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Sergej Lukianenko

WĂ€chter der Ewigkeit

rezensiert von Thomas Harbach

Mit „WĂ€chter der Ewigkeit“ schließt Lukianenko seine inzwischen zu einer Tetralogie jeweils aus drei separaten Geschichten mit einer gemeinsamen Auflösung versehene Serie um die „Dunklen“ und die „Lichten ab“. Dabei beantwortet er bei weitem nicht alle Fragen, die er im Verlaufe seiner interessanten Serie aufgeworfen hat. Den Leser beschleicht zuweilen im Verlaufe der eher bodenstĂ€ndigen Geschichten das GefĂŒhl, als wolle sich der russische Autor die TĂŒr fĂŒr weitere Folgen ganz bewusst offen halten.
Im Gegensatz zu den vorangestellten BĂŒchern wirken die einzelnen Episoden fast wie die Abenteuer eines ĂŒbernatĂŒrlich begabten Geheimagenten, der vor seinen Vorgesetzten immer wieder an die Krisenherde Russlands und in diesen vorliegenden FĂ€llen der Welt geschickt wird. Die erste Episode beginnt in Edinburgh zur Zeit des Festivals, als Viktor mit seiner Freundin Valerija dort Urlaub macht. Die beiden stammen aus Russland, und bei Viktors Vater handelt es sich nicht nur um einen bekannten Politiker, sondern auch um einen nicht-initiierten Anderen. Dieser Ausflug in touristische Regionen gibt Lukianenko die Gelegenheit, nicht nur ĂŒber das Verhalten der Landsleute im Ausland im Allgemeinen, sondern ĂŒber den globalen Sensationstourismis im Besonderen zu fabulieren. Auch wenn diese kleinen und gemeinen, aber zutreffenden Seitenhiebe die AtmosphĂ€re der Geschichte deutlich auflockern, wirken sie nicht mehr so natĂŒrlich spontan wie im ersten Buch.
Wie es sich fĂŒr die „WĂ€chter“ Serie gehört, beginnt die Geschichte mit einem Paukenschlag. Victor wird natĂŒrlich im Gruselkabinett – zumindest kommerziell unter der Kontrolle der Lichten, die ihre Operationen mit Tourismusangeboten finanzieren – von einem Vampir angegriffen und ausgesaugt. Dieser ĂŒbernatĂŒrliche Anschlag ruft die „WĂ€chter der Nacht“ in Person von Anton auf den Plan.
In Edinburgh angekommen, kommt Anton in einem merkwĂŒrdigen Hotel eines alteingesessenen Vampirs unter, wo er das lichte Zimmer beziehen darf, das komplett in Weiß, Beige und Rosa eingerichtet ist. Bei seiner Befragung findet Anton heraus, dass der Vampir nichts davon weiß, dass einer seiner "Artgenossen" fĂŒr die Tat im Gruselkabinett verantwortlich ist, also begibt sich Anton selbst dorthin und macht die Bekanntschaft eines verkleideten Angestellten, der die inzwischen geschlossene Einrichtung bewacht. Im Zuge seiner Ermittlungen erkennt er, daß man versucht, die Tat einem Vampir in die Schuhe zu schieben, da sich das ausgesaugte Blut im Boden befindet. Im Zuge seiner weiteren Ermittlungen kommt Anton auf die Spur des einzigen Nullmagiers, den es gibt: Merlin. Anscheinend ist dort vor vielen Jahren nicht nur ein wichtiges Objekt versteckt worden, sondern die Spur fĂŒhrt nach Usbekistan, da man einen alten Bekannten förmlich ausgraben muss, der ĂŒber verschiedene Antworten verfĂŒgen könnte.
Lukianenko fĂŒhrt den Leser dieses Mail in eine Zone des Zwielichts, die handlungstechnisch im Grunde das Ende der Entwicklung darstellen sollte. Im ersten Roman ist immer wieder auf das brĂŒchige Gleichgewicht zwischen dem Dunkel und dem Licht hingewiesen worden. Ein gegenseitiges Belauern nach dem großen Krieg. Mit Merlin wird nicht nur eben dieser Nullmagier vorgestellt, sondern eine Zone, in welche dieser erst eindringen kann, wenn er sĂ€mtliche KrĂ€fte den Menschen entzieht und sich ein neues Tor öffnet. Merlin ist natĂŒrlich nicht der mĂ€chtigste Nullmagier der Geschichte gewesen, sondern nur einer von zweien dieser Art. Die zweite Nullmagierin ist Antons Tochter, die im Verlaufe des letzten Kapitels auf der Seite des Guten ihren ersten Auftritt als große Andere hat. Das sie etwas Besonders ist, ĂŒber außergewöhnliche KrĂ€fte verfĂŒgt, hat sich im Verlaufe der vorangestellten Geschichten angedeutet, der Leser hat aber den Eindruck, als wenn der Autor fĂŒr sie extra eine große Konfrontation geschaffen hat. Dadurch hinterlĂ€sst insbesondere die letzte Geschichte einen sehr konstruierten, sehr starren Eindruck. Der Höhepunkt am Ende des ersten Buches mit seiner Mischung aus Realismus – Lukianenko hat das ewig erscheinende Moskau mit seinen historischen GebĂ€uden und Plattenbauten sehr authentisch und plastisch fĂŒr den obligatorischen Kampf zwischen dem Guten und Bösen eingefangen – und Magie hat deutlich ĂŒberzeugender, fließender gewirkt. Hinzu kommt, dass Antons Reisen eher wie VersatzstĂŒcke eines grĂ¶ĂŸeren Plots wirken. Charakter und Leser begeben sich in das schöne Edinburgh, das im Zwielicht allerdings einiges zu verbergen hat. Denn hier hat der große Merlin gewirkt, der einst ein Lichter war, dann aber zum Dunkel ĂŒbergetreten ist. Das Lukianenko mit dieser Figur aus seinem bislang abgeschlossenen Kosmos heraustritt und sich den westlichen oder besser britischen Legenden öffnet, könnte ihm ĂŒbel genommen werden. Eine ĂŒberzeugende BegrĂŒndung liefert der Autor nicht ab. Auf den ersten Blick hat man das GefĂŒhl, als such der Autor insbesondere im Westen neue Lesergeschichten fĂŒr seine auf der russischen Seele basierende Sage. Und Merlin ist immer fĂŒr einige VerkĂ€ufe mehr gut. Noch sind die originĂ€ren Strukturen und originellen Idee seiner russischen Fantasysage in der Überzahl, aber das Pendel schwingt phasenweise verdĂ€chtig zu eher mittelprĂ€chtigen in der Gegenwart spielenden Mysterygeschichten aus. Das die Opposition aus drei großen Zauberern besteht, die auf der Suche nach dem großen Geheimnis auch mittels eines Kampfroboters und umgewandelten Menschen ĂŒber Leichen gehen, ist ebenfalls nicht unbedingt innovativ oder sonderlich aufregend. Sobald der Handlungsbogen das vertraute Russland verlĂ€sst, gelingt es Lukianenko nicht mehr so ĂŒberzeugend, neben einer packenden Handlung auch einen nachhaltigen Feinschliff im Hintergrund zu erschaffen. Dazu kommt, dass insbesondere der Protagonist Anton nicht mehr der Ratlose, der Suchende ist. Er hat die Organisation nicht nur durchdrungen und verĂ€ndert, ihm gelingen Dinge, die in den ersten BĂ€nden ĂŒber seine eher latenten KrĂ€fte hinausgingen. Er ist glĂŒcklich verheiratet, mit einer bezaubernden, aber mĂ€chtigen Tochter. Da er aber auch zu einem Anderen außerhalb der bislang bekannten Kategorien geworden ist, fĂ€llt ihm vieles zu leicht und Lukianenko nutzt diese großartigen FĂ€higkeiten zu oft, um sich aus seinen literarischen „Fallen“ herauszuwinden. Nicht selten verlieren sich einige gut angelegte rote FĂ€den im wahrsten Sinne des Wortes im Nichts. Hier wĂ€re es sinnvoller gewesen, Antons FĂ€higkeiten deutlicher zurĂŒckzufahren, seine Kombinationsgaben zu stĂ€rken und ihn zu einem „normalen“ Mitglied der Garden in einer außergewöhnlichen Zeit zu reduzieren.
Aber die anderen Charaktere offenbaren viel Potenzial und vor allem nutzt der Autor zwiegespaltene Persönlichkeiten, um dem Leser nicht alles erklĂ€ren oder gar zeigen zu mĂŒssen. NatĂŒrlich ist es zum Markenzeichen der Serie geworden, dass viele Figuren kein ehrliches Spiel treiben. Aber trotzdem schafft Lukianenko mit einigen Ideen, die Leser wieder zu ĂŒberraschen und an der Nase herumzufĂŒhren. Bei einigen Figuren ist das Misstrauen durchaus berechtigt, bei anderen Charakteren amĂŒsiert sich der Autor Lukianenko köstlich ĂŒber die Unwissenheit des Lesers. Das er allerdings die einst mĂ€chtige Swetlana zu einer einfachen Hausfrau – keine leichte Aufgabe per se – mit einer zufriedenen Lebenseinstellung macht, gehört zu den SchwĂ€chen des Romans. Das Auslesen von Antons Wahrscheinlichkeitslinien kann man kaum als aktive Rolle charakterisieren. Da ausgerechnet Antons Tochter zu einer wichtigen Figur aufgebaut wird, wĂ€re es sinnvoll gewesen, ihre Mutter Swetlana wieder nĂ€her an den Mittelpunkt des Geschehens heranzufĂŒhren. Immerhin hat Lukianenko ĂŒber insgesamt drei Romane diese interessante und sympathische Figur mit viel Liebe zum Detail aufgebaut. Da wĂ€re es eine nicht einmal große Geste gewesen, ihr zumindest eine adĂ€quate, aber nicht tödliche Abschiedsvorstellung zu gewĂ€hren.
In insgesamt zwölf Geschichte hat der Russe seine Welt der Anderen und des Zwielichts prĂ€sentiert. Es ist wahrlich eine fantastische Welt, in welche der Leser mit einem wolligen Schauern und vielen Überraschungen gerne eingetaucht ist. Leider hat sich Lukianenko entschlossen, die einzelnen Facetten seiner Guten und Dunkeln nicht weiter zu extrapolieren. Er begnĂŒgt sich damit, den Unterschied zwischen den Anderen und den Menschen zu erklĂ€ren. Er offenbart das Geheimnis des Zwielichts. Er vernachlĂ€ssigt aber gĂ€nzlich die charismatischen Geheimdienstchefs Geser und Sebulon. Insbesondere in den ersten Geschichten lebten einige der direkten Konfrontationen von ihren undurchschaubaren Planspielen. Auf weitergehende ErklĂ€rungen verzichtet der Autor. Die ErklĂ€rungen wirken wie gegen die eigene Überzeugung angehĂ€ngt. Trotzdem bleiben sie zum Teil unverstĂ€ndlich, undurchsichtig und negieren die dunkle Intention des ersten Buches. Das Happy- End steht in einem starken Kontrast zu den bisherigen BĂ€nden. Die Spannung löst sich zwar nicht unbedingt in Luft auf, aber das Ventil, durch das sie entweicht, ist in die falsche Richtung gedreht. „WĂ€chter der Ewigkeit“ ist kein ĂŒberragender Abschluss dieser interessanten Serie, zu wenige wirklich ĂŒberraschende Ideen, eine routiniert geschriebene Arbeit. Aber wahrscheinlich doch nicht das befĂŒrchtete Ende im ewigen Konflikt zwischen den Dunklen und Lichten.

Sergej Lukianenko: "WĂ€chter der Ewigkeit"
Roman, Softcover, 451 Seiten
Heyne 2007

ISBN 3-4535-2255-9

Weitere Bücher von Sergej Lukianenko:
 - Das Schlangenschwert
 - Der falsche Spiegel
 - Der Herr der Finsternis
 - Die Ritter der vierzig Inseln
 - Labyrinth der Spiegel
 - Spektrum
 - Sternenschatten
 - Sternenspiel
 - Trix Solier- ein Zauberlehrling voller Fehl und Tadel
 - WeltengĂ€nger
 - WeltentrĂ€umer
 - WĂ€chter der Nacht
 - WĂ€chter des Morgen

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