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Horror (diverse)



Richard Laymon

Die Insel

rezensiert von Thomas Harbach

Auch wenn der erste Blick auf den Klappentext den Eindrucks eines billigen „Lost“ Abklatsches ohne Mysterien und einem brutalen Killer macht, ist erstens dieser Roman schon 1995 entstanden und zweitens fasst das Buch Richard Laymons extremes und oft fragwürdiges Werk wie kein anderes zusammen. Eine isolierte Gruppe, dieses Mal auf einer exotischen, aber unbewohnten Insel und nicht im Vorwort einer typischen amerikanischen Großstadt, ein Killer und der Drang zu Überleben. Dazu immer die Gradwanderung zwischen Gewalt und Sex, in diesem Fall mit deutlich sadistisch- masochistischen Bezügen und nicht den ansonsten typischen Anspielungen. Sicherlich fehlt Richard Laymon die subtile Feinheit, die interessante Charakterisierung eines Jack Ketchums. Seine Figuren sind oft fragmentarisch, eindimensional und insbesondere seine weiblichen Protagonisten erinnern mehr an Playboy- Modells mit schönem Körper sowie wenig Hirn. Seine Männer sind immer sexuell anormal… entweder hatten sie noch keine Beziehung mit Sex zu Frauen oder ihre perverse Phantasie ist so extrem, dass sie keine normale Beziehung insbesondere zu einem bestimmten, oft vergebenen Mädchen aufnehmen wollen oder können. Auf der anderen Seite hat der jung verstorbene Autor Laymon viele Romane geschrieben, die zumindest außerhalb der USA ein Publikum angesprochen haben. Zusammen mit Shaun Hudson gehört er zu den inzwischen ebenfalls unter Artenschutz gestellten Familie der Splatterpunks, im Gegensatz zum Briten hat sich sein Werk nur innerhalb sehr enger Bandbreiten entwickelt und oft fehlte ihm der Mut oder die wirtschaftliche Grundlage, um zu experimentieren und sich vor allem inhaltlich weiterzuentwickeln. So musste er immer auf Masse schreiben und weniger die Qualität der Geschichte in den Vordergrund stellen. Unter diesen Voraussetzungen sind viele seiner Romane auch heute noch fließend lesbar.

Das Markenzeichen des Amerikaners sind seine oft kaum entwickelnden Charaktere, bei „die Insel“ erkennt man es schon auf den ersten Seiten. Das Novum ist allerdings der Rückgriff auf das Tagebuch als Erzählform, auch wenn man dem Berichterstatter kaum zutraut, drei Worte wirklich fehlerfrei zu schreiben. Diese intellektuelle Engstirnigkeit und leider auch das machohafte Denken – später kommt das entsprechende Handeln hinzu - beginnen also schon mit dem eigentlichen Protagonisten. Neunzehn Jahre alt, Rupert Conway mit Namen und von seiner quasi Freundin auf einem Familienbootstrip durch die Südsee geduldet als wirklich eingeladen. Als sich der überwiegende Teil der Großfamilie an Land befindet, um eine einsame Insel zu untersuchen, explodiert das Boot und einer der Schwiegersöhne scheint bei der Explosion ums Leben gekommen zu sein. Die Vermutungen schwanken zwischen Unfall und Sabotage. Damit ist für Rupert dieser angenehme Trip- seine Hauptarbeit bestand aus dem Bewundern zumindest zweier der drei Schwestern und deren schöner Mutter in knappen Bikinis – zu Ende. Er beginnt ein Tagebuch zu führen. In der ersten Nacht verschwindet einer der überlebenden Männer spurlos…. Bis man seine Leiche an einem Baum aufgehängt wieder findet. Entweder stammt der Mörder aus der kleinen, isolierten Gruppe oder der vermisste Schwiegersohn scheint nicht nur lebendig, sondern äußerst gewalttätig zu sein. Schnell wird den wenigen Überlebenden klar, dass der unbekannte Mörder es in erster Linie auf die Männer der Gruppe abgesehen hat.

Richard Laymon gehört zu den Autoren, die sehr packend, sehr spannend und vor allem sehr intensiv schreiben können. Mit wenigen, sehr einfachen Mittel baut er eine intensive, bedrohliche Atmosphäre auf. Viele Dialogpassagen lockern die eigentliche Handlung auf, versuchen dem Leser das Gefühl zu geben, beim Geschehen dabei zu sein, obwohl dieser sich wie die einzelnen Protagonisten kaum einen anderen ort vorstellen kann, an dem er in diesem Moment nicht sein möchte. Dieses Prinzip funktioniert in vielen seiner Romane sehr gut und überdeckt in erster Linie die oft vorhandenen Schwächen in Punkto Szenario und Charakterisierung. Betrachtet man bei „Die Insel“ zuerst den Hintergrund des Szenarios, so wirkt dieser zu Beginn noch interessant und folgerichtig. Eine einsame Insel, Menschen, die plötzlich isoliert sind, ein perfider/ perverser Plan im Hintergrund. In diesem Aufbau funktionieren die einzelnen Bestandteile nicht immer optimal. So signalisiert die Situation mit dem Beiboot gleich Gefahr und wirkt nach unendlich vielen Slasherfilmen nicht mehr so überraschend, die Erkundung der Insel mit den Funden verschiedener Spuren und weiterer, unbekannter Opfer erscheint genauso unwahrscheinlich wie die scheinbare Überlegenheit des verrückten Killers. Gegen Ende des Buches hat Laymon noch eine weitere Schwierigkeit, er muss auf der einen Seite Rupert – der die Ereignisse in mehreren Tagebüchern festgehalten hat – in Position bringen, auf der anderen Seite sich bemühen, dem Geschehen einen gewissen Background zu geben. Dieser wirkt derartig konstruiert, dass ein aufmerksamer Leser schnell das Gefühl hat, hier konnte oder wollte Laymon nichts mehr bieten, was vom Showdown ablenkt. Wenn der Epilog dann frauenfeindlich/ ironisch daher kommt, ist es der finale Ausdruck einer generell sehr zweifelhaften Charakterisierung im Roman selbst. Auf der anderen Seite erkennt man an diesem über zehn Jahre alten Buch, wie sich das Genre selbst verändert hat. Der Autor hat Elemente bekannter Splatterfilme in ein exotisches Ambiente übertragen. Auf einer schönen Südseeinsel stirbt es sich nicht unbedingt leichter als auf den dunklen Straßen einer kalten, amerikanischen Großstadt, aber es wirkt anders. Das kann man dem Autoren neidlos zugestehen. Man vermisst aber eine interessante Extrapolation dieses grundlegend zu einfachen Handlungsbogens.

Rupert ist im wahrsten Sinne des Wortes ein notgeiler Teenager, der beim Anblick schönen Frauen genauso einen Ständer bekommt wie in kritischen Situationen, in denen er seinen Mitgestrandeten helfen muss. In Shorts deutlich zu erkennen. Einmal oder vielleicht zweimal interessant ist es erstens etwas, über das ein Teenager in seinem eigenen Tagebuch nicht unbedingt fortwährend schreiben wird und zweitens ermüdend. Dazu kommt, dass es Laymon nicht gelingt, Rupert irgendwelche Attribute auf den Leib zu schreiben. Seine Freundin hat ihn als Notnagel eingeladen, obwohl sie ihn nicht leiden kann, er ist in erster Linie wegen der anderen Frauen an Bord gegangen. Diese sind zwar verheiratet, aber zumindest schauen kann man. Auch wenn der Autor sich in bemüht, den weiblichen Opfern zumindest Züge von Persönlichkeit zu geben – das Spektrum reicht von pervers bis zumindest intellektuell. Dabei bleibt er allerdings deutlich an der Oberfläche, die Frauen sind entweder hässlich und damit auch seelisch angreifbar oder entschlossen und schön. Eine Mitte, eine vielschichtige Persönlichkeit gibt es bei Laymon nicht. Da sein Buch in erster Linie einfache – das Wort simpel könnte auch passen – Unterhaltung auf Reisen darstellt, erfüllt er die niedrigsten Bedürfnisse seiner Leser – Gewalt, Sex und einige sado-masochistische Szene mit vierzehn bis sechszehnjährigen Mädchen. Dabei greift er allerdings in die einfache Klischeekiste und stellt alle masochistischen Frauen als geistig gestört, alle Sadisten gleichzeitig als Kinderschänder und potentielle Mörder und viele Ehefrauen als körperlich unbefriedigt dar. Natürlich steht ihm nur in diesem Fall eine kleine Gruppe von Protagonisten zur Verfügung und auf eine Polarisierung verzichtet er gänzlich.

Stattdessen plant er mit sadistischer Freude eine Reihe von Fallen, grausamen Exzessen und schließlich einem zumindest aus männlicher Sicht wünschenswerten, aber fragwürdigen Ende. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen sehr schnell, jegliche Spuren einer latent vorhandenen Zivilisation werden abgelegt und das Recht/ Gesetz des Stärkeren übernimmt die komplette Kontrolle. Leider hinterlässt dieses in dieser Konstellation einen faden Beigeschmack. Alles ist bieder, aber humorlos niedergeschrieben, zu distanziert – durch die Tagebuchform noch deutlich verstärkt – erzählt und selten wirklich spannend oder gar überraschend. In erster Linie spricht der Autor sehr plakativ die niederen Instinkte seiner überwiegend männlichen Leser an, natürlich unterhält das Buch nicht zuletzt aufgrund Laymons flüssigem Schreibstil als Zeitvertreib gut, natürlich will er keine intellektuelle Fallstudie schreiben. Aber ein Leser muss sich auch die Frage stellen, ob diese Art der niederen Unterhaltung erstens dem Genre Horror wirklich hilft und zweitens in dieser Form adäquat als phantasievolle Geschichte bezeichnet werden kann.

Richard Laymon: "Die Insel"
Roman, Softcover, 559 Seiten
Heyne 2006

ISBN 3-4536-7511-8

Weitere Bücher von Richard Laymon:
 - Das Grab
 - Das Spiel
 - Das Treffen
 - Der Gast
 - Der Keller
 - Der Käfig
 - Der Pfahl
 - Der Regen
 - Der Ripper
 - Der Wald
 - Die Jagd
 - Die Show
 - Finster
 - Inferno
 - Nacht
 - Night Show
 - Rache

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