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Krimi (diverse)



Christian von Ditfurth

Labyrinth des Zorns

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Labyrinth des Zorns“ liegt der inzwischen fünfte Krimi um den Historiker Stachelmann aus der Feder Christian von Ditfurths vor. Zum ersten Mal nicht mehr in Erstauflage als Hardcover, sondern gleich als Taschenbuch veröffentlicht. Christian von Ditfurth beginnt der Roman mit einem Paukenschlag. Der Bundsgerichtshof in Karlsruhe wird von augenscheinlich islamischen Terroristen in die Luft gesprengt. Eher plakativ als pragmatisch verfallen die Bundesrepublik und ihre öffentlichen Organe in eine Terrorhysterie. Der Klappentext suggeriert, dass die ganze Bundesrepublik nach islamischen Terroristen fahndet. Leider findet sich hinsichtlich dieser Theorie sehr wenig Beweisbares im vorliegenden Band. Der Plot teilt sich in die Zeit elf Wochen und zwei Tage vor dem Anschlag und mehrere Wochen nach dem Anschlag auf. Stachelmann hat sich inzwischen von der Universität verabschiedet, lebt zu Beginn des Buches mit Anne in Hamburg zusammen und hat ein Büro für historische Recherche eröffnet. Der erste als Selbstständiger ausgeführte Auftrag führt den Historiker in seine Heimatstadt Lübeck, wo er die nazifreundliche Vergangenheit einer Firma in Form einer Chronik recherchieren und veröffentlichen soll. Leider gefällt dem Geschäftsführer nicht alles, was aus dem feuchten Archivkeller ans Licht der Sonne kommt. Schnell hat Stachelmann Schwierigkeiten und wird von dem Auftrag entbunden. Kurze Zeit später schneit eine amerikanische attraktive Blondine – der Leser kennt sie schon aus dem Prolog – in Stachelmanns Büro und bittet ihn, nach ihrem 1959 verschwundenen Vater zu suchen. Die Recherche – Stachelmann wird von einem homosexuellen frei liebenden Studenten namens Georgie unterstützt – führt Stachelmann nicht nur in ein dunkles Kapitel deutsch- deutscher Vergangenheit, sondern in die Zeit unmittelbar nach der abgebrochenen Entnazifizierung, in welcher die ehemals braunen Staatsanwälte und Richter Jagd auf die zarten Pflänzchen der KpD- Genossen in der Bundesrepublik machten.

Noch stärker als die vorangegangenen Stachelmann- Krimis zerfällt der vorliegende Roman in den eigentlichen Plot und die wieder umfangreiche Recherche, die Christian von Ditfuth in der gesamtdeutschen Geschichte betreibt. Im Mittelpunkt stehen die ehemaligen Justizangestellten des Dritten Reiches, die als Männer der ersten Stunde in der Bundesrepublik ihre glänzenden Karrieren ebenso ungestört fortsetzen konnten, wie viele Industrielle, deren Fabriken nicht dem Erdboden gleich gemacht worden sind. Die Leser manipulierend zeichnet von Ditfurth ein unsympathisches, opportunistisches Bild dieser Ex- Nazis, die ihre Ideologien nur mit dem dünnen Mantel der Demokratie umgeben kann. Keine Eingeständnisse der Schuld zeichnet die aussterbende Art dieser Vertreter des Gesetzes aus. In einer der wenigen spannenden, aber leider extrem konstruierten Passagen des Buches führt Christian von Ditfuth seine beiden Protagonisten stellvertretend für den Leser an der Nase herum und lässt sie am Ende einen alten, verbohrten Mann finden, der wie viele andere Charaktere aus den frühen Stachelmann- Krimis den gewaltsamen Tod durchaus verdient hätte. Die Erklärung für die falsche Spur ist eher dürftig und wirkt nicht unbedingt nachvollziehbar. Immerhin versucht von Ditfurth seine Leser davon zu überzeugen, dass der Antagonist auf dem Pfad seiner Rache einen Schritt zurück macht anstatt kontinuierlich voranzuschreiten. Weiterhin ist der übergeordnete Plot ein wenig zu einfach konstruiert. Im Gegensatz zu Stachelmann und Kollegen weiß der Leser, dass die Ermittlungen des Historikers in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Bundesgerichtshof stehen. Spannungstechnisch wäre es sinnvoller gewesen, das Attentat an das Ende des Buches zu stellen und die zweite Tat als erste zu inszenieren. Sicherlich ist Christian von Ditfurth eher ein Historiker als ein klassischer Krimiautor, aber er nimmt seinem zu ausführlichen und im Mittelteil leider teilweise sehr phlegmatischen Roman zu viel an klassischer Spannung und Dynamik. Unabhängig von dieser Schwäche im Aufbau wirkt der Anschlag auf den Bundesgerichtshof wie ein MacGuffin, der nach Belieben benutzt oder in die Ecke gestellt wird. Stachelmann leidet nicht unter verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Er kann sich weiterhin wie alle Bürger frei bewegen. Die Polizei sucht nur nach Islamisten. Für Kritik an den immer überforderten Polizeikräften und Mitgliedern der Inneren Sicherheit ist der Hintergrund zu schwach entwickelt und Paranoia wird immer nur in den Mund genommen, aber zumindest im vorliegenden Buch weder erlebt noch durchlebt. Die Suche nach dem verschwundenen Vater besteht teilweise aus einer Reihe von sehr argen Zufällen. In der Mitte des Buches ist der erste Abschnitt beendet. Einen zweiten Handlungsfaden nimmt Christian von Ditfurth im Anschluss auf und versucht zum wiederholten Male in den Stachelmann Krimis dem Leser eine Rachegeschichte schmackhaft zu machen. Der Historiker wird durch ein offensichtliches Missverständnis wieder in die Ereignisse einbezogen. Letzt endlich wirkt der Krimiplot eher bemüht und stellenweise befindet sich der Autor eher verzweifelt auf der Suche nach neuen seinen Plot belebenden Elementen. Der Versuch, die Spionage und Demotagetätigkeit der Mitglieder der Stasi bzw. des Geheimdienstes zu beleuchten, wirkt halbherzig, da es Christian von Ditfurth hier ebenfalls nicht gelingt, einen wirklich überzeugenden dreidimensionalen Antagonisten aufzubauen. Der Schluss, dass das Schicksal des Vaters erst die Kurzschlussreaktion auslöst, wirkt nicht plausibel genug begründet. Immerhin hat die Flucht des Vaters in die DDR aufgrund der westlichen Kommunistenhetze - von Ex- Nazis initiiert - erst die Geburt des Antagonisten bedeutet. Egal wie es Christian von Ditfurth beleuchtet, es wirkt zu pragmatisch und zu wenig inspiriert. Selbst die Hetze gegen die ersten Kommunisten in der Bundesrepublik zu den Beginn der fünfziger Jahre, ein zweites Mal von den überwiegend noch braun gefärbten Staatsorganen niedergeschlagen, macht aus historischer Sicht den Leser nachdenklich, wird aber zu wenig intensiv und packen geschrieben. Immer wenn der Autor oft vergessene deutsch- deutsche Geschichte herausholt und dank seines Alter Egos Stachelmann analysiert, beginnen von Ditfurths Romane zu leben und sowohl der Erzählstil als auch die Dialoge sind deutlich pointierter und nachhaltiger geschrieben als den übrigen, sich natürlich in der Überzahl befindlichen Passagen.

Stachelmann hat inzwischen die Uni verlassen und versucht sich als Freiberuflicher. Mit einer gehörigen Portion Ironie beschreibt der Autor genüsslich die Defizite seines Charakters in der freien Marktwirtschaft. Es wirkt fast rührend, wenn Stachelmann mit seinem „Watson“ Punk Georgie nach der versprochenen Prämie von zehntausend Euro hinterher jagen und dadurch die zerstörerische Kraft einer sich schon in Bewegung befindlichen Lawine noch verstärken. Zu den besten Passagen der Serie gehört sicherlich die Beschreibung Stachelmanns in seinem muffigen Kellerbüro vor noch nicht zusammengebauten Regalen. Die Hommage an die typischen Schnüffler des Film Noirs - allesamt Verlierer, auch wenn sie besser als Stachelmann aussehen - ist perfekt. Als Charakter steht der Historiker am Ende des Plots im Mittelpunkt einer solide geschriebenen Slapstick Szene. Als eckiger Protagonist steht sich Stachelmann allerdings auch trotz seiner zahlreichen unglaubwürdig beschriebenen Affären mit stets willigen Frauen zu sehr selbst im Wege und die Selbstmitleidstouren schrecken den Leser inzwischen mehr ab als das sie ihn noch ansprechen. Im Vergleich zu den letzten beiden Romanen entwickelt sich Stachelmann beziehungstechnisch so gar deutlich zurück. Stellenweise hinterlässt „Labyrinth des Zorns“ den Eindruck, als bräuchte in erster Linie Christian von Ditfurth diese zu ausgewalzten und nicht mehr sonderlich interessanten Passagen, um seine Romane auf die inzwischen obligatorischen vierhundert Druckseiten zu bringen. Den inneren Monologen und Selbstanalysen der bisherigen Stachelmannromane werden zu wenige neue Komponenten hinzugefügt. Vor allem, weil dieser Fall sehr schnell sich auf eine persönliche Ebene ausweitet und ausgerechnet das Kind seiner Ex- Freundin bedroht wird. Dabei kann Stachelmann selbst mit Kindern nichts anfangen. Diesen Zwiespalt beschreibt Christian von Ditfurth eher distanziert und auf einer emotionalen Ebene unausgegoren aus.

Im Vergleich allerdings zu den vorherigen Stachelmann Büchern reduziert der Autor die teilweise doch arg überspitzte Beschreibung von Gewalttaten zu Gunsten eher Suspense. Die Puppe unter dem Auge - sicherlich eine vom Autor recherchierte Abschreckungsmethode - gehört zu den packenden Passagen des Romans. Zusammengefasst handelt es sich bei „Labyrinth des Zorns“ um einen soliden, aber nicht herausragenden Beitrag zur Stachelmannreihe, dessen Plot hintergrundtechnisch überzeugender ist im schwachen Beitrag zur Serie „Lüge eines Lebens“ ist. Rückblickend überwiegen allerdings die schwächeren Passagen. Stilistisch schwankt von Ditfurth zwischen erfolgreich ambitioniert und dialogtechnisch eher schwach und gestelzt. Es wäre schön, wenn der Autor für seinen nächsten Roman nach dem Aufräumen im privaten Umfeld die Figur Stachelmanns weiterentwickelt und im Guten oder Schlechten einfach den nächsten Schritt machen lässt.




Christian von Ditfurth: "Labyrinth des Zorns"
Roman, Softcover, 400 Seiten
Kiepenheuer & Witch 2009

ISBN 9-7834-6204-0869

Weitere Bücher von Christian von Ditfurth:
 - Das Dornröschen- Projekt
 - Das Luxemburg-Komplott
 - Das Moskau Spiel
 - Die Akademie
 - Lüge eines Lebens
 - Schatten des Wahns

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