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Volker Krämer

Brutwelt: Terra

rezensiert von Thomas Harbach

Volker Krämers „Brutwelt Terra“ ist ein weiterer sehr ungewöhnlicher Roman im Rahmen der Hardcoverbuchreihe. Schon in seinen letzten Büchern hat Volker Krämer – wie auch Achim Mehnert – Science Fiction Themen in die Handlung integriert. Hier geht er noch einen Schritt weiter und lässt das Buch in seiner Heimat – dem Ruhrgebiet – spielen. Dabei lässt er seine Kindheitserfahrungen von dem rauen Leben unter Tage, aber auch dem Zusammengehörigkeitsgefühl der Kumpel, den ersten Ausländern, welche auf den Zechen arbeiteten und schließlich doch ein Leben lang im Kohlenpot blieben in die Handlung einfließen. Unabhängig von der zugrunde liegenden Handlung ist es eine liebevolle, wenn auch manchmal ein wenig verkitschte Würdigung des industriellen Herzens Deutschlands.

Die eigentliche Geschichte beginnt wie so oft in der Vergangenheit. Im Jahre 1956 wollen die Kumpels pünktlich zu ihrer Schicht einfahren, als sich der Direktor der Zeche und zwei unbekannte Männer anschließen. In der Tiefe kommt es zu einer Schlagwetterexplosion, die nur drei Männer überleben. Das Unglück und das Überleben der drei Männer gehen als das „Wunder vom Tiefen Schlag“ in die Geschichte ein. Mysteriös ist nur, dass ausgerechnet dem an der Grube verweilenden Fotograf sein belichteter Film gestohlen worden ist. So kann er die eigentliche Rettung nicht mehr an den Meistbietenden verkaufen. Nur nebensächliche Aufnahmen auf den beiden anderen verknipsten Filmen bringen Geld. Es gibt Gerüchte, dass die Überlebenden über rote Augen verfügt haben. Über 40 Jahre später wird Nicole Duvals Pflegevater ermordet aufgefunden. Seine Leiche liegt auf dem Zechengelände. Er hat rote Augen. Seine Witwe informiert Nicole Duval. Diese eilt in der Rolle ihrer eigenen Tochter in ihre Heimat. Sie will die Motive hinter der Tat erfragen. Gleichzeitig wird es für sie zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Sie begegnet alten Freunden. In Rückblenden zeigt Volker Krähmer aber auch immer wieder Nicole Duvals vor allem in Bezug auf die Umgebung des Kohlenpots überraschende Jugend. Im Gegensatz zu Nicole Duval weiß der Leser allerdings von Beginn an – vor allem, wenn er sich im Zamorra Universum auskennt – das die Antwort nur unter der Erde in dem seit Jahrzehnten verlassenen Schach liegen kann.

Handlungstechnisch ist der neue Roman von Volker Krämer sehr geradlinig. Bei der Plotauflösung verblüfft der Autor seine Leser ein wenig, allerdings fehlt dem Autor anschließend eine zündende Idee, seinen Roman wirklich befriedigend zum Abschluss zu bringen. Professor Zamorra selbst taucht nur am Rande auf. Volker Krämer hat versucht, insbesondere Nicoles Charakter gänzlich anders darzustellen. Erst am Ende des Buches muss sie wieder die entschlossene Powerfrau sein, welche entschlossen die versteckte Bedrohung eliminiert. Es fehlt jegliche Jetsetattitüde und die Boutiquen in Wanne- Eickel werden auch nicht leer gekauft. Was im Kontext der bisherigen Serie allerdings wenig stimmig und eher konstruiert wirkt, ist ihr plötzliches Heimweh nach dem Revier. Das sich die Idee, als eigene Tochter auszugeben, sowohl bei einem früheren Freund als auch ihrer Pflegemutter als Rohrkrepierer entpuppt, gehört noch zu den amüsanten Szenen. Die im Revier verwurzelte, im Grunde auf Kohle geborene Frau nimmt der Leser Volker Krähmer nicht auf. Hier wäre es vielleicht sinnvoller gewesen, einen Schritt zurückzutreten und sie als Rückkehrer aus einer gänzlich anderen Gesellschaft zu beschreiben. Nivole Duval hat offene Augen für die Veränderungen – sowohl für die Guten als auch die Schlechten. Aus ihrer Perspektive wird derjenige, der sich im Revier nicht auskennt, quasi eingeführt. Allerdings übersteigt Nicole Duvals innerliche Wandlung immer noch deutlich Krämers schriftstellerische Fähigkeiten und der Leser kann sich schwerlich mit der ihm aus hunderten von Abenteuern bekannten Heldin in diesem Buch identifizieren. Im Auftaktband der Reihe – „Zeit der Teufel“ von Robert Lamont – hat Giesa mit seinem Zeitschleifenbuch gezeigt, wie man so etwas hervorragend und für den Leser nachvollziehbarer machen kann.
Darum überzeugt vor allem die erste Hälfte des Romans, in welcher Volker Krämer liebevoll seine Heimat vorstellt. Er geht aber auch nicht zu unkritisch mit der verhängnisvollen Entwicklung und dem Untergang der Bergbauindustrie um. Teilweise wirken die in der Vergangenheit spielenden Szenen wie durch einen Grauschleier, die Gegenwart im Revier ist wahrscheinlich ein wenig dunkler und trüber als Krämer es sich selbst eingestehen will, aber der realistische Hintergrund des vorliegenden Romans überzeugt.

„Brutwelt : Terra“ ist die wahrscheinlich beste Arbeit Krämers insbesondere im Rahmen der Zamorra Hardcover. Einige seiner ersten Bände litten vor allem unter seinen stilistischen Unsicherheiten. Handlungstechnisch wirkten sie teilweise zu ungleichmäßig aufgebaut. Da im vorliegenden Hardcover vor allem der Hintergrund die eher durchschnittliche Handlung – bis auf die einigermaßen verblüffende Entdeckung unter Tage – klar überstrahlt, zeigen sich diese Schwäche im Gesamtkontext weniger offensichtlich.

Volker Krämer: "Brutwelt: Terra"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond- Verlag 2007

Weitere Bücher von Volker Krämer:
 - Professor Zamorra 28: Weg ins Gestern
 - Professor Zamorra 30:Die alte Welt
 - Professor Zamorra 31 - Mondfeuer
 - Professor Zamorra 35: Bibleblack

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