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Krimi (diverse)



Ron Goulart

Groucho Marx und die Broadway Murders

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem vierten Band der Groucho Marx/ Frank Denby Serie verlassen die beiden selbst erklärten Amateurdetektive das vertraue Los Angeles, um sich eigentlich in New York ihren hauptberuflichen Interessen – Komiker und Drehbuchschreiber – zu widmen. Diese Luftveränderung an Bord des den Kontinent querenden Superzugs ermöglicht es Ron Goulart, nach der Hommage an das Hardboiled Genre bzw. der Sherlock Holmes Parodie im dritten Band der sechsteiligen Serie natürlich Agatha Christies weltberühmten Roman „Mord im Orientexpress“ aufs Korn zu nehmen. Nur fehlt Ron Goulart in dem durchweg unterhaltsamen Roman das Stehvermögen, um diese Idee ausreichend zu extrapolieren. Der Showdown findet zum wiederholten Male innerhalb der Serie in einer abgeschiedenen Hütte statt und wieder bluffen Groucho Marx und Frank Denby ihre Widersacher, in dem sie ihnen von deren Waffen bedroht mitteilen, das die Polizei alles mithört und natürlich die Hütte schon lange umstellt hat. Es ist schade, das Ron Goulart im streckenweise besten Roman der Serie das Potential in dem überstürzten und nicht ganz zufriedenstellenden Showdown derartig verschenkt. Sowohl die an Bord des Luxuszuges spielenden Szenen als auch der folgende Abstecher in die Broadway Theaterwelt New Yorks hätten ausgereicht, um die beiden entwurzelnden Detektive vor neue Herausforderungen zu stellen und die in den beiden noch folgenden Romanen unangenehm verstärkten stereotypen Handlungsverläufe ein letztes Mal zu durchbrechen.

Bevor Groucho Marx, der am Broadway auftreten soll, und die verheirateten Denbys an die Ostküste aufbrechen, werden sie von einem ihnen aus dem Auftaktroman bekannten Gangstern gebeten, den Mord an einem seiner „Angestellten“ zu untersuchen. Die beiden Amateurdetektive lehnen den Fall ab und vertrösten ihren potentiellen Auftraggeber auf die unbestimmte Zeit nach ihrer Rückkehr. Wie es sich für die Konzeption dieser Groucho Marx Romane gehört, wird diese erste Tat in einem unmittelbaren Zusammenhang mit dem natürlich obligatorischen zweiten und im vorliegenden Band sogar ausnahmsweise dritten Mord stehen. Auf der Bahnfahrt rettet Denby einen arroganten Filmproduzenten vor einem nächtlichen Messeranschlag. Der Produzent reist mit seiner weiblichen neusten und attraktiven sowie noch verheirateten Schauspieler Entdeckung nach New York. Weitere Ermittlungen hinsichtlich des Mordanschlags lehnt der Produzent ab. Kurze Zeit später wird er die unangekündigte Leiche im Kleiderschrank sein, die während der Aufführung eines Kriminalstücks mit Groucho Marx im Publikum für Aufsehen sorgen wird. Gegen ihren Willen und eher unter Murren beginnen Groucho Marx und Frank Denby sowohl in Schauspielerkreisen zu ermitteln als auch die Wege des organisierten Verbrechens zu kreuzen.

„Groucho Marx and the Broadway Murders“ ist ein eher ambivalenter Roman mit extremen Stärken und Schwächen. Zu den besten Passagen nicht nur des Buches, sondern im Grunde der Serie gehört das Überqueren des amerikanischen Kontinents im Zug. Pointiert, humorvoll, ein bisschen bissig beschreibt Goulart diese exklusive Art des Reisens, karikiert eine Reihe von politischen Personen des öffentlichen Lebens sowie die eitle Hollywoodschauspielerriege. Auch wenn seine Beschreibungen eher allgemein gehalten sind, gelingt es ihm ausgezeichnet, ein Portrait dieser Schmelztiegelgesellschaft unmittelbar vor und während des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs in Europa zu zeichnen. Insbesondere Groucho Marx zieht einen köstlichen Vergleich zwischen Hitlers Machtstreben und seinem Wahn, die Weltkarte neu zu ordnen und einer flapsigen Bemerkung des unsympathischen Produzenten. Kaum hat sich der Leser darauf eingestellt, eine Hommage an Agatha Christies Roman „Mord im Orientexpress“ zu lesen, bei der sich ausreichend Verdächtige für den Mordanschlag auf den Hollywoodproduzenten Manheim wie durch einen Zufall ausgerechnet in diesem Zug für die Kontinentalüberquerung versammelt haben, verlässt der Autor unnötig und im Kern die Spannung mindernd dieses Szenario wieder. In New York kann man auf der einen Seite Jane Denbys rasant verlaufende Karriere als Comiczeichnerin verfolgen, während Frank Denby insbesondere in der zweiten Hälfte des Buches etwas untergeht. Gegenüber seiner Frau dient er eher als schmollender Stichwortgeber, während Groucho Marx die Ermittlungen mit einer gehörigen Portion Zufallsprinzip intensiv vorantreibt. Es kommen nur einige wenige Verdächtige hinzu, deren Charakterisierung derartig oberflächlich ist, dass man sie der Tradition der Serie folgend gleich wieder aus dem kleinen Kreis der Tätergruppe wieder ausschließen kann. Die Anspielungen auf die elitäre New Yorker Theatergesellschaft, zu denen sich Frank Denby und Groucho Marx im Gegensatz zur Hollywoodgang in den in Los Angeles spielenden Romanen nicht zählen können, bleiben milde oberflächlich und dehnen die Handlung eher weiter aus als das sie Ziel führend sind. Am Ende überschlagen sich wieder die Ereignisse und Goulart macht sich einen Spaß daraus, eine Art doppeltes Dreiecksverhältnis zu konstruieren, das unterhaltsam ist, aber auch irgendwie unwahrscheinlich erscheint. Zumindest hat sich Ron Goulart bemüht, gewisse zu stereotype Szenarien zu erweitern, wenn auch nicht gänzlich zu variieren. Der Schlag auf den Kopf – in diesem Fall ein Doppelschlag – muss ebenso sein wie das Widerstreben der beiden Amateurdetektive, aktiv zu werden, obwohl sie schon in alle Richtungen ermitteln.
Das unterhaltsamste und nicht umsonst Titel gebende Element der Bücher ist Groucho Marx Persönlichkeit. Auf dem Weg nach New York hat Groucho Marx mit seinen Brüder eher widerwillig den ersten von drei Streifen für MGM „At the Circus“ inszeniert. Groucho Marx macht sich vor allem über die außergewöhnliche Bezahlung durch MGM lustig, während er den unlustigen Streifen abgrundtief hasst. Diese „innere“ Abscheu lässt seine Bemerkungen zahlreichen Autogrammjägern gegenüber – ebenfalls ein laufender qualitativ sehr ambivalenter Aspekt der Serie – bösartiger und zynischer erscheinen. Auf der anderen Seite ist sein Charakter auch dreidimensionaler, pointierter und schärfer gezeichnet als im zweiten Teil der Serie. In den folgenden zwei Büchern wird sich Ron Goulart leider immer wiederholen und die Originalität, welche die markante Figur Groucho Marxs in „Groucho Marx and the Broadway Murders“ ein letztes Mal auszeichnet, verschwindet mehr und mehr aus den Büchern. Im Vergleich allerdings zu Groucho Marx wirkt Frank Denby ein wenig zu eindimensional, zu klischeehaft gezeichnet. Sowohl im Überlandzug als auch bei den späteren Ermittlungen wirkt Denby stellenweise fast hilflos. Es ist traurig, das insbesondere Jane Denby in der noch jungen Ehe immer mehr das Kommando übernommen hat. Seine kreative Hilflosigkeit angesichts der Tatsache, dass die gemein mit Groucho Marx konzipierte Radioshow abgesetzt worden ist; er immer wieder auf seine lange in der Vergangenheit liegende Zeit als Reporter angesprochen wird und schließlich keine neuen Projekten auf seinem Schreibtisch liegen sowie seine Frau das Geld für die Familie verdient, wird angesichts der zugrundeliegende auf heiter getrimmten Tonfalls der Serie zu wenig extrapoliert und wirkt dank der oberflächlichen Behandlung Ron Goularts aufgesetzt. Die Antagonisten sind eher eindimensional beschrieben. Der arrogante Hollywoodproduzent Daniel Mannheim ist ein klassischer Opportunist, der Film als Investments sieht. Ob Ron Goulart nach realen „Vorlagen“ gearbeitet hat, lässt sich angesichts der teilweise oberflächlichen Beschreibung kaum eruieren. Als Mordopfer Nummer zwei gibt er eine gute Figur mit einem geglückten letzten Auftritt ab. Das organisierte Verbrechen in Form des Gangsterbosses Salermo bleibt hinter der guten Beschreibung im Auftaktband deutlich zurück. Obwohl er schließlich die roten Fäden aufnimmt und alle Mitwisser stilgerecht beseitigt, hat die Figur ihre Faszination verloren. Die Motive der beiden Täter – ohne zu viel zu verraten – sind für den Leser nachvollziehbar. Rückblickend sind Denby und Groucho Marx den Beiden mehrmals im Verlaufe der stringenten Handlung begegnet, ohne dass sie oder der Leser etwas ahnen konnten. Natürlich werden Groucho Marx und Frank Denby im finalen Showdown die fehlenden Puzzlestücke der Mordserie ausführlich und für die mitschneidende Polizei als Geständnis verwendet ausführlich beschrieben, aber im Vergleich zu einigen anderen Romanen der Serie – siehe „Groucho Marx, Private Eye“ und vor allem „Elementary, My Dear Groucho“ – bleiben sie blass und wirken stellenweise konstruiert.
Im Vergleich zu den eher durchschnittlich charakterisierten Figuren kann „Groucho Marx and the Broadway Murders“ in Punkto Atmosphäre den Leser auf allen Ebenen überzeugen. Die mehrmals wechselnden Hintergründe – obwohl eine Konzentration auf die Zugfahrt und das Gefühl der Isolation dem Roman besser getan hätte – im Vergleich zu den anderen Teilen der Serie unterstützen den Plot als Ganzes und erweitern Groucho Marx effektiv genutzte Spielwiese. Der vorliegende Roman gehört nicht zu den besten „Groucho Marx“ Erzählungen, dazu verschenkt Ron Goulart insbesondere im Mittelabschnitt fast sträflich zu viel Potential, unterhält aber auf einem soliden Niveau und die zahlreichen immer gerne verwandten Versatzstücke der Serie fallen nicht so stark wie in den kommenden beiden Romanen ins Gewicht.

Ron Goulart: "Groucho Marx und die Broadway Murders"
Roman, Softcover, 261 Seiten
Chivers Press 2001

ISBN 9-7807-8623-6923

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Elementary, my Dear Groucho
 - Groucho Marx, King of the Jungle
 - Groucho Marx, Meisterdetektiv
 - Groucho Marx, Private Eye
 - Groucho Marx, Secret Agent

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