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Krimi (diverse)



Eoin Colfer

Fletcher Moon - Privatdetektiv

rezensiert von Thomas Harbach

Eoin Colfer hat mit den ersten Romanen seiner „Artemis Fowl“ Serie einen hochintelligenten, vorpubertären Westentaschenverbrecher etabliert und populär gemacht. Der Abkömmling einer reichen Familie mit dunklen Wurzeln hat er seinen verschwundenen Vater gesucht, den Elfen das Gold gestohlen und sich schließlich eher widerwillig als auch Überzeugung zum Guten bekehren lassen. „Bösewichte“ jeglicher Art wirken oft charismatischer als die meist leblosen, lieben guten Helden. Dabei braucht man nur „Batman“ mit „Superman“ vergleichen. Mit dem ersten Band einer neuen Reihe „Half Moon Investigations“ macht sich der Ire Colfer jetzt auf, wieder einen für sein Alter – 12 Jahre – zu intelligenten, manchmal naseweisen Jungen als Helden zu etablieren, als richtigen Helden mit einer Detektivmarke und dem Bestreben, irgendwann eine Mischung aus Polizist, Agent und Freiberufler zu werden. Offenkundig ist „Fletcher Moon, Privatdetektiv“ als erster Band einer ganzen Reihe von Romane vorgesehen, denn am Ende des ersten richtigen und gefährlichen Falls gründet Moon zusammen mit seinem zuerst unfreiwilligen Partner die Junior- Detektiv- Agentur, bis zur Volljährigkeit auf die kleinen , zutiefst menschlichen und doch jagenswerten Verbrechen spezialisiert. Gleich von Beginn an stellt Colfer klar, dass Moon ein echter Detektiv ist. Zwei Jahre hat er per Fernstudium die Detektivmarke sich verdient – woher er das Geld für diese teuren Kurse hat, wird nicht weiter eruiert, für die zweihundert Dollar für eine Ersatzmarke müsste er zumindest ein Jahr sparen und man sollte davon ausgehen, dass der komplette Kurs deutlich teurer gewesen ist. Der Zufall wollte es, dass Moon den gleichen Vor- und Nachnamen seines Vaters trägt, als hat er prompt dessen Geburtsurkunde eingeschickt. Im Zeichen von Internet und E-Mail lässt sich auch das postalische Problem – Postfächer für 12jährige wären ein wenig übertrieben – lösen. Jetzt ist er der richtige Schuldetektiv und geht seinen Mitschülern ein wenig auf die Nerven. Bis sie ihn anheuern, denn auf dem Campus ist einem Mädchen der elektronische Organizer gestohlen worden. Der Täter ist auch schnell identifiziert, er gehört zu einer kriminellen Familie, deren Vater eine umfangreiche Akte bei der Polizei hat, dem aber nie etwas richtig nachgewiesen werden konnte. Während der jüngere Bruder in die Ecke getrieben worden ist, verteidigt ihn sein älterer Bruder nicht zuletzt aufgrund von dessen Unschuldbeteuerungen. Mit Hilfe der Deduktionsmethode und einem scharfen Auge gelingt es Fletcher Moon, das Versteck des Organizers zu finden, der Täter stelt sich schließlich selbst eine Falle und bevor er der gerechten Strafe übergeben werden kann, kommt die Schuldirektorin mit ihren beiden Hunden, sie schätzt es nicht, dass zur Aufklärung von Verbrechen ausgerechnet ihre Blumenbeete umgegraben werden mussten.

Mit einem seicht lakonischen Stil stellt der Autor dem Leser gleich die wichtigsten Protagonisten vor. Unbemerkt für den Leser befindet sich auch in diesem Kreis der Täter des großen, sich anschließenden Falls. Wie es sich für klassische Detektivgeschichten gehört, wird das Geschehen erst einmal gänzlich aus der Perspektive des Ermittlers beschrieben. Dabei bemüht sich Colfer, seinen „Helden“ nicht zu arrogant, naseweise oder selbst überzeugt zu beschreiben. Ein schmaler Grad, nur mit einigen ironischen Seitenhieben kann der Autor verhindern, dass sich zwischen Protagonisten und Leser eine Distanz aufbaut. Geschickt beschreibt er das Portrait des exzentrischen Schulhofaußenseiters, der sich – wie auch in der Realität – in eine Art Traumwelt zurückgezogen hat. Nur in diesem Fall hat die Traumwelt gleichzeitig eine enge Verbindung mit der harten Realität des Schullebens. In einem überzogenen Rückblick zeigt Colfer, wie Moon schon als Dreijähriger in der Spielstube seinen ersten Fall gelöst hat. Aufgrund seiner Beobachtungsgabe konnte er die eher eindimensional, klischeehaft beschriebene Kindergärtnerin davon überzeugen, welche der Kleinen den glitzernden Verlobungsring an sich gebracht hat. Wer Kinder hat, wird wissen, dass alles was glitzert eine Faszination auf die Kleinen ausübt, das die Kindergärtnerin selbst nicht auf die Idee gekommen ist, unterstreicht die Absurdität, welche Colfer manchmal spielen muss, um seinen Roman im Fluss zu halten.

Schließlich erhält Moon im Anschluss seinen ersten richtigen Fall. Zehn Euro por Tag ist sein Honorar, da Schulzeit abgerechnet werden muss, reicht ein Tageshonorar für drei Kalendertage Er soll die Haarlocke eines Teenie- Idols wieder finden, die aus einem kleinen Spielhaus gestohlen worden ist. Der Auftraggeber ist eine hübsche Schulkameradin, der Täter gehört zu der kriminellen Großfamilie, alleine das Motiv ist noch schwammig. Moon beginnt mit den Ermittlungen und wird zuerst bei seinen Untersuchungen brutal zusammengeschlagen. Hier verlässt Colfer zum ersten Mal im Verlaufe des Buches die kindliche Ebene, die Szene überrascht in ihrer Brutalität, Moon wird das Nasenbein gebrochen und er erwacht schließlich im Krankenhaus. Das Mitleid der Erwachsenen insbesondere seiner Eltern wird ihm zu Teil, aber in einem unbeobachteten Moment nimmt er seine Ermittlungen wieder auf. Das wirkt unglaubwürdig und überzogen. Das der vermeintliche Täter sich schnell als einziges nur bedingt kriminelles Element der Familie herausstellt und lieber ehrlich durchs Leben gehen will, als immer mit den Vorurteilen seiner Sippschaft gegenüber konfrontiert zu werden, ist ein klischeehaft notwendiges Element, um Moon die richtige Unterstützung zu geben. Hier kann er sich bei seinen Ermittlungen verstecken, ihm steht mit einem Chauffeur ein Motorrad zur Verfügung und im Grunde das bodenständige Gegenstück zu seinen eher geistigen Ermittleransichten. Nach der nächsten Untersuchungsaktion findet man Moon niedergeschlagen mit einer Fackel in der Hand auf einem fremden Grundstück. Ein kleines Spielhaus ist angesteckt worden und natürlich ist Moon sofort und augenscheinlich der Täter. Auch für den Polizisten, mit dem er über längere Zeit Informationen ausgetauscht hat. Diese einseitige Reaktion ohne richtige Argumente dient im Grunde unüberzeugend zur Isolation des Protagonisten, damit er nur auf seinen Partner gestellt den Fall abschließen kann. Ganz bewusst hat Colfer schließlich das Szenario cineastisch auslaufen lassen. Mit einem Schuss Surrealität – sein Partner muss sich wieder in einem Wettbewerb als Elvis verkleidet unter die Teil die Menge mischen – kommt es schließlich zu einer doppelten Konfrontation Täter Ermittler. Erst stellt Moon die falsche Person als Täterin heraus, um dann wie am Anfang mittels einer Mischung aus Intuition und Bluff den wahren Täter überführen zu können. Die Motive des Täters sind allerdings eher oberflächlich dargestellt, insbesondere für einen Jugendroman weisen sie einen falschen Weg und wirken im Kern unoriginell und den gesamten Handlungs-/ Spannungsbogen betrachtend enttäuschend.

„Fletcher Moon“ ist für ein eindeutig jugendlicheres Publikum als die „Artemis Fowl“ Romane geschrieben worden. Die Handlung ist einfacher strukturiert, die Themen sind griffiger. Das Zielpublikum sind die Anhänger von „Die drei Fragezeichen“ und „TKKG“. Mit seinem so typischen irischen Humor gelingt es Colfer, insbesondere zu Beginn das Ausgangsszenario überzeugend sympathisch zu beschreiben. Im Verlaufe der Handlung greift er allerdings unnötig auf einige Rollenklischees zurück. So stören die rebellierenden Jungs die strebsamen Mädchen in ihrer Entwicklung von den drei K´s – Küche, Kirche und Kinder – zu gut ausgebildeten selbstständigen und zur Karriere entschlossenen Frauen. Diese wehren sich auf boshafte, aber zum Schmunzeln anregende Weise. Aus diesem außerordentlichen Szenario macht der Autor dann gegen Ende des Buches zu wenig, die Handlung wird bodenständiger und selbst für Jugendliche zu einfach abgeschlossen. Das tragische Element geht im Grunde verloren. Hier hätte Colfer seinen jugendlichen Lesern mehr Vertrauen schenken können und müssen. Nicht nur die Abruptheit, mit der Colfer den Roman beendet, stört die Komposition, sondern die Motive des Täters entsprechen genauso wie seine Überführung den Klischees des Kitschromans. Positiv argumentiert der Autor nachhaltig und überzeugend gegen vorschnelle Vorurteile und Sippenhaft. Auch Fletcher Moon muss mehr oder minder schmerzhaft erkennen, dass man im Leben gute Freunde braucht, mit denen man durch dick und dünn gehen kann. Manchmal – wie in diesem Roman – fallen sie einem buchstäblich in den Schoss, man muss es nur erkennen.

Als Beginn einer neuen Romanserie braucht Eoin Colfer eine gewisse Zeit, um den anfänglich zu ambitioniert sowie übertrieben eingeführten Charakter auf ein erträgliches und überzeugendes Maß zu reduzieren. Im Mittelteil gewinnt der Roman deutlich an Format und Spannung, die etwas holprige Episodenstruktur wird geglättet, die Ermittlungsarbeit angemessen spannend und nachvollziehbar erläutert. Die Nebencharaktere hätten allerdings durchaus nuancierter beschrieben werden können und teilweise müssen. Flott erzählter, stilistisch unterhaltsamer und nach einigen anfänglichen holprigen Passagen gut geschriebener Roman mit einer nicht unbedingt überraschenden Prämisse, aber akzeptabler Ausführung.

Eoin Colfer: "Fletcher Moon - Privatdetektiv"
Roman, Hardcover, 336 Seiten
Carlsen Verlag 2007

ISBN 3-5515-5491-9

Weitere Bücher von Eoin Colfer:
 - Artemis Fowl - die verlorene Kolonie
 - Artemis Fowl- Das Zeitparadox
 - Artemis Fowl- Der Geheimcode
 - Artemis Fowl: Der Atlantis- Komplex
 - Cosmo Hill- der Supernaturalist
 - Meg Finn und die Liste der vier Wünsche
 - Und übrigens noch was

Leserrezensionen

Leserrezensionen
16.11.09, 21:20 Uhr
Wedernoch
unregistriert


Eoin Colfer hat sich mit Fletcher Moon einen Wunsch erfüllt, nehme ich an. Denn es ist der pure Spaß an einem Detektiv-Roman, der ihn dazu getrieben hat mal so richtig in die Klischeekiste zu greifen und einen klassischen Detektivroman zu schreiben. Während Artemis Fowl zu den großen Werken gehört, ist dieses Buch einfach aus Lust entstanden.
Da trifft die Kritik an Unfertigem oder nicht Ausgebautem gar nicht. Darum geht es nicht.
Wenn man den Roman aus dieser Perspektive ansieht, begegnet einem alles, was zu einer Kinderdetektivstory gehört.
Fletcher ist ein Denker. Und sonst zeichnet ihn auch gar nichts aus. Deshalb ist es für ihn immens wichtig, dass er sich eine Detektiv-Marke erarbeitet hat. Damit kann er beweisen, dass er etwas kann. Und wie es sich für einen Kinderdetektiven gehört, kann er nicht allein über das Nachdenken den Fall lösen, weil es die liebe Leserschaft noch nicht durchhält. Also kommen abenteuerliche Ereignisse hinzu, die den Spannungsbogen aufrechterhalten. Er bekommt einen Kompagnon, der komplementäre Eigenschaften mitbringt. So gelingt es ihnen gemeinsam, sich von den Vorwürfen zu befreien und den wirklichen Täter zu finden. Fletcher ist mit seinem Auftreten ein Antiheld. Niemals geht er aggressiv auf andere zu. Nichts bekommt er von allein. Er ist kein Superman. Seine Ausbildung zum Detektiv hat er über eine Akademie absolviert. Dadurch hat er in der Tat ein Wissen für die Lösung der Fälle im Kopf. So wie andere Kinderdetektive sich an Aussprüche bekannter Vorbilder erinnern, rezitiert Fletcher das Handbuch der Bernstein Akademie. Das ist eine lustige Idee. Genauso witzig sind die Klischees, die Colfer in die Geschichte einbaut. Da ist nicht der große literarische Anspruch. Nein, es soll einfach beim Schreiben und beim Lesen Spaß machen. Und das tut es!!!!!
Wenn die Mädchengruppe ausschließlich in rosa herumläuft und auch der Hund rosa trägt, ist es nicht aus Versehen. Dick aufgetragen und zwar in alle Richtungen hat der Autor. Das erkennen die jungen LeserInnen sehr wohl und kommen mit den merkwürdigen Kritiken der Erwachsenen, wie der obigen gar nicht zu recht. Zu Recht!