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Horror (diverse)



Richard Laymon

Die Show

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Die Show“ – der Originaltitel „The Travelling Vampire Show” fasst den Inhalt sehr gut zusammen – ist Raymond Laymon im Grunde bei den etablierten und ehrenwerten Horrorautoren angekommen. Das Buch ist verdientermaßen mit dem Bram Stoker Award als bester Roman ausgezeichnet worden. Auch wenn es im ganzen Roman nur eine einzige wirklich übernatürliche Szene zu geben scheint und diese im Grunde unmittelbar vor dem Ende des Buches platziert worden ist, strahlt der Roman die Faszination eines frühen Stephen King mit den typischen Elementen von „Blinde Stimmen“ und natürlich Ray Bradburys „Etwas Böses kommt auf leisen Sohlen“ aus. Richard Laymon verzichtet nicht auf seine markanten Merkmale: perverser Sex, brutale Gewalt und die Befriedigung voyeuristischer Gelüste. Der perverse Sex wird nur impliziert, weil die junge Slim – eigentlich Frances – von ihrem Vater zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter immer wieder missbraucht worden ist. Bis sich ihr Vater gen Süden abgesetzt hat. Über weite Strecken des Romans ahnt der Leser, was diese Umschreibung bedeutet. Erst im Schlusskapitel wird klar und deutlich, wer für diese Reise verantwortlich ist. Auf eine detaillierte Beschreibung verzichtet Richard Laymon allerdings. Brutale Gewalt findet im Roman auf drei Ebenen statt. Zum einen am Ende des Buches während der Vorstellung der Vampirshow. Dann beschreibt der Autor die Tyrannei der Älteren gegenüber den jüngeren Kindern in dem kleinen Ort Grandville. Und als letzte Ebene die Eruption von Gewalt zwischen Bruder und Schwester. Bei diesem Aspekt des Romans dreht der Autor sehr geschickt die Schraube immer stärker an. Am Ende kommt es zu einer Konfrontation zwischen den Protagonisten und den Showleuten, die ähnlichen Exzessen in Filmen wie „From Dusk till Dawn“ nicht nachsteht. Aber Grandville ist schon vor dem Eintreffen der Show keine stille friedliche Gemeinde und das Jahr 1963, in welchem der Roman steht, hat schon lange seine besondere Unschuld verloren. Der Platz, auf die Show stattfinden soll, diente früher als Aufenthaltsort eines Kannibalen, der die Herzen junger entführter und ermordeter Mädchen über dem Feuer gebraten hat. Oder die geheimnisvollen, offensichtlich perversen Zwillinge, die sich an der gewalttätigen Auseinandersetzung am Ende des Plot ergötzen und im Hintergrund mitmischen möchten. Nicht umsonst sucht sie die Polizei, insbesondere der Polizeichef des kleinen Ortes, der gleichzeitig Vater eines der jugendlichen Protagonisten ist. Hinsichtlich seines voyeuristisch veranlagten Publikums geht Richard Laymon wieder an die Grenze des guten Geschmacks. Seine Jugendlichen schauen den älteren, aber nicht zu alten Frauen in den Ausschnitt. Nicht selten haben sie eine Erektion, wenn sie am Ende während der Show nicht nur die geheimnisvolle, angebliche Vampirin sehen, sondern vor allem die Gefahr spüren, die von ihr ausgeht. Der Besitzer der Show hat ein besonderes Faible, das seinen Veranstaltungen die besondere Würze gibt. Und dann gibt es noch die erste Liebe, die immer auf der Kippe zwischen Lust und Angst steht. Im Vergleich allerdings zu seinen bisher in Deutschland veröffentlichten Romanen ist es eine ehrliche, wie eine Pflanze langsam knospende Liebe zwischen Dwight und Slim, welche die Augenblicke der Freundschaft und der jugendlichen Freiheit überdauern wird.

Plottechnisch ist der Leser überrascht, das die Vampirshow zwar allgegenwärtig ist, hinsichtlich der Entwicklung der Handlung aber eher impliziert wichtig ist. Insbesondere rückblickend ist es erstaunlich, wie viele falsche Spuren Richard Laymon gelegt hat. Geschickt spielt er mit den Erwartungen der Leser, die sich ohne konkrete Hinweise wie auch die Protagonisten ihre Gedankenschlüsse zurechtlegen. Plötzlich müssen sie erkennen, das alles in Wirklichkeit ganz anders ist. Dabei wiederholt sich Laymon nicht, sondern im Verlaufe des sehr stringenten, kurzweilig zu lesenden Plots gelingen ihm zwei große Handlungsbögen, die Laymon gegen die Erwartungen aller auflöst. Kaum scheint die Spannung aus den jeweiligen Situationen entwichen zu sein, legt der Autor erst richtig los und bringt die Figuren in deutlich größere Schwierigkeiten als es die jugendlichen Protagonisten überhaupt ahnen konnten. Im letzten Fünftel des Buches spielt dann die eigentliche Show eine wichtige Rolle. Mit der verführerischen Zungenfertigkeit eines Laienpriesters zieht Richard Laymon das Publikum, einen Teil der Protagonisten und schließlich den Leser in seinen Bann. Die niedrigen Triebe werden zumindest vordergründig befriedigt, bevor der Autor aber um einige dramatische Entwicklungen teilweise aufzulösen zu tricksen beginnt. Insbesondere Lee, die Schwägerin Dwights, ist über weite Strecken des Buches als sehr junge, intelligente, sexuell attraktive, aber bodenständig nette Frau beschrieben worden. Im Vergleich zu „Die Insel“ fehlt eine erkennbare masochistisch oder leicht perverse Ader. Zu sehr lässt sie sich – zu diesem Zeitpunkt für den Leser und insbesondere Lee selbst nicht anders erkennbar – in das Netz einspannen und folgt den Anweisungen des Zirkusdirektors zu leicht. Immerhin erwartet er von ihr Dinge, die gegen ihr bisheriges Leben sprechen. Außerdem erscheint es anfänglich sehr unwahrscheinlich, dass sie die detailliert beschriebenen Anforderungen überhaupt erfüllen kann. Bevor der Leser überhaupt weiter über diese Schwäche des vorliegenden Buches nachdenken kann, bringt der Showdown die lange angedeutete und sehr expliziert als Möglichkeit herausgestellte Wende der Ereignisse. Auf den letzten Seiten macht Richard Laymon keine Gefangene und präsentiert eine sehr gruselig brutale Szene, welche das Vampirgenre um eine weitere Facette bereichert. Fasst man die Handlung zusammen, spielt Richard Laymon mit vielen Klischees insbesondere des Vampirgenres und hat am Ende einen sehr unterhaltsamen und vor allem bei weitem nicht so nihilistischen Roman wie einige andere seiner Splatterwerke. Spannungstechnisch hilft die Ich- Erzählerebene, den Leser sehr nahe an das Geschehen heranzuführen. Dabei wendet sich der Erzähler Dwight immer wieder an sein Publikum und gibt einige Informationen Preis, die insbesondere im Showdown teilweise die aufgespannte Spannung negieren. So weiß der Leser nicht nur, das Dwight die Show überlebt, sondern auch einige andere Figuren, um welche man gerne gebangt hat. Auch in seinen schwächeren Romanen unterstreicht Richard Laymon immer wieder, wie gut er bodenständige und sympathische Figuren entwerfen kann. Diese Fähigkeit hält jedem Vergleich mit den Horrorgiganten Stephen King – insbesondere seine frühen Romane aus den siebziger und achtziger Jahren wie „Es“ – oder Dean Koontz – siehe „Phantoms“ oder „Strangers“ – stand. Dwight, Slim und der Kindskopf im Körper eines Jugendlichen Rusty sowie die zehn Jahre ältere Lee sind gut charakterisiert. Richard Laymon zeichnet nicht nur ein gelungenes Portrait des Kleinstadtlebens im Jahre 1963, er kann sich in diese Figuren hineinversetzen und ohne Pathos sowie pathetische Seitenhiebe ihre Wünsche und Ängste, ihre Hoffnungen und Träume beschreiben. Insbesondere die anfänglich platonische Liebesbeziehung zwischen Dwight und Slim gehört zu den stärksten Passagen, die Richard Laymon in seiner langen Karriere niedergeschrieben hat. Die Chemie zwischen den einzelnen Figuren im positiven wie auch negativen Sinne stimmt. Immer wieder öffnet Dwight mit weiteren Rückblenden den stringenten Plot des Romans, um dem Leser weitere Hintergrundinformationen insbesondere zum Verhältnis zwischen den drei Freunden Slim, Rusty und ihm selbst zu geben. Nicht immer ist er wahrscheinlich ein verlässlicher Ich- Erzähler und manchmal fehlt ein wenig die kritische Distanz zum Geschehen. Aber das macht die Lektüre so faszinierend und um die Erwartungshaltung des Publikums abzulenken, hat Richard Laymon wahrscheinlich manche Erfahrung seiner eigenen Jugend in den Plot integriert. Insbesondere im Mittelteil des Buches verliebt sich Richard Laymon ein wenig zu sehr in seine Schöpfungen. Der Teil hätte trotz der gut zu lesenden Dialoge ein wenig flotter, ein wenig rasanter geschrieben werden können. Zwar sind einige hier präsentierte Informationen für das Ende des Buches wichtig, aber im Vergleich zum Gesamtroman nimmt die Show einen wichtigen, aber leider nicht zu gewichtigen Raum ein. Der wichtigste Unterschied allerdings zu Ray Bradburys Roman ist die Tatsache, dass in Bradburys Buch das Böse in eine Kleinstadt kommt und die Jugend verführt. Im vorliegenden Buch dringen nur die vielen kleinen Sünden und Begierde dank der Show an die Oberfläche. In beiden Fällen müssen die „Täter“ bestraft werden. Während Bradbury ein Meister der Implikation gewesen ist, greift Richard Laymon auf seine Stärke zurück und präsentiert einen deftigen Showdown, in dem nicht nur die Pfeile fliegen und die Messer zustechen. Unabhängig von den kleineren, angesprochen Schwächen ist „Die Show“ nicht zuletzt aufgrund der plottechnischen Souveränität und der Tatsache, dass sich Show die Splattereinlagen für die wichtigen Passagen aufgehoben hat, einer seiner besten Roman. Vor allem hält sich der Autor bis auf Lee hinsichtlich der Herausforderungen seiner Figuren bis zum Ende zurück und baut mit dieser Vorgehensweise eine greifbare, aber sehr überzeugende Spannung in einem atmosphärisch souveränen Roman auf.

Richard Laymon: "Die Show"
Roman, Softcover, 525 Seiten
Heyne- Verlag 2008

ISBN 9-7834-5367-5124

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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