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Horror (diverse)



Andreas Gruber

Der fĂŒnfte Erzengel

rezensiert von Thomas Harbach

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Shayol Verlag legt die ebenfalls in Berlin beheimatete Edition Medusenblut die erste Sammlung des österreichischen ErzĂ€hlers Andreas Gruber wieder auf. Dieser hat die zum Teil Mehr als fĂŒnf Jahre alten insgesamt neun Geschichten behutsam ĂŒberarbeitet. Den handlichen Paperback ziert eine stimmungsvolle Coverillustration von Rainer Schorm.



Nach dem Vorwort von einem immer noch von einem ĂŒber seine eigene Entwicklung staunenden Andreas Gruber findet sich der Leser mit fĂŒnf Geschichten konfrontiert, die in Magazinen wie Fantasia, Cetera oder dem Conbuch des MARBURGER HORROR CLUB MAGAZINS erschienen sind und vier Neuveröffentlichungen, die Andreas Gruber -wie er selbst in seinem Vorwort zugibt - aus den Schubladen zusammengeklaubt hat, als er erfuhr, dass Boris Koch nun mehr statt Heften umfangreichere TaschenbĂŒcher veröffentlichten wollte.



"Wahrscheinlich ein kaputter Gasherd" ist eine skurrile Anekdote, der Besuch bei einem selbstverliebten Möchtegernschriftsteller und dessen Wahnvorstellungen. In der AusfĂŒhrung erinnert der Text an die frĂŒhen Arbeiten Freys, von dem kĂŒrzlich eine Sammlung in der Poe Edition im Blitz Verlag erschienen ist. Stilistisch hochkonzentriert und mit einer auf die Spitze getriebenen kĂŒnstlichen AtmosphĂ€re ausgestattet wirkt die Geschichte wie eine FingerĂŒbung in Sachen phantastischer Literatur. Viele EinfĂ€lle drĂ€ngen sich auf zu wenig Raum. Vielleicht unterscheidet aber auch der unbekannte Autor sich von Andreas Gruber, dieser hat den Sprung an die Öffentlichkeit geschafft und muss nicht mehr in den Abendstunden fĂŒr die Schublade produzieren.



Das ihm lĂ€ngere Texte, Novellen, besser liegen, unterstreichen Grubers Arbeiten in der SF Sammlung "Die letzte Fahrt der Enora Time" genauso wie die zu einem Roman zusammengefassten Geschichten um den jĂŒdischen Privatdetektiv Jakob Rubinstein. Darum es ist nicht ĂŒberraschend, sondern angenehm zu erfahren, dass die lĂ€ngeren Texte dieser Sammlung deutlich flĂŒssiger erscheinen und sich angenehm gruselig lesen lassen. Die Testamentseröffnung" ist eine klassische Hommage an Edgar Allan Poe und H.P.Lovecraft. Nachdem Tod seines Vaters erfĂ€hrt ein junger Mann dessen Schicksal bei der Verlesung eines seltsamen Testaments. Packend in Szene gesetzt mit einem Auge fĂŒr österreichische Details durchdringt die Handlung schnell den gemĂŒtlichen Ablauf in der Notariatsstube. Dabei gelingt es dem Autoren, den eigentlichen ErzĂ€hler als zerrissene Persönlichkeit gleichzeitig wie als verschlagenen, egoistischen und arroganten Charakter darzustellen. Das böse Ende ist in der Tradition des Gothic Horrors gestaltet.



"In Gedenken an meinen Bruder" ist eine verstörende Geschichte, die den Leser in seinem Innersten packt und unbarmherzig ĂŒber einen dunklen Abgrund in den Wahnsinn zieht. Drastisch zeigt der Autor die Folgen eines gestörten Familienverbundes auf. Die Szenen, in denen Gruber die SelbstverstĂŒmmelungen beschreibt, sind brutal und an der Grenze des VertrĂ€glichen. Im Gegensatz zu seinen atmosphĂ€risch dichten klassisch orientierten Geschichten benutzt der Autor die nackte Instanz Klinik/Irrenhaus , um eine zeitlose Story zu erzĂ€hlen.



Andreas Gruber packt in die Haunted House Geschichte "Duke Manor" sehr viel Stimmung. Ein Journalist erfĂ€hrt von einer abgelegenen Villa in Ungarn und untersucht das haus. Dabei stĂ¶ĂŸt er auf geheimnisvolle VorgĂ€nge und eine Bedrohung aus dem Keller. Geschickt baut Gruber um die eigentliche Handlung einen einfachen Rahmen und zieht den Leser in die gruseligen Ereignisse hinein. Eine sehr intensive, sehr auf AtmosphĂ€re bedachte Geschichte, in der das Grauen subtil hinter der KellertĂŒr und damit in der Phantasie der Leser entsteht.



"Der Beichtstuhl von Pater Wolfgang" beginnt als bedrĂŒckende Angsteinflössende Krimigeschichte, dreht sich im Laufe der Ereignisse zu einer Gruselgeschichte, die geschickt die biedere bessere Gesellschaft als Farce entlarvt. Im Gegensatz zu den ruhig aufgebauten Geschichten wie "Duke Manor" legt Gruber ein entsprechendes Tempo vor, der Leser bleibt auf Augenhöhe mit dem Protagonisten und erkennt schließlich die verschiedenen VorgĂ€nge mit wachsendem Entsetzen. Eine interessante Variante und gelungene Kombination aus mysthischem Krimi und dunklem Thriller.



"Der Anthropophag" ist eine brutale Außenseitergeschichte. Der Ich-ErzĂ€hler erzĂ€hlt aus seinem Leben, seinen dunklen, bizarren Neigungen und karikiert ironisch die Versuche von Ärzten, Psychatern und Ordnungsorganen, seinen Zustand zu definieren und dann zu heilen. Schockierende Szenen wechseln sich mit unterhaltsamen Passagen in dieser sehr gelungenen Geschichte ab. Die Psychologie des Wahnsinns im Auge des Betrachters kommt ganz deutlich zum Vorschein. Eine beklemmende AtmosphĂ€re in einer -bis auf das Geburtsdatum des Protagonisten - fast undefinierbaren Zeit erwecken den Eindruck, das Geschehen könnte ĂŒberall und jederzeit spielen. Andreas Gruber öffnet hier einen kleinen Spalt die TĂŒre in die Herzen des Psychopathen und mit einem schaurigen SchĂŒtteln schaut der unbedarfte Leser einen Moment ĂŒber die Grenze. Nach Abschluß der LektĂŒre ist er froh, wieder in seine ruhige, beschauliche Gegenwart zurĂŒckkehren zu dĂŒrfen.



Wie "Wahrscheinlich ein kaputter Gasherd" ist "im Treppenhaus" mehr eine phantastische Anekdote, der Wahnsinn bricht aus einer alltĂ€glichen Situation heraus aus und ergreift den ErzĂ€hler. Die Phantasie des Lesers wird durch die sehr kompakte ErzĂ€hlweise des Autoren, die eher andeutet als erklĂ€rt, stimuliert. Das hier die Stimmung das wichtigste Element ist, unterstreicht Grubers FĂ€higkeiten, Texte zu erzĂ€hlen und nicht nur zu erleben In einer Art Stillleben sind einige dieser Geschichte gemalt, immer in der Intention, dem Leser eine wohlige GĂ€nsehaut zu schenken. In seinen lĂ€ngeren Texten gelingt die Identifikation des Lesers mit den Protagonisten besser, die kĂŒrzeren Texte weisen auf der anderen Seite oft eine nachhaltigere AtmosphĂ€re auf.



"Corpus Laceraris" ist die schwĂ€chste Geschichte dieser Sammlung und das liegt weniger an der zugrunde liegenden Idee oder Ausgangssituation, sondern an der Tatsache, dass Andreas Gruber zu viele AnsĂ€tze in zu wenig Geschichte drĂŒcken möchte und sich schließlich gegen Ende dieser sehr kurzen Story vor weiteren Ideen ĂŒberschlĂ€gt, die fĂŒr manche SF Novelle gereicht hĂ€tten. Der Leser kann sich mit der Krankheit des Protagonisten, eines Autoren, kaum richtig auseinandersetzen, schon erweist sich dessen Krankheitsstadion als Ausgangspunkt einer weitergehenden Bedrohung der gesamten Menschheit.



Wie gut Andreas Gruber mit Texten in NovellenlĂ€nge umgehen kann, erweist sich bei der abschließenden und Titelgebenden Story. Eine dĂŒstere Mischung aus apokalyptischen Filmen und Bibelzitaten mit einer kriminalistischen Ebene, sehr viel Stimmung und AtmosphĂ€re, weniger deftigen Aktiensequenzen, sondern gut und natĂŒrlich gezeichneten Charakteren, deren Schicksal den Leser anrĂŒhrt. Diese verschiedene Elemente kann Gruber hier erstaunlich routiniert zu einer ansprechenden, gut und leicht zu lesenden Geschichte zusammenfĂŒgen. Der Leser wird augenblicklich in den Bann der ĂŒbernatĂŒrlichen Ereignisse hineingezogen. Dabei spielt der Autor mit klischeehaften klassischen Ausgangssituationen - die Bibelzitate, die Prophezeiungen, der unschuldig Gejagte- , um seine dunkle Handlung entschlossen voranzutreiben.



Die Neuauflage von "Der fĂŒnfte Erzengel" ist der erfreuliche Beweis, dass deutsche (und österreichische) Phantastik immer mehr Leser findet bzw. zurĂŒckerobert. In seinem Vorwort erwĂ€hnt Gruber Autoren wie Sembten, Koch, Angerhuber, dazu kommen Michael Marrak, wieder Ernst Vlcek, der zu seinen gruseligen Wurzeln in "Coco Zamis" zurĂŒckgekehrt ist, vielleicht noch von Asher und natĂŒrlich Andreas Gruber. Dieser hat sich als einer der vielseitigsten Autoren mit seiner SF Sammlung, seinen skurrilen Krimis und wahrscheinlich auch der bevorstehenden Veröffentlichung seines ersten Romans herauskristallisiert. Die hier prĂ€sentierten gruseligen, unterhaltsamen und atmosphĂ€risch dichten Geschichten zeigen den Wunsch und den Willen eines Vollblutautoren, zu schreiben und zu erzĂ€hlen. Ist die Mischung aus Stimmung und Handlung noch nicht perfekt - oft wird das eigentliche Geschehen von Grubers kraftvollen Beschreibungen an den Rand gedrĂŒckt - so lassen sich alle Text gut lesen. Bei der Auswahl seiner Themen konzentriert sich Gruber hier auf dem Ausbruch des Wahnsinns in einem - fast - ganz normalen Menschen, die Eruption der unter der Haut liegenden dunklen Seiten. Darum sollten die Geschichten -wie der Autor auch zugibt - nicht in einem Rutsch gelesen werden. Da könnte eine leichte MĂŒdigkeit in Bezug auf die Thematiken auftreten, sondern nach dem Abendessen und vor dem unruhigen Schlaf StĂŒck fĂŒr StĂŒck goutiert werden. Dann kommen die AlptrĂ€ume von ganz alleine.

Andreas Gruber: "Der fĂŒnfte Erzengel"
Roman, Softcover
Shayol 2004

ISBN 3-9261-2639-6

Weitere Bücher von Andreas Gruber:
 - Das Eulentor
 - Der Judas-Schrein
 - Die EngelmĂŒhle
 - Rachesommer
 - Schwarze Dame
 - Todesfrist

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