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Horror (diverse)



Cedric Balmore und andere

Vampir 6 - Der Geist im Totenbrunnen

rezensiert von Thomas Harbach

Die sechste „Vampir“- Sammlung besteht wieder aus fünf Geschichten, von denen allerdings Christian Montillons Text eher eine Kurzgeschichte als ein Roman mit einem Heftumfang ist. Dan Shocker hat einen weiteren Teil seiner „Frankenstein“ Saga beigesteuert, Roy Palmer sowie Uwe Anton feiern ihr Debüt mit Nachdrucken ihrer Romane. Es wäre allerdings schön, wenn der Zaubermond- Verlag zumindest die Originalquellen angegeben hätte.


Die Titelgeschichte „Der Geist im Totenbrunnen“ von Cedric Balmore ist eine gut geschriebene Mischung aus dem französischen Krimi „Diabolique“ – nur mit umgekehrten Vorzeichen und der Perspektive von Billy Wilders „Sunset Boulevard“ mit Edgar Allen Poes Geschichte vermischt. Leroy Chester wacht in einem fremden Bett auf. Er weiß nicht, wie er dorthin gekommen ist. In seiner Stirn ist eine tiefe Wunde. Als er sich aus dem Fenster beugt, sieht er einen Beerdigungszug die Straße heraufkommen. Hinter dem Sarg geht eine attraktive Witwe- seine eigene Frau. Es ist seine Beerdigung und aus unerklärlichen Gründen ist sein Geist im Körper eines Polizisten reinkarniert worden. Seine Frau hat zusammen mit ihrem Geliebten seinen Unfall inszeniert. In Wirklichkeit haben sie ihn ermordet, um an sein Erben zu kommen. Selbst im fremden Körper kann er sich seiner Frau zu erkennen geben, diese ist nicht unbedingt begeistert, den Geist ihres Mannes ausgerechnet in einem Polizistenkörper wieder zuerkennen. Gemeinsam mit ihrem Freund bringt sie auch diesen Mann um, ohne zu ahnen, dass sich die Kette natürlich fortsetzen lässt.

Cedric Balmore hat eine sehr unterhaltsame Geschichte geschrieben. Das liegt nicht zuletzt an der ungewöhnlichen Perspektive. Das Opfer weiß, dass es ermordet worden ist. Die Täter wissen, dass sie es mit einem Geist zu tun haben. Der Autor verzichtet auf die oft ermüdenden Expositionen und das Versatzspiel, bis schließlich nicht mehr unbedingt überraschend der Ermordete als übernatürliche Existenz entlarvt wird. Sein Hauptprotagonist Leroy Chester leidet unter der Tatsache, dass er trotz des Mordes an ihm seine Frau immer noch liebt, seine Frau erkennt schnell, dass der neue Geliebte in vielen Dingen dem inzwischen verschiedenen Mann nicht das Wasser reichen kann. Die Balance zwischen gruseliger Unterhaltung – natürlich gehört Chester nicht nur ein altes Anwesen, sondern das Grundstück verfügt über den so genannten Totenbrunnen, in dessen Tiefen man einen seiner Vorfahren „entsorgt“ hat – und komödiantischen Szenen ist stimmig. Die einzelnen Charaktere sind allerdings erstaunlich eindimensional gezeichnet und der Leser identifiziert sich nicht sonderlich mit den Figuren. Dadurch wirken einige im Kern gruselig inszenierte Sequenzen eher oberflächlich. Zumindest spielt der Autor mit den Versatzstücken der oft komplexen französischen Krimis und der Leser kann sich sehr gut vorstellen, eine Horrorvision von „Diabolique“ mit der Ironie eines Frank Castles zu lesen. Balmore macht nicht den Fehler, die Geschichte zu überdrehen oder unwahrscheinliche langwierige Erklärungen anzubieten. Das Übernatürliche scheint in seiner fiktiven Welt eine zu akzeptierende Realität zu sein. Allerdings verdienen die menschlichen Protagonisten die Rache von Jenseits des Grabes. Im Vergleich zu anderen Romanen der „Vampir“ Reihe ist „Der Geist im Totenbrunnen“ allerdings stilistisch sehr gut geschrieben und die Grundidee ist bislang nicht sonderlich oft im Gruselgenre verwendet worden.

„Die Fragen des Bösen“ von Christian Montillon ist eine vordergründig philosophisch existentielle Geschichte eines Dämons, der den Fragen des Seins am lebenden Objekt nachgeht. Dabei werden ihm die Menschen weniger die Frage nach seiner Entstehung, aber zumindest nach dem Sinn seiner Existenz beantworten können. Fröhlich experimentiert er mit zwei Menschen und tötet dabei die Frau, in dem er sie in einen Kokon einspinnt. Leider weckt er damit weniger die Neugierde der Menschen, sonst wird in dem neuen Hexenhaus isoliert. Erst später kommen Wissenschaftler zu dem Haus und beenden das lange Grübeln des Dämonen. Allerdings auf eine andere Art und Weise als dieser vermutet hat. Montillons mit knapp vierzig Seiten kurze Geschichte ist kompakt geschrieben, der Autor verwendet sehr pointiert und an den richtigen Stellen impliziert die notwendige Ironie, um den Leser gut zu unterhalten. Die Verknüpfung einer im Grunde einfachen Besessenes- Haus- Story mit dem ungewöhnlichen Ansatz eines experimentierfreudigen Dämons funktioniert gut, wenn auch Montillon literarisch teilweise zu überambitioniert voranschreitet. Er gibt dem Leser auch zu wenige Gelegenheiten, den Dämonen kennen zulernen oder auf der menschlichen Seite entsprechende Charaktere zu etablieren. Der Text hätte durchaus einige Seiten länger werden können, nach einer packenden Exposition zwei parallel laufende Handlungen und dann einen fulminanten nihilistischen Schluss, der dem Dämonen zumindest einen Teil seiner berechtigten Fragen auf einer überraschende Art und Weise beantwortet. So wirkt „Die Fragen des Bösen“ ein wenig wie ein noch nicht ausgereiftes Expose einer interessanten Prämisse.

Roy Palmers „Das Findelkind“ ist dagegen wieder eine der Geschichten, welche die Leser gerne mit den alten „Vampir“- Heften in Verbindung bringen. Eine geradlinige Handlung mit einer soliden, aber nicht immer überraschenden Mischung aus grob gezeichneten Protagonisten und entsprechender Gewalt. Zwei Schwestern bewohnen ein Haus in den Bergen und wünschen sich ein Kind. Das ausgerechnet der Teufel Pate dieses Wunsches ist, birgt natürlich unliebsame Überraschungen. Nach einem sehr rasanten Auftakt schleppt die Handlung im Mittelteil nicht immer überzeugend dahin. Viele der hier präsentierten Ansätze wirken ein wenig zu sehr konstruiert und die einzelnen Ideen passen nicht immer sonderlich harmonisch ineinander. Auf der anderen Seite handelt es sich um eine gut zu lesende Gruselgeschichte, welche der Verstand nicht sonderlich herausfordert, sondern einen adäquaten Zeitvertreib insbesondere auf Reisen darstellt.

Zu Beginn seiner Karriere hat Uwe Anton neben einigen Einzelromanen für „Terra Astra“ auch Gruselwerke geschrieben. „Nyariep, Sohn des Teufels“ ist eines dieser Werke, das im Rahmen der „Vampir“ Reihe neu veröffentlicht wird. Ein Reporter – in den siebziger Jahren wahrscheinlich ein der aufregendsten Berufe der Welt, sie konnte alle exotischen Plätze dieses Planeten reisen, hübsche Frauen kennen lernen und coole Sprüche reißen – deckt eine Gruppe von Teufelsanbetern auf und gerät in ihren Bann. Ein unterhaltsames Garn, das Uwe Anton im vorliegenden Roman spinnt. Gleich zu Beginn eine spannende Auftaktsequenz, danach ein wenig Durchatmen und anschließend ab in die unchristliche Verschwörung. Die Handlung fließt angenehm dahin, ohne wirklich den erfahrenen Heftromanleser zu überraschen. Im Vergleich zu Dan Shocker allerdings wirken Uwe Antons Charaktere sehr klischeehaft und die Dialoge sind teilweise überambitioniert angelegt. Der eigentliche Plot dagegen offenbart eine gewisse Zeitlosigkeit und ist nicht zu streng an die siebziger Jahre angelehnt wie zum Beispiel Shockers „Burg Frankenstein“ Romane. Alles in allem eine gut zu lesende Geschichte, die über weite Strecken überzeugt, am Ende allerdings zu wenig überrascht.

Mit „Gespenster- Treff Burg Frankenstein“ wird eine weitere Folge der populären Reihe aus der Feder des kürzlich verstorbenen Dan Shockers veröffentlicht. Obwohl jeder Nachdruck für sich alleine sehr gut zu lesen ist, empfiehlt es sich aufgrund des Gesamtvergnügens, alle Folgen in der Reihefolge ihrer Veröffentlichungen zu lesen. War der erste Teil der Reihe noch eine moderne Neuinterpretation des Frankensteinmythos für das dunkle Zeitalter der Disco geschrieben, entpuppt sich der aktuell vorliegende vierte Teil als interessante Mischung aus Gruselmär, modernem Thriller und unterhaltsamer Farce. Wenn auf Schloss Frankenstein in der Nähe von Darmstadt ein Kostümfilm – mit entsprechenden gruseligen Masken – gedreht wird, gelingt es Dan Shocker am Ende seines natürlich wieder rasant, mit der nötigen Ironie gesponnenen Garns die fiktive Realität mit der manchmal ein wenig zu sehr klischeehaften Horrorhandlung zu verbinden. Auf dem Weg dahin müssen in diesem Fall der obligatorische Reporter und die atemberaubende Schöne Discomieze – sie lebt von den Drinks, den Burger und dem Übernachten in fremden Betten ! – nicht nur mit dem Originalmonster Frankensteins sich auseinandersetzen. In den USA existiert eine Kopie von Frankensteins Schloss, in welchem mit dessen Ideen experimentiert wird und in welchem der originäre Schöpfer zu neuem unsteten Leben erweckt werden soll. Dan Shocker nimmt in seinem gut zu lesenden Roman viele Ideen der modernen Frankenstein- Filme vorweg. Ere hat den Mythos nicht nur gut in eine ungläubige Gegenwart übertragen – mit dieser Ungläubigkeit spielt er das eine oder andere Mal sehr gut -, sondern vor allem variiert er die ursprünglichen Ideen auf eine noch heute lesenswerte Weise. Natürlich ist aus heutiger Sicht sehr viel schwerlich Erträgliches der siebziger Jahre eingeflossen. Die Frauen sind atemberaubend schön, aber nicht nur naiv, die Helden sind echte Machos, die unabhängig von ihrer ursprünglichen Berufsausbildung im Zweifelsfalle es auch in James Bond Manier mit jedem Feind aufnehmen können und die Verschwörung des Frankensteinkults bislang eher ein Mythos als eine Tatsache. Als sie allerdings die falschen Leute aus der falschen Disco als potentielle Orkanspender entführen, wird der Spieß bis zum fulminanten Ende umgedreht. Dan Shocker ist einer der klassischen Heftromanautoren, der sich im Vergleich zu einer Vielzahl anderer Kollegen nicht nur mit dem Medium identifiziert, sondern dessen Rhythmus beherrscht. Immer wieder, wenn die Handlung zu verflachen droht, fügt er seinem Roman ein neues, interessantes, manchmal auch ein wenig pathetisches Element hinzu. Die einzelnen Protagonisten wirken dabei eher eindimensional und holzschnittartig beschrieben, sie passen aber in die Struktur dieser aufbautechnisch hektisch geschriebenen Hefte. Auch wenn die einzelnen Protagonisten einmal in ihrer fast kontinuierlichen Bewegung innehalten, um für den Leser das bisherige Geschehe zusammenzufassen, hat man den Eindruck, als täten sie es wider ihrer Natur. Wer gerne das Phänomen Dan Shocker kennen lernen möchte, ist mit den Frankenstein- Romanen gut bedient. Sie stellen im Rahmen der „Vampir“- Reihe immer einen unterhaltsamen Höhepunkt dar.

Auch der sechste Band bietet dem interessierten Leser ein breites Spektrum an Grusel, Horror und Mystry – wie der Klappentext verkündet. Die Mischung aus originalen Geschichten und Nachdrucken alter, aber nicht unbedingt klassischer Heftromane stimmt. Die Themen sind breit gewählt, auch wenn Teufelsanbetung und Hexenwahn den Schwerpunkt bilden. In diesem Zusammenhang ist Christian Montillons sehr kurzer Text eine angenehme Ablenkung. Sehr zu begrüßen ist die Tatsache, dass sich der Herausgeber Dennis Ehrhardt bemüht, unterschiedliche Autoren – teilweise namhaft, dann wieder sehr obskur – zu Worte kommen zu lassen und so wie in den vorangegangenen Sammlungen liebenswerte Texte wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und manche Jugendsünde eines inzwischen etablierten Autoren skandalträchtig in der schönen Hardcoverausstattung des Zaubermond- Verlags wieder fliegen zu lassen.

Cedric Balmore und andere: "Vampir 6 - Der Geist im Totenbrunnen"
Anthologie, Hardcover, 448 Seiten
Zaubermond- Verlag 2007

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