Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Krimi (diverse)



Ron Goulart

Elementary, my Dear Groucho

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Elementary, my Dear Groucho” liegt der dritte Krimi um das Amateurdetektivpaar Groucho Marx und Frank Denby vor. Es ist das erste von zwei Romanen – „Groucho Marx and the Broadway Murders“ ist der andere Text -, in welchem Ron Goulart nicht immer wirklich zufrieden stellend die Schemata der Serie aufzubrechen sucht.

Zum einen gibt es einen tragischen Unfall, der sich später als geschickter Mord herausstellt, der wenige Tage vor dem ersten Auftreten der beiden Amateurermittler in diesem Fall geschieht. Zum anderen haben Groucho Marx und Frank Denby nicht nur Konkurrenz von der hiesigen, aber im Grunde nicht existenten Polizei, sondern von einem ehemaligen Scottland Yard Inspektor, der vor wenigen Jahren nach Hollywood umgesiedelt ist, sich inzwischen als Schauspieler verdingt und mit der Rolle des Sherlock Holmes in der Adaption „the Valley of Fear“ auf seinen Durchbruch wartet. Miles Ravenshaw sieht sich als natürliche, aber ausgebildete Konkurrenz zu den Amateurdetektiven, als sein Regisseur Felix Denker auf Sherlock Holmes Sessel in der Bühnendekoration der Baker Street 221b von einem Unbekannten aus nächster Nähe erschossen worden ist. Die Leiche wird am nächsten Tag gefunden. Eher durch einen Zufall aufgrund gemeinsamer Bekannter werden Groucho Marx und Frank Denby, die sich zum Zeitpunkt des Auffindens der Leiche auf dem Studiogelände aufgehalten haben, in die Ermittlungen einbezogen. Miles Ravenshaw sieht dagegen in dem Mord die beste Gelegenheit, das eigene Image aufzupolieren und vor allem für seinen nächsten Film die Public Relation Trommel kräftigst zu rühren. Auch für den Leser wäre es interessant gewesen, eine Art Zweikampf auf der Suche nach dem/ den Tatverdächtigen zu verfolgen. Leider verschwindet Ravenshaw nach seinen ominösen Drohungen, die Groucho Marx persönlich zutiefst beleidigen und seinen Ehrgeiz anstacheln, über weite Strecken des Buches wieder in der Versenkung. Frank Denby und Groucho Marx ermitteln wieder alleine. Anscheinend ist der Anschlag politisch bedingt. Felix Denker ist aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die USA geflohen. In Deutschland ist er nicht zuletzt aufgrund seiner künstlerischen Streifen berühmt gewesen. Nicht nur aufgrund der äußerlichen Beschreibung – hier sei nur auf das Monokel verwiesen – könnte Denkers Vorbild Fritz Lang gewesen sein. Der Titel seines letzten in Deutschland produzierten Films erinnert an „Das Testament des Doktor Mabuse“. In den USA kann sich Denker wie Fritz Lang nur mit B- Produktionen über Wasser halten. Beide werden als Tyrannen auf den Filmsets beschrieben. Beide haben Affären mit schönen, jungen Frauen. Beide haben in Deutschland eine Reihe von Feinden zurückgelassen und beide scheinen zumindest sadomasochistischen Spielen nicht abgeneigt. Die Vergleiche sind unübersehbar. Für den Leser stellt sich allerdings dien Frage, warum Ron Goulart Denker mit Fritz Lang vergleichen lässt, den sein früh ermordeter Regisseur ja in der Groucho Marx Fiktion eher ersetzen soll?
Die Ermittlungen selbst folgen eher den stereotypen Vorlagen und Regeln, die Ron Goulart als Running Gags in seinen Romanen einsetzt. Frank Denby wird wieder auf den Kopf geschlagen, auf Groucho Marx wird dieses Mal auf einem Friedhof geschossen und zumindest ein Nebencharakter fragt Groucho Marx, ob er anlässlich der Beerdigungsfeier Denkers den Mörder vor großen Publikum identifizieren und ihm zum zweiten Mal nach dem Auftaktband mit der Theateraufführung die dieses Mal makabere Show stehlen möchte. Trotz Groucho Marx Entrüstung läuft es auf im Finale auf ein bekanntes Plotelement zu. Im Gegensatz allerdings zu den deutlich schwächeren letzten beiden Bänden der sechsteiligen Serie bauen die Ermittlungen Denbys und Groucho Marx nicht nur auf dem Faktor Zufall bzw. dem Ausschlussverfahren des Autoren. In einer gelungenen Hommage besuchen Jane – zwischen dem zweiten Roman der Serie und dem vorliegenden dritten Band hat sie Frank Denby geheiratet – und ihr künstlerisch deutlich erfolgloserer Gatte dem Kriminalschriftsteller und Alkoholiker Dashiell Hammett, der ihnen zwar keine wirklich soliden Hinweise geben kann, dessen Gastauftritt aber ausgesprochen unterhaltsam gestaltet worden ist. Intrigen hinter den Kulissen der schwierigen Filmproduktion oder Eifersüchteleien betrogener Ehefrauen/ Ehemänner werden schnell zur Seite geschoben. Das politische Motiv der nationalsozialistischen Spione, die sich durch Denkers ausführliche bis 1933 geschriebene Tagebücher in ihrer Tarnung bedroht fühlen, ist für das Hardboiled Genre keine neue Idee, aber zumindest für die vorliegende Serie eine interessante und von Ron Goulart auch wirklich effektiv genutzte Prämisse. Dabei verzichtet der Autor auf die klassische schwarzweiße Charakterisierung der Antagonisten, die Schurken finden bis auf die finale natürlich cineastische gestaltete finale Konfrontation gar nicht statt. Dieser Verzicht auf ein klassisches Feindbild, ja das Unterschlagen eines im Grunde interessanten Konkurrenten in Person des schauspielernden Ex Scottland Yard Inspektors Ravenshaw lässt den ganzen Roman unrund und zu wenig ausbalanciert erscheinen. Diese plottechnische Manko wird allerdings durch die zahlreichen verdächtigen Spuren, denen Denby und Marx folgen und folgen müssen, wieder ausgeglichen. Noch stärker als in den ersten beiden Werken konzentriert sich Ron Goulart auf elementare „Who done it“ Situationen, die stimmungstechnisch überzeugend erzählt werden. Der drohende Schatten des Zweiten Weltkriegs – die Serie endet unmittelbar vor dem Eintritt der USA in den Krieg – ist noch nicht so stark spürbar. Daher erscheint die Bedrohung durch deutsche Spione insbesondere im Vergleich zum schwächsten Band des Zykluses „King of the Jungle“ vernachlässigbar, gäbe es nicht die Leiche des unsympathischen arroganten Regisseurs ausgerechnet auf Sherlock Holmes Sessel. Wenn sich Goulart nicht für einen packenden Spionagethriller in Alfred Hitchcock Tradition entscheiden konnte, wäre es sinnvoller gewesen, die sowohl set- wie auch titeltechnisch einladende Sherlock Holmes Komponente extremer zu extrapolieren. Dabei hätte sich Groucho Marx nicht als der weltberühmte Detektiv – diese Rolle hat schon Ravenshaw übernommen – oder dessen Gehilfe Doktor Watson – ein moderne Inkarnation ist Frank Denby in allen sechs Arbeiten – verkleiden müssen, alleine die Floskeln der auch in den vierziger Jahren schon zahlreichen Holmes Adaptionen hätten ausgereicht, um den Tonfall des ganzen Buches etwas anders zu gestalten. Ohne einige positiv gesprochen „Klischees“ der Originalgeschichten Doyles wie Nebel in Los Angeles oder eine überdimensionale Hundebestie, welche die Vororte Los Angeles heimsucht, hätten ausgereicht. Aber zu schnell und zu einfach fällt Ron Goulart nach dem wirklich ausgesprochen unterhaltsamen und pointierten Auftakt in die mechanisierten Schemata der Serie zurück.
Anstatt Ravenshaw zu einem überzeugenden „Gegner“ – wenn auch auf der gleichen Seite – aufzubauen, verzichtet Ron Goulart im relevanten Mittel des Buches auf diese Figur, straft ihn auf den letzten Seiten als Hochstapler- auch keine neue Idee – ab und entzieht ihm jede Grundlage. Da überzeugt der auf den ersten Seiten ermordete Denker noch mehr. Auf den letzten Seiten enthüllt Goulart noch eine pikante Ähnlichkeit zu Fritz Lang. Auch dessen Frau Thea von Harbou war den Ideen der nationalsozialistischen Partei mehr als aufgeschlossen, ohne wirklich ein Nazi zu sein. Immerhin ehelichte sie heimlich einen Inder, mit dem sie in Berlin unter Hitler lebte. Denker als eher unfreiwilliger Helfer der Nazis zu etablieren, wirkt rückblickend ein wenig zu bemüht. Dadurch gibt es nur einen wirklichen Tatverdächtigen und den dummen Helfer, der prompt auf einen Bluff Groucho Marx in obligatorischer Sherlock Holmes Verkleidung hereinfällt und sich damit selbst überführt.
Frank Denby ist der unscheinbarste Protagonist. Seine Frau stellt ihn nicht nur durch den Erfolg ihrer in mehr als einhundertfünfzig Tageszeitungen erscheinenden Comicserie in den Schatten, sondern kann Kaligraphie und hat passenderweise auf der Uni auch noch Deutsch studiert. Alles Komponenten, die für einen erfolgreichen Bluff notwendig sind und im vorliegenden Band extrem konstruiert erscheinen. Selbst die ansonsten lustig bis bemühten Versuche, sich aus Groucho Marx überdimensionalen Schatten zu lösen, bleiben rudimentär. Wie auch in „Groucho Marx and the Broadway Murders“ wird der Marx Brother immer wieder mit positiven oder negativen Stimmen zu ihrem letzten Film „Room Service“ konfrontiert. Da das gemeinsame Radioprojekt mit Frank Denby zumindest im vorliegenden Band auf Eis liegt, kann der Komiker nicht mit neuen Ideen zurückschlagen und wiederholt einige inzwischen stereotyp wirkende Phrasen aus den vorangegangenen Büchern.
Aus der grundlegenden Idee eines Mordes während einer Sherlock Holmes Verfilmung hätte der Autor deutlich mehr machen können und müssen. Auf der anderen Seite bemüht er sich im vorliegenden Roman, das etablierte Muster zu durchbrechen und neue, wenn auch eher oberflächliche Handlungselemente in den Plot zu integrieren. Sowohl die Konfrontation mit einem angeblichen Profiermittler sowie der Spionage/ Nazi Aspekt werden im Verlaufe des Buches zurückgedrängt. Selbst der Sinn, einen Schläfer der Nazis in Hollywood zu etablieren, wird irgendwann vom Autoren unter den Tisch gekehrt. Immerhin hätte der Täter mittels es populären Medium der B- Filme das unschuldige amerikanische Volk dank indirekter Propaganda verführen können. Im Vergleich allerdings zu einigen anderen Romanen der Serie, in denen der eigentliche Fall teilweise unglücklich konstruiert bis schematisch abgehandelt worden ist, überzeugt „Elementary, my Dear Groucho“ phasenweise auf dieser Ebene und unterhält auf einem zufrieden stellenden, zu Beginn des Buches sogar sehr gutem Niveau.

Ron Goulart: "Elementary, my Dear Groucho"
Roman, Hardcover, 261 Seiten
St. Martin´s Press 2001

ISBN 9-7803-1220-8929

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Groucho Marx und die Broadway Murders
 - Groucho Marx, King of the Jungle
 - Groucho Marx, Meisterdetektiv
 - Groucho Marx, Private Eye
 - Groucho Marx, Secret Agent

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::