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Richard Laymon

Der Regen

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Der Regen” liegt ein weiterer Roman aus dem Mittelteil Richard Laymons Schaffensperiode auf Deutsch vor. Der amerikanische Originaltitel „One Rainy Night“ beschreibt die Ereignisse in einer sonderbaren Nacht sehr viel effektiver als der zu schlichte deutsche Titel „der Regen“.
Wie nicht selten in Laymons Werk beginnt der Roman aus dem Nichts heraus mit einer schockierenden Szene: Auf dem Football Feld der kleinen Stadt Bixby wird ein farbiger High School Student ermordet und verbrannt. Diese Informationen erhält der Leser aus einem kompakten Rückblick, da ein Polizist sich am folgenden Abend noch einmal den Tatort in aller Ruhe anschauen möchte. Zusammen mit dem Hausmeister untersucht er den Football Platz und findet am Torpfosten eine ölige, schmierige Spur. Dunkle Wolken schieben sich über den Himmel und dicker schwarzer Regen geht über Bixby nieder. Er durchnässt die beiden erwachsenen Männer, die plötzlich den Geschmack von Blut auf der Zunge haben. Grundlos beginnen sie sich mitleidlos zu attackieren. Im Gegensatz zu den anderen Bewohnern Bixbys ist der Leser dank Laymons charismatischem und kontinuierlich aufs Gaspedal drückenden Stil vorgewarnt. Der schwarze Regen überdeckt die ganze kleine Siedlung und plötzlich verwandeln sich die friedlichen Menschen in Wilde, die sich gegenseitig zerfleischen. In einer Hommage an Romeros „Zombie“ erkennen die inzwischen durch den Regen verwandelten Menschen, da ihre trockenen Mitbewohner in den Häusern potentielle Opfer sind. Im Gegensatz zu Romeros Filmen sind diese Verrückten intelligent und rotten sich zusammen, um die Menschen in ihren Häusern, in den wenigen Restaurants und schließlich auch im Theater/ Kino zu töten.

Richard Laymons Romane zeichnen sich immer durch sehr stringente, fast karge Plots aus, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lassen. „One Rainy Night“ ragt aus dieser Art von Romanen durch ein auf den ersten Blick übernatürliches Ereignis – den seltsamen Regen - heraus. Diese Prämisse bereitet dem Autoren aber auch am Ende Schwierigkeiten. Das Buch wird nicht zufrieden stellend abgeschlossen, es gibt für die Leiden seiner vielen Charaktere keine Katharsis, keinen klassischen Showdown. Im Gegensatz zu den oft überdrehten, blutigen Endkämpfen – siehe „Das Spiel“ oder „die Insel“ – ist das Ende des Buches ein Antihöhepunkt und wirkt ohne viel Nachdenken niedergeschrieben. Es ist schade, dass Laymon auf dem langen Weg zu dieser nicht zufriedenstellenden Auflösung so viele gute bis sehr gute Szenen produziert, welche dem Leser länger im Gedächtnis bleiben.

„One rainy Night“ ist die Beschreibung eines blutigen Überlebenskampfes. Ganz geschickt beschreibt der Autor das sehr unterschiedliche Schicksal der Protagonisten. Intelligent den Leser immer auf Augenhöhe des Geschehens verlaufen die verschiedenen Spannungsbögen über weite Strecken des Buches parallel und sind doch geschickt miteinander verbunden. Da sucht ein junges Mädchen seine Eltern oder ein Polizist seine Freundin. Der Leser verfolgt das Geschehen fast im Splitscreenverfahren und kann sich ein eigenes Bild der Geschehnisse machen. Vor allem macht Laymon nicht wie in einigen seiner schwächeren Bücher den Fehler, die einzelnen Figuren aufzubauen und am Ende eines jeweiligen Handlungsbogens auf brutale Weise umzubringen. Die Unsicherheit auch hinsichtlich der Ursachen und Wirkungen des schwarzen Regens erhöhen insbesondere im sehr intensiv geschriebenen Mittelteil die Spannung. Wenn aber eine Figur ums Leben kommt, kennt Laymon keine Unterschiede. Der Leser kann nicht erahnen, wer diese Nacht überleben wird und wer nicht. Der vollkommene Verzicht auf klassische Handlungsträger erhöht insbesondere im vorliegenden Band im Gegensatz zu seinen in der Ich- Perspektive erzählten Büchern die Spannung.

Die Gewalt wird wie bei Laymon üblich detailliert und brutal beschrieben. Im Gegensatz allerdings zu verschiedenen späteren Romanen agiert der Autor weniger voyeuristisch, sondern nutzt die ausgesprochen blutigen Szenen, um die Hilflosigkeit seiner Figuren fast über zu betonen. Auch sein Hang zu sexuellem Sadismus hält sich in verträglichen
Bahnen. Dank der rasanten Action und der sich wahnsinnig schnell abwechselnden Handlungsorte kommt der Leser kaum zum Luftholen und empfindet die Gewalt wie in einem brutalen Thriller weniger expressiv, sondern als elementaren Bestandteil eines dunklen Thrillers. Auf der anderen Seite wiederholt Laymon nicht selten Sequenzen aus seinen anderen Büchern. Wer sich schon intensiv mit dem sehr umfangreichen und nicht selten unter großem Zeitdruck niedergeschriebenen Werk des Amerikaners auseinandergesetzt hat, wird „One Rainy Night“ als eine Art Zusammenfassung verschiedener Bücher bis auf den nicht konsequent umgesetzten Plot erkennen. Die Anspielungen auf „True Believers“ bzw. teilweise „The Blob“ sind überzogen. Im Verlaufe der verschiedenen Handlungsebenen macht Laymon allerdings den Fehler, einzelne interessante Spannungsbögen nicht konsequent auszumalen, sondern wie das Ende des Buches abrupt zu vergessen und in der Luft hängen zu lassen.

Im Gegensatz allerdings zu manchem Buch aus seiner Feder karikiert bzw. überzeichnet Laymon seine zahlreichen Protagonisten nicht. Sie wirken vom ersten Auftreten des Hausmeisters bzw. Polizisten überzeugend, dreidimensional und sind als Mitglieder einer kleinen verträumten Stadt zu erkennen. Mit kargen, aber ungewöhnlich effektiven sowie vor allem sehr unterschiedlichen Charakterisierungen entwickelt sich ungewöhnlich schnell ein Sympathieebene zwischen Leser und nicht selten unschuldigen Opfer. Weiterhin unterstreicht Laymon die Ungewöhnlichkeit der Bedrohung, in dem er keine ehemaligen Elitesoldaten oder Selbstverteidigungsspezialisten in den Ring schickt, sondern sehr gewöhnliche und deswegen hilflose Durchschnittsmenschen. Der Leser macht sich nicht selten seine eigenen Gedanken, wie er aus der Klemme entkommen kann. Die Lösungen seiner Protagonisten sind konsequent und über weite Strecken des Buches absolut nachvollziehbar. Dagegen wirkt das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Charakteren und dem zugrunde liegenden Plot stellenweise seltsam konstruiert. So kommt eine Gruppe von Menschen unabhängig voneinander auf das mögliche – und rückblickend auch echte – Zusammenspiel zwischen Tod des Studenten, schwarzem Regen und ausbrechender Gewalt. Im Gegensatz zur Realität akzeptieren sie es allerdings ohne weiteres Hinterfragen und gehen zielstrebig ohne weitere Hintergrundinformationen auf eine letzt endlich effektive Lösung zu. Die offensichtlichen rassistischen Probleme hinter der nur auf den ersten Blick so friedlichen und auf Selbsttäuschung basierenden Kleinstadtkulisse reißt Laymon enttäuschend nur an und begnügt sich später mit einigen eher standardisierten Floskeln als einer wirklichen Auseinandersetzung mit dem Problem.

Zusammengefasst ist „One Rainy Night“ ideentechnisch eines von Richard Laymon besseren Büchern, das an einer lustlosen Auflösung der Prämisse krankt. Die Figuren sind zufrieden stellend bis sehr gut beschrieben. Die Erzählstruktur ist deutlich stringenter als in vielen seiner anderen Bücher. Vor allem verzichtet der Autor auf die teilweise die Handlung unnötig aufblähenden und klischeehaften Rückblenden, sondern entwickelt seine Figuren alleine aus dem laufenden Plot heraus. Wer gerne den Meister des Pulphorrors kennen lernen möchte, kann mit diesem an Kings bzw. Koontz frühe Werke angelegten Buch nicht viel falsch machen. Für Laymon Anhänger ist „One Rainy Night“ aufgrund der dynamischen und unglaublich rasant selbst für die Verhältnisse des Amerikaners geschriebenen Handlung eine ansprechende Lektüre, aber Richard Laymon kann viel viel mehr als der schwarze Regen offenbart.

Richard Laymon: "Der Regen"
Roman, Softcover, 446 Seiten
Heyne- Verlag 2009

ISBN 9-7834-5367-5544

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Pfahl
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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