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Krimi (diverse)



Dean R. Koontz

Der Wächter

rezensiert von Thomas Harbach

Mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerks produziert Dean R. Koontz umfangreiche, spannende und vielschichtige Romane. Dabei bemüht er sich, für ein eher Mainstream orientiertes Publikum die Grenzen zwischen Thriller und Mystery mit verschiedenen Gruseleinlagen zu erweitern. Auch wenn in seinen letzten Romanen eher Protagonisten aus der gehobenen Gesellschaft im Mittelpunkt stehen, sind es in erster Linie die einfachen Figuren, die seine Romane so lebensnah erscheinen lassen.

Channing „Das Gesicht“ Manheim ist der Superstar Hollywoods. Er kann in der Glitzerwelt seinen Preis bestimmen und geht mit 50 Millionen Dollar pro Film nach Hause. Da er zwei oder drei Filme im Jahr dreht, ist er selten in seiner opulenten Villa. Diese Festung wird mit Geschenken seiner Anhänger regelrecht überschüttet. In letzter Zeit finden sich aber eher bedrohliche Gaben auf dem Grundstück. So schickt ein Fan eine Reihe von kleinen schwarzen Kästen mit obskuren Inhalten. Der ehemalige Cop und jetzige Sicherheitschef Ethan Thomas erkennt auf den Videobändern eines der Fahrzeuge, mit dem diese „Geschenke“ gebracht werden. Er folgt dieser Spur und wird vom Verdächtigen kaltblütig erschossen.
Einen Augenblick später wacht er in seinem Wagen wieder auf. Unverletzt, aber mit Blut unter den Fingernägeln.
Vorsichtig wühlt er weiter, aber er kann die unheimliche Bedrohung nicht fassen.

Der minderjährige Sohn erhält in der Zwischenzeit warnende Anrufe von einer ihm unbekannten „Person“, die sich Moloch nennt. Sie warnt den Jungen vor einem Eindringling, der in der Nacht zu Heiligabend ihn entführen und bedrohen soll. Der Junge verzichtet darauf, Ethan zu informieren.

Fast zu spät kann dieser die Telefonanrufe mit seinen eigenen Halluzinationen zu einem erschreckenden Gesamtbild verbinden.


Dean R.Koontzs Roman „Der Wächter“ funktioniert auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die klassische Krimihandlung: Erfahrener Cop übernimmt besser bezahlte Stelle in der freien Wirtschaft, hier bei einem bekannten Hollywoodschauspieler. Er kann sich nur schwer in diese oberflächliche Glitzerwelt einfinden. Seinem Privatleben steht ein schwerer Schicksalsschlag – der frühe Krebstod seiner Frau vor fünf Jahren – im Wege, obwohl eine ehemalige Kollegin ihn liebt.
Auf eine Unregelmäßigkeit aufmerksam gemacht, ermittelt er auf eigene Faust. Nutzt seine alten Verbindungen, um an verschiedene Informationen zu kommen. Doch er folgt der falschen Fährte. In Wirklichkeit wird der Sohn des Hollywoodstars bedroht. In letzter Sekunde können seine Polizistenfreunde mit eigenen Untersuchungen und der Wächter dem richtigen Täter und folgerichtig auch dem richtigen Opfer in die Quere kommen.
Diese gesamte Ebene funktioniert mit einer gewissen Routine. Kaum Überraschungen, einfache, aus ehrlichem Holz geschnittene Figuren, vom eigenen Schicksal gezeichnet, doch entschlossen, ihre Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen. Der Entführungsplot mit seinem komplizierten Aufbau und der insbesondere auf den letzten hundert Seiten zu konstruierten Durchführung in Kombination mit einem sadistischen, aber brutalen Racheplan fesseln den Leser nur unbefriedigend. Zu oft hat sich Koontz in seinen letzten Roman davor gescheut, wirklich gute Figuren sterben zu lassen.

Die zweite Ebene ist die Bühne, auf der die Schutzengel agieren. Damit ist keine Umschreibung der Leibwächter gemeint, sondern echte Engel. Dunny war ein Jugendfreund Ethan Trumans. Über eine Frau, die sich für Truman und nicht Dunny entschieden hat, ist diese Männerbeziehung zerbrochen. Dunny geriet auf die schiefe Bahn . Als er sich lossagen wollte, entschlossen sich zwei ehemalige „Kollegen“, eine alte Rechnung zu begleichen. Mit schweren Kopfverletzungen und apathisch wurde Dunny in eine Pflegestation eingeliefert. Dort verstarb er schließlich. Als Truman seine Leiche identifizieren soll, ist diese Verschwunden. Auf einer anderen Ebene wird Dunny erklärt, dass er die Entführung des Jungen verhindern soll. Dabei rettet er zweimal Truman im Laufe von dessen Ermittlungen das Leben.

Ohne weitere Erklärungen erschafft Koontz hier –wie in Filmen wie „Stadt der Engel“ – eine metaphysische Ebene. Die beiden Handlungsbögen berühren sich alternierend in unserer Realität und zum Abschluss des Buches auch auf der anderen Basis. Hier bemüht sich der Autor, noch ein überraschendes, aber schnell erkennbares Plotelement einzufügen. Diese letzten Abschnitte negieren die Intention des bislang geradlinigen, mit übernatürliche Elementen untersetzten Thrillers und führen die Ereignisse ad absurdum. Optisch wirken sie geschickt und erfahren in Szene gesetzt, sie geben aber im Nachhinein keinen Sinn.

Könnte der Roman auch ohne die Schutzengel und Teufel funktionieren? Ja, es wäre ein normaler, spannender Krimi vor der blendend weißen und innerlich verfaulten Kulisse Hollywoods. Die übernatürlichen Elemente sind zwar von Koontz sehr gut in die realitätsnahe Handlung integriert, aber ihre Absicht wird nicht unbedingt deutlich. Handelt es sich bei Truman und seinem Schützling um ausgewählte Menschen oder finden sich diese höheren Wesen bei uns allen, um unvollendete Aufgaben zu übernehmen oder unser Leben mehr als einmal zu retten? Was sind die allen unbekannten Regeln? Obwohl Gruselautoren dazu neigen, möglichst viele Fragen zu stellen, aber wenige Antworten zu geben, verwendet Koontz diese Ebene ganz deutlich als Alibi, um einen brutalen, geistig gestörten Bösewicht zu erschaffen und den Guten eine weitere Waffe an die Seite zu stellen. Thomas Harris und Stephen King vereinigten sich in diesem Koontz Thriller, ohne das sich Beide wirklich etwas zu sagen haben.
Die Enttäuschung dieses Buches kann als typische Reflektion Koontz´scher Bücher verstanden werden: er kann Geschichten schreiben, die packen, gute Ausgangszenarien entwickeln und farbenprächtige, vielfältige Hintergründe erschaffen. Oft steht sich anschließend der Autor selbst im Wege. Bücher wie „Moon“ oder „Phantoms“ mit ihren bekannten Ideen, aber herausragend geschriebenen Szenarien, die eine Gänsehaut verursachen, hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Was geschickt aufgebaut wird, entfleucht durch eine schlampige Aufdeckung bekannter Szenarien. Nur in seltenen Fällen gelingt die Kombination außerordentlicher Ideen mit einer originellen Handlung- siehe „Whisper“ oder „Servants of Twilight“. Stephen King geht einen anderen Weg. In seinen zum Teil umfangreichen Romanen finden sich außerordentliche Ideen in einem einfachen, aber ausschweifenden Stil erzählt. Reicht die Idee nicht für den Roman wie in „Dreamcatcher“ oder „Duddits“, ist er in Schwierigkeiten. Koontz dagegen verfügt über eine stilistisch reichhaltige Bandbreite und kann sich selbst bei ganz schwachen Handlungsbögen auf eine bestimmte Ebene retten. Selten sind seine Bücher unlesbar.
In „Der Wächter“ ist Koontz trotz dieser ganzen Schwächen ein so guter Berichterstatter, dass er diese Geschichte gerade wegen der Vorhersehbarkeit vieler Elemente noch ungemein packend erzählen kann. Die beiden Sterbeszenen Trumans seien stellvertretend herausgestellt. Erst verwirrt er seine Leser und seinen Protagonisten, um dann in schneller Abfolge die Bedrohung zu verdeutlichen und einen Bogen zu den übernatürlichen Elementen zu schlagen. Dem Leser bleibt nichts anderes übrig, als Koontz in diese chaotische Beziehungskiste zu folgen und mitzuerleben, wie die natürliche Ordnung durch die Kräfte des Lichts mehr als einmal gesichert wird. Weiterhin hilft der unauffällige und gut zu lesende Stil des Autoren die Geschichte in kurzer Zeit und in einem Stück zu goutieren.

„Der Wächter“ mit dem passenden doppeldeutigen Titel ist gehobene Unterhaltung. Kein klassischer Thriller, aber auch kein typischer Mysteryroman. Er trägt in seinem dunklen Herzen von beidem etwas. Aber das Herz schlägt sehr langsam.

Dean R. Koontz: "Der Wächter"
Roman, Softcover
Heyne 2005

ISBN 3-4530-1207-0

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