Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Horror (diverse)



Andreas Gruber

Der fünfte Erzengel

rezensiert von Thomas Harbach

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Shayol Verlag legt die ebenfalls in Berlin beheimatete Edition Medusenblut die erste Sammlung des österreichischen Erzählers Andreas Gruber wieder auf. Dieser hat die zum Teil Mehr als fünf Jahre alten insgesamt neun Geschichten behutsam überarbeitet. Den handlichen Paperback ziert eine stimmungsvolle Coverillustration von Rainer Schorm.



Nach dem Vorwort von einem immer noch von einem über seine eigene Entwicklung staunenden Andreas Gruber findet sich der Leser mit fünf Geschichten konfrontiert, die in Magazinen wie Fantasia, Cetera oder dem Conbuch des MARBURGER HORROR CLUB MAGAZINS erschienen sind und vier Neuveröffentlichungen, die Andreas Gruber -wie er selbst in seinem Vorwort zugibt - aus den Schubladen zusammengeklaubt hat, als er erfuhr, dass Boris Koch nun mehr statt Heften umfangreichere Taschenbücher veröffentlichten wollte.



"Wahrscheinlich ein kaputter Gasherd" ist eine skurrile Anekdote, der Besuch bei einem selbstverliebten Möchtegernschriftsteller und dessen Wahnvorstellungen. In der Ausführung erinnert der Text an die frühen Arbeiten Freys, von dem kürzlich eine Sammlung in der Poe Edition im Blitz Verlag erschienen ist. Stilistisch hochkonzentriert und mit einer auf die Spitze getriebenen künstlichen Atmosphäre ausgestattet wirkt die Geschichte wie eine Fingerübung in Sachen phantastischer Literatur. Viele Einfälle drängen sich auf zu wenig Raum. Vielleicht unterscheidet aber auch der unbekannte Autor sich von Andreas Gruber, dieser hat den Sprung an die Öffentlichkeit geschafft und muss nicht mehr in den Abendstunden für die Schublade produzieren.



Das ihm längere Texte, Novellen, besser liegen, unterstreichen Grubers Arbeiten in der SF Sammlung "Die letzte Fahrt der Enora Time" genauso wie die zu einem Roman zusammengefassten Geschichten um den jüdischen Privatdetektiv Jakob Rubinstein. Darum es ist nicht überraschend, sondern angenehm zu erfahren, dass die längeren Texte dieser Sammlung deutlich flüssiger erscheinen und sich angenehm gruselig lesen lassen. Die Testamentseröffnung" ist eine klassische Hommage an Edgar Allan Poe und H.P.Lovecraft. Nachdem Tod seines Vaters erfährt ein junger Mann dessen Schicksal bei der Verlesung eines seltsamen Testaments. Packend in Szene gesetzt mit einem Auge für österreichische Details durchdringt die Handlung schnell den gemütlichen Ablauf in der Notariatsstube. Dabei gelingt es dem Autoren, den eigentlichen Erzähler als zerrissene Persönlichkeit gleichzeitig wie als verschlagenen, egoistischen und arroganten Charakter darzustellen. Das böse Ende ist in der Tradition des Gothic Horrors gestaltet.



"In Gedenken an meinen Bruder" ist eine verstörende Geschichte, die den Leser in seinem Innersten packt und unbarmherzig über einen dunklen Abgrund in den Wahnsinn zieht. Drastisch zeigt der Autor die Folgen eines gestörten Familienverbundes auf. Die Szenen, in denen Gruber die Selbstverstümmelungen beschreibt, sind brutal und an der Grenze des Verträglichen. Im Gegensatz zu seinen atmosphärisch dichten klassisch orientierten Geschichten benutzt der Autor die nackte Instanz Klinik/Irrenhaus , um eine zeitlose Story zu erzählen.



Andreas Gruber packt in die Haunted House Geschichte "Duke Manor" sehr viel Stimmung. Ein Journalist erfährt von einer abgelegenen Villa in Ungarn und untersucht das haus. Dabei stößt er auf geheimnisvolle Vorgänge und eine Bedrohung aus dem Keller. Geschickt baut Gruber um die eigentliche Handlung einen einfachen Rahmen und zieht den Leser in die gruseligen Ereignisse hinein. Eine sehr intensive, sehr auf Atmosphäre bedachte Geschichte, in der das Grauen subtil hinter der Kellertür und damit in der Phantasie der Leser entsteht.



"Der Beichtstuhl von Pater Wolfgang" beginnt als bedrückende Angsteinflössende Krimigeschichte, dreht sich im Laufe der Ereignisse zu einer Gruselgeschichte, die geschickt die biedere bessere Gesellschaft als Farce entlarvt. Im Gegensatz zu den ruhig aufgebauten Geschichten wie "Duke Manor" legt Gruber ein entsprechendes Tempo vor, der Leser bleibt auf Augenhöhe mit dem Protagonisten und erkennt schließlich die verschiedenen Vorgänge mit wachsendem Entsetzen. Eine interessante Variante und gelungene Kombination aus mysthischem Krimi und dunklem Thriller.



"Der Anthropophag" ist eine brutale Außenseitergeschichte. Der Ich-Erzähler erzählt aus seinem Leben, seinen dunklen, bizarren Neigungen und karikiert ironisch die Versuche von Ärzten, Psychatern und Ordnungsorganen, seinen Zustand zu definieren und dann zu heilen. Schockierende Szenen wechseln sich mit unterhaltsamen Passagen in dieser sehr gelungenen Geschichte ab. Die Psychologie des Wahnsinns im Auge des Betrachters kommt ganz deutlich zum Vorschein. Eine beklemmende Atmosphäre in einer -bis auf das Geburtsdatum des Protagonisten - fast undefinierbaren Zeit erwecken den Eindruck, das Geschehen könnte überall und jederzeit spielen. Andreas Gruber öffnet hier einen kleinen Spalt die Türe in die Herzen des Psychopathen und mit einem schaurigen Schütteln schaut der unbedarfte Leser einen Moment über die Grenze. Nach Abschluß der Lektüre ist er froh, wieder in seine ruhige, beschauliche Gegenwart zurückkehren zu dürfen.



Wie "Wahrscheinlich ein kaputter Gasherd" ist "im Treppenhaus" mehr eine phantastische Anekdote, der Wahnsinn bricht aus einer alltäglichen Situation heraus aus und ergreift den Erzähler. Die Phantasie des Lesers wird durch die sehr kompakte Erzählweise des Autoren, die eher andeutet als erklärt, stimuliert. Das hier die Stimmung das wichtigste Element ist, unterstreicht Grubers Fähigkeiten, Texte zu erzählen und nicht nur zu erleben In einer Art Stillleben sind einige dieser Geschichte gemalt, immer in der Intention, dem Leser eine wohlige Gänsehaut zu schenken. In seinen längeren Texten gelingt die Identifikation des Lesers mit den Protagonisten besser, die kürzeren Texte weisen auf der anderen Seite oft eine nachhaltigere Atmosphäre auf.



"Corpus Laceraris" ist die schwächste Geschichte dieser Sammlung und das liegt weniger an der zugrunde liegenden Idee oder Ausgangssituation, sondern an der Tatsache, dass Andreas Gruber zu viele Ansätze in zu wenig Geschichte drücken möchte und sich schließlich gegen Ende dieser sehr kurzen Story vor weiteren Ideen überschlägt, die für manche SF Novelle gereicht hätten. Der Leser kann sich mit der Krankheit des Protagonisten, eines Autoren, kaum richtig auseinandersetzen, schon erweist sich dessen Krankheitsstadion als Ausgangspunkt einer weitergehenden Bedrohung der gesamten Menschheit.



Wie gut Andreas Gruber mit Texten in Novellenlänge umgehen kann, erweist sich bei der abschließenden und Titelgebenden Story. Eine düstere Mischung aus apokalyptischen Filmen und Bibelzitaten mit einer kriminalistischen Ebene, sehr viel Stimmung und Atmosphäre, weniger deftigen Aktiensequenzen, sondern gut und natürlich gezeichneten Charakteren, deren Schicksal den Leser anrührt. Diese verschiedene Elemente kann Gruber hier erstaunlich routiniert zu einer ansprechenden, gut und leicht zu lesenden Geschichte zusammenfügen. Der Leser wird augenblicklich in den Bann der übernatürlichen Ereignisse hineingezogen. Dabei spielt der Autor mit klischeehaften klassischen Ausgangssituationen - die Bibelzitate, die Prophezeiungen, der unschuldig Gejagte- , um seine dunkle Handlung entschlossen voranzutreiben.



Die Neuauflage von "Der fünfte Erzengel" ist der erfreuliche Beweis, dass deutsche (und österreichische) Phantastik immer mehr Leser findet bzw. zurückerobert. In seinem Vorwort erwähnt Gruber Autoren wie Sembten, Koch, Angerhuber, dazu kommen Michael Marrak, wieder Ernst Vlcek, der zu seinen gruseligen Wurzeln in "Coco Zamis" zurückgekehrt ist, vielleicht noch von Asher und natürlich Andreas Gruber. Dieser hat sich als einer der vielseitigsten Autoren mit seiner SF Sammlung, seinen skurrilen Krimis und wahrscheinlich auch der bevorstehenden Veröffentlichung seines ersten Romans herauskristallisiert. Die hier präsentierten gruseligen, unterhaltsamen und atmosphärisch dichten Geschichten zeigen den Wunsch und den Willen eines Vollblutautoren, zu schreiben und zu erzählen. Ist die Mischung aus Stimmung und Handlung noch nicht perfekt - oft wird das eigentliche Geschehen von Grubers kraftvollen Beschreibungen an den Rand gedrückt - so lassen sich alle Text gut lesen. Bei der Auswahl seiner Themen konzentriert sich Gruber hier auf dem Ausbruch des Wahnsinns in einem - fast - ganz normalen Menschen, die Eruption der unter der Haut liegenden dunklen Seiten. Darum sollten die Geschichten -wie der Autor auch zugibt - nicht in einem Rutsch gelesen werden. Da könnte eine leichte Müdigkeit in Bezug auf die Thematiken auftreten, sondern nach dem Abendessen und vor dem unruhigen Schlaf Stück für Stück goutiert werden. Dann kommen die Alpträume von ganz alleine.

Andreas Gruber: "Der fünfte Erzengel"
Roman, Softcover
Shayol 2004

ISBN 3-9261-2639-6

Weitere Bücher von Andreas Gruber:
 - Das Eulentor
 - Der Judas-Schrein
 - Die Engelmühle
 - Rachesommer
 - Schwarze Dame
 - Todesfrist

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::