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Krimi (diverse)



Ron Goulart

Groucho Marx, Private Eye

rezensiert von Thomas Harbach

1999 folgte mit “Groucho Marx, Private Eye“ der zweite Roman. Frank Denby weist der Leser im Prolog darauf hin, das er zusammen mit Amateurdetektiv Groucho Marx diesen zweiten Fall – wieder zwei Tote – nur erhalten hat, weil die Presse über die erfolgreiche Ermittlungsarbeit der beiden Amateure berichtet hat. Ob Ron Goulart zu diesem Zeitpunkt schon eine Serie von Romanen im Auge gehabt hat, lässt sich anhand des vorliegenden, stringenten und vor allem im Vergleich zu den späteren Fällen komplexeren Motiv der Täter nicht feststellen. Strukturtechnisch ist der Rahmen noch nicht gefestigt. Es gibt zwar zwei „Morde“ und eine weibliche Verdächtige, die aufgrund ihres Lebenswandels prädestiniert ist und die aufgrund manipulierter Beweise ins Auge der Polizei fällt, aber die einzelnen Versatzstücke fallen erstaunlich „natürlich“ am Ende im wieder von Groucho Marx dominierten Showdown ineinander. Im Gegensatz zur Kinopremiere im ersten Band bzw. einer Beerdigung oder einer Theateraufführung in einem der folgenden Romane sind es die positiven Tücken der Technik, welche die Täter allerdings wie im ersten Buch in einer abgeschiedenen Hütte inklusiv Geisel schließlich zu Fall bringen.
Hollywood ist erschüttert, weil einer ihrer großen Schmonzettenstars an Herzversagen gestorben ist. Mit nur siebenundvierzig Jahren. Der erfahrene kosmetische Chirurg Doktor Frank Benninger – bekannt für seine Nasenoperationen- wird kurze Zeit später ermordet aufgefunden. Als Verdächtige wird eine ehemalige Schauspielerin verhaftet, die nach anfänglichen Erfolgen zur Alkoholikern verkommen ist. Inzwischen seit zwei Jahren trocken ist sie kurz mit Frank Benninger liiert gewesen und wenige Tage vor dessen Ermordung hatten die beiden einen heftigen Streit. Außerdem kann sie sich wegen starken Alkoholkonsums an die Nacht nicht mehr erinnern, wobei sie ihrer Tochter schwört, keinen Tropfen angerührt zu haben. Wie es der Zufall arbeitet, arbeitet ihre Tochter Polly Pilgrim – ein etwas vorlautes, leicht arrogantes Teenagerstarlet – als Sänger an Frank Denbys und Groucho Marxs neuer Radioshow „Groucho Marx, Private Detektive“ mit. Ihr gelingt es, Zweifel in Groucho Marx zu wecken, das Polly Pilgrims Mutter mit fingierten Beweisen eines Mordes schuldig gesprochen werden soll, den sie nicht begangen haben kann.
Im Vergleich zu den folgenden Bänden – die Ausnahme ist die Sherlock Holmes Parodie „Elementary, my Dear Groucho“- zeichnet Ron Goulart ein eher kritisches Bild Hollywoods kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Neben dem obligatorischen Neid und der Missgunst, der Habgier sind die es die Alkoholexzesse sowie die Drogen. Hinsichtlich der sexuellen Freizügigkeiten bleibt Goulart, der durch aus derbe Garne schreiben kann, eher ambivalent. In der Tradition der Hardboiled Romane Raymond Chandlers und James M. Cains müssen die beiden unterschiedlichen Protagonisten per Pedes ermitteln. Dabei reicht das Spektrum der potentiellen Helfer von den typischen Informanten über ehrliche wie korrupte Polizisten bis schließlich hinsichtlich des Showdowns den bekannten Rottweilers aus dem ersten Band, der zum zweiten Male eine verschwundene weibliche Person im letzten Augenblick aufspüren soll. Der Fall an sich ist verschachtelt. Auch wenn Ron Goulart zu schnell die Unschuld von Polly Pilgrimms Mutter herausstellt und damit einzelne Ermittlungen von Beginn an im Nichts enden lässt, gibt es ausreichend Verdächtige und die verschiedenen Motive – Rauschgift, Erpressung und schließlich auch die Angst um den eignen, noch unbefleckten Ruf – wechseln sich in loser Folge ab, ohne das der Leser die Tat einem einzelnen Verdächtigen zuschieben kann. Hinsichtlich der Aufklärung wirkt Ron Goularts Arbeit überzeugender als in den folgenden Bänden, auch wen die eigentlichen Motive zu einfach gestrickt worden sind und mit mehr Entschlossenheit und vor allem Intelligenz auf Seiten der Hintermänner ein durchaus perfektes Verbrechen hätte begangen werden können. Warum in einem Sündenpfuhl wie Hollywood mit einer überforderten und eingeschüchterten Polizei und angesichts sehr vielen nicht aufgeklärten Unglücksfällen der Stars ein Täter ordentlich verpackt mitgeliefert werden muss, übersteigt den Vorstellungshorizont des Lesers und lässt sich rückblickend manche Szene ein wenig zu konstruiert erscheinen.
Viel interessanter sind die Beschreibungen Los Angeles. So wird Groucho auf einer Marx Brothers Ausstellung in einem Wachsmuseum Hollywoods von einem unbekannten Attentäter angegriffen. Diese Szene ist deutlich effektiver als der Anschlag auf den Brettern, welche die Welt bedeuten, aus dem Auftaktband. Denby wird von einem bekannten Gangster entführt und in einer Achterbahn „gefoltert“. Immer wieder dreht der Karussellwagen seine Runden, während man Denby einzuschüchtern sucht. Auf der einen Seite sicherlich ein opportunes Mittel, auf der anderen Seite eine exzentrische Sequenz. Ron Goulart gelingt es, diese Sequenz noch zu übertreffen, in dem er Groucho Marx mit einer potentiellen Zeugin – ebenfalls ehemalige Schauspielerin, jetzt Prostituierte – aus dem Fenster eines Bordells springen lässt, unmittelbar bevor die Verfolger – korrupte Polizisten – beide verhaften und töten können. Die Balance zwischen effektiver Spannung und unterhaltsamer Komik stimmt in beiden Sequenzen und sie gehören zu den besten Szenen der ganzen Reihe. Interessant ist, das Frank Denby in erster Linie von einer Schwierigkeit zur nächsten stolpert, während Groucho Marx mit seinen unorthodoxen Mitteln die Ermittlungen wirklich voran bringt. Vor allem sind die Zeugin wie die Bordsteinschwalbe sowie eine reiche, eifersüchtige Witwe nicht nur Staffage, sondern werden nachvollziehbar für den Leser verhört. Ergänzt wird das Spektrum durch den obligatorischen ehrlichen Cop, der auf der einen Seiten mit den beiden Amateurdetektiven, die sich im Vergleich zu späteren Abenteuern nicht unbedingt schusselig oder dumm anstellen, nicht viel anfangen kann, sie aber auf der anderen Seite als eine Art Puffer gegenüber den korrupten und unter dem Schutz des Kartells stehenden Detektiven braucht.
Abgerundet wird der Roman durch einige interessante Nebenfiguren. Die Affäre bis zur Ehe mit Jane wird für Frank Denby heißer und Jane beginnt ihr eigene Daily Comicreihe zu entwickeln, mit welcher sie später genauso viel Erfolg haben wird wie ihr Mann als Radioautor. Die Liebesgeschichte wirkt ein wenig zu zuckersüß, zu künstlich. Jane dient als Seelsorger, Stichwortgeber und in einigen Kapiteln leider auch als die kompakte Handlung unnötig dehnendes Element. Im Vergleich zu den späteren Bänden traut Ron Goulart ihr allerdings ein wenig mehr als nur die Stichwortgeberrolle zu. Groucho Marx muss sich mit einem impertinenten Tycoon und seinem dummen Sohn auseinandersetzen, welche die Drehbücher für ihre Radioshow umschreiben lassen wollten. Es ist interessant, wie wenig affektiert und wie entschlossen pointiert Groucho Marx argumentieren kann, wenn es um seine besten Freunde – und dazu gehört sicherlich Frank Denby – geht. Am Hollywoodsystem mit seinen schmierigen Agenten lässt der Autor kein gutes Haar. So treffen der drittklassige Agent Ruhe McCloskey und Groucho Marx aufeinander. In dem ungewöhnlich dunkel, fast zynisch geschriebenen Dialog geht es um die diversen Nebenrollen, denen sich manche nicht unbedingt erfolgreiche Schauspielerinnen verschrieben haben.
Zusammengefasst ist „Groucho Marx, Private Eye“ nicht nur eine gelungene Hommage an die Hardboiled Schnüffler, auch wenn weder Groucho Marx noch Frank Denby wirklich “harte“ Jungs in der Tradition Bogarts sind oder sein wollen, sondern vor allem ein trotz kleinerer Schwächen und ersten Versuchen, eine Art Schema F für die Groucho Marx Mysterys zu etablieren, spannender und unterhaltsamer Roman mit einem wirklich noch überragenden Groucho Marx, aus dessen verbalen Waffenlager sich Ron Goulart mehrmals sehr gelungen bedient, einem noch dreidimensionale Frank Denby, aber vor allem sehr vielen interessanten, skurrilen und doch irgendwie – siehe der Mann, der Fitzgerald ähnlich sah – passend vertrauten Nebenfiguren, welche dem vorliegenden Band seine Tiefe und seine Dynamik geben.




Ron Goulart: "Groucho Marx, Private Eye"
Roman, Hardcover, 263 Seiten
Saint Martin´s Press 1999

ISBN 9-7803-1219-8954

Weitere Bücher von Ron Goulart:
 - Elementary, my Dear Groucho
 - Groucho Marx und die Broadway Murders
 - Groucho Marx, King of the Jungle
 - Groucho Marx, Meisterdetektiv
 - Groucho Marx, Secret Agent

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