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Interviews



Im Gespräch mit Christian Lukas

von Klaus Michels

Christian Lukas ist seines Zeichens anerkannter Filmjournalist, sowie Autor zahlreicher Bücher aus dem Mystery- und Horror-Genre. In einem von Klaus Michels geführten Interview sprach Christian Lukas über seine kommenden Projekte, sowie die kürzlich erfolgte Übernahme von Heyne durch Springer.

Klaus Michels: "Buffy - Das Abenteuer geht weiter" ist nach "Die Scream Trilogie ...und die Geschichte des Teen-Horrorfilms" nun bereits das zweite Werk innerhalb kurzer Zeit aus Sascha Westphals und Deiner Feder. Was wird den Leser nach dem Kauf erwarten?

Christian Lukas: Im Gegensatz zum zweiten Buch, in dem wir uns zunächst sehr ausführlich mit dem Leben der Teenager in den USA der Gegenwart auseinander gesetzt haben, um bestimmte, allgemeine Hintergründe der Serie zu erklären, stürzen wir uns in unserem nunmehr dritten "Buffy"-Buch - nach einer kurzen Einleitung - direkt ins Getümmel und nehmen uns jede einzelne Episode der vierten Staffel vor. Wir widmen uns zunächst dem jeweiligen Inhalt, um dann Episode für Episode zu analysieren. Das kann mal aus einer eher filmhistorischen Sicht passieren, wie im Fall der fast schon expressionistisch zu bezeichnenden Episode "Hush", die sich ganz in der Tradition solcher Klassiker wie "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" bewegt, in anderen Fällen widmen wir uns eher den Verbindungen zum heutigen Teenager-Film. Ich bin sehr stolz auf ein Interview mit Jeff Pruitt, dem ehemaligen Stunt-Koordinator, der sehr offen über die Serie, Star-Allüren und seinen Rausschmiss redet. Allerdings muss man manchmal zwischen den Zeilen des Interviews lesen, um die versteckten Spitzen, die er gegen eine ganz bestimmte Darstellerin schießt, nicht zu überlesen.

KM: Hast Du keine Bedenken, mit diesem inoffiziellen Werk zu Buffy in rechtliche Schwierigkeiten zu kommen? Gerade in Deutschland ist man mittlerweile durch die spitzfindigen Lizenzgeber recht vorsichtig geworden.

CL: Nein. Die Fox weiß, dass es unsere Bücher gibt und hat sich bislang sehr generös verhalten. Und auch Pro 7 hat unsere Arbeit bislang mit großem Wohlwollen verfolgt. Es kommt bei Büchern dieser Art darauf an, keine Rechte zu verletzen. Rechte verletzt man vor allem durch die Verwendung von Fotomaterialien. Und was dies betrifft, ist Vorsicht geboten. Bildrechte sollten vorsichtshalber doppelt und dreifach abgeklärt werden. Ich spreche aus Erfahrung, da ein Buch, das Claudia Kern und ich 1998 über die Serie "Stargate" geschrieben haben, aus genau diesen Grund einmal ins Fadenkreuz geraten ist. Wenn es um den reinen Inhalt eines Film- oder Fernsehbuches geht, hat man in Deutschland jedoch sehr große Freiheiten, da Arbeiten, wie die unseren, vom Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt werden. Wir schreiben ja nicht nur eine Pressemappe ab, sondern wir sind Film-Journalisten, in deren Arbeit im Mittelpunkt eine kulturelle, (film-)historische, soziologische, unabhängige Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema steht.

KM: Vor kurzem konnte man aus den Nachrichten die Übernahme des Heyne Verlags durch Springer erfahren. Wie wird sich diese Aktion auf die Arbeiten von Autoren aus dem SciFi- und Mystery-Genre im Allgemeinen auswirken?

CL: Für einen außenstehenden, freien Autor, der für verschiedene Verlage arbeitet, ist es schwer, auf eine solchen Frage eine Antwort zu geben, da unsereiner über die unternehmerischen Aspekte, die zu dieser Fusion geführt haben, ja auch nicht mehr weiß als das, was die Presse berichtet hat. Aber bevor ich zu einem Statement geprügelt werde, hier meine Meinung: Heyne ist ein ganz hervorragender Verlag auf dem Sektor allgemeiner Unterhaltung. Daher nehme an, dass für die Leser im Großen und Ganzen erst einmal alles so bleiben wird, wie es ist. Wir Autoren werden uns einfach überraschen lassen müssen.

KM: Was können wir in Zukunft von Dir erwarten? Gibt es bald Neues aus Deiner Feder, oder wirst Du Dich nun erst einmal anderen Projekten als der Science Fiction zuwenden?

CL: In den nächsten Wochen erscheint "Onscreen 2". Das ist eine Art Rückblick auf die Filmjahre 1999 (allerdings nur die letzten Monate) und 2000, ausschließlich über Interviews, die eine Reihe von Journalisten im vergangenen Jahr mit Filmschaffenden geführt haben.

KM: Zum Beispiel mit wem?

CL: Wir haben Interviews unter anderem mit Paul Verhoeven zu "Hollow Man", Willem Dafoe und David Cronenberg zu "eXistenZ", Chow Yun-Fat und Jodie Foster zu "Der König und ich", Roman Polanksi zu "Die neun Pforten" oder auch Gerry Marshall zu "Die Braut, die sich nicht traut". Es sind etwa 70 Interviews mit Filmschaffenden aus den unterschiedlichsten Genres. Man darf einfach keine Angst oder Vorurteile gegenüber Leuten haben, die man als Schauspieler oder Regisseure vielleicht nicht mag, denn oft sind sie es, die am Meisten zu erzählen haben. Wobei Paul Verhoeven, mit dem wir schon in "Onscreen 1" ein Interview gehabt haben, stets einer meiner großen Favoriten bleiben wird! Aber mit ihm ein Interview zu machen, darüber kann man eigentlich nicht berichten, dass muss man erlebt haben.

KM: Wie wird sich die Science Fiction in Zukunft weiterentwickeln? Wird es bergauf oder bergab gehen?

CL: Was die Roman-Literatur betrifft, möchte ich kein Statement abgeben, da ich dies betreffend kein Experte bin. Auf dem Sektor der Sekundärliteratur, auf dem ich mich herum treibe, ist zur Zeit etwas Stille eingekehrt. Es fehlt einfach eine neue "Akte X", ein Format, das so mitreißend daher kommt, dass jeder Verlag einfach darüber schreiben lassen muss. Das Problem ist: Als "Akte X" im Fernsehen gestartet ist, ließ man sich die Formate entwickeln. Dies ist heute leider anders. Wenn ein Format im Fernsehen nicht gleich funkt, ist es schlecht, sagen dann die verantwortlichen Redakteure. Basta. Dass man ein Publikum vor allem an die außergewöhnlichen Formate erst einmal heranführen muss, hat sich zu diesen Leuten noch nicht herum gesprochen. "Akte X" zum Beispiel, hätte heute keine Chance mehr, denn erinnern wir uns an die ersten Quoten in den USA, die waren gerade mal mittelprächtig. Aber ist sehe durchaus Silberstreifen am Horizont: "Andromeda" hat das Publikum beispielsweise in zwei Lager geteilt. Eines, in dem man es liebt und eines, in dem man es hasst. Das ist gut, denn wenn man sich streitet, spricht man über eine Serie! Persönlich mag ich "Farscape", die Serie hat ein großes Potenzial. Aber in Deutschland ist sie leider nicht gerade ein großer Erfolg. Wenn wir uns den Mystery-Sektor anschauen, kann ich nur sagen, dass "Angel", der "Buffy"-Ableger, ein Hammer ist - wenn man über die ersten Folgen, die etwas Anlaufschwierigkeiten haben, einmal hinweg sieht. Gespannt bin ich auf James Camerons "Dark Angel" und offenbar hat es "Roswell" geschafft, eine echte Fan-Gemeinde aufzubauen. Vielleicht wird diese Serie der große Sleeper der Zukunft.

Was das Kino betrifft, werde ich mich jetzt, zum Ende dieses Interviews, fürchterlich unbeliebt machen: Wenn im Sommer 2001 "Star Wars Episode 2" in den Kinos anläuft und nicht mindestens 500 Prozent besser sein wird als Teil eins, dann wird SciFi im Kino in den Abgrund stürzen. Ob "Star Wars Episode 1" ein Erfolg gewesen sein mag oder nicht: Inszenatorisch war der Film eine Katastrophe, die das SciFi-Kino ermordet hat. Und so genial "Matrix" gewesen sein mag - inspirieren konnte er andere Filmemacher nicht wirklich, weshalb ich den Fortsetzungen skeptisch gegenüber stehe. Da bleibt dann ja wohl nur noch "Der Herr der Ringe". Wenn er ein Hit wird, wird alles gut. Wenn nicht, dann wird es für SciFi und Fantasy in den nächsten Jahren im Kino fürchterlich dunkel aussehen.