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rezensiert von Thomas Harbach
Mit dem neuen Hardcover aus dem Zaubermond- Verlag nimmt Ronald M. Hahn Bezug auf seinen schon vor knappen sechs Jahren erschienenen Roman „Weltfeind Nr. 1“ ( Maddrax Nummer 31).
Maddrax ist in den USA angekommen bzw. in der zersplitterten Staatenform, die auf dem ehemals amerikanischen Kontinent die Kontrolle übernommen hat. Das letzte Zeichen der Zivilisation ist der Weltrat, der Maddrax Handeln mit einer offensichtlichen Skepsis verfolgt. In Washington will er mehr über die Rebellengruppe herausfinden, die sich "Running Men" nennt. Die Anspielung auf die Schwarzeneggerverfilmung ist deutlich, da der inzwischen zum Lokalpolitiker aufgestiegene Ex- Bodybuilder nicht nur in diesem Heftroman, sondern auch im vorliegenden Band eine eingeglaste Präsenz zeigt. Die Gruppe wird von einem Klon des damaligen Präsidenten ("Mr. Black") und dessen farbigem Vize ("Mr. White") angeführt, deren Genproben der Weltrat vor gut dreißig Jahren zum Klonen verwendet hat, um ein Serum gegen die Immunschwäche zu entwickeln. Matt lockt die Rebellenführer unwissentlich in eine Falle, bevor er erkennt, dass sie keineswegs gefährliche Terroristen sind. Leider nutzt ihm das nichts; White wird erschossen und Black vom Weltrat gefangen genommen, bevor er mit Matthew reden kann. Soweit die Prämisse des Heftromans. In der Tradition der letzten Maddrax Hardcover wird eine Idee aus der Heftserie wieder aufgenommen und extrapoliert. Begleitet von eher ironischen Tagebuchauszügen und übergeordneten Kommen von und über Mr. Black beginnt die Geschichte schon im Jahre 2485. Eine WCA Geheimagentin kehrt schwer verletzt von ihrer Mission zurück. In einem Depot der US Army lagern über fünfhundert Jahre alte Genproben von wichtigen Persönlichkeiten. Für die Bunkergesellschaft in Washington eine wichtige Erkenntnisse. Das lange Leben unter der strahlenversuchten Oberfläche hat die Gene schwer beschädigt, eine Immunschwäche zwingt sie weiterhin, im Bunker zu leben oder mit Hilfe umständlicher Schutzanzüge die Oberfläche zu betreten. In aller Eile beschließt man, eine Expedition unter der Leitung von Major Crow nach Baltimore zu entsenden. Der Weg ist gefahrvoll. Überall lauern Kannibalen und Mutanten. Aber es gibt auch auf Seiten der Bunkergesellschaft und ihrer Statthalter an der Oberfläche Spannungen. Die Letzteren würden ihre Privilegien verlieren, ein Teil des Weltrats könnte, wenn das Genmaterial sich als hilfreich herausstellt, von legendären Repräsentanten der untergegangenen USA abgelöst werden.
Ronald M. Hahn ist selbst in der dunklen Zukunft der Erde als der satirische Humorist bekannt. Oft hat er mit einer Mischung aus pointierten Kommentaren und leider auch überzogenen Plattitüden das Geschehen in der Serie kommentiert. Exzentrische Nebenfiguren eingeführt und auf ungewöhnliche Art und Weise eine dunkle Zukunft und eine überdrehte, medientechnisch außer Rand und Band geratene Gegenwart zu einem gut unterhaltenden Stoff zusammengeführt. Dabei hat er nicht selten auf logische oder stringente Plots geachtet. In seinem letzten Maddrax Hardcover „Am Tor zur Hölle“ funktionierte diese Mischung hervorragend trotz einiger handlungstechnischer Schwächen insbesondere gegen Ende des Romans. In seinem neuen Buch „Der Klon“ mit einem auffälligen und guten Titelbild von Werner Öckl harmoniert die Mischung aus spannender Handlung und satirisch- ironischen Hintergrundanmerkungen noch besser. Das liegt in erster Linie in der Tatsache begründet, dass insbesondere die die Handlung tragenden Protagonisten nuancierter und zurückhaltender charakterisiert worden sind. Wieder würfelt der Autor eine Gruppe von unterschiedlichen Protagonisten im Grunde auf einer verzweifelten Mission zusammen. Es dauert seine Zeit, bis sich die einzelnen „Helden“ auf Befehl aufeinander eingespielt haben. Darum ist es wichtig, nach einem guten Auftakt den Plot stringent zu extrapolieren und möglichst auf Ablenkungen zu verzichten. Im Gegensatz zum comicartigen „Am Tor der Hölle“ ist die Mission klar umrissen, schwierig zu bewerkstelligen. Wie in den alten Western geht es durch das feindliche Land. Anstelle der Indianer und den unwirtlichen Landschaften Alaskas, auf sich Hahn in einer Reihe seiner an Jack London angelehnten Werke bezogen hat, durchstreifen sie eine Strahlenhöhle mit für sie oft grotesken Überresten der Zivilisation. Im Gegensatz zu den Protagonisten erkennt der Leser diese letzten Zeugnisse menschlicher Arroganz natürlich auf den ersten Blick. Wenn über das gefundene Genmaterial und deren „Spender“ gesprochen wird, kann sich auch Hahn die eine oder andere sarkastische Bemerkung nicht verkneifen. Im Vergleich zu anderen seiner Bücher, in denen es im Grunde keinen Plot, sondern nur eine Aneinanderreihung von zum Teil überzogenen Szenen gegeben hat, ist dieser Ansatz nicht nur der Erfolgversprechende, sondern für den Leser der einfachere Weg. Nach einigen sehr guten und atmosphärisch überzeugenden Actionszenen nimmt sich Hahn die entsprechende Zeit, die Erkenntnisse aus der Bunkeraktion aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu analysieren. Die Protagonisten müssen erkennen, dass die gefährlichsten Feinde aus dem eigenen Lager kommen. In klassischer Heldeneposmanier eine frustrierende Erkenntnis, die unter großen Opfern gewonnen worden ist.
Im Vergleich zu seinen bisherigen Beiträgen zu den Hardcovern des Zaubermond Verlags ist „Der Klon“ Ronald M. Hahns beste Arbeit. Handlungstechnisch nicht so extrapoliert wie „Am Tor zur Höhle“, aber deutlich besser als der zu alberne überzeichnete „Dämon aus der Tiefe“. Viele gute Ansätze aus seinem ebenfalls empfehlenswerten Roman „Welt im Zwielicht“ finden sich im vorliegenden Buch wieder. Insbesondere die politischen Komponenten des im Jahre 2022 spielenden Werkes hat Hahn mehr indirekt als direkt, aber konsequent weitergeführt. Die beiden Bücher bilden zusammen eine ansprechende Lektüre insbesondere auch für bislang Maddrax Unerfahrene. Bestechend ist die dunkle, fast nihilistische Atmosphäre der Romane mit ihrer konsequenten Anti- Heldenausrichtung. Wie schon in einer Reihe von Heftromanen und Hardcovern werden einzelne Protagonisten mit sehr viel Liebe zum Detail aufgebaut, um sie dann bei einem Angriff oder durch einen Unfall umkommen lassen. Es ist so, als ob man immer wieder in großen Lettern vor Augen geführt bekommt, dass diese Endzeitserie aus der Horror - denn der klassischen Science Fiction Ecke geboren worden ist. Es ist zwar manchmal erstaunlich, wie unter diesen primitiven Umständen eine technische Zivilisation mit begrenzten Resourcen ohne deutlichere Zeichen der Degeneration funktionieren kann, aber ein gewisses Sense of Wonder muss man der gut geschriebenen Serie zugestehen. Stilistisch ansprechend ohne auf die teilweise ärgerliche Flapsigkeit der Vorgängerbände zurückzufallen ist „Der Klon“ trotz der vordergründig nicht unbedingt überraschenden Thematik und im Rahmen des gesamten Maddrax- Kosmos wenigen hervorstechenden Überraschungen eine angenehme, kurzweilige Lektüre.
Ronald M. Hahn: "Der Klon"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond Verlag 2007
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