedroher stilisiert, der er über die ganzen Plot hinweg weder ist noch sein will. Bittere Ironie ist, das ihm im letzten Moment in einer der schwächsten Szenen des ganzen Romans die Möglichkeit genommen wird, unmittelbar Rache zu nehmen. Die Idee des mächtigen „Außerirdischen“, auf der Erde gefangen und in Bezug auf sein breites Wissen sowie seine Einsatzbereitschaft, anderen Menschen zu helfen, auffällig, wirkt insbesondere hinsichtlich des bisherigen, im Grund streng historisch ausgerichteten Handlungsverlauf mit einem Schuss Vampirblut, kontraproduktiv und aufgesetzt, als wenn Volker Krämer sich nicht entschließen konnte, den im Grunde dunklen und deswegen auch faszinierenden Charakter abzurunden und statt dessen gestattet er dessen „unsterblicher“ Seele ein kleines Fluchtfenster.

Die eigentliche „Geschichte“ schildert das Aufwachsen des Jungen Cedrics in einem entlegenen Winkel Cornwalls. Sein Vater baut dicht an der Felskünste im Auftrag der Kirche eine riesige Kathedrale, leidet aber unter dem arroganten Einfluss des örtlichen Pfarrers, der auf eine pünktliche Fertigstellung des aus Sicht Cedrics Vater zu eng an der Steilküste gebauten gigantischen Bauwerks, um die Inthronisierung des neuen Bischofs gebührend feiern zu können. Eines Abends retten Cedric und sein Vater eine junge, rothaarige schöne Frau vor ihren Häschern, die sie als Hexe verbrennen wollen. Sie nehmen das junge Mädchen zu sich auf. Kurze Zeit später können Cedric und seine neue Stiefschwester den Überfall von Piraten zumindest für eine kurze Zeit empfindlich stören. Die Familie bis auf seinen Vater flieht in einer von Pestkranken bewohnte Höhle, was ihnen zumindest einen kurzen Augenblick der Ruhe gönnt. Insbesondere die tragische Begegnung mit dem Todkranken und die Menschlichkeit, welche Cedric und seine Familie ihnen trotz ihrer Furcht entgegenbringt und für die sie auf ungewöhnlich, wenn auch später tragische Weise sowohl belohnt als auch bestraft werden, gehört zu den besten Passagen des Buches. Mit wenigen Strichen gelingt es Volker Krämer die kleinen Tragödien - sowohl die Hexenverfolgungen als auch die Pest, wie später die Armut des Volkes - intensiv, emotional und überzeugend zu beschreiben. Zwar versucht der Autor das Besondere an Cedrics Familie - die Mutter ahnt intensiv, das Reinlichkeit vor den zahlreichen Krankheiten schützt, der Vater rettet das junge Mädchen vor den Häschern - ein wenig zu relativieren, aber im Rahmen des stringenten Kontexts wäre insbesondere der kleine Hygieneführer unnötig gewesen. Bis zur Mitte des Plots ist „Bibleblack“ ein ausgesprochen unterhaltsam, zwar dunkles und teilweise tragisches, aber ausgesprochen spannendes Buch. Kaum hat sich für Cedric die Tür seiner Familie zugeschlagen und im Grunde mit dem unfreiwilligen Wechsels ins Vampirstadium auch sein Leben grundsätzlich geändert, verflacht der Handlungsbogen. Volker Krämer ignoriert ganz bewusst - Starless Bibleblack weißt wie aus dem Off ironisch kommentiert auf diese Tatsache hin die Grenzen des Genres und lässt seinen Vampir ohne Probleme in Kirchen gehen bzw. insbesondere Angehörige der Kirchenstände zu unfreiwilligen Blutspendern zu machen. Diese unorthodoxe Vorgehensweise ist anfänglich irritierend, zumal insbesondere weder sein Erzfeind noch die anderen Kirchenmitglieder daran Anstoß nehmen. Cedric sondert sich von den „Kindern der Nacht“ ab, diese scheinen aber zumindest im mittelalterlichen Frankreich gänzlich unbekannt. In der zweiten Hälfte des Buches entwickelt sich eine arg geradlinige und wenig interessante Rachegeschichte, in welcher Starless einen Priester nach dem anderen tötet und durch Frankreich ziehend immer wieder nach seinem Erzfeind fragt. Es baut sich so gut wie keine Spannung auf und die Handlung verläuft ausgesprochen stereotyp. Bis auf wenige Hintergrundbeschreibungen - der Kontrast zwischen dem Elend der Bevölkerung und der Völlerei/ Prahlerei in den Kirchen wird von Volker Krämer mehrmals gut beschrieben und ragt aus dem Plot deutlich heraus - passiert auf der einen Seite relativ viel, auf der anderen Seite fehlt Krämer die Motivation, sie packend oder auch nur irgendwie spannend zu beschreiben. Kurz vor Vollendung seiner Rache wird Starless für seine Leichtgläubigkeit und Unvorsicht überraschend „bestraft“, aber auch hier schlägt Volker Krämer wie eingangs angesprochen eher unglücklich den Bogen zur DYNASTIE DER EWIGEN. Der Versuch, Starless Rache zu vollenden, ohne das die Figur gänzlich negativ belegt wird, wirkt wie ein unvollständiger Kompromiss, zumal Volker Krämer auf einen Charakter aus der ersten Hälfte des Buches zurückgreift, der in dieser Form wie ein deutlich humanistischer handelnder ATLAN für das Zamorra Universum wirkt und plötzlich sich auf der „Gefangenschaft“ und dem Zwang, unheilvolle Waffen aus seinem Not gelandeten Raumschiff zu reparieren, dank Bibleback wieder befreien kann. Das Ende des Buches wirkt leider arg konstruiert und leidet unter Volker Krämers zwanghaften Bemühen, den Roman nicht überlang zu schreiben.
Neben den historischen Beschreibungen sind es allerdings die meisten Charaktere, welche dem Leser lange wie positiv im Gedächtnis bleiben. Insbesondere Cedric und seine einzige Geliebte Ceridwen sind dreidimensional und sympathisch gezeichnet. Das tragische Ende ihrer Liebe gehört sicherlich zu den besten Szenen, die Volker Krämer im Rahmen der Professor Zamorra Hardcover je geschrieben hat. Als Vampir verfügt Cedrid noch über eine zweite Persönlichkeit - die Erklärung der künstlichen Zeugung und damit auch dem Überwechseln des einen Zwillings auf den anderen gehört ebenfalls in die Kategorie unnötig wie die sorgfältige Charakterzeichnung negierend -, die weniger charismatisch und teilweise eher störend wirkt. Hier macht es sich der Autor deutlich zu leicht, im letzten Augenblick kann Cedric im Grunde die Kontrolle „abschieben“ und erreicht somit Ziele, die bis dato nicht möglich gewesen sind. Neben den beiden jungen Liebenden gehört insbesondere Cedrics Vater als Mann mit Visionen, als Kirchenbauer mit einem Herz für seine Mitarbeiter und als selbst in den dunklen Zeiten des Mittelalters ausgesprochen modern denkender Mensch zu den überzeugenden Figuren, die alle in der ersten, deutlich stärkeren Hälfte des Buches ihre Auftritte haben. Der einzige Antagonist bleibt bis auf wenige verbale Duelle mit Cedrics Vater eher im Hintergrund und die finale Konfrontation wirkt deswegen von Volker Krämer solide, wenn auch nicht wirklich überraschend oder irgendwie innovativ vorbereitet, sie reicht aber bei weitem nicht aus, um einen überzeugenden Antagonisten zu etablieren und fliegt im Verhältnis zur ganzen zweiten Hälfte des Buches förmlich hinüber.
Trotz einiger schwächerer Passagen, die durch die überzeugenden Charaktere und einige wirklich ergreifende und emotionale Momente zumindest teilweise ausgeglichen werden, gehört „Bibleblack“ zu den besten Arbeiten, die Volker Krämer im Rahmen der „Professor Zamorra“ Zaubermondreihe abgeliefert hat. Der Hintergrund des charismatischen Vampirs und Söldners wird zufrieden stellend dunkel ohne Belehrungen oder Mahnungen aufbereitet und Sandobals inspiriertes Titelbild rundet einen der besten Roman der „Professor Zamorra“ Reihe sehr zufrieden stellend ab.


Volker Krämer: "Professor Zamorra 35: Bibleblack"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond 2010

Weitere Bücher von Volker Krämer:
 - Brutwelt: Terra
 - Professor Zamorra 28: Weg ins Gestern
 - Professor Zamorra 30:Die alte Welt
 - Professor Zamorra 31 - Mondfeuer

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