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Horror (diverse)



Richard Laymon

Der Käfig

rezensiert von Thomas Harbach

Obwohl Richard Laymon im Sex- Splatterpunk sich einen Namen fürs Extreme wie Schmuddelige erschrieben hat, griff er auch immer wieder auf klassische Themen wie Frankensteins Monster oder wie bei „Der Käfig“ auf die Idee einer weiblichen Mumie zurück. Das Buch erschien in den USA erst nach Laymons überraschenden frühen Tod unter dem passenderen Titel „To wake the Dead“. Die im deutschen Titel angesprochenen Käfige spielen eher eine untergeordnete Rolle und wirken wie ein Überbleibsel aus Laymons „Die Insel“, während das Haus der Bestien – eine Hommage an Wells „Doktor Moreau“ Text – aus seinem „Der Keller“ übernommen worden ist. Laymon hat in seinen vielen, nicht selten hastig herunter geschriebenen Arbeiten oft Ideen aus früheren Arbeiten wieder verwendet. Im vorliegenden Buch wirkt dieser Subplot teilweise zu stark aufgesetzt, bekannt als vertraut und negiert die dunkle, durchaus gruselige Stimmung, die der Autor insbesondere zu Beginn seines plottechnisch wieder sehr rasanten Romans zu etablieren suchte.

Susan Conners ist die Assistenzkuratorin am Charles Ward Museum. Es ist nicht die einzige Referenz an H.P. Lovecraft im vorliegenden Roman. Nach dem Tod des reichen, isoliert lebenden Sammlers Robert Callahan wird dem Museum dessen Sammlung ägyptischer Artefakte inklusiv natürlich eine Sarkophags inklusiv bislang unentdeckter Mumie. Richard Laymon versucht diese Idee dramaturgisch aufzupeppen, in dem er Einbrecher in Callahans Haus das Siegel brechen lässt. Dadurch wird die Mumie wieder zum Leben erweckt und das erste Blut fließt. Unabhängig von der Tatsache, dass diese Idee schon einen sehr langen Bart hat, scheinen Callahans Sicherheitsmaßnahmen eher kaum vorhanden und die ganzen Konzeption wirkt derartig klischeehaft konstruiert, als wolle sie Richard Laymon nur hinter sich bringen, um seine eigentliche Mumiengeschichte erzählen zu können.


Bei der Mumie handelt es sich um Amara, die in einer Anspielung auf Vampire nur nachts lebt und tagsüber in ihrem Sarkophag ruht. Weiterhin hat Laymon die Idee einer Art Regeneration durch frisches Blut aus seinem Roman „Die Show“ übernommen. Weiterhin suggeriert der Autor, dass Amara auf der Suche nach einem geheimnisvollen Gegenstand - nicht ganz ein MacGuffin, aber sehr nahe dran – ist und sie alle Menschen tötet, die absichtlich oder unabsichtlich zwischen Ihr und Ihrem Ziel stehen. Wie nicht selten in Laymons Bücher erhält Susan Conners im Grunde nur Hilfe von einem einzelnen Mann, den sie zu Beginn des Buches noch nicht einmal kennt: vom Polizisten Taggart „Tag“ Parker.

„Der Käfig“ funktioniert als Hommage an die zahlreichen Pulpgeschichten ausgesprochen gut. Neben den offensichtlichen Hinweisen wie auf das angesprochene H.P. Lovecraft Museum ist auch „Amara“ nach Bram Stokers Vorbild in „Jewel of the seven Stars“ gezeichnet, einem seiner am meisten unterschätzten Romane. Amara hat die Götter beleidigt und ist mit dem lebendigen Tod bestraft worden. Auch wenn im Gegensatz zum Beispiel zur weltberühmten Mumie, dargestellt von Boris Karloff der Roman auf ausführliche Rückblicke verzichtet, gelingt es Laymon, eine stimmige wie dunkle Atmosphäre aufzubauen. Statt Amaras Geschichte findet sich im Mittelteil des Romans ein fast pubertärer Rückblick auf den geheimnisvollem Millionär Callahan. Die ursprüngliche Idee ist sicherlich gewesen, den „Guten“ ein Werkzeug in Form des Tagebuchs anzuvertrauen, das ihnen die Möglichkeit gibt, Amara zu besiegen. Erstens wäre es sinnvoller gewesen, vor ihrer Existenz noch vor Übergabe der Artefakte an das Museum zu warnen. Ob die Glaubwürdigkeit einer Warnung den gleichen in Nichts gehenden Effekt wie das Tagebuch gehabt hätte, bleibt offen, aber zumindest hätte der Leser sich nicht durch so viele so typische Laymonseiten entweder quälen oder arbeiten müssen. Auch Callahans nicht unbedingt adoptierter Sohn Imad als Überbringer des Tagebuches verliert sich schließlich in den zahllosen losen Enden des Buches. Das die Idee des Tagebuches ins Nichts geht, tut dem ganzen Spannungsbogen eher gut.

Amara ist ein gefährlicher, tödlicher, aber sympathischerweise weder psychopathischer Serienkiller noch Sexbesessener Triebtäter. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Frau und Richard Laymon kann wie vielleicht noch Stephen King die Ängste, aber auch Begierden des nur vordergründig schwachen Geschlechts in einfache, aber markante Bilder kleiden.
Hinzu kommt, dass die sadistische kannibalisch veranlagte Amara insbesondere bei ihren ersten Auftritten einen schwarzen Sinn für Humor hat. Einsamer Höhepunkt des Buches ist sicherlich die Konfrontation mit der überforderten und letztendlich auch ins Jenseits beförderten Nachtwache, die unterstreicht, dass Laymon sein Publikum immer noch provozieren, schockieren und auf eine perverse Art und Weise auch unterhalten kann.
Hinsichtlich der Frauenkonflikte erweitert Richard Laymon den Rahmen allerdings zu stark. Wie oft hat man inzwischen in seinen Büchern von den hinterhältig brutalen Frauen gelesen, die vor nichts zurückschrecken, um die Konkurrenz zu beseitigen? Im vorliegenden Roman handelt es sich um Mabel, die aus einseitiger überspannender Liebe zu Tag Taggert auch dessen vermeintliche Geliebte Susann Cooper umbringen möchte. Um seinen Bodycount auf einem für ihn so signifikanten Niveau zu halten und im Grunde die obligatorischen fünfhundert Romanseiten zu füllen, führt der Autor eine Unzahl von Nebencharakteren ein, die eher rudimentär beschrieben werden. Stellenweise gibt sich Richard Laymon nicht einmal Mühe, um den Figuren Leben einzuhauchen, bevor er sie meistens im gleichen Kapitel eines grausamen Todes sterben lässt. Diese Vorgehensweise funktioniert einmal, vielleicht sogar noch ein zweites Mal, aber der Autor wiederholt diese Komponente insbesondere im hinteren Teil des Buches so oft, das es abgenutzt bis langweilig wirkt.
Die einzelnen Figuren inklusiv der beiden Protagonisten Cooper und Taggert wirken deutlich lebloser als in seinen anderen Romanen. Es gelingt ihm nicht, wirklich eine Sympathieebene zwischen Leser und Protagonisten aufzubauen. Auch der Hinweise auf „Der Keller“ zeigt, dass sich Laymon in den letzten Jahren nicht weiterentwickelt hat. Während die ursprüngliche Fassung perverse, perfide und provozierend gewesen ist, wiederholt der Autor wie erwähnt einfach nur Elemente seines langjährigen Schaffens. Im Gegensatz zu dieser negativen Kopie seines eigenen Werkes leidet auch Amaras Geschichte ab der Mitte des Buches unter den Schwächen des Mumiensubgenres. Angesichts der immer wieder beschworenen Macht Amaras wird sie am Ende zu wenig überraschend und im Grunde auch zu leicht besiegt. Hinzu kommt, dass Laymon wie in den meisten seiner späteren Werke im Grunde lustlos die einzelnen Handlungsbögen abzuschließen sucht. Da es im vorliegenden Roman drei im Grunde unabhängige Geschichten – Mabels Rache, Amaras Suche und die Perversitäten im Keller – sind, ist die Erwartungshaltung des Lesers ein wenig höher als bei seinen eher stringenten Psychopathenhorrorgeschichten. Das Zusammenführen der einzelnen Handlungsstränge wirkt eher lustlos bis bemüht, ignoriert teilweise sogar dem Leser bekannte Fakten und negiert die Stärken des Buches – Amaras Charakterzeichnung sowie ihre Entschlossenheit, der Gegenwart auch ihren persönlichen blutigen Stempel aufzudrücken – teilweise beträchtlich. Zusammengefasst gehört „Der Käfig“ zu den vielen hemmungslos herunter geschriebenen mittelprächtigen Horrorromanen, die Laymon mit zahlreichen, durchaus sadistischen Sexszenen gewürzt im Verlaufe seiner Karriere immer wieder aus finanziellen Gründen nicht ganz nüchtern verfasst hat. Aus der Prämisse hätte er zu Beginn seiner Karriere sicherlich deutlich mehr gemacht als er in diesem Spätwerk abliefert.

Richard Laymon: "Der Käfig "
Roman, Softcover, 512 Seiten
Heyne- Verlag 2011

ISBN 9-7834-5343-5308

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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