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Markus K. Korb und Tobias Bachmann

Das Arkham Sanatorium

rezensiert von Thomas Harbach

Mit “Das Arkham Sanatorium” legt der ATLANTIS Verlag einen Episodenroman der beiden in Weird Fiction gestĂ€hlten Autoren Markus K. Korb und Tobias Bachmann auf. Episodenromane sind keine leichte Kunst, denn oft leidet die Rahmenhandlung unter den sehr guten Geschichten oder noch schlimmer, der Rahmen ist packender verfasst worden als die einzelnen Episoden. Korb und Bachmann bemĂŒhen sich, mit der Figur des Dr. Reynolds - dem stellvertretenden Leiter der psychiatrischen Einrichtung Arkhams - eine Identifikationsfigur in den Rahmen zu stellen, aus deren Perspektive der Leser in Form von verbalen Berichten - die zum Teil wieder auf dem Hörensagen basieren - oder Aktennotizen ĂŒber seltsame PhĂ€nomene informiert wird. Dabei wirkt das Sanatorium Arkhams - von Howard Phillips Lovecraft entworfen - teilweise weniger wie eine Hommage an dessen Werk, sondern wie eine nicht unbedingt negativ gemeinte Erinnerung an das nicht minder berĂŒhmte Haus der “Batman” Comics, in dem so charismatische Figuren wie “der Joker” oder “Der Pinguin” ihre Aufenthalte zwischen ihren Konflikten mit der Fledermaus verbrachten. Insbesondre Markus Korb hat ja schon Erfahrungen von KonzepterzĂ€hlbĂ€nden, seine Sammlung “Grausame StĂ€dte” - im BLITZ Verlag erschienen - gehört zu den besseren modernen Lovecraft- WĂŒrdigungen.

Die grĂ¶ĂŸte Schwierigkeit, welche der Leser zu Beginn der Sammlung ĂŒberwinden muss und sollte, ist das Element der Wiederholung. Insbesondere die ersten drei Geschichten Ă€hneln sich handlungstechnisch, auch wenn die PrĂ€missen jeweils andere sind. In ihren finden die Protagonisten den Wahnsinn und zumindest teilweise einen frĂŒhen Tod in Form der unbeschreiblichen WĂŒrmer unter der Erde, die durch den Irrglauben der Menschen freigesetzt worden sind. Auch Andreas Gruber hat diese klassische Lovecraft- Idee fĂŒr eines seiner BĂŒcher benutzt. Die Schwierigkeit liegt aber in der Tatsache, dass der Rahmen im Jahre 1951 spielt und die eigentlichen Geschichten weniger als eine Generation frĂŒher. Auch wenn Lovecraft eine Handlung von Storys um diese Idee verfasste, können sie aus heutiger Sicht nicht mehr ĂŒberzeugen und die hier prĂ€sentierten ErzĂ€hlungen sind in ihrer KĂŒrze seltsam fragmentarisch. Der Leser ahnt schon weit im voraus, wie sich die kaum prĂ€sente Handlung in der stimmig dĂŒsteren AtmosphĂ€re entwickeln wird und am Ende der zu kurzen Texte gibt es plottechnisch keine Katharsis, keine Überraschung mehr. Eine in dieser Form angelegte Geschichte wĂ€re akzeptabel, aber drei aufeinander folgende sind unter einem Gesichtspunkt zu viel: Dr. Reynolds als SchlĂŒsselfigur des Rahmens zieht nicht die richtigen Erkenntnisse aus dieser HĂ€ufung von Ă€hnlichen Ereignissen. Unaufgeregt arbeitet er quasi seinen Schreibtisch leer, liest Berichte von gerade verblichenen Patienten oder lauscht den Erlebnissen, die ihm die seltenen Besucher und/oder gerade eingelieferten Patienten erzĂ€hlen. Aber zu Beginn des Buches ist der Rahmen im Grunde ein sehr loses und seltsam distanziertes VerbindungsstĂŒck zwischen den kurzen Geschichten. Das Geschen lĂ€uft sehr ruhig, sehr unaufgeregt trotz des BemĂŒhens der Autoren ab, den einzelnen Storys neben der nihilistischen AtmosphĂ€re von Wahnsinn und Verfall eine gewisse Spannung zu geben. Der Klappentext selbst spricht vom Wahnsinn in uns allen und diese EinfĂŒhrung hat ihre Berechtigung, allerdings wĂ€re es sinnvoller und effektiver gewesen, die Protagonisten oder SchicksalstrĂ€ger sehr viel ausfĂŒhrlicher vorzustellen - das hĂ€tte die Anzahl der Geschichten deutlich verringert, aber die QualitĂ€t insbesondere der ersten Texte gehoben - , bevor sie durch ĂŒbernatĂŒrliche Ereignisse oder nur eine krankhafte Phantasie in den Wahnsinn getrieben werden. Korb und Bachmann hĂ€tten Reynolds und damit auch den Leser noch etwas mehr verwirren können, wenn sie zumindest eine Geschichte integriert hĂ€tten, die Reynolds schnell als absolute Fiktion erkannt hĂ€tte. Somit wĂ€re sein Misstrauen den Patientenberichten gegenĂŒber grĂ¶ĂŸer und der Episodenroman hĂ€tte spannender gewirkt. Nach dem ersten schleppenden Drittel nimmt die Sammlung allerdings Fahrt auf. Das hat nicht nur damit zu tun, dass das Spektrum inzwischen um diverse Kulte erweitert worden ist, sondern die einzelnen Texte wirken lebhafter und sind thematisch vielschichtiger erzĂ€hlt.

Mit “Der Hausvermesser” nehmen die Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes Fahrt auf. Das grundlegende Schema ist immer noch das gleiche. Aus dem Nichts heraus entdecken normale Menschen etwas Seltsames, das ihnen schließlich den Verstand rauben wird. In einer der Rahmenhandlungen wird Doktor Reynolds auch stellvertretend fĂŒr den Leser auf diese Wiederholungen hinweisen und sich unwillkĂŒrlich die Frage stellen, ob aufgrund der Gleichartigkeit der einzelnen Schicksale diese Menschen doch nicht verrĂŒckt sind, sondern die Welt verrĂŒckter wird. Das Interessante an “Der Hausvermesser” ist allerdings am Ende das Spiel mit den Erwartungen des Lesers, es wird nicht das obligatorische Monster vorgestellt. Zumindest nicht wie in den vorangestellten Kurzgeschichten. Das Markus Korb und Tobias Bachmann sehr gut schreiben können, haben sie in einer Reihe von Romanen und Texten bewiesen. Mit “Das Fest der Winde” - der ersten Story dieser Sammlung, in denen sie das Spektrum der seltsamen Erscheinungen auf die Welt erweitern - haben sie eine Hommage an “The Wicker Man” im Rahmen ihrer Lovecraftsammlung geschaffen, die sich sehr gut liest und vor allem von ihrer nihilistischen AtmosphĂ€re mit einem Flair “Apocalyptica” ĂŒberzeugen kann. Den Scheitelpunkt der Sammlung bilden “Leuchtturm im Wald” und “GrĂŒnes Licht im Gipfelfenster”. Vor allem die erste Story besticht durch ihre hervorragende stimmungsvolle Idee. Die AtmosphĂ€re ist ungewöhnlich dicht gestaltet, allerdings hĂ€tte der Text deutlich lĂ€nger sein können und sogar mĂŒssen. Gegen Ende ĂŒberstĂŒrzen sich vielleicht nicht die Ereignisse, aber die Autoren hĂ€tten die Spannung lĂ€nger herauszögern können. Mit dieser Story wird der Bogen schließlich zum Ende des Rahmenhandlung geschlagen, auch wenn noch einige exotische Reise zu grausamen PlĂ€tzen folgen. “GrĂŒnes Licht im Gipfelfenster” ist dann eine klassische Lovecraftstory um Wahnsinn, Drogen und den alltĂ€glichen Schrecken. Insbesondere die Exposition gehört zu den stĂ€rksten Abschnitten dieses Werkes und damit auch der Sammlung.

Im Verlaufe der insgesamt zwölf Geschichten und dem Abschluss der Rahmenhandlung - es wird auch immer wieder auf die zwölf Sternzeichen verwiesen, daran erkennt der Leser, wie sorgfĂ€ltig die Autoren die Sammlung zusammengestellt haben - folgen noch Reisen nach Tibet zu einem Jungbrunnen , der Fund eines Medaillons aus der Zeit und schließlich immer mehr die Verwandlung der forschen Protagonisten in Unaussprechliches. Dominierte die erste HĂ€lfte der Sammlung der Wahnsinn, so wird im zweiten Teil als Vorbereitung auf den Höhepunkt des Episodenromans der Körper verĂ€ndert. Da Reynolds in den inzwischen lĂ€nger und damit ein wenig interessanter werdenden Zwischenkapiteln in die Handlung integriert wird, wirken diese EinschĂŒbe nicht mehr statisch. Auch greifen einzelne Spannungsbögen zumindest latent von einem Text auf den anderen ĂŒber. Im Rahmen der vorliegenden Storys werden im Grunde alle wichtigen Themen des LovecraftÂŽschen Werkes liebevoll, aber nicht immer ĂŒberzeugend mit neuem Leben erfĂŒllt. So gut der Schriftsteller Lovecraft in Bezug auf die Erschaffung einer unheimlichen, nihilistischen und schließlich den Verstand raubenden AtmosphĂ€re gewesen ist, so umfassend schließlich sein Kosmos ĂŒber die Alten und das Necronomicon erschienen ist, so sehr konzentrierte er sich bei kritischer Betrachtung seines im Grunde schmalen Werkes auf eine Handvoll Themen. Darunter leiden auch sehr viele der Neuinterpretationen. Wer sich zum Beispiel die Lovecraft Reihe im Festa- Verlag mit seinen anerkannten Autoren ansieht, wird immer wieder feststellen, dass diese WĂŒrdigungen nicht den notwendigen Schritt weitergehen und die alten Motive geschickt variieren, aber nicht extrapolieren. Dieses GefĂŒhl hat der Leser auch teilweise bei “Das Arkham- Sanatorium”. So gut die einzelnen Geschichten stilistisch geschrieben worden sind - und sie sind wirklich stimmungstechnisch teilweise hervorragend - so wenig ĂŒberzeugen sie auf der Ideenebene. So oft kleben sie zu nah an den Werken des Meisters und wenn schließlich am Ende das Sanatorium abbrennt, um etwas anderes auf die Welt loszulassen, weiß der Leser, das auch das letzte Element Lovecrafts seine Einkehr in die vorliegende Sammlung gefunden hat. Es ist sicherlich schwierig, einen Band in der Tradition Lovecrafts zu schreiben, ohne all zu sehr von seinen handlungstechnischen Schemata abzuweichen. Wer gerne Geschichten in diesem engen Korsett liest, wird von dem Episodenroman “Das Arkham Sanatorium” sehr gut bedient. Wer diese Sammlung mit der PrĂ€misse von Lovecraft inspiriert angeht und vor allem den Wahnsinn in uns allen untersuchen möchte, der wird ein wenig enttĂ€uscht. Nur wenige Figuren tragen den Wahnsinn von Beginn an in sich, durch ihr leichtsinniges Vorgehen, an Orte zu gehen, welche den Menschen verschlossen sein sollten, erwecken sie - wie im klassischen Horrorroman - die Geister und sind selbst fĂŒr ihr Schicksal verantwortlicht. Die Verbindung zwischen den einzelnen Geschichten und der Rahmenhandlung in Form einer Fuge hĂ€tte stĂ€rker sein können, zum Teil bleibt der Eindruck, als ob Markus Korb und Tobias Bachmann einzelne, schon fertige Geschichten ein wenig bemĂŒht miteinander verbunden haben. “Das Arkham- Sanatorium” ist im Bereich der Weird Fiction einer der empfehlenswerten Veröffentlichungen deutscher Autoren dieses Jahres mit einigen SchwĂ€chen, aber vor allem im atmosphĂ€rischen Bereich sehr vielen StĂ€rken. Wenn die einzelnen Charaktere noch stĂ€rker, dreidimensionaler entwickelt werden wĂŒrden und die einzelnen Plots in Bezug auf ihre Enden einige Varianten mehr aufweisen könnten, wĂ€re es eine sehr empfehlenswerte Veröffentlichung.


Markus K. Korb und Tobias Bachmann: "Das Arkham Sanatorium"
Roman, Softcover, 214 Seiten
Atlantis Verlag 2007

ISBN 3-9367-4278-2

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