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Horror (diverse)



Richard Laymon

Finster

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Finster“ – der Heyne Verlag sollte endlich von den Einworttiteln abweichen und die teilweise ausgesprochen pointiert und treffend ausgewählten Originaltitel wie in diesem Fall „Night in the lonesome October“ adäquat ins Deutsche übersetzen – liegt wahrscheinlich der letzte Roman vor, an dem Richard Laymon vor seinem plötzlich Herzanfalltod am Valentinstag 2001 gearbeitet hat. Obwohl sich ausgesprochen viele typische Elemente eines Richard Laymon Romans bis hin zur effektiven wie persönlichen Ich- Erzählerebene finden, der Plot über einige Versatzstücke aus früheren Werken verfügt und letzt endlich das Ende wie in zu vielen Laymon Thrillern zu hektisch, zu stereotyp niedergeschrieben erscheint, ist es ein interessanter Versuch, aus den engen Grenzen insbesondere seines rudimentären Horrorthrillersexgenres auszubrechen.
Im Mittelpunkt der Handlung steht der zwanzig Jahre alte Student Ed Logan. Männliche Charaktere als Erzähler sind für Richard Laymons umfangreiches Werk schon eher selten, aber der Autor nimmt sich fast ein Fünftel des Romans Zeit, die Gefühlslage Ed Logans ausführlich zu beschreiben, und es handelt sich dieses Mal nicht um einen Frauen hassenden Psychopathen. Seine Freundin Holly scheint ihn verlassen zu haben. Sie wird nicht für das Wintersemester an die Universität in Willmington zurückkehren. Zwei Wochen später erhält Ed Logan den Beweise für seine Vermutungen. Hollys Abschiedsbrief trifft ein. Sie hat einen anderen Mann kennen gelernt.
Er betrinkt sich fürchterlich an dem Freitag, an dem er den Brief erhält. Nachdem er sich von seinem Kater erholt hat, kehrt er am Montag an die Universität zurück. Abends beginnt er rastlos durch die einsamen dunklen Straßen zu wandern und trifft durch einen Zufall auf eine von Hollys Freundinnen, denen er von einem sieben Meilen entfernten Ziel erzählt, zu dem er alleine wandern möchte. Mit der Begegnung zwischen Ed und Hollys Freundin beginnt Richard Laymon sein in diesem Fall literarisches gut ausbalanciertes Spiel mit den Erwartungen seiner Leser und vor allem auch seiner langjährigen Anhänger. Dieser erwartet, das Ed Logan förmlich zu einem psychopathischen Mörder wird, der seinen Frust aus dem Verlust seiner Freundin bei anderen Frauen abreagiert. Wie so oft stellt sich diese erste offensichtliche These als falsch heraus. In der gleichen Nacht begegnet Ed Logan noch einem weiteren jungen, attraktiven Mädchen, der er kurze Zeit folgt. Er beginnt sich mit ihren Motiven zu beschäftigen, er stellt sich vor, wie es wäre, mit ihr befreundet zu sein. Dann verliert er sie aus den Augen.
Am nächsten Abend macht er sich wieder auf, durch die Nacht zu streifen. Nicht mehr auf der Suche nach frischen Donuts, sondern natürlich hält er nach der jungen Frau Ausschau.

In den meisten seiner bisherigen Werken hat Richard Laymon weniger Suspense als direkte Actionsequenzen aufgebaut, aus denen die dynamische Spannung seiner Bücher resultierte. Der Erfolg bzw. Misserfolg von „Finster“ hängt im Grunde alleine an der Akzeptanz Ed Logans durch den Leser. Der Autor bemüht sich, Ed Logan eher als Opfer – immerhin verlässt ihn seine Freundin zu Gunsten eines anderen Mannes – zu beschreiben. Diese Vorgehensweise ist zwar effektiv, da Holly nur indirekt in Form eines Abschiedsbriefes in die Handlung eingreift, wirkt das Bild unvollständig und es besteht die Gefahr, als versuche der Autor seine Leser eher in die gewünschte Richtung zu manipulieren als wirklich eine dreidimensionale wie ambivalente Persönlichkeit zu entwickeln. Ed Logan ist dem Leser zwar nicht unsympathisch, aber der Funke springt insbesondere nach den Entwicklungen der ersten Seiten nicht über. Das Mädchen mit dem Pferdeschwanz als neues Objekt von Ed Logans Träumen, aber nicht unbedingt Begierden greift erst relativ spät in die Handlung ein, um auf der charakterlichen Ebene – immer eine wirkliche Stärke Richard Laymons – eingreifen zu können. Dem Roman fehlt im Grunde eine Art ausgleichendes Element, wie es in vielen seiner Werke der psychopatische Antagonist darstellt. Auf der anderen Seite will Richard Laymon bisherige Strukturen aufbrechen und den Leser eher verunsichern, während Ed Logan die seltsamen Dinge für sich entdeckt, die in den Nächten vor sich gehen anstatt ihn gleich derartig an die Enge zu treiben, das der Leser um seine körperliche Gesundheit bzw. sein Leben oder andersherum das Leben und Wohlbefinden der ihm begegnenden Frauen fürchten muss. Zumindest Hollys Freunden bleibt das Schicksal erspart, das andere Frauen, die einfach nur nett sein wollen, in anderen Werken Richard Laymons erwartet.

Richard Laymons Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Plotentwicklung zeigt sich insbesondere in seinem Rückgriff auf bekannte Elemente insbesondere aus seinen Büchern „In the Dark“, „The Island“ in allerdings stark abgeschwächter Form und schließlich auch hinsichtlich der Handlungsführung aus „The Travelling Vampir Show“. Wer diese Romane (noch) nicht kennt, wird insbesondere den Mittelteil des vorliegenden Buches als ausgesprochen spannend und teilweise sehr dynamisch empfinden. Im letzten Viertel des Romans scheint Laymon allerdings das Interesse am Plot zu verlieren und wie in einer Reihe seiner anderen Bücher gipfelt die finale Konfrontation nicht in einem zufrieden stellenden Showdown, sondern wirkt stark konstruiert und nicht mehr so fließend wie der Auftakt dieses im Grunde experimentell sehr ansprechenden Buches. Dabei ist es bitter, das Laymons postpubertäre Haltung Frauen gegenüber inklusiv der so typisch reizenden, aber nicht immer reizvollen Sexszenen sowie seinen im vorliegenden Band allerdings abgemilderten Gewaltexzessen den hervorragenden Beschreibungen der nächtlichen Spaziergänge gegenüberstehen. Insbesondere Fans seines Werkes werden verblüfft sein, wie – selbst in der etwas sperrigen und nicht immer zufrieden stellenden deutschen Übersetzung – poetisch und intensiv er diese „andere“ Welt beschreibt. Es ist, als wenn das tagsüber bekannte Willmington förmlich in der Nacht ausgetauscht worden ist. Bedeutete Dunkelheit/ Nacht bislang in Richard Laymons Werk immer Bedrohung, Tod und Gewalt, erscheint hier eine Vision, die an eine Mischung aus Stephen King und Joyce Carroll erinnert. Insbesondere die ersten Nachtspaziergänge mit den Begegnungen Ed Logans sowohl mit der besten Freundin seiner Ex- Freundin sowie dem unbekannten Mädchen, dem Ed Logan aus Neugierde, vielleicht sogar aus Einsamkeit, aber nicht aus der Absicht folgt, sie zu entführen, zu foltern, zu vergewaltigen und schließlich zu töten gehören zu den besten und schönsten Szenen, die Richard Laymon in seinem umfangreichen Werk beschrieben hat. Ihm fehlt aber der Mut eines Jack Finneys, der in seinem Alterswerk „The Night People“ eine Gruppe von Mittelständlern beschrieben hat, die sich immer weiter herausfordern und die Grenzen zwischen Schabernack und Kriminalität überschreiten, bis sie sich von ihrer Heimatstadt auf eine derartig verblüffende und überraschende Weise verabschieden, das man den Roman gleich noch einmal von Beginn an lesen möchte, um vielleicht dort erste Spuren dieser Tat zu finden. Die Ansätze sind vorhanden, aber im Verlaufe des Buches biegt Laymon auf eine bekannten Pfade ab und präsentiert keinen unspannenden, keinen langweiligen Roman, sondern eine wie immer ausgesprochen stringente, gut zu lesende, teilweise auch originelle Geschichte mit leider einigen wie schon angesprochen aus anderen Werken bekannten Elementen. Aber der Funke Brillanz strahlt weiter aus den Seiten von „Finster“ heraus und deutet an, das vielleicht irgendwann Richard Laymon das zumindest die Existenz seiner Familie sichernde Ghetto seiner die Grenzen des Horrors – sowohl bei Gewalt als auch Sex - reizenden Fließbandwerke verlassen und andere Romane geschrieben hätte. Wäre er tragischerweise nicht so früh gestorben. Als ungewöhnlicher Einstieg in dessen Werk eignet sich „Finster“ insbesondere für Neuinteressierte sehr gut, mancher Fan wird angesichts des zumindest ansatzweise erfolgreichen Experiments vielleicht mit der Nase rümpfen.

Richard Laymon: "Finster"
Roman, Softcover, 544 Seiten
Heyne Verlag 2010

ISBN 9-7834-5367-5834

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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