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Horror (diverse)



Richard Laymon

Das Grab

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl Richard Laymon sich gängigen Horrorthemen in seinem Werk eher widersetzt hat, gibt es immer wieder den einen anderen Roman, der bekannte und markante Prämissen modernisiert. Mit „Das Grab“ – der englische Originaltitel „Resssurection Dreams“ trifft besser auf das 1989 veröffentlichte Frühwerk – liegt Richard Laymons Frankenstein Variante jetzt auch auf Deutsch vor.
Melvin Dobbs wird von Beginn des Buches an als der klassische Computerfreak beschrieben. Ein natürlich überdrehtes verkannte Genie mit einem perversen Geschmack, auf den keine normal gebildete junge Frau stehen kann. Richard Laymon versucht den Leser zu überzeugen, das Dodds für die Schule ein im Grunde unmögliches Experiment durchführt. Er versucht für die Wissenschaftsausstellung einen menschlichen Körper quasi mit Starterkabeln und Autobatterie wieder zu erwecken. Das Opfer ist eine attraktive wie populäre Klassenkameradin gewesen, die durch einen Autounfall mit Alkohol ums Leben gekommen ist. Erstaunlicherweise nimmt Richard Laymon den im nächsten Jahr gedrehten „Frankenhooker“ in dieser übertrieben geschriebenen Anfangssequenz einiges vorweg. Das ganze Szenario ist im Vergleich zu Laymons urbanen Thrillern leider nicht ernst zu nehmen. Melvin Dobbs wird natürlich in eine Nervenheilanstalt eingesperrt.
Er hat nichts Besseres zu tun, als in seine Heimatstadt zurückzukehren und dort ein bürgerliches Gewerbe – eine Tankstelle – aufzunehmen. Als auch noch mit Dr. Vicki Chandler eine attraktive Klassenkameradin zurückkehrt, für die Dobbs schon in der Schulzeit geschwärmt hat, fallen die Puzzlesteine seines Plans zusammen. Inzwischen hat Dodds in der Abgeschiedenheit der Nervenheilstadt seine Wiederbelebungstechnik perfektioniert. Sollte eine lebendige Vicki Chandler ihn nicht zu lieben beginnen, böte sich eben eine andere Möglichkeit, den eigenen Willen durchzusetzen.

Schon die Zusammenfassung unterstreicht, das „Resurection Dreams“ plottechnisch leider ausgesprochen vorhersehbar ist. Im Vergleich zu vielen anderen seiner Romane versucht der Autor nicht, sein Publikum zu überraschen. Schockelemente alleine reichen nicht aus, um die eher eindimensionalen Figuren sympathisch oder zumindest zugänglich zu machen.
Melvin Dobbs ist der typische Narr, den niemand in der Klasse mag. Sein Verhalten ist nicht nur linkisch, sondern vor allem auch arrogant und aggressiv. Anstatt ihn zu einem klassischen Sündenbock zu machen, der in seinen perversen Forschungen einen nicht entschuldbaren, aber zumindest nachvollziehbaren Ausweg sucht, erinnert Dobbs von Beginn an zu sehr an die inzwischen leider nicht mehr klassischen, sondern so typischen Psychopathen eines Richard Laymon Romans. So überrascht es wenig, das Dobbs in der Phase zwischen den ersten Experimenten bis zum ultimativen Kick mit natürlich lebenden Frauen experimentiert. Man mag zu diesen sadistischen Szenen stehen wie man will, sie gehören zu einem Richard Laymon Roman dazu und in ihnen versucht der Autor immer wieder erstaunlich effektiv, aber auch ein wenig plakativ primitiv die Grenzen auszuloten, die er seinem Publikum – den eher zufälligen Käufer an Bahnhöfen, Flughäfen oder Supermärkten – und vor allem auch seinen Verlegern zumuten kann. Sex und Gewalt gehören für ihn eng zusammen. Die nach Sex hungernden Zombies, die Dobbs auch zur Erfüllung seiner erotischen Wundträume und als Wegbereiter für sein ultimatives Ziel – Vicki Chandler – dienen, sind insbesondere für die späten achtziger Jahren im Fahrwasser von Dan O´Bannon „Return of the living Dead“ eine interessante Idee, aus der Autor viel Blut und Sperma presst. Alleine sie reicht nicht aus, um das Gebilde des Buches zu schultern. Zumindest sind seine Zombies den Menschen ausgesprochen ähnlich. Damit wird der Gedanke der Nekrophilie ein wenig erträglicher.
Vicki Chandler ist das typisch hübsche Mädchen – hübsch, nicht schön wie in Cheerleader - , das als einzige Klassenkameradin nicht auf Dobbs eingehackt hat. Sie versuchte ihn sogar während einer hässlichen Szenen vor den Schulkameraden zu schützen, was automatisch – wie ein schüchternes Lächeln oder auch nur ein kurze Gespräch in anderen Laymonromanen – sie zum willigen Opfer des Psychopathen macht. Im Vergleich zu den folgenden Plotentwicklungen bleibt Vicki Chandler viel zu lange auf der Mitleidsschiene und ist gerade zu betriebsblind gegenüber den realen Entwicklungen. Bei den in zwanzig Jahren vor der Haupthandlung spielenden Szenen ist diese Vorgehensweise noch bedingt nachvollziehbar, aber spätestens ab dem Augenblick, an dem sie die sadistische Grausamkeit seiner Experimente kennen lernt, sollte selbst zwanzig Jahre später kein Mitleid aufkommen.
Stereotyp lockt/ entführt Melvin Dobbs sie nach einigen vom Autoren in bewährter Manier konzipierten Verwerfungen sie schließlich in die Gefilde seiner Werkstatt, um mit ihr zusammenzuleben. Vorher werden natürlich ihre Freunde und Bekannte – fast alle Menschen, mit denen sie freundliche Worte austauscht – ermordet. In diesen Passagen gelingt es Richard Laymon, sich vom zugrunde liegenden Klischee der Handlung abzusetzen und ein intensives psychologisch hervorragend ausbalanciertes Stalkerszenario zu erschaffen. Immer wieder lenkt der Autor die Aufmerksamkeit der Leser auf das Zuschnappen von Dobbs Falle, aus dessen Perspektive diese Passagen erzählt werden, um dann in letzter Sekunde wie ein Raubtier noch einmal einen weiteren Bogen zu schlagen. Bevor diese Plotentwicklung zu statisch wird, kommt schließlich der erwartete Zugriff, der sich allerdings wie in vielen seiner Thrillern als Beginn der Wende entpuppt.
Wie sehr sich Vicki Chandler – wie fast alle seine weiblichen Hauptprotagonisten im Vergleich zu den ungezählten Opfern – als harter Brocken erweist, dominiert die zweite Hälfte des Buches.
In Bezug auf die Nebenfiguren ist allerdings Patricia, eine verrückte Frau, die einen interessanten und vor allem auch gut gesetzten Kontrast zu der sympathisch, aber irgendwie auch eindimensional gezeichneten Vicki Chandler die größte Überraschung. Im Grunde steht Patricia Melvin Dobbs an Perversität und sadistischen Neigungen nicht nach, aber anstatt aus ihnen ein perfektes Paar zu machen, konzentriert sich der Autor zum Leidwesen des Buches auf die für sein Werk markanten, aber auch bekannten Abläufe.
Wie viele seiner Romane leidet „Das Grab“ unter dem überstürzten hektischen Ende. Noch mehr als in seinen anderen Thrillern hat der Leser das Gefühl, als versuche Richard Laymon mit einer Art Kompromiss den grimmigen Stoff auf einem scheinbaren Happy End zu beenden. Kritischer betrachtet fiel Laymon nichts Besonderes ein, um den Roman auf einem Höhepunkt zu beenden und so versandet der Plot im Grunde im Nichts.

Auf der anderen positiven Seite kann der Leser „Ressurection Dreams“ im Grunde nicht ernst nehmen. Die Persiflage auf die Frankenstein´sche Wiederbelebungsmethode – Autobatterie statt Blitzschlag – bestimmt den Tonfall der kommenden Ereignisse, die zwar mit einem ausreichend Quantum an Sex und Gewalt beschrieben worden sind, denen aber jegliche realistische Basis fehlt. Im Vergleich zu anderen Büchern wie „Das Spiel“, „Funland“ oder „Inferno“, in denen das Ausgangsszenario ausgesprochen realistisch ist, kann man keinen Augenblick an Melvin Dobbs „Erfolge“ glauben und Sex besessene lebende Tote sind nun einmal nicht gruselig. Im Vergleich zu vielen anderen dunklen Horrorthrillern aus seiner Feder keine plakativer sadistischer Brutalothriller, aber auch keine überzeugende Gruselkomödie, sondern zumindest ein grotesk überspitztes, hinsichtlich der einzelnen Plotelemente überzogenes Buch, das in Bezug auf Laymons speziellem Subgenre zumindest kurzweilig unterhält, dessen Handlung ausgesprochen stringent erzählt worden ist und das irgendwie an eine literarische Version des schon angesprochenen „Frankenhookers“ daherkommt, die aber lieber sich an Andy Warhols „Frankenstein“ kuscheln möchte.

Richard Laymon: "Das Grab"
Roman, Softcover, 528 Seiten
Heyne- Verlag 2010

ISBN 9-7834-5367-5551

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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