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Uwe Voehl

Coco Zamis 16:
Der Buena Vista Todes-Club

rezensiert von Thomas Harbach

Auch der siebzehnte „Coco Zamis“ Band stammt alleine aus Uwe Voehls Feder. Bislang hatten oft zwei oder drei Autoren nach seinem Expose die Bände geschrieben. Die Konzentration auf einen Autor könnte die Handlungsstränge kompakter machen, der einzelne Autor muss seinen Teilabschnitt nicht gezwungenermaßen auf einen vorläufigen Höhepunkt zusteuern, von welchem der nächste Mann/ die nächste Frau den Staffelstab übernimmt. Aber genau nach diesem Prinzip hat Uwe Voehl den „Buena Vista Todes- Club“ aufgebaut. Im ersten Teil der Reihe nach dem Buchtitel benannt extrapoliert der Autor die beiden beherrschenden Handlungslinien. Im kubanischen Club Inferno tanzen die schönsten Mädchen vor einem zahlungskräftigen Publikum. Obwohl der Club einen schlechten Ruf hat und sowohl einige der Tänzerinnen als auch so mancher Kunde spurlos verschwunden ist, zieht er die hübschen Mädchen der ihn umgebenden Slumsiedlungen wie magisch an. Auch Roswitha, hübsche Tochter einer Alkoholikerin, sucht in dem Club ihr Glück. Sie wird als Tänzerin angenommen, stellt aber sehr schnell fest, dass die Mädchen sich einem tödlichen Wettstreit aussetzen. Die beste Tänzerin des Abends kommt eine „Hölle“ weiter, ohne dass jemand weiß, was sich auf dieser Ebene befindet und das schlechteste Mädchen wird grausam für ihre Fehldarbietungen bestraft. Was sich zuerst als mögliche dritte Handlungsebene entpuppen könnte, führt Uwe Voehl schließlich mit dem Auftreten Coco Zamis und ihren Onkels Enrico, einem Ghoul mit dem Geschmack fürs Besondere, geschickt zusammen. Coco Zamis sollte, nachdem sie den Versteinerungsbann gelöst hat, sich nach Südamerika absetzen und dort aus der Schusslinie verschwinden. Ihr Onkel Enrico sollte auf sie aufpassen. Natürlich machen sie einen Zwischenstopp auf Kuba, wo Enrico einen alten Freund Miguel besuchen will. Dieser ist spurlos verschwunden und sein Club Inferno scheint von einer Dämonensekte übernommen worden zu sein. Da Enrico entgegen des Rates von Coco Zamis seinen Freund unbedingt suchen will, schleust er die junge Hexe als Tänzerin in den Club ein, wo sie unter anderem Roswitha kennen lernt.

Auf der zweiten Handlungsebene – in Wien spielend – wird Coco Zamis Vater in ein Bündnis gegen Asmodi hineingezogen, seinen Ernstfeind, mit dem er einen mehr als brüchigen Frieden geschlossen hat. Eine attraktive Dämonin mit dem nicht überzeugenden Namen Traudel Medua – hier hat Uwe Voehl etwas daneben gegriffen – verführt Michael Zamis. Seine in Wien verbliebenen Kinder versuchen zusammen mit seiner Ehefrau Thekla Zamis das Familienoberhaupt aus dem Bann der Dämonin zu befreien. Leider schlägt der erste Versuch fehl und Thekla Zamis muss fliehen. Auf dieser Handlungsebene legt Uwe Voehl sehr viele falsche Spuren. Der Leser vermutet Thekal Zamis hinter dem Anschlag, da der eigentliche Täter nicht in Frage kommt. Erst im letzten Kapitel als Ausblick auf die nächsten Abenteuer erweitert sich der Verschwörungsplot um eine weitere interessante Komponente. Sicherlich bestimmt der Konflikt zwischen den Zamis und Asmodi die bisherige Handlung und Uwe Voehl ist nicht willens, diese interessante Ebene gänzlich zu opfern. Ob es ratsam ist, nach dem fehlgeschlagenen Versteinerungsattentat in Wien gleich wieder Asmodi als Gegenspieler zu etablieren, bleibt die Frage. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, ein oder zwei Bände die im ersten Kapitel des „Buena Vista Todes-Club“ begonnene Handlung auszudehnen.

In Bezug auf die einzelnen Mitglieder der Zamis Familie unternimmt Uwe Voehl die richtigen Schritte. So tritt Thekla Zamis zum ersten Mal aus dem übermächtigen Schatten ihres Mannes. Sie ist nicht mehr die Frau an der Seite Michael Zamis. Immerhin ist sie eine Hexe und die Tochter Asmodis, ohne dass dieser sonderlich stolz auf die gewesen wäre. Als sie vom Betrug ihres Mannes erfährt, will sie die Sache selbst in die Hand nehmen. Sie beginnt zu agieren und muss später auf eine Nordseehallig aus Furcht vor weiteren Verfolgungen fliehen. Hier lernt der Leser noch Thekla Zamis Schwester kennen. Uwe Voehl zeichnet Coco Zamis Mutter überraschend feinfühlig und überzeugend. Das sie am Ende des Buches ihrem zur Hilfe eilenden Mann seinen Seitensprung schon vergeben hat, wirkt dagegen ein wenig zu pragmatisch. Hier sollte Uwe Voehl in den nächsten Abenteuern noch vertrauensbildende Maßnahmen integrieren, dass eine so stolze und in klassischen, wenn auch dämonischen Traditionen erzogene Frau über den Fehltritt ihres Mannes so einfach hinweg sieht – auch wenn sie der Verführerin alleine die Schuld gibt, ein etwas zu einfache und vom Text nicht unbedingt immer unterstützte Behauptung -, ist unglaubwürdig. Lydia Zamis – Cocos Schwester – ist die typische, fast klischeehafte Schlampe einer jeden einflussreichen Familie und ein typischer Paris Hilton Verschnitt mit übernatürlichen Fähigkeiten. Auch sie hat insbesondere im ersten und zweiten Teilroman sehr viel mehr zu tun. Alleine ihre Szenen nach der Ankunft auf Kuba hat Uwe Voehl mit bissiger Ironie niedergeschrieben. Leider beendet er diesen interessanten Subplot viel zu schnell. Lydias Begegnungen mit Land und Leuten und der besonderen Kultur Kubas hätten den ganzen Band sehr gut fühlen können. Auch wenn – wie mehrmals betont – Quutgghpatl nur ein kleiner, eher unwichtiger Dämon ist, wird ihm im Verlauf der Handlung nach der solide Exposition zu wenig Raum geschenkt. Der Konflikt Coco und Lydia Zamis auf der einen Seite, Quutgghpatl hinter seinem Dämonentor auf der anderen Seite mit entsprechenden Anspielungen auf Voodoozeremonien und die einzigartige Sagenwelt der Karibik hätten einen schönen Kontrast zu dem eher tristen, ernsten Wien bilden können. Und dazu ein sehr hübsches, immer williges Mädchen in einem Männerparadies. So kommt Lydia im wahrsten Sinne des Wortes nicht auf ihre körperlichen Kosten. Die letzte Figur, welche Uwe Voehl einführt, ist Thekla Zamis Schwester, eine dulle Frau, die abgeschieden auf einer Hallig in der Nordsee lebt. Ihr hat ein Dämon Lebensenergie geraubt und jetzt ist sie eine verbrauchte, alte und fast kräftelose Frau. Der Kontrast zwischen der attraktiven und Schutz suchenden Thekla und ihrer verhärmten Schwester könnte nicht größer sein. Nach dem eher sehr glatten und ein wenig enttäuschen Zwischenstück – alle interessanten Komponenten sind da, aber Uwe Voehl konzentriert sich zu sehr auf das Drama im letzten Buch als das er den Mittelteil so ausbaut, wie es sinnvoll gewesen wäre – zieht der Autor nicht nur das Tempo sehr stark an, sondern verbindet die verschiedenen Nordseelegenden mit einer gegenwärtigen dämonischen Auseinandersetzung. Dabei trifft er insbesondere die zeitlose, traurige Atmosphäre auf den Nordseeinseln außerhalb der Saison sehr gut. Zum Vergleich, die Darstellung des kommunistisch- kapitalistischen Kuba konzentriert sich auf eine Slumgegend, in welcher der Club liegt. Hier wäre etwas mehr Beiwerk angebracht gewesen. Danach erfolgt der Zwischenschnitt in den Dschungel Venezuelas? Hier liefert Uwe Voehl zwar eine Begründung, aber sie liest sich nicht sonderlich überzeugend und seinem Buch hätte es besser getan, die Handlung auf Kuba zu belassen und das exotische Flair der Insel besser und überzeugender darzustellen.

Zu den schwächsten Szenen des Buches gehören allerdings die Abschnitte im Club zu Beginn des Buches. Natürlich ist dieses Thema spätestens seit „From Dusk till Dawn“ abgegriffen – ich weiß auch nicht, warum sich Uwe Voehl auf Tanzeinlagen konzentriert hat, hier hätte man etwas Exotischeres, Perverseres erwartet -, das Problem liegt in Uwe Voehls Unentschlossenheit, die teilweise drastische sadomasochistische Perversität seiner vorangegangenen Romane zu wiederholen oder die Ereignisse indirekter und implizierter darzustellen. Dadurch wirkt der ganze Handlungsabschnitt erstaunlich distanziert und auch Coco Zamis agiert unwahrscheinlich naiv. Die mit Abschnitt schlechteste Szene des Buches zeigt, wie ihr Onkel sie an eine Frau verschachert, welche dem Club Mädchen zuführt. Dabei hat der Leser gerade von Roswitha erfahren, dass man mit körperlichen Reizen auch direkt die Aufmerksamkeit der Clubbosse auf sich lenken kann.

Der „Buena Vesta Todes-Club“ gehört nicht zu den besten Arbeiten der Serie und Uwe Voehls. Die wirklich guten Szenen – auf der Nordseeinsel – kommen zu spät und wirken teilweise überhastet niedergeschrieben. Zu den Stärken des Buches gehört die verstärkte Konzentration auf bisherige Nebenfiguren, welche der Autor sehr einfühlsam und überzeugend weiterentwickelt. Stilistisch ist die Geschichte ansprechend, aber teilweise zu distanziert erzählt. Insgesamt eher ein Zwischenband und Auftakt für den nächsten Konflikt mit Asmodi.

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Uwe Voehl : "Coco Zamis 16: Der Buena Vista Todes-Club"
Roman, Hardcover, 356 Seiten
Zaubermomd- Verlag 2008

Weitere Bücher von Uwe Voehl :
 - Der Kuss der Medusa
 - Die Totenmesse
 - Schwarze Herzen
 - Vampir 12- Die Teufelsanbeter
 - Vampir 13- Fluch der Hexe
 - Vampir 7- Das Archiv der schwarzen Särge
 - Vampir 8- Das Schloss der 1000 Tode

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