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Krimi (diverse)



Ron Goulart

Groucho Marx, King of the Jungle

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Groucho Marx, King of the Jungle” liegt der sechste und letzte Band um die Abenteuer der beiden Amateurdetektive Groucho Marx und seinen willfährigen Drehbuchautoren Frank Denby vor. Mit der Geburt von Denbys Tochter schließt Goulart konsequent diese Serie ab, wobei die Ermüdungserscheinungen und durch strukturellen Wiederholungen schon vor diesem Roman klar zu erkennen gewesen sind.
Groucho Marx und Frank Denby stolpern durch einen Zufall über einen Mord. Die einzige wirklich Tatverdächtige flieht. Die Beweise ihrer Schuld sind offensichtlich gefälscht. Bei ihren Ermittlungen werden sie wie ferngesteuert vom organisierten Verbrechen um einige Brennpunkte herumgeleitet. Sie stellen fest, das zumindest ein Beteiligter Prominente in Hollywood mit Fotos erpresst, die sie in intimen Positionen bzw. mit anderen Partnern als dem Ehemann/ Ehefrau zeigen. Die erste Spur ist falsch, die zweite Spur führt schließlich zu einer Leiche, die sich allerdings als jemand anders entpuppt als Leser und zumindest die beiden Detektive erwarten. Danach werden sie gestellt und in einem Showdown gelingt es ihnen, die im Grunde schon ertappten Täter vor entsprechendem Publikum zu überführen und verhaften zu lassen. Diese Grundstruktur der Serie ist seit dem ersten Roman “Groucho Marx, Meisterdetektiv” klar in den einfach strukturierten Romanen Ron Goularts verankert. Von diesem Schema weicht der Autor auch im vorliegenden Band nicht ab. Die Ähnlichkeit ist stellenweise zum ersten Roman so frappierend, das man immer wieder einmal aufs Cover schauen muss, um den Unterschied auszumachen. Dabei hat Ron Goulart ausreichend Raum, um seine eigenen Schwächen zu karikieren und voller Ironie sich selbst zu parodieren. Nicht umsonst ist Frank Denbys hochschwangere Frau besorgt, das ihrem Gatten wieder auf den Kopf geschlagen wird und er das Bewusstsein verliert. Diese Abfolge hat es bislang in jedem Roman der Serie gegeben. Manchmal auch zweimal, wie Denbys ein bisschen beleidigt richtig stellt. So lange diese Schleifen Plot fördernd sind, hat sicherlich niemand etwas dagegen. Im vorliegenden Roman verlängern sie den all zu dünnen Plot um gut zehn bis fünfzehn Seiten und negieren die eher phlegmatisch aufkommende Spannung.
Lässt man diese Schwächen außer acht, ist “King of the Jungle” aber auch eine sehr unterhaltsame Geschichte, in der Ron Goulart mit dem Größenwahn Hollywoods gnadenlos abrechnet. Das Opfer ist Randy Spellman, der selbstherrliche Darsteller in zahllosen Ty- Gor Filmen. Obwohl die Anspielungen auf Tarzan klar und deutlich zu erkennen sind, lässt Pulpexperte Ron Goulart seine Charaktere Vergleiche zwischen Superman/ Batman auf der einen Seite und Ty- Gor sowie Tarzan auf der anderen Seite ziehen. Im Fegefeuer der Eitelkeiten macht Ron Goulart aus dem Toten Spellman eher eine frühe Inkarnation George Reeves, des populären “Superman” Darstellers in der Fernsehserie der fünfziger Jahre. Der Leser wird nicht direkt mit Spellman konfrontiert. Dieser ist von Beginn des Buches an tot, erschossen. Nur durch seine Taten und die Berichte Dritter lebt er eindimensional und überspitzt gezeichnet wieder auf. Aber den Größenwahn, die Identifikation mit einer im Grunde zweit oder drittklassigen Rolle beschreibt Ron Goulart mit bissigen Humor. Danach schlägt er den Bogen zu Ty- Gors Schöpfer, der sich um seine Villa herum einen eigenen Dschungel angelegt hat. Ein wenig exzentrisch empfängt er die beiden Helden und schenkt ihnen zur Belohnung den neuen, einundzwanzigsten Ty- Gor Roman. Natürlich signiert. Soviel Mühe sich Ron Goulart gibt, den Hintergrund dieser unterhaltsamen, aber den Leser nicht unbedingt einbeziehenden Geschichte auszumalen, so sehr fehlen ihm echte Antagonisten. Ohne etwas von Sherlock Holmes geerbt zu haben, ahnt der Leser weit im voraus, wer die üblichen Verdächtigen sind. In Bezug auf die Täter offeriert der Autor den Lesern keine Alternativen. Sie sind zu auffällig, zu eindimensional gezeichnet, um rückblickend zu überraschen. Auch fehlen dem Buch wichtige Bezüge. Die Auflösung ist zwar konsequent, wird aber viel zu wenig vorbereitet, um den Roman zufrieden stellend abzuschließen.
Vor diesem routinierten Hintergrund fällt es Groucho Marx und Frank Denby auch schwer, originell oder zumindest überraschend zu agieren. Konnte der erste Roman der Reihe noch durch eine Vielzahl von Originalzitaten aus den Marx- Filmen geschickt angewandt überzeugen, wirken Groucho Marxs Floskeln inzwischen abgedroschen. Nur selten werden sie den Plot fördernd eingesetzt. Irgendwie fehlt ihnen auch die Bissigkeit, welche die ersten Romane so auszeichnete. Frank Denby als werdender Vater wirkt noch eindimensionaler. Zuerst halten sich die beiden Männer an das gegebene Versprechen, nicht in einem weiteren Mordfall zu ermitteln, weil die Geburt des Kindes unmittelbar bevorsteht und die Mutter sich nicht mehr als nötig sorgen machen soll. Als Denbys Frau weiß, wer die potentiell einzige Verdächtige ist, schickt sie förmlich ihre beiden Männer los, den Fall aufzuklären. Diese Wandelbarkeit weiblicher Ansichten lässt sich vielleicht noch erklären, aber die Präzision, mit der Denby und Marx immer wieder im richtigen Moment entscheidende Hinweise an unmöglichen Orten findet, ist schon auffällig. Immer wieder ahnen oder wissen sie fast prophetisch im voraus, was demnächst passiert oder wo sich mögliche Verdächtige aufhalten. Das sie trotzdem ein wenig blind in manche Schwierigkeit geraten, spricht nicht unbedingt für die Sorgfalt, mit welcher Ron Goulart den eigentlichen Plot entwickelt hat. Der eher aufgesetzt wirkende Versuch, auf den letzten Seiten eine ganz kleine Hommage an Bogarts “Die Spur des Falken” einzubauen, muss schon wohlwollend zur Kenntnis genommen werden.

Die Anspielungen auf die immer dürftiger werdenden Tarzan- Verfilmungen und die Begegnung zwischen einem echten Pulp- Autoren und Frank Denby gehören zu den Höhepunkten dieses sicherlich sehr kurzweilig auf einem eher durchschnittlichen bis niedrigen Niveau lesenswerten Buches. Die herzliche Note, mit der sich schließlich Groucho Marx, Frank Denby, seine Frau und die neu geborene Tochter vom Leser verabschieden, muss über diesen eher schwachen Abschluss hinaus betrachtet werden. Die sehr gelungenen Anspielungen auf Sherlock Holmes (“Elementary, My Dear Groucho”) oder das Geheimagentengenre (“Groucho Marx, Secret Agent”) mit seinen während des Zweiten Weltkriegs entstandenen Propagandafilmen sind zusammen mit dem die Grundlagen der Serie bestimmenden Auftaktroman “Groucho Marx, Meisterdetektiv” die empfehlenswertesten Bücher. Obwohl die einzelnen Romane sehr vage aufeinander aufbauen und Charaktere aus früheren Romanen zumindest Gastauftritte haben, lassen sie sich unabhängig voneinander lesen. Ein bisschen Wehmut kommt auf, das “King of the Jungle” nicht das Beste zuletzt ist, sondern wie ein klassisches B- Movie einfach zahllose Ideen aus den anderen Bücher recycelt. Der Wiedererkennungseffekt dieser Sequenzen überdeckt nur teilweise die leider unübersehbaren Schwächen.

Ron Goulart: "Groucho Marx, King of the Jungle "
Roman, Hardcover, 224 Seiten
Robert Hale 2010

ISBN 9-7807-0908-0503

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Elementary, my Dear Groucho
 - Groucho Marx und die Broadway Murders
 - Groucho Marx, Meisterdetektiv
 - Groucho Marx, Private Eye
 - Groucho Marx, Secret Agent

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