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Susan Schwartz

Der Götterbote

rezensiert von Thomas Harbach

Nach „Die graue Pest“ (Band 12) legt Susan Schwartz mit dem sechzehnten MADDRAX Abenteuer ihren zweiten Beitrag zu der Serie im Zaubermond- Verlag vor. Während ihr erster Roman in den vereisten Gegenden Nordamerikas mit einem Abstecher in das postapokalyptische New York gespielt hat, verlagert sie das Szenario jetzt weiter nach Süden. Die beiden Romane verbindet allerdings der Gletschermann Ruup, der unbedingt wie Ikarus der Sonne entgegenfliegen wollte und mit seinem von einem alten Mann gebauten Fluggerät über den dampfenden Dschungeln Floridas abstürzt. Diese Dschungel werden von dem Gott ONCA zumindest theoretisch beherrscht. In Wirklichkeit sind in den letzten Jahren die Pales – aufgrund ihrer bleichen Hautfarbe – in den Dschungel eingedrungen und haben die Ureinwohner verscheucht. Von diesen leben nur noch das Mädchen Maladi und ihr Vater. Sie haben sich versteckt. Ihr Vater schützt die junge attraktive und lebenslustige Frau vor der gefahrvollen Umgebung. Leider lässt sich ein wacher Geist nicht unbedingt in Ketten legen. Gleich zu Beginn des Romans ist die gezwungen, den von den Pales gefolterten Wanderpriester von seinen Qualen zu erlösen. Mit dem in diese zerstörte Idylle eindringenden Ruup schlägt Susan Schwartz den Bogen zu ihrem ersten Zaubermond Hardcover „Die graue Pest“, dessen Reifejahre der Leser in dem sehr empfehlenswerten Roman verfolgen konnte. Darum ist die Erwartungshaltung an diese Figur auch deutlich höher als gegenüber den neuen Charakteren. Maladie begegnet durch einen Zufall Ruup, der in der Nähe ihres Verstecks mit seinem Fluggleiter abgestürzt ist. Ihr Vater hat sie für einige Tage alleine gelassen, da er wichtige Lebensmittel wie Salz gegen seine handgefertigten Waren und seine Salben und Tränke eintauschen möchte. Maladi pflegt Ruup gesund, diese verliebt sich in sie. Die Welt gerät aus den Fugen, als der Vater heimkehrt und die beiden verliebten jungen Menschen turtelnd erwischt. Er stellt Ruup vor eine Reihe von Prüfungen, die er überstehen muss, um wirklich sich als wahrer Ehemann zu erweisen. In diese Trainingsläufe hinein wird erst der Vater von den Pales gefangen genommen, dann später Maladi von einer unbekannten Gruppe entführt. In beiden Fällen muss Ruup beweisen, dass er über sich hinaus wachsen kann. Kritisch betrachtet bleibt die Figur aber auf dem Niveau des Vorgängerbandes, es wäre sinnvoller gewesen, Ruups Gletscher Erfahrungen besser in das für ihn ungewohnte subtropische Klima zu integrieren und das Konfliktpotential zwischen Ruup und Maladis Vater nuancierter darzustellen.

Susan Schwartz erzählt über die Gesamthandlung des Romans eine verblüffend einfache Geschichte, die ihre Wurzeln in den romantisch überstilisierten Pulpgeschichten legendärer Charaktere wie Tarzan hat. Die in diesem Fall nach dem Einschlag des Kometen nach Florida exportierten Dschungel, Maladis naive, aber interessierte Einstellung, ihr isoliertes Aufwachsen unter den behütenden Augen ihres Vaters, der gegen Ende des Buches zugibt, dass er nicht mehr weiß, wie das Leben außerhalb des Dschungels aussieht und eine fast klassische Dreieckskonstellation. Wie in den Abenteuertexten müssen diese unterschiedlichen Menschen – einmal aufgrund ihrer jeweiligen Vergangenheit und auf der zweiten Ebene der klassische Vater- Freund/Liebhaber der Tochter Konflikt – aufeinander zu gehen, um eine Überlebenschance zu haben.

Zu Beginn des Buches beschreibt Susan Schwartz die Geschichte nur aus Maladis eingeschränkter Perspektive. Der Leser hat ausreichend Zeit und Raum, die junge Frau kennen zu lernen. Die Autorin nimmt sich entsprechend handlungstechnisch ausreichend Platz, um sie durch ihre Handlungen und Gefühlen vorzustellen. Es ist für den Roman elementar, dass der Leser sie als dreidimensionale Figur akzeptiert. Funktioniert die Sympathieebene zwischen Leser und Charakter nicht, wird der Roman aufgrund seiner eingeschränkten Personanzahl und vor allem seiner wenigen und dann nicht unbedingt überraschenden Handlungshöhepunkt zu einer sehr langweiligen Lektüre. Mit Ruups Ankunft entspinnt sich ein wenig sehr schnell die emotional gut geschriebene Liebesgeschichte. Während Perry Rhodan ja erst nach mehr als tausend Bänden den Sex für sich und seine Leser entdeckt hat, gehörte Maddrax von Beginn an zu den Heftromanserien, in denen sich die Charaktere buchstäblich auch im Heu wälzen durften, in denen die Frauen entweder willenlose Sklavinnen martialischer Stämme gewesen sind oder aggressiv und frei ihre Sexualität nach eigenen Wünschen ausleben könnten. „Der Götterbote“ bietet von beidem etwas. Die Pales sind die klassischen primitiven Aggressoren, die wie sehr primitive und überspitzt beschriebene Hinterwälder, von Raubzügen und der Unterdrückung anderer Völker leben, für die Frauen nicht mehr als Lusterfüllung und billige Arbeitskräfte sind. Dagegen steht Maladis romantische junge Mädchenvorstellung vom perfekten Liebhaber und Vater ihrer starken Kinder. Insbesondere zu Beginn des Romans übertreibt Susan Schwartz ein wenig mit ihren teilweise schwülstigen Beschreibungen der inneren Zwiespalte der jungen Frau. Immerhin liegt vor dem Leser ein neuer Maddrax und keine Adaption von „Liane- das Mädchen aus dem Urwald“. Mit fortschreitender Handlung wird diese Schwäche durch eine Reihe interessanter Actionszenen negiert. Die zweite große Hürde ist das Aufbauen einer Chemie zwischen dem Vertreter der Nordvölker Ruup und der jungen Frau. Das geht teilweise doch sehr schnell und wirkt insbesondere auf den ersten Seiten arg konstruiert. Hier wäre ein bisschen mehr ironische Distanz angebracht gewesen. Als Maladis Vater dann beginnt, den potentiellen Schwiegersohn auf Herz und Nieren zu überprüfen, hofft der Leser, dass sich die emotionale Handlungsebene auch in einem stringenten Plot wieder spiegelt. Während die Befreiungsaktion des Vaters noch gut beschrieben, aber leider im Vergleich zu Dutzenden von Dschungelabenteuern nicht sonderlich originell geschrieben worden ist, leidet insbesondere das letzte Drittel – in diesem Fall wird Maladis von Glaubensbrüdern des zu Beginn von den Pales ermordeten Priesters entführt und verhört – unter einer wirklich packenden Handlungsebene. Alle Teile des Buches funktionieren eher mechanisch denn aus Überzeugung. Nicht selten hat der Leser das unbestimmte Gefühl, als wäre Susan Schwartz in einigen Passagen einen einfachen, einen im Gesamtkontext des Buches unbefriedigenden Weg gegangen. Gute Ansätze sind immer wieder vorhanden. So behauptet Maladis Vater, der zu einem riesigen tigerähnlichen Tier herangewachsene Welpe, den Maladi aufgezogen hat, ist schon lange tot. Wer ist denn die Bestie, die schließlich bei der Befreiung des Vaters geholfen hat? Warum kann Ruup ihn von seiner Verletzung heilen? Nach diesen interessant geschriebenen Szenen bleibt der Handlungsfaden in der Luft hängen. An einer anderen Stelle finden sich Anspielungen auf die seltsame NASA, mit diesem Wort kann keiner der Charaktere im Gegensatz zum Leser etwas anfangen. Hier wäre es gut gewesen, diese Ideen weiter auszuspielen. Auch die Auflösung des letzten Handlungsdrittels ist zu glatt, gut geschrieben, aber nicht unbedingt befriedigend. Insbesondere die Exposition des Buches scheint aus ständigen Wiederholungen zu bestehen. Maladi findet den Priester, den sie von seinen Qualen erleidet. Wenige Tage später finden sie im Baum hängend den verletzten Ruup, den sie gesund pflegt und in den sie sich verliebt. Ihr Vater wird von den Pales gefangen genommen und gefoltert. Maladi wird nach dessen Befreiung von den Angehörigen des Priesters gefangen genommen und zumindest brutal verhört. Wäre das Handlungskomplex von „Der Götterbote“ dichter und komplexer, hätte diese Doppelung sehr viel effektiver eingesetzt werden können. So wirkt sie teilweise ideenlos und nimmt der Liebesgeschichte durch die Nutzung bekannter Schemata ihren Charme.

Auf der anderen Seite verfügt Susan Schwartz über einen sehr angenehm zu lesenden Stil, der einige plottechnische Ungereimtheiten ausgleichen kann. Das Buch liest sich ohne große Erwartungen sehr unterhaltsam, wenn auch rückblickend im Vergleich zu „Die graue Pest“ eher enttäuschend. Hier hätte der Leser mehr originelle Ideen oder zumindest eine nicht so konstruierte Handlung erwarten können.

Direkt beim Verlag bestellen

Susan Schwartz: "Der Götterbote"
Roman, Softcover, 9 Seiten
Zaubermond Verlag 2007

Weitere Bücher von Susan Schwartz:
 - Maddrax 16- Der Götterbote
 - Maddrax 20- Takeos Traum

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