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Ernst Vlcek, Uwe Voehl, Peter Morlar

Asche zu Asche, Stein zu Stein

rezensiert von Thomas Harbach

Mit dem inzwischen elften Buch erweitert Exposeautor Ernst Vlcek nach und nach den im „Dämonenjäger“ Universum angelegten Zyklus um die junge Hexe Coco Zamis. Stellten die ersten Hardcoverbände des Zaubermond- Verlages noch bearbeitete Nachdrucke der ursprünglichen Serie dar, finden sich jetzt jeweils drei abgeschlossene kurze Romane eingebetet in den Konflikt zwischen der Zamis-Familie und einem bislang unbekannten Gegner. Stellte der zehnte Band einen vorläufigen Höhepunkt der bisherigen Serie dar und konnte qualitativ mit Ernst Vlcek allein stehendem Coco Zamis Roman „Schreie der Ungeborenen“ mithalten, überschattet diese Sammlung ein besonders in der ersten Hälfte schwaches Expose.


„Blutige Zusammenkunft“ von Christian Montillon beschreibt das Klassentreffen von Zamis und fünf weiteren Schülern, darunter einem griechischen Werwolf, einer Sirene und einer weiteren jungen Hexe im Schloss von Coco Zamis Onkel. Zur ist diese in Wien einer Wahrsagerin begegnet, die anscheinend ohne Schwierigkeiten durch ihre Verkleidung und angenommene Rolle schauen konnte.

Christian Montillon meistert die undankbare Aufgabe eines inzwischen fast zu einem Klischee erstarrten Expose mit gewisser Bravour. Nicht zuletzt dank Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ und gelungenen Parodien wie „Eine Leiche zum Dessert“ ist die grundlegende Handlung, die den zweiten Teil des Romans ausmacht, bekannt. Dem Autoren bleibt nur die Flucht nach vorne. Gleich zu Beginn der ersten Rückblende entwickelt er aus den Vorgaben eine Reihe von fremdartigen und doch vertrauten Kreaturen. Er spielt ganz bewusst mit der Tradition – so will der junge Werwolf aus Prestigegründen nicht als Tierfresser gelten und lieber auf Menschenjagd gehen oder die taubstumme Gregor nutzt seine übernatürlichen Fähigkeiten, um die Gemächer des Schlosses Insektenfrei zu halten. Obwohl der Text im Vergleich zu den anderen Reihen wie Professor Zamorra nur halb so lang ist, zeichnet er seine diversen Charaktere mit schlüssigen, aber unterschiedlichen Charaktereigenschaften aus. Ein Hauch Perversität – der Werwolf steht auf Sex mit möglichst jungen Frauen, die eine sechzehn und das Ziel seiner Begierde – Coco – wäre gerade vierzehn Jahre alt – und eine gruselige Atmosphäre zeichnen den Text aus. Aus die Medusenfähigkeit – Menschen in Stein zu verwandeln – wird von Montillon dezent, aber effektiv eingesetzt. Das Legen von falschen Spuren gemäß der klassischen Krimitradition wird durch die eingeschränkte Zahl von Protagonisten schwierig und auch die Hinweise auf einen Täter in der Gruppe – es wird nur einer entkommen – wirken konterproduktiv. Der nicht sonderlich originelle Plot ist das enttäuschende Element der ansonsten unterhaltsamen und kurzweilig geschriebenen Geschichte.

Auch das Mittelstück – „Mittsommer- Alptraum“ stammt aus Christian Montillons Feder. Coco Zamis fährt mit ihrer Freundin und Mitüberlebenden Gwyneth zu deren Familie nach England. Neben einer debilen Familie trifft sie dort auf einen seltsamen Kult, der seine Opfer versteinert. Das scheint der rote Faden zu dem unheimlichen und im Hintergrund agierenden Feind der Zamis zu sein.

Die Handlung dieser kürzesten Geschichte der Sammlung ist sehr geradlinig. Der Autor bemüht sich, verschiedene Arten von Bösewichten zu etablieren. Einmal die offensichtlichen Helfershelfer, mit denen sich Coco öfter rumärgern muss, um dann den Zorn der Hintermänner oder mächtigeren Verwandten zu provozieren. In diesem Fall wirkt die aus zwei Brüdern und einer herrschsüchtigen Schwester bestehende kleingeistige Dorfbande eher lächerlich. Es kommt selten Gefahr auf und wenn Christian Montillon den Witz mit dem Bier und dem „Ich komme gleich wieder“ strapaziert, dann wirkt es eher einfallslos als spannend und originell. Dem Spannungsbogen hätten verschlagene, intelligente Gegner, hinter denen sich eine noch größere Gefahr verbirgt, sicherlich besser getan. Das Ende der Geschichte überschlägt sich fast: mit dem Druidenfest, der nicht standesgemäßen Hochzeit Gwyneth und dem Aftershowdown Schock integriert der Autor zu viele Komponenten, die eigenständig und mit mehr Raum effektiver gewirkt hätten. Insbesondere aus der Flugzeugszene wird im Grunde nichts wirklich Gutes gemacht. Coco kann ihre Kräfte nutzen, die Piloten sind gut und die Maschine landet trotz aller Schwierigkeiten in Wien. Die eigentliche Überraschung für den Leser ist wahrscheinlich die Tatsache, dass nicht mehr passiert. Christian Montillon bemüht sich, die archaischen Traditionen mit einer kurzweiligen und leider wieder kurzlebigen Handlung zu verbinden. Bis auf die langsam an Konturen gewinnende Gwyneth findet sich kein Charakter, der entweder sonderlich sympathisch oder abstoßend genug ist, um mit seinem/ihrem Schicksal mitzufiebern. Die größte Schwierigkeit des Autoren liegt in der Tatsache begründet, ein Mittelstück des Buches schreiben zu müssen. Uwe Voehl hat in diesem Fall die dankbarere Aufgabe, das Ende der Geschichte, wenn auch nicht das Ende der Konfrontation mit dem unbekannten Feind schreiben zu dürfen. Dadurch hält er die Zügel nach der gelungenen Exposition Montillons im ersten Teil des Bandes in der Hand.

Uwe Voehls Titel gebender Teil „Asche zu Asche, Stein zu Stein“ beschreibt die Eskalation der Konfrontation mit dem unbekannten Widersacher. Die einzige Unterstützung für die Familie Zamis kommt aus Lateinamerika. Ein verwesende Rindsteaks goutierender Onkel. Das verführt zu einem einsamen humoristischen Höhepunkt: um auf Erkundungstour zu gehen lässt Coco Zamis ihn ihm Tropenhaus des Zoos zurück! Die Einführung dieser eher belanglosen Figur dauert zu lange. Uwe Voehl versucht am Ende des Romans die beiden Showdowns – einmal auf dem Jahrmarkt und dann die dämonische Orgie auf dem Botschafterempfang, sowie die steinernen Folgen für die Stadt Wien – spannend, kompakt und eher wie im Zeitraffer ablaufen zu lassen. Zumindest mit der auf dem Jahrmarkt spielenden Szene gelingt es ihm, eine bedrohliche und unheimliche Atmosphäre mit einem soliden Spannungsbogen zu verbinden. Das die Zamis sich fast der Lächerlichkeit preisgeben, ist die eigentliche Überraschung dieses Handlungsabschnitts. Auch der Dämonenball in der Botschaft fängt sehr gut an. Hier bemüht sich Voehl, eine gewisse laszive perverse Stimmung zu erzeugen, um die sich anschließenden Ereignisse effektiver und interessanter beschreiben zu können. Allerdings wirken die Auflösung und die daraus folgende Versteinerung der Stadt zu hektisch beschrieben. Cocos Marsch in den Keller beherbergt alle Klischees der Agentenfilme und hätte durchaus origineller in Szene gesetzt werden können. Mit dem allzu offenen Ende – der interessanteste Teil des Buches – wird die Erwartungshaltung der Leser hoch gesetzt. So reizvoll das Scheingefecht und die falschen Spuren auch sein können, es wird an der Zeit, diesen Handlungsstrang effektiver zu strafen und zu einem Ende zu führen. Zu oft beweint die Zamis Familie, dass Toth gegen die Regeln verstößt und sie ihn zum wiederholten Mal mahnen, anklagen oder mundtot machen wollen. Da der Roman mit einer Begegnung Zamis- Toth, die zu nichts führt, eröffnet wird, nutzt sich die Widerholung der Argumente sehr schnell ab. Interessant wäre es, die Manipulationen Asmodis auf einer breiteren Ebene zu behandeln und die Schwarzen Familien entweder zu teilen oder zumindest eine gewisse Opposition mit eigenen Interessen einzuflechten. Die Alternative könnten stetige Rückzugsgefechte der Zamis sein. Da anscheinend Coco das einzige Mitglied dieser Familie mit bodenständiger Welterfahrung ist, könnten sie kurzfristig die Leistung der restlichen Clanmitglieder – also der Handvoll im wahrsten Sinne des Wortes – übernehmen. Zwar wird immer wieder auf inzwischen vertraute Figuren zurückgriffen, aber erstens kommen diese oft nicht über Gastauftritte hinaus und zweitens wirken sie zumindest in diesem Band eher als Stichwortgeber. In Bezug auf den Hintergrund sind die in Wien spielenden Szenen für Ernst Vlcek ein Heimspiel. Wie schon in seinen eigenen Geschichten gelingt es ihm, die Praterstadt in ein unheimliches und unheilvolles Licht zu tauchen. Später verwandelt er sie sogar in Stein. Die Auswirkungen auf die folgenden Bänden werden interessant sein.

„Asche zu Asche, Stein zu Stein“ ist eine unterhaltsame Mischung. Die Texte lesen sich sehr angenehm, wenn auch ein wenig holprig in Bezug auf den kontinuierlichen Handlungsausbau. Im Gegensatz zu aufrüttelnden zehnten Band – dessen Plot mit der Geburt eines Dämonenkindes allerdings auch Schwächen aufwies – kommen die hier erzählten Geschichten atmosphärisch überwiegend dicht und interessant, doch nicht sonderlich vielschichtig daher. Sehr zielstrebig fügt sich das Medusen- Element in die Ausgangsposition ein. Hier hätte die Exposeredaktion durchaus einige weitere Wendungen und falsche Spuren legen können. Sympathieträger bleibt weiterhin die sich auch in ihren Fähigkeiten entwickelnde Coco Zamis. Sie bemüht sich immer mehr um Aktionen als Reaktionen auf die kommenden Ereignisse. Es wäre schön, wenn diese vorbildliche charakterliche Weiterentwicklung auch auf andere Figuren der Handlung übergreifen könnte und wenn die Autoren vielleicht ein oder zwei vielschichtige Protagonisten über mehr als einen Teilband hinaus am einsamen Kampf der Zamis gegen böse Mächte und Verräter teilnehmen ließen.

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Ernst Vlcek, Uwe Voehl, Peter Morlar: "Asche zu Asche, Stein zu Stein"
Roman, Softcover, 352 Seiten
Zaubermond 2005

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