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Krimi (diverse)



Ron Goulart

Groucho Marx, Meisterdetektiv

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Groucho Marx, Meisterdetektiv” legt die Edition Phantasia den ersten von insgesamt sechs Romanen Ron Goularts um den berühmtesten der Marx- Brüder vor. Zwischen 1998 – „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ – bis 2005 – „Groucho Marx, King of the Jungle“ parodierte Goulart unterschiedliche Genres vom klassischen Ermittlerroman über Sherlock Holmes, das Geheimagentengenre bis zu einer Tarzan Hommage. Der 1933 geborene Ron Goulart ist in erster Linie für seine humorvollen überdrehten Science Fiction Romane unter anderem um „Galaxy Jane“ bekannt. Goulart gilt aber auch als Experte sowohl für die Pulpära – das Sachbuch „Cheap Thrills“ ist absolut empfehlenswert – als auch die frühen Comicstrips der dreißiger Jahre. Bevor er mit den „Groucho Marx“ Büchern wieder eine originale Reihe veröffentlicht hat, schrieb er als Ghostwriter an William Shatners „Tekwar“ Romanen mit, führte sowohl „Das Phantom“, „Flash Gordon“ als auch Kenneth Robensons „The Avenger“ unter diversen Pseudonymen fort.

In „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ überträgt Ron Goulart die exzentrische Persönlichkeit Groucho Marx nicht in eine simple Kriminalgeschichte. Von der Konzeption her greift Ron Goulart auf die Nero Wolfe Romane Rex Stouts zurück mit einem willigen Handlanger – dem Ich- Erzähler Frank Denby – als ausführendes Organ und Groucho Marx als Antreiber sowohl hinter den Kulissen als auch in wenigen entscheidenden Szenen aktiv eingreifend. Auch der Ich- Erzähler Frank Denby charakterisiert seine eigene Beziehung zu Groucho Marx als Archie Godwin gegenüber Nero Wolfe in einem der folgenden Bücher. Schon 1978 nahm sich Stuart M. Kaminsky der in den fünfziger Jahren ausgestrahlten Goucho Marx Liveshow „You bet your life“ an und integrierte sie in eine Kriminalkomödie mit gleichem Titel. Neben Groucho Marx traten Harpo als auch Chico auf. Im Off spielen interessanterweise auch Harpo und Chico in einer rückblickend nicht relevanten Szene bei „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ mit.

Die eigentliche etwas schwache und für den aufmerksamen Leser schnell vorhersehbare Kriminalgeschichte spielt in Los Angeles der späten dreißiger Jahre. Ganz bewusst allerdings ohne den lakonisch zynischen Stil eines Raymond Chandlers oder mit Abstrichen James M. Cains imitierend siedelt Goulart seine Geschichte auch historisch in einem Niemandsland an. In der Realität arbeitete Groucho Marx auch an einer Radioserie mit. Allerdings zwischen seiner Bühnenarbeit in New York und den später weltberühmten Filmen. In Goularts Buch hat Groucho Marx mit seinen Brüdern schon eine Reihe von sehr erfolgreichen Filmen inszeniert, sich aber anscheinend mit ihrem Studio Warner Brothers zerstritten und ist deswegen auf Radioarbeit „angewiesen“. Die Popularität eröffnet dem Autoren die Möglichkeit, eine ganze Reihe von Groucho Marx spritzigen Filmdialogen in den Roman zu integrieren. Für Marx Fans ist es ein einziges Vergnügen, die zahllosen Zitate aus ihren Filmen und Bühnenshows teilweise Zweckentfremdet, aber nur selten umgeschrieben wieder zu finden.

Frank Denby, ein mittelprächtig erfolgreicher Radiodrehbuchautor, befindet sich auf dem Weg zu Groucho Marx, als er durch einen von ihm nicht verschuldeten Unfall die attraktive Jane Danner kennen lernt und gleichzeitig erfährt, das eine junge Schauspielerin auf seiner Fahrtroute Selbstmord begangen hat. Wie es der Zufall will, hat Groucho Marx die junge Damen gekannt. Er glaubt nicht, das sie Selbstmord begangen hat, da sie Gerüchteweise nur wenige Tage später einen dreijährigen Filmkontrakt mit einem der wichtigsten Studios unterschreiben sollte. Außerdem ist die Leiche schnell verbrannt worden und die Polizei ignoriert alle widersprüchlichen Spuren. Groucho Marx überredet den erst widerwilligen Frank Denby, mit ihm den Fall eigenständig zu untersuchen. Anscheinend geht es um Beziehungen, Fotos und schließlich ein Hollywoodgeheimnis, das die Hintermänner zwingt, auch Groucho Mary und Frank Denbys Leben zu bedrohen.

Wie schon angedeutet ist der Kriminalplot im Grunde eine Art MacGuffin, um Groucho Marx in Bestform zu präsentieren. Der aufmerksame Leser ahnt, aus welchem Grund die junge Schauspielerin umgebracht worden ist. Die Studios bereiten sich auf die opulente Premiere eines in typischer Hollywood Manier „Meisterwerk“ genannten Streifens „Der Piratenprinz“ vor. Der Druck auf das Studio angesichts der ungeheuren Produktionskosten muss gewaltig gewesen sein. Selbst der Star ist nach den anstrengenden Dreharbeiten für die letzten zwei Wochen in eine geschlossene Anstalt zur Regenerierung eingewiesen worden. Spätestens ab diesem Augenblick fallen die letzten Versatzstück zusammen und Goulart treibt den Plot zielstrebig auf eine klassische „Alle Verdächtigen in einem Raum“ – in diesem Fall einem riesigen Kino – Auflösung zu. Ohne Groucho Marx nähme die Kriminalhandlung weniger als vierzig Prozent des ganzen Buches ein.

Aber wie der Titel schon suggeriert, handelt es sich um ein Buch, in dem Groucho Marx als „Meisterdetektiv“ – die Anführungsstriche sind wohl gesetzt – agiert. Goulart hat gleich zu Beginn des Plots ein persönliches, aber stellenweise sehr ambivalent gehaltenes Motiv herausgearbeitet, das verhindert, dass das Buch in eine reine Komödie abdriftet. Auf visuelle Gags oder wilde Verfolgungsjagden hat Ron Goulart zu Gunsten sehr schlagkräftiger Dialoge verzichtet. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um elementare Bestandteile der Ermittlung oder kleine, den eigentlichen Roman auffüllende Nebenhandlungen handelt, die insbesondere im etwas phlegmatischen Mittelteil den roten Faden des Plots zu zerfasern drohen. Neben Groucho Marx sind der Ich- Erzähler Frank Denby und seine zukünftige Verlobte Jane eher eindimensionale Figuren, immer am Rand des Klischees charakterisiert. Die Chemie zwischen Frank Denby und Jane wirkt eher konstruiert als natürlich. Die Grundlagen der wenigen Hinweise Janes, die sich im Verlaufe des Buches als wichtige rote Fänden entpuppen, erscheinen eher konstruiert. Denby und Jane dienen als notwendige Staffage. Wie eine Reihe anderer Nebenfiguren nutzt Ron Goulart sie, um die überzeugend entwickelte Stimmung Hollywoods der dreißiger Jahre am Vorabend des Zweiten Weltkriegs sowohl auf der Glamour- wie auch der schmierig schleimigen Schattenseite mit Leben zu erfüllen. Wie in Max Allan Collins Nathan Heller Serie unterstützt der gut beschriebene Hintergrund die solide dreidimensionale Atmosphäre des Buches und bildet zusammen mit der wichtigsten Person Groucho Marx eine überzeugende Gesamtkonstruktion. Allerdings hat der Leser rückblickend das unbestimmte Gefühl, als dienen alle Nebenfiguren nur als Versatzstücke, um Groucho Marx Ermittlungen zumindest ein Fundament zu geben und ihn nicht ausschließlich im Rampenlicht stehen zu lassen. Dagegen ist der die Handlung direkt wie indirekt dominierende Groucho Marx hervorragend getroffen. Expressiv, schlagkräftig, dominant ist es ein reines Vergnügen, seinen verbalen Exzessen auch in der gelungenen deutschen Übersetzung Joachim Körbers zu folgen. Jeder Leser dieser Serie hat das Bild Groucho Marx mit seinem aufgemalten Schnurrbart vor Augen. Ohne großartige Beschreibungen definiert Goulart seinen Protagonisten alleine über die verbalen Attacken, wobei der Autor aus zahlreichen Filmen der Marx Brothers Wort für Wort zitiert. Die Meisterschaft des Romans liegt in der Tatsache begründet, diese isolierten verbalen Schlagabtausche nahtlos in die laufende Handlung eines Kriminalromans zu integrieren.
Das Ende des Buches ist ganz bewusst theatralisch angelegt, wirkt aber zu konstruiert und versucht die nihilistische Atmosphäre eines Hardboiled Krimis zu aufgesetzt in die nicht selten komödiantisch angelegte Humoreske einer exzentrischen Marx Brothers Komödie zu übertragen.
Zusammengefasst ist „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ ein trotz der angesprochenen leichten Schwächen ein überzeugendes, unterhaltsames, von der Person Groucho Marx dominiertes Buch, das viel Vorfreude auf die brillante Sherlock Holmes Hommage im zweiten Band im Leser weckt.

Ron Goulart: "Groucho Marx, Meisterdetektiv"
Roman, Softcover, 262 Seiten
Edition Phantasia 2010

ISBN 9-7839-3789-7400

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Elementary, my Dear Groucho
 - Groucho Marx und die Broadway Murders
 - Groucho Marx, King of the Jungle
 - Groucho Marx, Private Eye
 - Groucho Marx, Secret Agent

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