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Horror (diverse)



Richard Laymon

Der Pfahl

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „Der Pfahl“ – „The Stake“ liegt der frühste von drei nicht miteinander verbundenen Vampirromanen aus der Feder Richard Laymons vor. Das Buch ist 1991 veröffentlicht worden, fünf Jahre später folgte „Bite“ und im Jahre 2000 der mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnete „The Travelling Vampire Show“. Dabei trägt Larry Dunbar sehr starke autobiographische Züge. Er ist Horrorschriftsteller, der in kurzer Zeit über fünfzehn Romane mit kurzen, einprägsamen Titeln veröffentlicht hat. Er verkauft sich zufriedenstellend und reicht ein Manuskript nach dem anderen ein. Dunbar wird nicht reich. Die amerikanischen Verlage schätzen seine Romane nicht sonderlich. Mehrmals sind die Bücher schon vorher in Großbritannien publiziert worden, während sich Dunbar mit den zahllosen Änderungen durch die amerikanischen Lektoren herumärgern muss. Alles Fakten, die auf Richard Laymons Karriere ebenfalls zutreffen. Neben der ungeheuren Produktivität verkauften sich Laymons Romane in Großbritannien früher und besser als in den Staaten. Erst nach einigen Jahren entdeckten insbesondere die amerikanischen Kleinverlage wie Cemetary Dance Richard Laymon und veröffentlichten seine wichtigsten Werken in ansprechenden limitierten Hardcoverbänden neu.

Weiterhin ist „The Stake“ trotz oder gerade wegen des martialischen Titels einer der Romane, in denen Richard Laymon nicht den Ball gleich im Auftaktkapitel mittels Steilpass abspielt und das Tempo über die folgenden vier bis fünfhundert Seiten hochhält. Dabei vermeidet der Autor die logischen wie logistischen Fehler, die manchen seiner Romane so frappierend wie störend auszeichnen. Zwar beginnt das Buch mit einer im Grunde fast klassischen Vampirsequenz, bevor sich der Autor auf Larry Dunbar und seine Frau, sowie ein befreundetes Pärchen konzentriert, die einer spontanen Neigung folgend eine Geisterstadt in der Nähe aufsuchen und untersuchen. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine alte Jukebox, sondern einen Sarg, der einen nicht verwesten Kadaver enthält. Mit einem Pfahl durchs Herz. Die größte Schwäche des Buches ist, das Richard Laymon den unglaublichen Kontrast zwischen den hier live erlebten Vampirmythen und den aufgeklärten modernen Amerikaner besser herausarbeitet. Larry Dunbar wirkt als Figur zu schwach, um wirklich überzeugend zu sein. Die Ironie, als Horrorschriftsteller im Grunde auf einen der bekanntesten und klischeehaftesten Themenkreise des Genres zu stoßen und daraus die unwahrscheinliche Chance abzuleiten, nach unzähligen Horrorskripten einen Tatsachenroman (!) zu schreiben, wird oberflächlich extrapoliert und teilweise augenscheinlich gegen die bodenständig rasante Romane schreibenden „normalen“ Laymon gestellt. Der innere Konflikt zwischen der Erzeugung stimmiger Atmosphäre und einer ausreichenden Anzahl von Sex und Splatterszenen ist insbesondere in der ersten Hälfte des Buches förmlich spürbar. Laymon scheint sich beim vorliegenden Script nicht richtig wohl in seiner Haut gefüllt zu haben.

Dabei macht der Amerikaner in „The Stake“ sehr viel mehr richtig als falsch. Ihm gelingt es, Dunbars morbide sicherlich auch berufsbedingt Faszination mit der Untoten und Vampiren an sich in teilweise drastische, aber niemals wirklich sadistische Bilder zu verpacken. Dunbar ist sich bei seinen Forschungen wie auch seine nächtlichen Expedition unter Alkoholeinfluss mit dem besten Freund zurück in die Geisterstadt sehr wohl bewusst, das er sich wie ein eindimensionaler Charakter eines seiner eigenen Bücher verhält. Er kann es aber ebenso wenig ändern wie zum Beispiel die Unzufriedenheit mit den Verlagen und seine wirtschaftliche Abhängigkeit vom Fließbandschreiben. Die Besessenheit, die jegliche literarische Ambition mehr und mehr in den Hintergrund drängt, wird von Richard Laymon ähnlich überzeugend beschrieben wie Stephen King in „The Shining“ – einem ebenfalls autobiographisch gefärbten Roman um einen anderen, allerdings nicht erfolgreichen Hobbyschriftsteller und sein Abgleiten in den Wahnsinn – es getan hat. Beide Romane seien als eine interessante Parallellektüre empfohlen, da sie zwei Eckpfeilern des Horrorgenres – Vampire und Geister – neue Facetten verleihen. Wie in seinen reinen Splatterromanen gelingt es Richard Laymon ausgezeichnet, den Spannungsbogen mit kleinsten Andeutungen und Ablenkungen weiter aufzubauen und die Aufmerksamkeit des Lesers von den beiden anderen wichtigen Handlungsbögen abzulenken. Im Gegensatz allerdings zu Dunbars Romanen lässt der Autor die Möglichkeit einer Täuschung offen. Wie es sich für seine zahllosen anderen Arbeiten gehört, integriert Laymon einen sadistischen Massenmörder, der seine Freundin nachts vergewaltigt und zusammenschlägt – eine unangenehme Szene -, sowie mit der Ermordung ihrer ganzen Familie droht, sollte sie ihm nicht weiter zu willen sein. Diese Sequenzen sind klassischer Laymon und wirken im Gesamtplot eher konterproduktiv. Zu sehr wird der Leser darauf hingewiesen, dass Richard Laymon auch anders – eben „normal“ – kann. Dabei ist das Portrait des sadistischen Mörders zu einseitig angelegt und der Autor Richard Laymon versucht stellenweise zu krampfhaft falsche Spuren zu legen, um wirklich rückblickend überzeugend zu sein. Sehr viel effektiver – und scheinbar auch autobiographisch dank seiner Kinder eingefärbt – beschreibt der Autor auf einem dritten, auf den ersten Blick konträren Handlungsstrang das alltägliche Leben im Dschungel des Colleges. Dabei gelingt es ihm sehr gut, die Hoffnungen und Ängsten, die schulischen Herausforderungen wie auch das Halbstarkenmilieu sehr gut zeichnen, bis es sich nahtlos mit den beiden anderen Handlungsebenen verbindet.

Als Vampirroman folgt der Autor auf der einen Seite den Regeln des Genres. Das beginnt mit der offensichtlichen Pfählung eines weiblichen Vampirs und endet schließlich im obligatorisch blutigen Showdown, der im Vergleich zu einigen anderen seiner herunter geschriebenen Romane sorgfältiger vorbereitet und nachhaltiger ausgeführt worden ist. Obwohl der Fokus fasr ausschließlich auf den menschlichen Charakteren liegt, gibt Richard Laymon seiner Vampirin – in der Garage Dunbars liegend – mit einem geschickten, die emotionale Ebene des Lesers ansprechenden Trick eine Identität. Das junge Mädchen ist auf die gleiche Schule gegangen, die Dunbars Tochter besucht. Der Autor arbeitet sich durch die Jahrbücher, später die Zeitungen und fügt so aus einzelnen Facetten ein vielschichtiges Portrait der Vampirin zusammen, das sie noch als normaler attraktiver Teenager zeigt. Der Kontrast zur späteren Blutsaugerin könnte nicht größer, die Wandlung nicht effektiver beschrieben werden.

Obwohl „The Stake“ weniger temporeich als zahlreiche andere Richard Laymon Bücher geschrieben worden ist, wird die vorhandene innere Dynamik deutlich besser auf die wichtigsten Passagen des Plots hineingeleitet und lässt den Roman abgerundeter und besser geplant erscheinen als Laymons schwächere Arbeiten wie „Der Regen“. Die Gewalt ist weiterhin expressiv, aber weniger sadistisch und der Zuschauer fühlt sich schaurig unterhalten als zum Voyeur degradiert. Richard Laymon fühlt sich positiv auch nicht verpflichtet, jedes Kapitel eines Handlungsarmes mit einem Cliffhangar zu beenden. Im Gegensatz zu „The Traveling Vampire Show“ – ebenfalls im Heyne Verlag unter dem deutschen Titel „Die Show“ veröffentlicht – wirkt „The Stake“ fließender und stilistisch ansprechender geschrieben. Während „The Traveling Vampire Show“ ohne Frage der originellere der beiden Romane ist, überzeugt „The Stake“ als Buch aufgrund der solide gezeichneten Figuren und dem vielschichtigeren nuancierteren Portrait der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft – in dem sich Richard Laymon offensichtlich zu Hause fühlt – deutlich besser. Unabhängig von den angesprochenen Schwächen beweisen aber beide Romane, das Richard Laymon mehr als ein reiner Schmuddelautor, ein sadistischer Splatterpunk gewesen ist, sondern einer der modernen Erneuerer des Genres, der – wenn gut in Form – außergewöhnlich packend und spannend unterhalten konnte.

Richard Laymon: "Der Pfahl"
Roman, Softcover, 592 Seiten
Heyne- Verlag 2010

ISBN 3-4536-7580-0

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Insel
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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