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Krimi (diverse)



H. Beam Piper

Murder on the Gunroom

rezensiert von Thomas Harbach

Der in erster Linie für seine Science Fiction Geschichten - unter anderem dem Paratime- Zyklus sowie die Texte um die kleinen Fuzzies – bekannt gewordene H. Beam Piper hat 1954 seinen einzigen Mystery- Roman „Murder in the Gunroom“ veröffentlicht, in dem er neben seiner Waffenfaszination sich mit dem Phänomen des Mordes in einem abgeschlossenen Raum auseinandergesetzt hat. Schon 1841 Edgar Allan Poe und seinem „Mord in der Rue Morgue“ bzw. 1907 der Franzose Gaston Leroux in „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ haben sich mit einem Mord in einem geschlossenen Raum auseinandergesetzt.

Ob H. Beam Piper die Romane um den Privatdetektiv Colonel Jefferson Davis Rand zu einer laufenden Serie ausbauen wollte, ist nicht bekannt. Die Exposition legt aber eine derartige Vermutung nahe. Der nicht unattraktive Davis Rand hat Jura studiert, ist danach zum FBI gewechselt und hat einige Jahre als Agent an der Heimatfront gearbeitet, gründete schließlich eine eigene Agentur und ist dann als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen worden. Die Handlung des Romans spielt nur wenige Jahre nach Ende des Krieges, da nicht nur impliziert wird, da seine beiden Angestellten – sie haben ein Verhältnis – die Agentur eher mühsam während der Kriegsjahre über Wasser gehalten haben und der im Mittelpunkt von „Murder in the Gunroom“ stehende Auftrag das erste wirklich lukrative Geschäft seit einiger Zeit ist, das Davis Rand mit seinem Pokerface an Land ziehen konnte. In einer typischen Hommage an den Film Noir lehnt Davis erst den Auftrag ab, den ihm die attraktive Witwe Gladys Fleming anbietet. Er soll als Waffenkenner die umfangreiche Sammlung ihres kürzlich unter eher mysteriösen Umständen verstorbenen Mannes schätzen und möglichst gewinnbringend verkaufen. Die Sammlung besteht aus mehr als 2500 Exemplaren. Ihr Mann ist in dem abgeschlossenen Waffenzimmer anscheinend beim Reinigen seiner Waffe von einer noch im Lauf befindlichen Kugel getötet worden. Quellen, die von einem möglichen Selbstmord sprechen, werden von Davis Rand aufgrund seiner persönlichen Erfahrung mit Mister Fleming als spekulativ abgelehnt. Rand fordert 5000,-- Dollar für seine Dienste. Dabei handelt es sich um eine Summe, die über das Schätzen einer Waffensammlung deutlich hinausgeht und eher impliziert, dass Davis Rand den mysteriösen Tod ihres Mannes mit untersuchen soll. Als die Witwe auf die Forderung eingeht, wird Davis Rand quasi mit zwei Fällen zugleich konfrontiert.

H. Beam Piper fordert seine Leser mit seiner Waffenliebhaber förmlich heraus. Die ersten Seiten bestehen aus ausführlichsten Beschreibungen insbesondere Handfeuerwaffen und ihren Funktionen. Nicht jede Information ist zur Auflösung des Plots wirklich notwendig, aber Piper benutzt sie als Sprungbrett, um seinen Detektivcharakter mit einem Fall einzuführen, der ihm förmlich interessentechnisch auf den Leib geschrieben ist. Ohne sein umfangreiches Waffenwissen wäre Rand bei den Ermittlungen schon an der ersten Hürde – einem schmierigen und zwielichtigen Waffenhändler, der folgerichtig von einem Bajonett erstochen wird, das zu einer im Zweiten Weltkrieg verwandten deutschen Waffe gehört hat – gescheitert. Das Flemings Tod kein Unfall oder gar Selbstmord gewesen ist, arbeitet den Autor zusammen mit seinem plottechnisch immer auf Augenhöhe des Lesers ermittelnden Detektivs sehr schnell heraus. So wie der „Unfall“ angelegt worden ist – Fleming reinigt eine alte, verrostete Waffe und wird später mit einem sauberen Revolver anderer Bauart in der Hand in seiner Waffenkammer aufgefunden – gibt es im Grunde keine andere Möglichkeit, das er ermordet worden ist. Das Verbrechen ist sehr intelligent geplant gewesen, aber für den Leser wie auch den ermittelnden Detektiv klar zu erkennen. Das trotzdem auf die Hinzuziehung der Polizei verzichtet worden ist und selbst der Arzt den Tod als Unfall deklarierte, ist eine der Schwächen des Buches. Von dieser unwahrscheinlichen Prämisse ausgehend führt H. Beam Piper eine ganze Reihe von natürlich verdächtigen Verwandten, „Freunden“ bzw. Geschäftspartner ein. Aus heutiger Sicht mit einem Abstand von mehr als fünfzig Jahren zur erste Publikation erinnert das erste Drittel des allerdings kurzweilig zu lesenden Buches an das Spiel „Cluedo“, das keine fünf Jahre vor der Veröffentlichung des Romans vom Engländer Anthony Pratt erfunden worden ist. Die Verdächtigen werden nach einander vorgestellt. Neben den beiden Töchtern und einem ihrer Ehemänner gehört die Witwe – obwohl sie als einzige Fleming anscheinend geliebt hat – ebenso zu den Verdächtigen wie der obligatorische Butler sowie ein Waffenhändler, der mehrmals seine Kunden mit geschickt angefertigten Fälschungen betrogen hat. Piper stellt die einzelnen Figuren teilweise in sehr plakativen Szenen dank Davis Rands eher oberflächlichen Befragungen vor, ehe der Plot sich weiterbewegt. Im Gegensatz allerdings zum Spiel „Cluedo“ ist der Handlungsbogen nicht ausschließlich auf Flemings opulenten Familiensitz konzentriert. sondern als Hommage an die klassischen Privatdetektive Poes und/ oder natürlich Doyles Sherlock Holmes stolpert Davis Rand nicht nur über eine Diebstahlsserie, sondern sein erster Verdächtiger wird – wie schon erwähnt – brutal ermordet, bevor er weitere Hinweise geben kann.

In den Kreis der Verdächtigen baut H. Beam Piper als Hommage an das eigene Schaffen einen jungen Mann namens Pierre ein, der ebenfalls ein Waffenliebhaber, aber aufgrund fehlenden monetärer Mittel kein Waffensammler ist. Pierre schreibt in erster Linie Science Fiction Geschichten für die Pulpmagazine, seine besten Texte verkauft er an „Astounding“. Ein Schelm, wer nicht das Alter Ego des Autoren erkennt. Die anderen Tatverdächtigen wirken teilweise zu klischeehaft charakterisiert. Von den arroganten und selbst verliebten, nur aufs Geld schauenden Töchtern über die Alkoholabhängigen Schwiegersöhne des Ermordeten, dem kleptomanischen Butler sowie den teilweise recht sperrig gezeichneten anderen Sammlern reicht das Spektrum, das um einen eher widerwillig ermittelnden Staatsanwalt in der zweiten Hälfte des Romans erweitert wird. Im Vergleich zu Pipers ungewöhnliche farbenprächtigen wie exotisch exzentrischen Charakteren seiner „Paratime“- Geschichten enttäuschen die Figuren teilweise sehr. Nur Davis Rand ist dreidimensionaler portraitiert worden. Wobei sich Beam Piper teilweise zu sehr in die ausufernden Beschreibungen einzelner antiquierter Handfeuerwaffen verliert und Rand trotz offensichtlicher falscher Vermutungen sich keine Sekunde in seiner Vorgehensweise beirren lässt. Das lässt die Figur im Vergleich zum extrovertierten Holmes unzugänglicher und weniger sympathisch erscheinen. Wenn Piper literarisch nachvollziehbar, aber plottechnisch nicht sehr geschickt den Bogen auf den letzten Metern wieder schließt, wirkt diese Vorgehensweise insbesondere in Bezug auf den ermittelnden Privatdetektiv wie ein nicht ganz fairer Kompromiss, denn zwischen Ende der Handlung und Epilog fallen Rand die entscheidenden Informationen in die Hände, die er schließlich zur Überführung des Täters benötigt. Der Leser spielt in diesem Übergang keine Rolle und wird das eher vage Ende des eigentlichen Plots absichtlich und fast irreparabel in die Irre geführt. Das sich einige Sequenzen vom Anfang des Buches als Teil eines nicht nachvollziehbaren Plans Rands erweisen, tut auch nicht mehr zur Sache. Auch die detektivische Methode wirkt wie ein Kompromiss zwischen bestehenden Figuren denn eine neue Ausrichtung, die der Autor dank zwei ausführlicher Definitionen dem Leser schmackhaft zu machen sucht.
Davis Rand selbst geht eher vage definiert nach der Methode der generellen Semantik vor. Die Mischung erinnert ein wenig an Sherlock Holmes mit dem für den Leser zugänglichen Fazit und einem etwas besser gestellten Sam Spade. Als die reine Befragung des relativ großen Verdächtigenkreises – Fleming wollte seine Firma nicht mit einem größeren Konzern verschmelzen und musste deswegen Anfeindungen über sich ergehen lassen – nicht mehr ausreicht, schleust der Detektiv einen Freund als Butler ein. Die Spur der Diebstähle – wertvolle Waffen sind nach Flemings Tod gestohlen und durch billige Replikate ersetzt worden – erweist sich nur vordergründig als Sackgasse. Sehr routiniert und stellenweise dominant führt H. Beam Piper die einzelnen Handlungsabschnitte schließlich zu einem überraschenden Antihöhepunkt zusammen. Augenscheinlich können aufgrund der fehlenden Beweise die beiden Morde nicht aufgeklärt werden. Erst im irgendwie nachgeschoben wirkenden Epilog erläutert Davis Rand sehr ausführlich seiner Auftraggeberin Gladys Fleming die Tatzusammenhänge und gibt dem Täter ein Gesicht. Wie allerdings auch in „Das Geheimnis des gelben Zimmers“ ist das Geheimnis des Mordes in einem abgeschlossenen Raum kein echtes Geheimnis, sondern dank einer literarischen Hintertür kann der Autor seinen Täter sehr geschickt in der Masse platzieren, ihn die Tat ausführen und sich zumindest vordergründig ein eigenes Alibi schustern lassen. Diese Auflösung wirkt ein wenig enttäuschend und hinterlässt leider einen etwas konstruierten Eindruck, zumal das Motiv nicht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den nicht selten angesprochenen Fakten steht, sondern im Hintergrund des Buches die ganze Zeit geschlummert hat. In diesem Punkt macht es sich H. Beam Piper ein wenig zu einfach, sowohl den eigentlichen Tathergang als auch die Motivation des Täters in Worte zu fassen. Auch die für den Leser nicht auf Augenhöhe zu akzeptierenden Folgerungen geben dem ansonsten sehr unterhaltsam und fließend zu lesenden Roman eine ungewöhnliche Sperrigkeit. Zusammengefasst ist „Murder in the Gunroom“ schwächer als Pipers Science Fiction Romane, die mit ihrem eigenwilligem Charme in Ehre gealtert sind, aber aus heutiger Sicht ein etwas sperriger, etwas antiquierter, aber lesenswerter Krimi vor allem für Waffenfetischisten.

H. Beam Piper: "Murder on the Gunroom"
Roman, Softcover, 140 Seiten
Echo Lib 2007

ISBN 9-7814-0686-6520

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