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Uwe Voehl, Catalina Corvo, Logan Dee

Das haus Zamis 30:
Das Femegericht

rezensiert von Thomas Harbach

Mit Band 30 ist aus der Reihe "Coco Zamis - Abenteuer einer jungen Hexe" "Das Haus Zamis" geworden. In Bezug auf den laufenden Zyklus tritt der neue, etwas sperrige Titel zu. Exposeautor Uwe Voehl, Catalina Corvo und Logan Dee kümmern sich nicht nur weiter um das Schicksal der von Asmodi gejagten Zamis, die sich in England verstecken, sondern greifen in einer sehr gut angelegten Vergangenheitshandlung auf die Ursprünge der Zamis Familie mit dem Hexenjäger Matthew Zamis zurück, der aufgrund seiner schrecklichen Taten seine Tochter verloren hat. Zeitweise laufen insbesondere in Catalina Corvos Romanteil "Der Hexengeneral" - es ist kein Zufall, dass der Leser unwillkürlich an Vincent Price in "The Witchfinder General" denkt - vier Handlungsbögen parallel zueinander ab. Die Autorin hat diese einzelnen Ebenen sehr gut von einander getrennt, aber auch an entscheidenden Stellen miteinander verknüpft. Ausgangspunkt ist die Flucht der Zamis nach England.
Zusammen mit ihrer Mutter, ihrer Schwester, ihrem verunstalteten Vater sowie ihrem Bruder versteckt sich Coco Zamis in einer kleinen Landherberge. In den dreißiger Jahren hat die Schwester der Herbergsbetreiberin Thekla Zamis zu einer Hexe ausgebildet. Diese Ereignisse sind in einem der voran gegangenen Abenteuer beschrieben worden. Aber die Idylle täuscht. Ein Kult macht Jagd auf Hexen und sucht sich Coco Zamis Schwester aus, die nach einem Techtelmechtel mit einem örtlichen Schönling in deren Gefangenschaft gerät.
Adalmar Zamis soll in Brüssel die Feinde beobachten. Dabei schaut er zu, wie eine junge Verwandte einer dunklen Familie verkauft und potentiell geopfert werden soll. Eher aus Neugierde denn Mitleid befreit er die junge Frau. Er ahnt nicht, dass er dadurch seine bislang nur notdürftig getarnte Beobachterposition gänzlich aufgibt.

Die beiden Vergangenheitsebenen spielen Mitte des 17. und schließlich auch Mitte des 19. Jahrhunderts. Der schon angesprochene Matthew Zamis ist ein grausamer, im Namen des Herren agierender Hexenjäger. Mittels Folter erzwingt er wahrscheinlich falsche Geständnisse und hängt die verurteilten Hexen auf. Als eine Kräuterfee während der Folter seine sechzehn Jahre alte Tochter der Unzucht mit Asmodi beschuldigt, kann er sich nicht wehren. Nur kurze Zeit kann er ihre Hinrichtung aufschieben. Nach ihrem Tod wird Matthew Zamis zu einem gnadenlosen Vollstrecker, er agiert immer am Rande des Irrsinns. Später machen Uwe Voehl und Catalina Corvo aus Matthew Zamis eine Art fliegenden Holländer der Hexenjäger, der seinem Schicksal nicht entkommen kann. In der gleichen Zeit beschreibt die Autorin die Qualen der jungen Jane, die unter regelmäßigen Verwandlungen ihres Körpers leidet. Als sie sich in ihrer Not an einen bekannten Hexer wendet, will dieser sie während der nächsten Verwandlung untersuchen und ihr "Elixier" aus ihrem Körper ziehen.
Obwohl die Matthew Zamis Vergangenheitsebene zwischen alt bekannten Folterszenarien und den notpeinlichen Befragungen hin und her schwankt, ohne dieser neue Impulse zu geben, fängt sie den Leser aufgrund der Tatsache ein, dass er wieder ein Stückchen mehr über die Familie der Zamis erfährt. Matthew Zamis ist anscheinend der Letzte der Normalsterblichen, der zwar gegen das verführerische Böse in jeglicher Form vorgeht, ihm aber auch aufgrund seiner dominierenden Art und dem Sadismus, der mit seiner Berufung einhergeht, relativ schnell verfällt. Vielleicht hätte die Figur noch ein wenig dominanter beschrieben werden müssen, um gänzlich zu überzeugen. Aber Matthew Zamis bildet einen interessanten Ausgangspunkt dieser Ahnengalerie, während Janes tragisches Schicksal ein wenig zu sehr in den Hintergrund gedrängt wird. Das Zusammenlaufen der beiden Vergangenheitsebenen im Haus des örtlichen Hexers ist dagegen dramaturgisch überzeugend beschrieben und bildet eine interessante Ausgangsbasis für Logan Dee darauf aufbauenden Teilroman.

Weite Teile der Gegenwartsebene dienen in erster Linie als Vorbereitung hinsichtlich des auf Matthew Zamis Handlungen aufbauenden und in der Stadt agierenden Kultes, der sein Unwesen an der ehemaligen Hinrichtungsstelle treibt. Mit dem örtlichen Doktor, der Coco Zamis vor einer Vergewaltigung durch eine Handvoll betrunkener wie anscheinend auch verheirateter Männer hinter dem örtlichen Pub rettet, fügt die Autorin eine ausgesprochen ambivalente Figur hinzu, deren freundliches Wesen zu aufgesetzt denn real erscheint. Thekla versucht mit brachialer Gewalt an bestimmte Geheimnisse ihrer Gastgeberin zu kommen, wobei ihre wenig subtile Vorgehensweise ein wenig zu aufgesetzt und hinsichtlich der Idee, sich dort zu verstecken, zu übertrieben erscheint. Adalmars Handlungsebene ist vernachlässigbar. Hier werden in erster Linie vage Spuren ausgelegt und angedeutet, die in den folgenden Romanen mehr im Fokus stehen.

Catalina Corvos Plotteil endet mit einer überraschenden Pointe, deren Faden Logan Dee auf Umwegen und zweihundert Jahre vorher im 17. Jahrhundert beginnend wieder aufnimmt. Dabei orientieren sich Uwe Voehl und Logan Dee an Filmen wie „The Hellfire Club“, der das zügellose und rechtslose Verhalten der örtlichen Adligen hintergründig aufarbeitete. Im Gegensatz zum Kino der sechziger Jahre kann der Schriftsteller im 21. Jahrhundert diese berühmten Schritte weitergehen. Dabei geht Uwe Voehl in seinem kurzen, aber prägnanten Nachwort noch auf die historischen Vorbilder eines weiteren Zamis ein: Francis Zamis. Francis Zamis ist ein Rakehell. Ein Adliger, der von seinen Untergebenen, den ihm „anvertrauten“ bzw. ihm gehörenden Bauern und Kleinstädtern Gottesfurcht und Obrigkeitsliebe, Ehrlichkeit und harte Arbeit eingefordert hat, während er selbst mit seinen Kumpanen ausschweifend dekadent gelebt, hübsche Frauen als persönliches Eigentum betrachtet und ein Leben mit Alkohol und Drogen verbracht hat. Als diese Sünden fließen in die erste Hälfte des Buches ein. Logan Dee beschreibt in „Das Femegericht“ einige Aktionen Francis Zamis und seine Kumpane, denen eine attraktive Dirne zum Opfer fällt. Der sadistische Sex sprengt die bislang in der Serie präsentierten Grenzen und wirkt weniger provokant denn abstoßend. Logan Dee wirft sein schriftstellerisches Gewicht in die ausgleichende Waage dieses Doppelromans. Während Matthew Zamis im Namen Gottes – egal wie pervertiert diese Vorstellung auch sein mag – die Hexen folterte und schließlich hinrichtete, errichtete Matthew Zamis in seinem Namen eine Art gesetzliche Freihandelszone, in der er Ankläger, Richter und Vollstrecker zu gleich ist. Beide Romanteile zeigen, wie wenig das Leben eines einfachen Menschen ohne auch den Einfluss der schwarzen Familien im 17. bis. 19. Jahrhundert wert gewesen ist und wie leicht ganze Familienexistenzen aus einer Laune heraus zerstört worden sind. Beide Teilromane funktionieren ohne die punktuell eingesetzten übernatürlichen Elemente ebenfalls ausgesprochen gut. Neben dem sehr gut recherchierten und farbenprächtig beschriebenen Hintergrund sind es vor allem die beiden Zamis, welche die Szenerie beherrschen, während insbesondere bei „Das Femegericht“ die Gegenwartshandlung ausgesprochen langsam in die Gänge kommt.

Das ändert sich in der zweiten Hälfte des Logan Dee Romans, wenn der Autor die einzelnen Handlungsstränge solide, aber auch ein wenig vorhersehbar zusammenführt und zumindest einen Teil der Leserfragen zu beantworten sucht. Wie in den letzten Bänden lenken Voehl, Corvo und Dee die Aufmerksamkeit von Coco Zamis ab, die nicht mehr im aktiv oder passiv Mittelpunkt der Handlung steht, sondern nur auf die Geschehnisse reagieren kann. Weiterhin verzichtet Logan Dee auf einige Wiederholungen wie die versuchte Vergewaltigung und den attraktiven Retter in letzter Sekunde, der natürlich ein dunkleres Geheimnis mit sich herum trägt. Logan Dee hat es dieses Mal sehr viel leichter, die verschiedenen Fäden nicht nur aufzunehmen und zu beenden, sondern vor allem mit Francis Zamis über einen „eigenen“ charismatischen wie durchtriebenen Charakter zu verfügen, den der Autor überdurchschnittlich lebendig beschreibt. Er ist die dominierende Figur der Handlung.
Als Brückenschlag zu den nächsten Romanen kehrt die Handlung nicht in die Gegenwart zurück, sondern verharrt in den dreißiger Jahren, als die noch in der Ausbildung befindliche Thekla zum ersten Mal ihren zukünftigen Mann erblickt.
Sowohl Uwe Voehl als auch Catalina Corvo wie auch Logan Dee lassen insbesondere das 19. Jahrhundert sehr überzeugend, teilweise ein wenig hintergründig vor dem Leser entstehen. Diese in die Handlung geschickt verwobenen Beschreibungen sind nicht nur die stärksten Passagen des vorliegenden Romans, sondern im Rahmen der „Coco Zamis“ seit den in den Anfängen des nationalsozialistischen Terrors spielenden Geschichten. Die Grundidee, die Zamis als Generationen umfassenden Clan im Grunde Schritt für Schritt in einer in der Gegenwart allerdings teilweise gehemmt wirkenden Handlung vorzustellen, belebt die Abenteuer einer jungen Hexe und erweitert den „Dorian Hunter“ Kosmos wie im vorliegenden Doppelband sehr empfehlenswert bewiesen auf einem ansprechenden Niveau.

Uwe Voehl, Catalina Corvo, Logan Dee: "Das haus Zamis 30: Das Femegericht"
Roman, Softcover, 212 Seiten
Zaubermond 2012

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