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Horror (diverse)



Bentley Little

Böse

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Böse“ legt der Bastei- Verlag einen zweiten Roman des amerikanischen Horrorautoren Bentley Little in Deutschland auf. Der 1960 in Arizona geborene Little gilt als Zögling von Dean R. Koontz, welcher ihn durch einen Zufall entdeckte. Little gehört zu den Gruppe eingefleischter Autoren, die ihr Werk uneingeschränkt als Horror kategorisieren. Das Stephen King zu seinen Vorbildern gehört, lässt sich am leichtesten am vorliegenden Roman „Böse“ erkennen. Im Original schlicht, aber deutlich effektiver „The Mailman“ genannt gehört das Werk zu seinen frühesten Arbeiten. Nur sein Erstling „The Revelation“ ist ein Jahr früher – 1990 – veröffentlicht worden. Vermarktungstechnisch ungewöhnlich effektiv tragen Littles Roman sehr einfache, einprägsame Titel. Wie ein roter Faden durchzieht sein Werk eine Abneigung gegenüber großen Firmen und vor allem Behörden/ Ordnungskräften, sowie großes Misstrauen den gesellschaftlichen Normen gegenüber. Zu seinen bevorzugten Themen gehören ungewöhnliche sexuelle Ausrichtungen – oft hinter dem Mantel der Bürgerlichkeit verborgen – und provokante Themen wie Inzest. Im Gegensatz allerdings zu Autoren wie Richard Laymon setzt Bentley Little diese Punkte deutlich den Plot fördernder und weniger expliziert splattrig ein. Bentley Little gilt als ausgesprochen guter Roman – und Kurzgeschichtenautor, der in seiner fast zwei Jahrzehnte umfassenden erfolgreichen Karriere bislang nur einmal adaptiert worden ist. „The Washingtonians“ ist im Rahmen der zweiten Staffel der „Masters of Horror“ verfilmt worden. Für seinen Erstling „The Revelation“ ist Bentley mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet worden. Zwei weitere Nominierungen hat der Autor in den folgenden Jahren erhalten.

Wie in Stephen Kings produktivster Phase in den achtziger Jahren ist es eine einfache, geradezu verblüffend simple Idee der Katalysator des Plots. Was wäre wenn der Postbote eine Inkarnation des Bösen wäre? Die Geschichte beginnt in dem kleinen, dörflich verschlafenen und absolut friedlichen Ort Willis, Arizona. Der Leser lernt die wichtigsten Protagonisten gleich im Auftaktkapitel kennen. Doug ist ein Schullehrer mit einem Hang zum Phlegma. Er würde gern ein bezahltes Studienjahr einlegen, ein richtiges Thema hat er nicht. Seine Frau Tritia ist eine attraktive selbstbewusste Ehefrau und Mutter. Ihr pubertierender Sohn Billy verbringt die meiste Zeit vor dem Fernseher. Größere Probleme hat die Familie nicht. Das Leben ist inzwischen eintönig geworden. Bis sie eines Tages erfahren, dass der Postbote Bob Ronda spektakulär Selbstmord begangen hat. Jeder im Dorf geht davon aus, dass es schwer ist, einen adäquaten Ersatz zu finden. So sind alle Mitbürger überrascht, als keine zwei Tage nach dem Selbstmord die Post wieder ausgeteilt wird. Von einem neuen Mann namens John Smith und vor allem anscheinend zu nachtschlafender Zeit. Und der geheimnisvolle John Smith bringt nur gute Nachrichten, Briefe von alten Freunden, plötzlich verschobene Abgabetermine. Keine Rechnungen mehr, keine schlechten Nachrichten., keine Reklamemail. Schnell erfahren wie Mitbürger, dass der neue Postbote nicht nur dienst befließen ist, sondern ein dämonisches Spiel mit ihnen treibt. Den der Inhalt der Briefe verändert sich plötzlich. Augenscheinlich kennt jemand die kleinen dunklen Geheimnisse dieser Stadt und ist bereit, diese dem Postgeheimnis zu entreißen. Und wenn das nicht hilft, werden einfach entsprechende Briefe selbst geschrieben. Hauptsache es kommt Post.

“Böse” ist ein sehr früher Roman Bentley Littles und die Stärken sowie seine Schwächen lassen sich sehr gut gegenüberstellen. Zu den Stärken gehört über weite Strecken des Buches die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten. Wie sein Mentor Dean Koontz kann er gewöhnliche, durchschnittliche Menschen beschreiben, die plötzlich aus ihrem Alltagstrott gerissen werden und beginnen, um ihr eigenes Leben und das der anvertrauten Familie zu kämpfen. Insbesondere der Ehemann Doug ist ein typischer Koontz Charakter, der erst mit Unglauben und später positiver Aggression auf den Eindringling reagiert. Little macht nicht den Fehler, dem Protagonisten irgendwelche überdurchschnittliche Fähigkeiten zuzuschreiben. Doug ist ein durchschnittlich intelligenter, eher unscheinbarer Mann, der verschiedenes ausprobieren muss, um letzt endlich der subversiven Gefahr Herr zu werden. Seine Frau Tritia ist dabei etwas blasser beschrieben. Sie ist eine attraktive, sexuell aktive Frau auf einem ständigen Gesundheitstrip. Diese Idee durchzieht den ganzen Roman, ohne das Little im Verlauf der Konfrontation etwas aus dieser Prämisse macht. Tritia wird stellenweise zu eindimensional und langweilig beschrieben, etwas mehr Aktivität außerhalb des ehelichen Betts hätte Bentley Little hätte sie interessanter und zugänglicher werden lassen. An zu vielen Stellen hat der Leser das Gefühl, einer dominanten Zicke gegenüberzustehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Horrorromanen passiert ihr allerdings nicht. Ihr gemeinsamer Sohn Billy wird sehr schnell das Opfer des Aktionen des Briefträgers. Er ist die Figur, die von allen Überlebenden am meisten einsteigen muss. Dabei stellt Little ihn nicht von Beginn des Buches an als klassisches Opfer dar, sondern nimmt sich sehr viel Zeit, seine labile Persönlichkeit zu entwickeln. Die anderen Bewohner des Ortes wie der örtliche Poststellenleiter haben ihre kleinen, dann gut geschilderten Auftritte, bevor sie dem charismatischen und bis auf das zu überdrehte Ende Furcht einflößenden Antagonisten Platz machen. Stellvertretend für die ganze Entwicklung des Ortes beschreibt der Autor den offensichtlichen Verfall des kleinen, aber schönen Postoffices in eine dunkle Höhle des Grauens. Es sind diese visuellen Bilder, welche dem Leser nachträglich im Gedächtnis bleiben.

Zu den Schwächen gehört im Vergleich zur grotesk erscheinenden Prämisse leider der Plot. Die Idee, das ultimative Böse in Form eines Briefträgers im Ort erscheinen zu lassen, ist genauso absurd wie das Monster “Es” in Stephen Kings gleichnamigen Roman. Aber “es” hat in erster Linie Kinder bedroht, denen die Erwachsenen keinen Glauben schenken. Little ignoriert gänzlich, das die Manipulation der Post behördentechnisch immer noch bei den Bundesbehörden - Federal Offense - angesiedelt wird. David Brin hat mit diesem Fakt sehr elegant in seiner Postdoomsday Geschichte “the Postman” gespielt. Warum sich niemand der mündigen Bürger bei den höheren Stellen oder gar dem FBI über den anarchistischen militanten Postbeamten beschwert, ist eine der vielen Fragen, auf die Little keine Antworten gibt. Weiterhin kann der Postbeamte nicht überall sein und hält anscheinend auch niemanden davon ab, die kleine Stadt zu verlassen. Keine der Botschaften ist wirklich so schlimm, dass es sie zum Bleiben zwingt. Selbst die Briefe aus Vietnam, nach dreißig Jahren mit einem sehr dunklen Geheimnis ausgetragen, erscheinen selbst dem unbedarften Leser als geschickte Fälschungen. Der Glaube der Menschen an die eigenen Verwandten oder Bekannten wird viel zu schnell erschüttert und die Folgen extrapoliert Little mit sehr wenig Respekt für die Opfer. Viele der Handlungsteile wirken teilweise arg konstruiert wieder zusammengesetzt und in nur wenigen Szenen ist der Briefträger wirklich eine Bedrohung für schwache Einzelgänger. Einer Zusammenrottung mehrerer kräftiger Männer könnte er zumindest in der beschriebenen Form nicht widerstehen. Vor allem bewegen sich die Protagonisten oft unnötig im Kreis und viele Seiten verbringt Bentley Little unnötig mit haarsträubenden Erklärungsversuchen, als seine Figuren zu Taten anzutreiben. Nach einem soliden Auftakt hängt der Roman insbesondere im zweiten Viertel in der Luft. Der Leser weiß inzwischen im Gegensatz zu den übertrieben naiv beschriebenen Bewohnern Willis, das etwas mit dem Briefträger nicht stimmt. Bentley gibt sich zu wenig Mühe, diesen Briefträger aus der Hölle wirklich bedrohlich zu beschreiben. Wenn dieser schließlich kurz vor dem Showdown verzweifelt Post zustellen will, die ihm keiner abnimmt und zum achten Mal durch die Straßen fährt, wäre es an der Zeit, dem Treiben ein Ende zu machen. Stattdessen begnügt sich Bentley Little mit einer Reihe von Slapstickszenen, welche auf den ersten Blick unterhaltsam lustig sind, auf den zweiten Blick auf die teilweise erschreckende Plotleere erst richtig aufdecken. Vor allem bleibt der Vorhang der Anonymität bestehen. Es gibt so gut wie keine Informationen über diese Kreatur. Bei einem charismatischen und wirklich übernatürlich bedrohlichen Antagonisten sicherlich eine sinnvolle und gute Entscheidung, um die Faszination der dunklen Schöpfung zu bewahren. In diesem Fall ist es viel zu wenig und nach dem soliden Auftakt verliert der “Schurke” zu viel an Qualität, als das der Leser noch wirklich darauf Wert legt.

Positiv gesprochen zeigt “Böse” rudimentär auf, welche Fähigkeiten und Ideen in Bentley Little stecken. Die negativen Seiten überwiegen leider noch. Zu wenige gute Ansätze sind wirklich unterhaltsam bis geschickt extrapoliert und nach einigen guten Szenen verliert sich der Roman leider nicht selten in Plattitüden. Die über achtzehn Jahre seit seiner Entstehung merkt man dem Buch allzu deutlich an.

Bentley Little : "Böse"
Roman, Softcover, 414 Seiten
Bastei 2009

ISBN 9-7834-0415-9864

Weitere Bücher von Bentley Little :
 - Fieber
 - Schemen
 - Verdeben

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