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Horror (diverse)



Richard Laymon

Der Wald

rezensiert von Thomas Harbach

“Der Wald” - im Original sehr viel passender “Dark Mountain” betitelt - ist schon 1987 in einer frĂŒhen Phase Richard Laymons in den USA unter dem Pseudonym Richard Kelly veröffentlicht worden. Damals hieß der Roman “Treat Softly”. Neben dem bislang nicht ĂŒbersetzten “Darkness tells us” Laymons zweiter Camping- Roman.

Wie viele seiner Romane beginnt es im Grunde mit einem alltĂ€glichen Ereignis. Wie kaum ein anderer Autor außer Stephen King rĂŒckt Richard Laymon seine Leser beunruhigend nahe an die kommende Tragödie heran. Zwei Familien bereiten sich auf eine Camping- Reise in den kalifornischen Berge vor. Im Vergleich zu seinen spĂ€teren Arbeiten lĂ€sst sich Richard Laymon ein wenig Zeit und entwickelt seine Figuren ausgesprochen dreidimensional, sympathisch und bodenstĂ€ndig realistisch.
Die Balance aus EinfĂŒhrung relativ vieler, auf den ersten Blick wenig zu unterscheidender Pro- und Antagonisten sowie die Fortschreibung des eigentlichen Plots stellt Richard Laymon im FrĂŒhstadion seiner Karriere noch etwas vor Probleme. Manche ÜbergĂ€nge wirken ein wenig holprig und die fĂŒr seine stringenten sowie ausgesprochen Temporeich entwickelten Plots so typischen Cliffhangar erscheinen weniger natĂŒrlich denn konstruiert. Was aber den frĂŒhen Band auszeichnet, ist die Art und Weise, wie seine Figuren lebendig werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern definiert er seine Charaktere in erster Linie ĂŒber Dialoge und weniger ĂŒber ausfĂŒhrliche Beschreibungen. Wenn Richard Laymon einen guten Tag erwischt hat, treiben seine pointierten Dialoge nicht nur die Handlung voran, die Mischung aus dunklem, wenn nicht sogar schwarzem Humor sowie realistischen ZwiegesprĂ€chen wirkt auch in der soliden, etwas sperrigen Übersetzung ĂŒberzeugend. Wenn Richard Laymon aber einen schlechten Tag erwischt hat, fĂŒhren diese kommunikativen Exzesse zu fast belehrend arroganten SelbstgesprĂ€chen sowie oberflĂ€chlichen, kindischen Humorattacken. Die StĂ€rken wie auch SchwĂ€chen Laymons finden sich in “Der Wald” wie mit einer Gießkanne verteilt wieder.
Da viele der auf den ersten Blick so zugĂ€nglichen Charaktere den Plot nicht ĂŒberleben werden, beschleicht den außenstehenden Betrachter schnell das beunruhigende GefĂŒhl, sich den Protagonisten im Gegensatz zum nicht selten psychotischen Bösen nĂ€hern zu wollen. Diese nicht selten effektiv manipulierende Stimmungsmache
Gehört zu Laymons ausgesprochenen StÀrken und lÀsst sich im vorliegenden Band rudimentÀr schön erkennen.
Im Gegensatz allerdings zu seinen ansonsten eher bodenstĂ€ndigen Arbeiten schleicht sich sehr schnell und im Grunde nicht immer effektiv das Böse als Metapher, vielleicht sogar das ÜbernatĂŒrliche in Form einer echten (?) Teufelsanbetung in den Roman ein. Kaum sind die beiden Familien an der Lagerstelle in den WĂ€ldern angekommen, mĂŒssen sie feststellen - der Leser weiß es aufgrund der parallel laufenden Handlungsbögen schon im voraus -, das sie dort nicht alleine sind. Eine alte Frau, die sich sehr schnell und leider sehr klischeehaft als Hexe herausstellt und ihr gewalttĂ€tiger und sexuell degenerierter Sohn beten anscheinend auf dem Platz den Teufel an. Als die Camper aus Notwehr ihren Sohn töten, verflucht die Hexe die Gruppe und warnt sie, die WĂ€lder zu verlassen. NatĂŒrlich nehmen die modernen Stadtmenschen diese Drohung nicht ernst. Kaum zurĂŒckgekehrt in die Zivilisation mĂŒssen sie erkennen, dass der Fluch anscheinend doch real ist.

Was die Gewalt angeht, so baut Richard Laymon die Erwartungshaltung des Lesers kontinuierlich und sehr effektiv auf. Aus heutiger Sicht wird der Roman mit seinen besten Arbeiten wie “The Traveling Vampire Show” oder “Night in Lonesome October” verglichen werden. Dabei hat sich dieser Laymon Touch zur Freude seiner AnhĂ€nger und als Provokation seiner Kritiker noch nicht richtig herausgebildet. Wie auch Shaun Hudsons Arbeiten muss ein Richard Laymon ĂŒber eine Vergewaltigungsszene verfĂŒgen, die in vielen Romanen plotrelevant ist und fĂŒr die attraktiven, jungen und vor allem weiblichen Protagonisten einen grausamen Wendepunkt in ihrem Leben darstellt, der gleichzeitig ihre Lebensgeister und ihre Überlebensinstinkte aktiviert. Die Vergewaltigungsszene im vorliegenden Band hat weniger mit dem eigentlichen Plot zu tun. Sie wirkt eher aufgesetzt und sensationslĂŒstern notdĂŒrftig in die Handlung integriert. Der Roman hĂ€tte auch ohne sie solide funktioniert. Auf der anderen Seite gehören die im Vergleich zu seinen spĂ€teren, in der letzten Phase entstandenen Arbeiten kĂŒrzeren, aber trotzdem sehr graphischen Sexszenen zu seinen besseren Beschreibungen. Wie kaum ein anderer Horrorautor hat sich Richard Laymon aus der Perspektive des lĂŒsternen Voyeurs mit dem sexuellen Erwachen von Teenagern auseinandergesetzt und an manchen Tabus gekratzt. So weit geht der Autor im vorliegenden Buch nicht, aber zumindest ausgesprochen weit.
Was die Gewalt per se angeht, agiert Richard Laymon ausgesprochen konzentriert. Nach einer - sich im ersten Drittel, aber nicht wie ansonsten in seinen BĂŒchern gleich am Anfang befindlichen Schockszene - baut der Autor im Mittelteil eher eine gewisse Suspense auf, die sich aus dem berechtigten Unglauben der Camper zusammensetzt. Bis dahin könnten sie auch degenerierten Verwandten von Jack Ketchums Kannibalen begegnet sein. WĂ€hrend er in BĂŒchern wie “The Stake” oder dem schon angesprochenen “The Traveling Vampire Show” das ÜbernatĂŒrliche vom ersten Augenblick an als Gegeben darstellt, bleiben sowohl in den Protagonisten als auch dem Leser Zweifel. Erst gegen Ende des Buches, als Richard Laymon seine Figuren in einen brutal bizarren vor Blut triefenden Höhepunkt förmlich treibt, stellen Leser und leidende Helden das ÜbernatĂŒrliche, das Hexenelement nicht mehr in Frage. Wie in seinen meisten BĂŒchern hat Richard Laymon auf dem Weg zu einem wirklich grandiosen, sich mit seinen besten Arbeiten messenden Showdown wieder viele rote FĂ€den aus Unachtsamkeit liegenlassen. Weniger auffĂ€llig wie in seinen spĂ€teren Arbeiten, in denen sich der lange Zeit vom Alkohol abhĂ€ngige Amerikaner nicht mehr lange Zeit konzentrieren konnte, aber spĂŒrbar. So erfĂ€hrt der Leser nichts ĂŒber die rituelle BegrĂ€bnisstĂ€tte, auf der die Camper anfĂ€nglich lagern wollen und wo sie in Form der Hexe und ihres Sohnes im Grunde ihrem Schicksal begegnen. Auch deren Hintergrund deutet der Autor eher an als das er sich die notwendige MĂŒhe macht, ihn gĂ€nzlich zu extrapolieren. WĂ€hrend die Figuren anfĂ€nglich solide bis wirklich ĂŒberdurchschnittlich entwickelt worden sind, fĂŒgt der Autor ihnen insbesondere in der zweiten HĂ€lfte des Plots keine neuen Ideen und Impulse mehr hinzu. Er variiert zu wenig, wodurch einige in der Exposition gute Szenen eher enttĂ€uschend und stereotyp enden. WĂ€hrend sich andere Autoren entweder auf die Schrecken der amerikanischen (HinterwĂ€ldner-) natur konzentrieren oder versuchen, einen modernen urbanen Horrorroman zu schreiben, kombiniert Richard Laymon mit einem interessanten, ausbaufĂ€higen BrĂŒckenschlag diesen beiden Subgenres. Er zeigt auf, dass sich das ultimative Böse - Anspielungen auf den Teufel scheinen aber ein zu ĂŒbertrieben falsch gelegter Weg zu sein - auch in der Großstadt wohl fĂŒhlt und das sich - wie in allen Laymon Romanen - die Protagonisten unter großen Opfern sehr weit strecken mĂŒssen, um zumindest kurzzeitig die KrĂ€fte zu besiegen, die sie fĂŒr einen Laymon Roman ungewöhnlich ein wenig mit geweckt haben. “Der Wald” gehört sicherlich nicht zu seinen stĂ€rksten Arbeiten, aber im Vergleich zu den vielen Posthum veröffentlichten Werken ist es ein interessanter, konzentriert geschriebener Roman mit nur wenigen fĂŒr den Amerikaner so typischen OberflĂ€chlichkeiten, dessen Plot sich nach einer anfĂ€nglich unterbewussten Vertrautheit packend und spannend entwickelt.

Richard Laymon: "Der Wald"
Roman, Softcover, 432 Seiten
Heyne- Verlag 2011

ISBN 9-7834-5343-5964

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der KĂ€fig
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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