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Vandis, Voehl, Thurner

Coco Zamis 17- Maskenball

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem siebzehnten Band der Abenteuer einer jungen Hexe Coco Zamis präsentiert Expokrat Uwe Voehl mit dem Perry Rhodan Autoren Michael M. Thurner sowie dem Sänger der Band „House of Usher“ Jörg Kleudgen zwei frische Kräfte. Zaubermond- Verleger und Autor Dennis Ehrhard hat ebenfalls unter seinem Pseudonym Dario Vandis an den insgesamt drei Abenteuern mitgeschrieben.

Coco Zamis wird im vorliegenden Band von ihrem Vater auf verschiedene Missionen geschickt. Der erste Auftrag „Schirille“ von Michael M. Thurner führt die Hexe nach Klagenfurt. Sicherlich ein geschickter Schachzug von Uwe Voehl, für ein in Österreich spielendes Abenteuer den Wiener Autoren zu verpflichten. Ob er für den verstorbenen Ernst Vlcek kurzfristig eingesprungen ist, wird nicht weiter erläutert. Als Begleiter und Aufpasser wird Coco Zamis eine Habergeiß namens Schirille, ein gespenstiges, vogelartiges Geschöpf an die Seite gestellt. Michael Zamis hofft auf diese Weise Coco Zamis zu kontrollieren und möglichen Unsinn- der oft positiv für die schwarze Familie ausgegangen ist – im Kern zu ersticken. In Klagenfurt hat sich eine unbekannte dunkle Macht breit gemacht. Die Stadt klappt jeden Abend gegen zehn Uhr die Bürgersteige zu und trotzdem verschwinden immer wieder Menschen. In der Stadt trifft Coco auf den arroganten und reichen Lebemann Canori, der sofort von der attraktiven Hexe begeistert ist. Er möchte sie in der lange Liste seiner Eroberungen einreihen. Coco Zamis ist – im Gegensatz zu den Lesern – etwas überrascht, welchen Einfluss Canori auf sie nimmt. Nach einer Liebesnacht in dessen Schloss lernt die junge Hexe auch zur eigenen Überraschung Canoris Frau kennen. Angeblich gehen die beiden schon seit vielen Jahren getrennte Wege. Schnell ist sich Coco sicher, das Canori mit den dunklen Vorgängen in Klagenfurt etwas zu tun hat. Sie kann aber noch nicht einordnen, welche Zusammenhänge bestehen.

„Schirille“ ist ein geradlinig geschriebenes Coco Zamis Abenteuer mit wenigen wirklichen handlungstechnischen Überraschungen. Der Wiener Thurner schreibt pointiert bis bissig über die Provinz. Er lästert über den Klüngel im Haiderland und zeigt an wenigen Beispielen hintergründig auf, dass Macht und Geld eine unheimliche Allianz gebildet haben. Die übernatürlichen Kräfte agieren eher im Hintergrund und sich insbesondere in der ersten Hälfte des Buches willkommenes Beiwerk, aber handlungstechnisch nicht notwendig. Mit der Habergeiß wird eine interessante Nebenfigur eingeführt. Coco Zamis und Schirille können sich von Beginn an nicht leiden. Coco verabscheut die Kreatur, weil es sich um einen Helfer ihres Vaters handelt, Schirille will die junge Hexe möglichst schnell wieder loswerden, um eine unbekannte Schuld gegenüber Michael Zamis abzutragen. Die Dialoge sind von Michael Thurner überzeugend geschrieben. In Bezug auf den Plot fällt es Coco zu leicht, das Böse zu finden. Bzw. es findet natürlich sie. Der Leser mag es allerdings nicht glauben, dass sich diese Dämonen wirklich mit Asmodis angelegt haben. Sie agieren zu offensichtlich und zu wenig verschlagen. Das Ende wirkt insbesondere im Vergleich zur gesetzten Exposition zu überstürzt, auch wenn dem Autoren zumindest ein oder zwei gruselige Szenen gelingen. Hier wirkt Thurner unsicher, scheint auszutesten, wie weit er wirklich gehen kann. Einige Wendungen mehr hätten dem Plot gut getan. Insgesamt ein stimmungsmäßig überzeugender Auftakt dieses Fugenromans, dem wohltuend die teilweise doch zu explizierten sadistischen Folter – und Sexszenen der Voehl´schen Arbeiten fehlen. Thurner bemüht sich eher, eine erotische Spannung zwischen den einzelnen Figuren aufzubauen, was ihm teilweise überzeugend gelingt. Vor allem aber bleiben dem Leser die liebevollen Details seiner österreichischen Heimat im Gedächtnis, welche er unauffällig und niemals belehrend in den kurzweilig zu lesenden „Coco Zamis“ Text integriert.

Uwe Voehl, Jörg Kleudgen und Dario Vandis haben die letzten beiden Romane „Laguna Morta“ und „Maskenball“ zusammengeschrieben. Das drei sehr unterschiedlichen Autoren zusammengearbeitet haben, merkt der Leser den flüssig gestalteten Plots nicht an. Die beiden Teilbücher bauen aufeinander auf, so dass es sich lohnt, sie als ein zusammenhängendes Werk zu betrachten. Coco wird von ihrem Vater nach Venedig geschickt. Vordergründig braucht einer der entfernten Verwandten Hilfe, hintergründig sucht Michael Zamis weiterhin nach Verbündeten, die ihn in einer zukünftigen Auseinandersetzung gegen Asmodis unterstützen. Was Michael Zamis nicht ahnt, ist die Tatsache, dass auch eine Gruppe venetianischer Dämonen den Auftakt gegen Asmodis geplant hatten. Dieser Subplot ist schon Bestandteil des ersten Teilromans gewesen und wirkt dadurch ein wenig abgenutzt. Allerdings führt der Exposeautor Uwe Voehl im letzten und besten Band der Sammlung „Maskenball“ diese Idee auf einen stimmungsvollen und interessant geschriebenen Höhepunkt. Die Idee mit dem Pestdoktor vor der Tür, während die Dämonen im inneren des Palais einen Totentanz aufführen, ist vielleicht nicht neu, wird aber von dem Autorentrio hervorragend umgesetzt. Der Weg zu dieser Szene ist allerdings lang und nicht immer zufrieden stellend. So findet gleich zu Beginn des Romans eine dunkle Messe statt, die von Michael Zamis Verwandten Belios organisiert worden ist. Dabei hat einer seiner zwei Söhne eine Besucherin und Tochter eines einflussreichen Graf aus Verona im Blutrausch getötet. Für diese Tat ist er heimlich vom Tribunal grausam bestraft worden. Natürlich stehen diese Ereignisse mit Cocos Besuch in einem engen, aber nicht folgerichtigen Zusammenhang. Coco wird von Schirille begleitet, die ihm Gegensatz zu Thurners Auftaktband allerdings eine wichtige, aber verschwindend gering ausgestaltete Rolle hat. Neben der obligatorischen Stadtbesichtigung gerät Coco bald zwischen die Fronten und muss erkennen, dass die junge Hexe in erster Linie ein Köder für unbekannte Mächte ist und das Hilfgesuch an die Zamis aus Sicht Belios sich als Fehler erwiesen hat, der unbedingt korrigiert werden muss.

„Laguna Morta“ ist der Name der Gruppe, die sich ebenfalls gegen Asmodis verschworen hat. Ihre Ziele werden eher oberflächlich und wenig konkret dargestellt. Die reine Machtlust kann es nicht sein. Mit fast sarkastischem Humor entlarven die Autoren am Ende des „Maskenballs“ die dunklen Dämonen als reine Opportunisten, für die erfahrenen Leser keine Überraschung, plottechnisch aber ein unnötiger Kompromiss. Eine allumfassende Bestrafung hätte besser zum dekadenten Maskenball in der sterbenden Stadt Venedig gepasst. Den drei Autoren gelingen eine Reihe weiterer interessanter Szenen. So wird mit Uwe Voehls Vorliebe für sadistische Szenen gespielt, im vorliegenden Band dient die Folter so pervers es auch klingt zumindest der Befreiung des Geistes. Am Ende des ersten Subromans „Laguna Morta“ kommt es zu einer effektiv beschriebenen ersten Konfrontation auf einem Friedhof, die in einem isolierten, aber einprägsamen Bild mündet. Die Leser, welche eine Fortschreibung dieses Stilllebens zu Beginn des dritten Bandes erwarten, müssen sich etwas gedulden, diese Geduld zahlt sich aus. Plottechnisch kann „Maskenball“ allerdings nicht wie die Vorgängerbände grenzenlos überzeugen. Alle drei Romane folgen bekannten Schemata, auch wenn die Hintergründe und einzelnen Zusammenhänge zwischen den Familien noch originell sind. Es gibt nur wenige wirklich Überraschungen und viele der Zusammenhänge zwischen den markanten Auftaktszenen und dem jeweiligen Ende des Subplots erkennt der Leser sehr viel früher als die einzelnen Charaktere. Positiv gesprochen reduzieren die Autoren in brenzligen Situationen aber auch Coco Zamis einzelne Fähigkeiten wie die Zeitbeschleunigung, um sie zumindest vordergründig in Gefahr zu bringen. Das die angeblichen Toten in zwei drei Plots in letzter Sekunde positiv wie negativ auftauchen, ist etwas unglücklich gestaltet. Das neue Autorenteam braucht sicherlich noch etwas Zeit, um sich zusammenzufinden und nach dem großen Konflikt zwischen Asmodi sowie den Zamis scheint Uwe Voehl im vorliegenden Expose Luft zu holen, um einen neuen, größeren Handlungsbogen hoffentlich vorzubereiten. Es ist nicht so, dass die drei Romane langweilig oder schlecht geschrieben sind. Aber sie wirken deutlich weniger harmonisch als die letzten beiden Bände und insbesondere die persönliche Entwicklung Coco Zamis scheint stillzustehen. Dagegen sind die Hintergründe – Klagenfurt und Venedig – besser herausgearbeitet und eine Reihe von interessanten und vor allem ausbaufähigen Nebenfiguren wird in die Abenteuer einer jungen Hexe eingeführt. Zumindest Schirille sollte trotz ihres letzten etwas konstruierten Auftritts eine weitere Chance in den Folgeromanen haben. Auf den letzten Seiten impliziert Uwe Voehl, dass sich vieles um Bestandteile eines größeren Plans handelt und „Maskenball“ vielleicht nur der etwas seichtere Auftakt ist. Kein schlechter Roman, aber leider gehört das neue Abenteuer von Coco Zamis auch nicht zu den bisherigen Höhepunkten der Serie.


Vandis, Voehl, Thurner: "Coco Zamis 17- Maskenball"
Roman, Hardcover, 252 Seiten
Zaubermond- Verlag 2008

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