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Krimi (diverse)



Lawrence Block

The Girl with the long green Heart

rezensiert von Thomas Harbach

Der 1938 in New York geborene Lawrence Block dürfte sicherlich zu den Vielschreibern der Nachpulpära gezählt werden. Seit er 1957 seine erste Geschichte veröffentlicht hat, verfasst Block neben fünf teilweise über Jahrzehnte laufende Krimiserien noch 50 Einzelarbeiten und mehr als einhundert Kurzgeschichten. Obwohl er in erster Linie als Vielschreiber verschrien worden ist, hat er eine Reihe von Auszeichnungen insbesondere für sein spätes Werk erhalten. Das Spektrum seiner Geschichten reichte vom klassischen Ex- Polizist und autobiographisch Ex- Alkoholiker Matthew Scudder über den humorigen Dieb und Buchhändler Bernie Rhodenbarr bis zu Evan Tanner, der als Agent im Auftrag der amerikanischen Regierung operierte. Im Rahmen der "Hard Case Reihe" sind neben seinem unter Pseudonym veröffentlichten Politthriller "Killing Castro" insbesondere zwei seiner Grifter- Roman erschienen. Die Idee des Grifters - vergleichbar dem deutschen Hochstapler - erlangte erst eine ungewöhnliche Popularität durch Hills Film "The Clou", in dem sich Robert Redford und Paul Newman auf sehr eloquente Art und Weise an einem anderen Gauner rächten. In "The Girl with the Long green Heart" - der 1965 entstandene Roman ist dreimal unter verschiedenen Titeln in Deutschland veröffentlicht worden - präsentiert Lawrence Block ein vergleichbar kompliziertes Täuschungsmanöver, das im Gegensatz zu Hills Hollywood Kriminalkomödie auf eine fast tragische Art und Weise scheitern muss. Erst rückblickend erkennt der Leser, dass alle signifikanten Figuren ein Doppelspiel treiben und niemand wirklich dem Anderen mit letzt endlich fatalen, tragischen Konsequenzen traut. Aus dem Film Noir bzw. den Hardboiled Streifen der vierziger Jahre hat Lawrence Block die Idee der Femme Fatale übernommen, die konsequent aus einer passiv erscheinenden Position heraus die eigenen Interessen vorantreibt und buchstäblich über Leichen gehen könnte.

Mit John Haydon etabliert der Autor eine fast klassisch zu nennende Identifikationsfigur. Haydon hat sieben Jahre wegen Betrugs im Gefängnis gesessen. Zumindest anfänglich scheint die lange Haftstrafe seine Seele gebrochen zu haben. In Freiheit arbeitet er als Angestellter einer Bowlingbahn und versucht mehr als die Hälfte seines Gehaltes zu sparen. Sein Traum ist ein eigenes kleines Restaurant. Es erscheint unwahrscheinlich, dass Haydon das Geld mit ehrlicher Arbeit zusammensparen kann. Diese ganzen Detailinformationen erfährt der Leser nicht im ersten Kapitel, sondern Lawrence Block etabliert gleich zu Beginn der Handlung den eigentlichen "Clou". Der Millionär Wallace J. Gunderman ist versessen darauf, Land zu besitzen. In Kanada haben einige Schwindler im sehr viele Morgen wertlosen Grundbesitzes verkauft. Er hat fast zwanzigtausend Dollar dabei verloren. Gunderman geht es weniger um den monetären Verlust als die Schmach, hereingelegt worden zu sein. Haydon soll Gunderman das wertlose Land für 500,-- Dollar abkaufen. Gunderman ist genau wie der Leser verblüfft.
Kaum ist die Prämisse bzw. die Offerte auf dem Tisch, zieht der Autor ausgesprochen routiniert den Vorhang zur Seite und enthüllt weitere Informationen, aus denen sich über fast dreiviertel des Romans ein faszinierendes, sehr intelligent aufgebautes Gaunerspiel bis zum Morgen des eigentlichen Coups entwickelt.

Ein ehemaliger Kumpel überredet ihn, bei einem komplizierten Landbetrug mitzumachen. Den Tipp hat er von den unzufriedenen Geliebten und Sekretärin Gundermans erhalten. Haydon ist ein Mann kurzer Entschlüsse. Sein Jagdinstinkt ist spätestens geweckt, als er die attraktive Sekretärin kennen lernt und sich ihn sie verliebt.

Was die Planung des Coups angeht, wirkt der über vierzig Jahre alte Roman alte in der Vorinternetzeit spielende wahrscheinlich für eine neue Lesergeneration auf den ersten Blick antiquiert und veraltet. Geldwäsche ist unbekannt und mit einfachsten Mitteln lassen sich überdurchschnittliche Umsätze auf einem Firmenkonten simulieren. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Es liest sich sehr spannend, wie Haydon und sein Kollege jeden Winkelzug Gundermans im Vorwege zu planen suchen und notfalls die Gegenmaßnahmen einleiten. Gunderman soll ja nicht sein Land verkaufen, sondern die Briefkastenfirma übernehmen. Es sind die Details, die in erster Linie überzeugen. Am Tage des Coups kommt es wie schon angedeutet zu einer negativen Überraschung, die Haydon und seinen Vertrauten zwingt, den ganzen Deal vor Abschluss rück ab zuwickeln, damit der Verdacht nicht automatisch auf sie beide fällt. Dabei wird Haydon zur dominanten Figur. Der anfänglich integrierte Bogenschlag zum organisierten Verbrechen wird von Haydon als erstes abgewickelt, bevor er sich selbst in Sicherheit bringt. Ungewöhnlich ist, dass die beiden Gauner trotz ihres Pyrrhussieges als zweite Sieger den Platz verlassen. Haydon weiß in einer der wenigen philosophisch melancholischen Erkenntnisse dieses ansonsten sehr emotionslos geschriebenen Romans, dass er ein geborene Grifter ist und das der nächste Coup immer der wichtigste und im übertragenen Sinne positiv wie negativ auch der Letzte sein kann. Aber er kann der Versuchung nicht widerstehen und braucht den Adrenalinstoss. Da Haydon für sich von Beginn an feste Regeln – keine Gewalt, keine Waffen – etabliert hat, bleibt er trotz oder vielleicht auch gerade wegen seiner kriminellen Vergangenheit die einzige wirklich dreidimensional gezeichnete Identifikationsfigur des Lesers. Der Millionär Gunderman ist der klassische Self Made Millionär, der arrogant und überheblich sich immer als Sieger sieht. Haydons Partner ist vielleicht zu eindimensional, zu blass gezeichnet. Aber diese Passivität nach der ersten Planung des Deals ist auch notwendig, damit der Brückenschlag funktioniert und die Beiden auch wirklich ausgetrickst werden können. Als Titelmädchen wirkt Gundermans Sekretärin über weite Strecken des Plots zu blass, zu ängstlich, wie ein Mäuschen vor der Schlange. Ihr Familienstand ist ohne Frage eine Überraschung, wird aber von Lawrence Block zu wenig überzeugend erklärt und wirkt eher wie eine Art MacGuffin. Unabhängig von der Tatsache, das die Schlussfolgerungen ein wenig zu konstruiert erscheinen. Als MacGuffin Elemente sind sie aber notwendig, um Haydon und seinen Partner zum Handeln zwecks der Selbstrettung zu zwingen.
Zusammengefasst ist „The Girl with the long green Heart“ – ein ungewöhnlicher Titel, der auch nicht näher erläutert wird – ein packender Grifterroman mit einem dreidimensionalen Antihelden, einem gefälligen nicht unnötig zynischen Schreibstil und einem sehr vielschichtig und intelligent entwickelten Plot, der nachdrücklich unterstreicht, das Planung nicht alles, aber das Wichtigste ist.

Lawrence Block: "The Girl with the long green Heart "
Roman, Softcover, 224 Seiten
Hard Case Crime 2007

ISBN 9-7808-5768-3656

Weitere Bücher von Lawrence Block:
 - Grifter´s Game
 - Killing Castro

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