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Horror (diverse)



Jörg Kleudgen

Cosmogenesis

rezensiert von Thomas Harbach

Uwe Kleudgen gründete zusammen mit Markus Pick unter den Synonym „das Projekt“ eine Band, deren Bestreben von Beginn an post punkige, aber gothic angelehnte Horrormusik gewesen ist. Nach den ersten Geburtswehen erschien 1995 das erste Album der Gruppe HOUSE OF USHER. Die Band legte Wert darauf, eine Verbindung zwischen gothischem Horror und ihrer Musik zu schaffen. So sind einige der hier versammelten Geschichten auch als Beilagen zu ihren CD´s erschienen. 1999 ist dann ihr drittes Album veröffentlicht worden, das auch den Titel „Cosmogenesis“ trägt. Die Band tritt in verschiedenen europäischen Ländern auf, feierte erfolgreich eine Tour durch den Libannon und zeigte ihr Können unter anderem auch auf einem der ELSTERCONS.

Der hier im Rahmen der Edgar Allan Poe Reihe vorliegende Episodenroman erschien in veränderter Form 1999 als Privatdruck in einer kleinen Auflage. Uwe Voehl geht näher auf die Unterschiede der Neuauflage gegenüber dem ersten, schnell vergriffenen Original ein, aber beleuchtet auch den Hintergrund dieses Storyzyklus. Es empfiehlt sich, sein Nachwort eher als Vorwort zu goutieren. Was gänzlich fehlt gegenüber der ersten Ausgabe ist das Vorwort des Autoren Jörg Kleudgen, in welchem er mehr auf die eigentliche Protagonistin dieses Episodenromans eingeht: die Stadt oder besser das Dorf Cathay. Obwohl er betont, dass Cathay ein nicht-existenter, geographisch unmöglicher Ort sei, bemüht er sich, seine Siedlung zu lokalisieren und nutzt einige Eigenheiten – Küstenlinie, Klippen, Naturhafen, wenig Wasser, am Fuße von Bergen – für seine Texte. In letzter Zeit konnten insbesondere Jeff van der Meer mit seinem Werk „ Stadt der Heiligen und Idioten“ aber auch China Mievielle mit „Perido Street Station“ mit ihren Mischungen aus klassischen Horrorelementen, verschrobener Wissenschaft und moderner Fantasy die Leser in ihren Bann schlagen. Das Risiko solcher Texte ist, dass der Hintergrund die Handlung oder verschiedenen Episoden überdeckt. Wenn der Autor dann auch noch im Bereich des Gothic Horrors Bezug auf H.P. Lovecraft oder Edgar Allan Poe nimmt, droht das Gleichgewicht zu kippen. Viele der hier gesammelten Geschichten wirken mehr wie dunkle Reiseberichte mit dem feurigen, für Poe so typischen Ende als fertige Geschichten. Wenn Voehl davon spricht, ein Bild aus einer Parallelwelt sickert in unsere Dimension, so ist dies vollkommen richtig. Kleudgen kümmert sich wenig um ein kontinuierliches und in sich geschlossenes Gesamtbild. In seiner Siedlung mit wenigen hundert – oder wirklich nur hundert ? - Einwohnern gibt es alles: Handwerk, Architekten, Ärzte, Alchimisten. Der Leser hat nach kurzer Zeit das Gefühl, vor einer Drehbühne zu sitzen. Wenige Schauspieler öffnen ein breites Spektrum alle durch ihre Wandelbarkeit und ihren Enthusiasmus. Beides trifft auch auf Kleudgens „Cosmogenesis“ zu.


Die Auftaktgeschichte „Transmutation“ verbindet klassische Alchemie mit der Geschichte Cathays. Durch Zufall stößt der Ich-Erzähler auf die Chronik der Stadt und die geheimnisvolle, schwere Kiste, von den ersten unfreiwilligen Siedlern aus dem geborstenen Schiff 1652 geborgen und in eine Höhle gebracht. Die dunkle Stimmung überdeckt die Schwächen im Handlungsaufbau. Aufmerksame Leser können das offensichtliche Ende vorherahnen. Dabei lässt Kleudgen keine klassische Chance aus: von dem Bannspruch der Götter wegen einer unheiligen Ehe über Seuchen bis zum über Jahrhunderte geheimen und plötzlich fast überall zu findenden Fundort der Kiste. Das die Strafe für zuviel Neugierde und die eigene Eitelkeit fast auf dem Fuß folgt, versteht sich von alleine.

„Bethany“ auf der anderen Seite bezieht seine grundlegenden Ideen fast direkt aus Poe und Lovecrafts Werken. Ein Architekt wird vom reichsten Mann des Ortes aus Deutschland abgeworben, ihm ein prachtvolles Haus zu entwerfen. Bei seinen Besuchen beim Bauherrn lernt er dessen bildschöne, zierliche und scheue Frau kennen. Der Katalysator für ein furchtbares Drama. Nur zum Auftakt erfährt der Leser mehr über Cathays, doch erscheint die Einwohnerzahl von 100 Ureinwohnern und Deutschen zu klein, um die folgenden Ereignisse in Gang zu halten. Vielleicht hätte sich Kleudgen im Laufe seines Schöpfungsprozesses eine höhere Einwohnerzahl zugestehen sollen.
Besonders die dekadente Atmosphäre, der überall spürbare Verfall und die alles niederdrückende Feuchtigkeit, deren Geheimnis der Erzähler nur einen Hauch weit lüftet, überzeugen. Geschickt deutet Kleudgen die Geheimnisse eher an als das er sie expliziert darstellt. Er bemüht sich in dieser Episode um eine gewisse Eigenständigkeit, bleibt aber seinen literarischen Vorbildern noch zu eng verbunden und hat eine empfehlenswerte Hommage geschrieben. In seinem Nachwort stellt Uwe Voehl klar, dass viele der kommenden Protagonisten Bethanys heimkehrende Kinder sind. Das könnte die fortlaufende Ich- Erzählerperspektive dem Leser verständlicher machen, im eigentlichen Text ist dieses faszinierende Motiv vernachlässigt worden. Dabei stellen insbesondere viele der klassischen Geschichten das Motiv des Heimkehrers und dessen Suche nach innerem Frieden dar.

Dazwischen finden sich Anekdoten wie „Des Sammlers letzte Tage“ oder „Im Reptilienhaus“ – stimmungsschwanger, aber zu vorhersehbar. Im Vergleich zu den oft mit gotischen Zügen versehenen längeren Storys wirken sie in ihrer modernen Ausgestaltung wie bizarre Gegensätze oder gefilterte und verzerrte Bilderbeispiele der cathay´schen Literatur.
Die wenigen Geschichten – wie „Die Hölle“ -, die außerhalb Cathays spielen, sind oft Verdrehungen jeglicher Realität und die Verzerrung der Bewusstseinsebene des Ich-Erzählers. Eine gewisse Desorientierung kommt schon durch die ständige Nutzung der intimen Ich- Perspektive in Kombination von verschiedenen Erzählern und Zeitepochen auf. Dadurch negiert Kleudgen zumindest die latent vorhandene eingeschränkte Spannungsgrundlage – der Ich-Erzähler muss es überleben. Im Fall dieser Sammlung stellt sich die Frage, ob er die Geschichte geistig gesund und noch zurechnungsfähig überleben kann. In vielen dieser Episoden finden sich bizarre Elemente – das Sanatorium, das mehr einem Folterkeller ähnelt und Ärzte, die Menschen quälen und nicht heilen. Außerdem schafft er zumindest in dieser Geschichte nicht nur ein Gefühl der Bedrohung aufzubauen, sondern dem Leser in seinen inneren Werten zu erschüttern. Mit „Der den Sturm säht“ greift der Autor Motive aus unserer Vergangenheit auf und integriert diese in seinen eigenen Kosmos. Hier kann man Uwe Voehl widersprechen, denn die Jack the Ripper Episode beinhaltet Randbezüge zu Cathay und bis auf die Zahnarztbezüge, die dann allerdings auch zu schnell auf den Täter hinweisen, beinhaltet die Geschichte nichts Neues, nichts Originelles. In „Graceland“ überschreitet Kleudgen dann eine Grenze, seine Stadt wird zur Fiktion. Wunderlampen und Gnome erinnern an Märchen und den Übergang in diese Stadt, in diese Vision erfolgt mit freiem Willen. Der Träumer muss sich allerdings mit seinem bevorstehenden Tod abgefunden haben, um die Grenze zu überschreiten. So mutig das Gegensteuern zu den bisherigen Geschichten auch ist, es wirkt in diesem Zusammenhang fast kontraproduktiv. Der Leser hat sich mit Cathay noch nicht gänzlich arrangiert, nicht einmal angefangen, ein echtes Gefühl für die besondere Atmosphäre der Stadt zu entwickeln und einen zu kleinen Einblick erhalten. Alles wieder in Frage zu stellen, funktionierte hier nur mit Einschränkungen. Interessanter wäre es, den aufgrund seiner Krankheit zum Tod verurteilten Mann von einem bislang bekannten Cathay und keiner Ruinenstadt in eine andere Existenzebene dieser so einzigartigen, künstlichen Schöpfung schauen zu lassen. Langsam verschieben sich die beiden Welten und bilden schließlich für ihn einen nahtlosen Übergang. In dieser Form kann der Leser nicht erkennen, ob die nächste Ebene eine Verbesserung der jetzigen Welt darstellt oder den Sterbenden einen Kreis näher der Hölle bringt. Trotzdem durchbricht Kleudgen mit diesen Teilen seines Episodenromans die oft zu starr an Poe und Lovecraft angelehnte Atmosphäre und beginnt sich von deren Einfluss freizuschwimmen. Dann funktionieren sie auch wie dunkle Balladen, mit entsprechender stimmungsvoller Musik oder einer HOUSE OF USHER Platte auf dem alten Plattenspieler neben einem großen Kerzenhalter. Das Ineinandergreifen verschiedener Unterhaltungsmedien könnte diese grundsätzlich lesenswerte Sammlung abrunden.

In sein Universum integriert Kleudgen mit „Das Haupt der Medusa“ griechische Züge. Mit einem bösen Stachel versehen beschreibt er die Suche nach dem Kopf der Medusa in den Hafenschuppen Cathays. Von Beginn an mit einer dekadenten Atmosphäre gespickt und mit den Urängsten vieler Menschen – in diesem Fall plötzliches Erblinden - spielend, stört die Geschichte ähnlich wie der Jack the Ripper Text. Jörg Kleudgen möchte zu viele Elemente in seiner kleinen Gemeinde präsentieren und auch wenn er immer wieder auf die absterbenden Verbindungen nach draußen, zu den europäischen Städten und Kulturen verweist, wirkt diese Drängung von morbiden Fakten erdrückend. Hier wäre es sinnvoller gewesen, die Suche nach der Medusa als barockes Märchen, als bizarre Einschlafgeschichte zu präsentieren. Auf der anderen Seite treten zum ersten Mal die verschiedenen Götter und deren Botschafter auf, die ein entscheidendes Kernelement der zentralen und Titel gebenden Geschichte bilden werden. Trotzdem liest sich die Story als allein stehender Text sehr flott, der klassische Auftakt mit dem scheinbaren erzählerischen Rahmen und der Gesellschaft innerhalb der Stadt Cathays.


„Cosmosgenesis“ ist der Wendepunkt dieser Chronik. Mit der Rückkehr des letzten Sohnes Bethanys schließt sich der Kreis. Er bringt einen Speer zurück in die dem Tode geweiht Stadt und verweigert sich schließlich den alten Göttern. Wenn Uwe Voehl in seinem ausführlichen Nachwort davon spricht, das mit dieser Weigerung das Schicksal der Stadt endgültig beschlossen worden ist, so ist es nur ein Teil der Wahrheit. Die Bewohner der Stadt befreien sich von ihren Götzen, die schon lange verzweifelt um ihren Einfluss ringen und emanzipieren sich geistig. Ob dieser folgerichtige Schritt zukunftsweisend ist oder nur die alten Abgründe zwischen den Deutschen und den Ureinwohnern weiter aufreißt, lässt der Autor offen. Im Rahmen der Geschichte integriert der Autor Motive der indischen Mythologie und es finden sich Bezüge zu „Graceland“. Eine weitere Variante wäre der Übergang des letzten Kriegers in eine andere Dimension. Vielleicht ist die Geschichte auch nur eine Alliteration für den Übergang in die nächste Daseinsform und der Konflikt mit den Göttern hilft ihm, den letzten Kampf würdevoll zu bestreiten als im Bett zu sterben. Das würde auch nur die fiktive Stadt verdammen und Cathay in seinem stetigen Sündenpfuhl weiter existieren lassen.

„Der Gasmann“ in Zusammenarbeit mit Arnold Reissner ist nicht nur eine von drei neuen Geschichten, sondern lässt eine bessere Einordnung in die Chronologie Cathays zu. Eine Generation nach dem Zweiten Weltkrieg sucht der Ich-Erzähler den Mörder seines Vaters, dessen Nazi-Experimente dieser in diesem barbarischen Krieg mit der Kamera begleiten musste. Künstliche Menschen, Cyberspace, Mehrdimensionale Interface Rollenspiele nehmen einen großen Teil der Handlung ein. Dazwischen steht die Rache an der Gasmann genannten Figur und dessen Anschlag auf eine Zitadelle. Obwohl sich die Autoren bemühen, diese Story in den Gesamtrahmen Cathays einzuordnen, fällt das Bemühen oberflächlich und sprunghaft aus. Die Figur Gasmannes erinnert in Ansätzen an eine verzehrte Karikatur Peter Milligans berühmte Heldengestalt seines „Sandman Mystery Theatres“. Zwischen die schwer zu durchschauende Handlung fallen eindrucksvolle Bilder – z.B. Weihnachten in der Regenzeit. Vielleicht wäre es ein interessanter Ansatz gewesen, diese grimmige Geschichte mit zu vielen realen Bezügen und Widersprüchen zur bisherigen Mythologie als Pulperzählung anzulegen, die an einem der Kioske Cathays an Heranwachsende verkauft wird. Auf jeden Fall haben die dunklen Götzen mit Gestalten wie dem Gasmann ein brutaleres, egozentrischeres Gesicht erhalten.

Der Zerfall und der Übergang ins Vergessen – in „Wasserzeichen“ gilt die Stadt nur noch als verschwommene Legende in den Köpfen der Überlebenden eines atomaren Kriegs – geht allerdings zu schnell. Der Leser möchte viel mehr über einzelne Abschnitte der kleinen Stadt erfahren, das Zusammenspiel zwischen den Priestern und den Göttern, den Reichen und den Armen, den Arbeitern und den einheimischen Sklaven erfahren.

Cathay ist im Grunde das Synonym eines Menschen. Er wird geboren, um langsam zu sterben. Unter einer lange Zeit strahlenden Oberfläche beginnt der Verfall der Organe und wenn ein Mensch operiert wird, zeigt sich auch kein schönes, kein Erhabenes Bild. Genauso gestaltet Kleudgen seine Stadt. Eine feuchtwarme Atmosphäre, die Häuser mit verschachtelten, unübersichtlichen Kellern ausgestattet, eine Friedhofsstimmung. Trotzdem sind die Einwohner stolz auf ihre Stadt. Kritisch setzt sich Kleudgen mit der Unterdrückung der Ureinwohner auseinander, das Herrenrassesymptom spricht er an einigen Stellen deutlich an. Außerdem schildert er die Isolation der ursprünglichen Einwohner der Stadt gegenüber den überwiegend aus Deutschland zugezogenen Fremden.

Aber wie es leider manchmal im Leben ist, stehen die Phase des Lernens – in diesem Fall Aufbau der Siedlung -, des Erlebens – stetiges Wachstum und Wohlstand – und des Sterbens in keinem vernünftigen Verhältnis. Oft greift Kleudgen konsequent auf Rückblicke, Chroniken oder Tagebücher zurück, um seine unheimliche Schöpfung dreidimensionaler darzustellen, aber den grässlichen Bilder, die er auch in seinen schwarzweißen Fotographien in die Texte zu integrieren sucht, fehlt der Hauch eines Schöpfers. Oft agiert der Autor eher wie ein Maler, eine Künstler, der seiner morbiden Phantasie freien Lauf lässt. Sein getragener Stil passt sehr gut zu den vielen ausführlichen Beschreibungen, seine Dialoge wirken oft gestelzt und unecht – aus heutiger Sicht rückblickend auf Poes oder Lovecrafts Werk sehend verständlich. Je näher er der Gegenwart dieser Parallelwelt kommt, desto fragmentarischer und unbefriedigender werden seine Texte im Rahmen des Gesamtkontextes. Seine eigene Welt bietet ihm zwar mehr Spielraum, aber auch mehr Verantwortung überträgt, denn er kann nicht mehr auf unsere Historie zurückgreifen, sondern ist in der Pflicht, seine Geschichten und deren Geschichte zu erzählen. Außerdem hinterlässt er den Eindruck, nicht mehr an die ursprüngliche Intention seiner Fiktion zu glauben. Zu schnell und zu konstruiert integriert er Töne und Zeichen unserer Welt. Kleudgen ist noch kein erfahrener Autor, um die verschiedene Genres – Gothic Horror, Heroic Fantasy und schließlich Post Doomsday SF – zu einem kongenialen Ganzen zu verbinden. Für einen abgeschlossenen Erstling –auch wenn er gegenüber der ersten Auflage komplett umgearbeitet worden ist – überzeugt der Episodenroman auf der passiven erzählerischen Ebene – der Hintergrund fesselt und erweckt die Neugierde der Leser. Viele der einzelnen Geschichten dagegen wirken unbewusst bekannt. Der Autor erweckt den Eindruck, viele Ideen aus seiner eigenen Lektüre umzuwandeln. Es sind keine Plagiate, sondern alptraumhafte Mutationen. Durch die Nutzung des verbindenden Elements Cathays zusammengeschmiedet, aber balladenhafte Einzelschicksale. Betrachtet der Leser die Texte abgehoben von Uwe Voehls Nachwort, so fällt auf, dass wahrscheinlich Kleudgens Intentionen und Ambitionen höher gelegen haben als der vollständige Roman. Dabei ist es frustrierend, die Ideen, die das Nachwort impliziert, nicht in den Text übertragen zu sehen. Bethanys Kinder auf der Suche nach ihrer alten Heimat, die Bildung eines neuen Clans in einer verlorenen Stadt und die Suche nach dessen dunklen Herz. Vielleicht eine stärkere Verknüpfung mit einigen indischen Lehren und ein stärkerer Konflikt mit dem deutschen, treuen und langweilig bodenständigen Vaterland. In diesem Universum schlummern noch viele Ideen, dass man bei „Cosmogenesis“ eher von einem Baugerüst sprechen kann, von den großen Zeichnungen der Architekten, die vom Papier auf ihren feuchten, sumpfigen Boden drängen, um dann ein unheilvolles Eigenleben zu beginnen. Wenn gegen Ende eines der neueren Texte die Botschaft der Götter „Cathay hat niemals existiert und wird niemals existieren“ eine Kapitulation der Phantasie darstellt, hat Kleudgen längst seine Schöpfung zu einer Legende gemacht und in den Fragmenten der „Wasserzeichen“ verewigt.

Jörg Kleudgen: "Cosmogenesis"
Roman, Softcover, 256 Seiten
Blitz Verlag 2005

ISBN 3-8984-0925-2

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