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Emilia Jones

Blutnächte

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Blutnächte” legt die “Elfenschrift” Herausgeberin Ulrike Stegemann unter ihrem Pseudonym Emilia Jones den zweiten Vampir- Roman um den belgischen Nachtclub und Vampir- Treff “Club Noir” vor. Im Vergleich zum ersten Band hat der Verlag Plaisie d`Amour” die Fortsetzung als Paperback mit einem Titelfoto von Sabine Schöneberger veröffentlicht. Es ist nicht notwendig, den ersten Teil gelesen zu haben, es erhöht allerdings das Lesevergnügen. Emilia Jones nimmt ein Schlüsselelement aus “Club Noir” und wahrscheinlich aus dem inzwischen sich stark verbreitenden erotischen Vampirgenre und baut darum eine neue Handlung aus Liebe und Verrat und Machtgier auf. Im ersten Band verliebte sich der mächtige Vampir Andrew McCloud in die sterbliche Jesse Brown. Neben der Liebesgeschichte fügte die Autorin noch einen Machtkampf zwischen den Vampiren Andrew McCloud und Louis hinzu, der auf seine Chance wartet, Rache zu nehmen. Zu Beginn des zweiten Bandes leben Andrew McCloud und Jesse im Club. Jesse möchte noch ein Versprechen gegenüber ihrem ehemaligen Chef einlösen und eine Ausstellung in Paris organisieren. Widerstrebend begleitet sie Andrew. Er übergibt die Führung des Clubs an Pascal, welcher Andrews Liebe zu einem gewöhnlichen Menschen nicht verstehen kann. Schnell verliebt ich Pascal allerdings auch in Isabella. Diese hat den Club aufgrund eines Hinweises einer Mitstudentin aufgesucht. Isabella interessiert sich schon seit langer Zeit für die Vampirmythen. Im Hintergrund spinnt dagegen der Vampir Pierre seine finsteren Pläne. Zusammen mit seiner gerade zum Vampir gemachten Gespielin möchte er nicht nur die Macht im “Club Noir” übernehmen, viel mehr durch die Aktivierung der alten Rituale diese aus seiner Sicht zweitklassige Existenz aller Vampire beenden und sie wieder an die Spitze der Schöpfung zu führen. Dabei führt er in den Verließen des Clubs die uralten Rituale durch und opfert seiner kleinen Gruppe schöne Frauen. Die temperamentvolle und durchsetzungsfähige Psychologie Studentin Isabella steht nicht nur zwischen zwei mächtigen Vampiren, von denen Pascal sie zu lieben beginnt und Pierre sie nicht zuletzt aufgrund ihrer Schönheit, aber auch arroganten Haltung opfern möchte.

Nach den ersten Kapiteln von “Blutnächte” verzichtet Emilia Jones auf die bekannten Charaktere des ersten Bandes. Andrew und Jesse spielen im Grunde nur eine wichtige Rolle bis zum obligatorischen Showdown: sie reisen ab und hinterlassen im Club ein Machtvakuum. Mit dieser Abreise hat die Autorin Zeit und Raum, neue Figuren zu konzipieren, aber auch die Charaktere der zweiten Garnitur aus dem ersten Band - siehe Pascal - weiter zu entwickeln. Sie macht es sich allerdings ein wenig zu einfach, Pascal gleich nach Andrews Abreise trotz seiner abfälligen Haltung dem schwächenden Andrew gegenüber ebenfalls für eine menschliche Frau zu empfinden. Hier wäre es sinnvoller - vor allem im Kontext des ersten Bandes - gewesen, die Beziehung deutlich langsamer, schwieriger und phantasievoller - bis auf die Liebesszenen - zu gestalten. Isabella hätte länger versuchen sollen, Pascal nicht nur zu umgarnen, sondern vor allem seine distanzierte arrogante Haltung zu durchbrechen. Pascal auf der anderen Seite hätte sich mit dem Phänomen der emotionalen Liebe - von der körperlichen Liebe mit willigen, jungen hübschen Frauen sind die Vampire ja geradezu besessen - auseinanderzusetzen und zwischen seinem kalten Herzen und seinem Verstand entscheiden zu müssen. Insbesondere das Vorbild Andrew wird von Pascal immer wieder zitiert, aber im Grunde deckt sich seine Beziehung zu Isabella mit Andrews Liebe zu Jesse. Die Liebesszenen selbst sind unterschiedlich, die Charakterentwicklung folgt aber bis zu Pierres dunklen Plänen dem gleichen Muster. Emilia Jones bemüht sich vor allem Isabella, andere Charakterzüge zu geben. Sie ist intelligent und hübsch, sexuell aktiv, aber nicht nymphomanisch. In den letzten Jahren hat sie sich mehr und mehr mit dem Phänomen der Vampirliteratur beschäftigt und folgt dem Hinweis einer Mitstudentin, welche von einem Vampirclub im Herzen von Brüssel spricht. Obwohl sie aber sehr viel Wissen über die Vampire angesammelt hat, nutzt Emilia Jones diese Basis erstaunlich wenig. Es gibt keine Querverweise auf andere Autoren des Genres wie eben Anne Rice oder auch den ursprünglichen Bram Stoker. Isabella versucht gar nicht die Legenden mit der Realität zu vergleichen. Anfangs wehrt sie sich noch in wenig gegen die Verführung durch Pascal und in diesen Szenen wirkt “Blutnächte” ungewöhnlich leicht und originell unterhaltsam. Wenn Isabella Pascal in ihrem Schlafzimmer stehen läßt, um erst einmal mit der Freundin auf einen Coktail durch die Nacht zu streichen. Wenn Pascal den Tag schlafend in ihrem Schlafzimmer verbringt und sie sich fragt, was sie wirklich mit einem Vampir anfangen könnte. Hier sind die Dialoge pointiert humorvoll geschrieben und der Schalk sitzt der Autorin für einen Moment im Nacken. Damit soll auf keinen Fall ausgedrückt werden, dass nur diese Szenen wirklich überzeugen. In dem Gesamtkomplex des Romans stechen sie einfach positiv heraus, während der Rest des Buches routiniert, aber plottechnisch teilweise einfach zu mechanisch und vorhersehbar abläuft. Wenn im letzten Kapitel schließlich das Geheimnis um Isabellas Armband zumindest einen kleinen Deut gelüftet wird, wirkt diese Erkenntnis auf den ersten Blick überraschend, dann aber rückblickend fragwürdig. Die Autorin hat sich sehr viel Mühe gegeben, Andrew als Charakter aufzubauen, der zu den mächtigen Vampiren gehört und sich in eine Sterbliche verliebt. Am Ende erfährt der Leser, dass es anscheinend nicht das erste Mal gewesen ist. Deutlich überzeugender wäre es gewesen, Isabella als Nachkommen einer legendären anderen Vampirfamilie zu etablieren und dem Leser das Gefühl zu geben, der „Club Noir“ ist nur die Spitze des Eisberges. Der erste Roman lebt auch viel stärker von dem Konflikt zwischen zwei mächtigen Vampiren. Andrew verlässt zu schnell die Bühne und in einigen Zwischenkapiteln erschafft Emilia Jones zwar einen weiteren, über weite Strecken des Buches geheimnisvollen Charaktere, aber der Hauptkonflikt spielt sich im „Club Noir“ zwischen Pascal und Pierre ab. Und hier liegt im Grunde die größte Schwäche des Buches. Pascal ist kein ebenbürtiger Gegner. Pierre in seinem Wahn, nicht nur die alten Riten neu zu beleben, sondern zum mächtigsten Vampir aufzusteigen und das dekadent erotische Verhalten seiner Mitvampire wieder auf die Stufe des überlegenen Jägers und der menschlichen Beute zurückzuführen hat keinen Gegenpart. Pascal wird zu eindimensional, zu schwach gezeichnet und Isabella zu ambivalent. In den letzten Szenen versucht sie zwar Pierre Widerstand zu leisten, auf der anderen Seite ist sie aber das devote Opfer des aggressiv sexuellen Pierres und seiner vampirischen Helferin. Diese ist für einige wenige lesbisch angehauchte Szenen zuständig, lässt sich aber von Pierre lieber nehmen und versucht andere Menschen zu unterdrücken. In den letzten Szenen reduziert sich Blutnächte auf den klassischen Konflikt zweier Männer um eine Frau, obwohl die eigentlichen Absichten von Pierre und Pascal nicht unterschiedlicher sein könnten. Hier werden einige interessante Ansätze verschenkt und der Roman hätte mit einem starken Frauencharakter – sei es Mensch oder Vampir – sicherlich gewonnen.

Der klassische Showdown wird von Emilia Jones erotisch spannend, aber auch nicht sonderlich überraschend inszeniert. Wie schon angesprochen funktioniert die Mechanik des Buches ausgezeichnet, teilweise hat der Leser allerdings das Gefühl, als scheue die Autorin den nächsten Schritt. Die Handlung auf eine neue erotisch- perverse Ebene zu verlagern. Das liegt sicherlich auch in der Tatsache begründet, dass der Leser bis auf die Verließe keine neuen, überzeugenden Aspekte des „Club Noir“ kennen lernt. Die Idee hat Emilia Jones im ersten Buch der Serie sehr schön extrapoliert, jetzt erwartet der Leser eigentlich mehr. An einigen Stellen erreicht die Autorin dann allerdings sehr gut die morbide Atmosphäre, welche den modernen Vampirroman nach „Interview mit einem Vampir“ auszeichnet. Sie kann diese Stimmung allerdings noch nicht auf einen längeren Text übertragen. Einige andere Sequenzen sind dagegen übertrieben schwülstig geschrieben. Insbesondere das in Paris spielende Kapitel mit Andrew und Jesse ist zu pathetisch übertrieben. Hier fehlt das überraschende Moment. Die erotischen Szenen – weniger Bondage und Kerzenwachs, dafür mehr Vorspiel und hartes, schnelles Nehmen durch die Vampire im Anschluss - sind im Vergleich zum ersten Band allerdings deutlich stimmungsvoller und fließender geschrieben. Einige Positionen sind allerdings von Emilia Jones teilweise ein wenig zu überzogen beschrieben worden. Insbesondere werden hier die Frauen vorwiegend mit dem Mund verwöhnt, bevor es zum eigentlichen Verkehr kommt und die Frauen erfahren hier die ersten Orgasmen. Das Zielpublikum dieser erotischen Vampirromane sind überwiegend Frauen und die kommen wahrscheinlich bei dieser Mischung aus Verwöhnen und Nehmen gut auf ihre Kosten.

Insgesamt betrachtet weißt „Blutnächte“ insbesondere stilistisch eine deutliche Weiterentwicklung gegenüber dem schon nicht schlecht geschriebenen Auftaktband „Club Noir“ auf. In Hinblick auf die Geschichte ihrer Vampire lässt Emilia Jones eine Reihe von Hinweisen fallen, die auf weitere interessante Bände hoffen lassen. Handlungstechnisch hält sie sich trotz mehrerer parallel laufender Ebenen überraschend zurück. Teilweise erinnert „Blutnächte“ an ein Remake des ersten Buches aus einer gänzlich anderen Perspektive. Der Machtkampf zwischen Pascal und Pierre nimmt Emilia Jones den Raum, eine gänzlich neue Idee zu extrapolieren und den gesamten Club als Opposition gegenüber Andrew bzw. Keimzelle der alten Vampire zu etablieren. Der Endkampf ist zwar packend geschrieben, enthält aber insbesondere für erfahrene Fantasy- Leser keine neuen Ideen. Während sie im Bereich der Erotik zumindest die Grenzen zu erweitern sucht, bleibt sie in Hinsicht Gewalt blutig bieder. Auch nicht alle Figuren können wirklich überzeugen, teilweise sind sie einfach noch zu eindimensional gezeichnet. Nur einige Protagonisten wie Pierre verfügen über markante, schroffe Züge. Andrew als überzeugender Antagonist fehlt dem Buch an allen Ecken und Enden. Oder die Autorin hätte mit Pascal eine gänzlich andere Figur, einen devoten Vampir mit zum Beispiel überragender Intelligenz entwickelt, der sich schließlich dank seiner Kenntnisse oder einer starken Frau an seiner Seite vor der Verschwörung Pierres und seiner Gehilfen/ Gehilfin retten kann. Die Ansätze sind vorhanden, aber irgendwie fehlt dem Buch der letzte Schritt ans neue Ufer. Insbesondere die Frauenfiguren könnten noch ein wenig mehr gegen die Erwartungshaltung der Leser gezeichnet werden. Zum Teil wirkt das Spektrum der ihnen zugeschriebenen Emotionen viel zu breit und ambivalent. In Hinblick auf den eigentlichen Club gibt es zwar einige weitere Hintergrundinformationen, aber es ist deutlich zu erkennen, dass Emilia Jones nicht zu viele Informationen Preis geben möchte. Im vorliegenden Band leidet die Lesbarkeit darunter und das Buch wirkt teilweise ein wenig zu distanziert konstruiert als aus tiefsten Herzen erzählt. „Blutnächte“ ist kein langweiliges Buch, beileibe nicht, aber Emilia Jones kann die Erwartungshaltung, welche sie selbst mit „Club Noir“ aufgebaut hat, auf jeden Fall erfüllen, aber nicht steigern.

Emilia Jones: "Blutnächte"
Roman, Softcover, 179 Seiten
Plaisir D´Amour Verlag 2007

ISBN 3-9382-8139-1

Weitere Bücher von Emilia Jones:
 - Club Noir
 - The Black Club, London

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