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Krimi (diverse)



Roger Zelazny

Dead Man´s Brother

rezensiert von Thomas Harbach

Trent Zelazny - Roger Zelaznys Sohn - schreibt in seinem Nachwort, das man nicht mehr exakt bestimmen kann, wann sein Vater den vorliegenden, bislang unveröffentlichten Kriminalroman “The Dead Man´s Brother” geschrieben hat. Er tippt selbst auf den Beginn der siebziger Jahre, einer der kreativsten Phasen des mit fünf HUGO Awards ausgezeichneten Science Fiction Autoren. Kriminaltechnisch sind die siebziger Jahre eher eine Dekade der Orientierung. Die langen Schatten des dominierenden Hardboiledromans, der Pulpära und daraus resultierend auch das Wechselspiel zwischen dem Film Noir und den harten Thrillern war noch nicht etabliert. Erst mit “Chinatown” und modernen Hardboiled Arbeiten wie Max Allen Collins Arbeiten um den in Chicago der dreißiger Jahre agierenden Privatdetektiv Nate Heller feierte der Film Noir wieder Einstand im Kriminalgenre. Roger Zelaznys Roman fehlt in vielerlei Hinsicht nicht immer positiv zwischen allen Stühlen. Während die erste Hälfte des Buches einen stringenten, unterhaltsamen Kriminalplot darstellt, stellt die unangenehme Befragung in einem lateinamerikanischen Gefängnis inklusiv entsprechender Folter einen Wendepunkt der Handlung dar, von dem sich der Roman trotz einiger teilweise zynisch kritischer Hinweise auf die Rollen des amerikanischen Geheimdienstes in dem labilen Lateinamerika als Stellvertreter für den offenen Krieg in Vietnam nicht mehr richtig erholen kann.

Ovid Wiley führt heutzutage eine angesehene Kunstgalerie. Das nötige Kleingeld hat er sich zusammen mit seinem damaligen Partner durch Auftragskunstdiebstähle besorgt. Die Partnerschaft ist vor einigen Jahren nicht zuletzt aufgrund einer Frau - Maria - in die Brüche gegangen. Ovid ist ein wenig überrascht, als er seinen früheren Partner ermordet in seiner Galerie findet. Geschickt entzieht Roger Zelazny seinem Ich- Erzähler und wichtigstem Protagonisten mit diesem effektiven Handlungsauftakt den Boden unter den Füßen- viele relevante Informationen werden erst im Laufe der weiteren Handlungsentwicklung in den Plot integriert und beiläufig extrapoliert. Da Ovid für die Tatzeit kein überzeugendes Alibi hat, aber auch über kein Motiv verfügt, den Mann ausgerechnet in seiner Galerie zu ermorden, wird er von der örtlichen Polizei ins Kreuzverhör genommen, bevor ihn ein Agent des CIAs “befreit”. Die CIA hat ein Angebot für ihn, das er aufgrund seiner aktenkundigen Vergangenheit nicht ablehnen kann. Ein wichtiger Vertreter des Vatikans hat mittels gefälschter Abrechnungen und Scheinfirmen ungefähr drei Millionen Dollar unterschlagen. Jetzt ist er verschwunden. Das Geld scheint über Mittelsmänner nach Lateinamerika transportiert worden zu sein. Der Vatikan hätte gerne das Geld zurück, wobei sich der eigene Geheimdienst um den Aufenthalt des verschwundenen kriminellen Kirchenmannes kümmert. Wiley soll nach Rom fliegen und dort die Spur des Geldes aufnehmen. Die Prämisse ist interessant, auch wenn Roger Zelazny sie ein wenig zu oberflächlich entwickelt hat. Wiley ist ein Kunstdieb und Schmuggler, aber niemand der sich mit Scheintransaktionen auskennt. Seine Hinzuziehung auf rein privater Ebene - auch diesen auf den ersten Blick erkennbaren Widerspruch versucht Zelazny auf den letzten Seiten zu relativieren - wirkt überzogen. Hier fehlt die Querverbindung zur Kunst, in der sich Wiley im Grunde auf beiden Seiten - Verkauf und Organisation - auskennt. In Rom führen dessen Amateurermittlungen ungewöhnlich schnell zu Resultaten, wobei nicht klar wird, warum die kirchlichen Ermittler mit ein wenig Freundlichkeit nicht zu den gleichen Schlüssen gekommen sind. Kompliziert wird es, wenn Wiley auf die Freundin des verschwundenen Priesters stößt, die vor Jahren für das Zerwürfnis mit seinem Partner verantwortlich gewesen ist. Zelazny beschreibt Maria als attraktive, intelligente Frau, die zwar nicht mit allen Wassern gewaschen, aber zumindest mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Zelazny versucht die auf brüchigen logischen Beinen stehenden Verbindungen zwischen Maria und dem geflohenen Priester; Maria und Wileys inzwischen ermordeten Partner sowie die emotionalen Spannungen zwischen Wiley und Maria überzeugend herauszuarbeiten. Manche Aspekte bleiben rudimentär, während sie in den Dschungeln Lateinamerikas sich eher als Team präsentieren. Die Spannungskurve unterläuft der Autor zusätzlich, in dem er den geflohenen Priester in Lissabon ermorden lässt, wovon sich Maria auf einem kurzfristigen Abstecher von Roman in die portugiesische Hauptstadt (!) überzeugen kann. Auch in diesem relevanten Punkt hätte der Punkt sehr viel konsequenter und weiter herausgearbeitet werden können und zum Wohle des ganzen Buches insbesondere im Vergleich zum deutlich lustloseren zweiten Teil komplizierter, komplexer dargestellt werden müssen.

Mit der Verlagerung der Handlung nach Lateinamerika versucht der Autor das Tempo des Plots auf der einen Seite zu steigern, aber viel wichtiger auf der anderen Seite ein neues Spannungselement einzuführen: warum wurde der erfindungsreiche Priester während seiner Flucht ermordet und in welchem Zusammenhang steht sein Bruder mit der Tat? Gibt es Parallelverbindungen zu Wileys ermordetem Partner? Während die etwas trottelige Recherche in der ewigen Stadt sehr gut funktioniert hat, stoßen Maria und Wiley in Lateinamerika nicht nur schnell an ihre Grenzen; verschiedene Gruppen werden auf sie aufmerksam. Während David J. Schow in seinem ebenfalls in der “Hard Case Crime” veröffentlichten Werk “Gun Work” die effektive wie brutale Arbeit der Folterknechte in verstörenden Details beschrieben hat, fasst Zelaznys diese nicht weniger unangenehmen Szenen in einer Art Zeitraffer ausschließlich aus Wileys subjektiver Perspektive erzählt zusammen. Sie sollen wohl die nicht einschätzbaren Gefahren unterstreichen, denen sich die Beiden aussetzen und zur Erfüllung ihres Auftrages aussetzen müssen. Dafür beendet der Autor diese Sequenz mit einer frustrierenden Entschuldigung der sich irrenden Behörden, bevor er das Geschehen in den undurchdringlichen Dschungel verlegt und eine Handvoll eher Klischee beladener Figuren, eine komplizierte natürlich von den amerikanischen Geheimdiensten eingeleitete Verschwörung und letzt endlich ein etwas zu überstürztes Happy End einführt. Das liest sich alles unterhaltsam, aber auch sehr mechanisch. Im Vergleich zu einem anderen aus dem Schubladennachlass eines bekannten Autoren geretteten Romans - “Honey in his Mouth” von Lester “Doc Savage” Dent - sind Zelaznys Absichten unbestritten, ihm fehlt aber das erzählerische Herz, um diesen finalen Schritt weiterzugehen und den Roman weniger überraschend denn befriedigend abzuschließen.
Hinzu kommt, dass Ovid Wiley im Grunde als Ich- Erzähler ein zu schwacher Charakter ist. Er sieht sich hinsichtlich seiner Vergangenheit als bekehrter Gentlemanverbrecher, er ist ein einsam lebender Junggeselle natürlich mit einer Schwäche für Maria und sein Verhalten gegenüber dem ermordeten Ex- Partner ist allerhöchstens als ambivalent zu bezeichnen. Seine Motivation, erst den verschwundenen Priester und dann später das nach Lateinamerika geschleuste Geld zu suchen, ist von Roger Zelaznys solide vorbereitet worden. Im etwas zu phlegmatischen Mittelteil des Romans schlägt das Pendel drastisch in die andere Richtung, ohne das die Stellschrauben des Plots positiv adjustiert worden sind. “The Dead Man´s Brother” - hinsichtlich des Showdowns ist der Titel Programm - ist kein schlechter Raum und beweist, dass Roger Zelazny außerhalb seiner phantasievoll provokativen Science Fiction Roman bzw. des letzt endlich zu ausgedehnten “AMber” Zykluses auch andere Themen bearbeiten konnte. Ist es aber auch kein wirklich befriedigender Roman, da plottechnisch nach einem guten bis teilweise stimmungsvoll sogar sehr guten Auftakt zu wenige Überraschungen und zu viele Versatzstücke angeboten werden.

Roger Zelazny: "Dead Man´s Brother"
Roman, Softcover, 256 Seiten
Hard Case Crime 2007

ISBN 9-7808-5768-3632

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