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Michael M. Thurner & Catalina Corvos

Coco Zamis 21:
Der teuflische Derwisch

rezensiert von Thomas Harbach

Nach einer Idee von Uwe Voehl schreiben Michael M. Thurner – eine sehr gute Wahl, da Thurner ebenso wie Ernst Vlcek das „Lebensgefühl“ Wiens sehr überzeugend und sehr plastisch beschreibt – und Catalina Corvo Michael Zamis Kampf gegen Asmodis weiter und vervollständigen gleichzeitig auf einer zweiten Handlungsebene den bislang eher angedeuteten Hintergrund der Zamis- Familie.

Dabei verfugen sich Thurners Kurzroman „Der teuflische Derwisch“ und Catalina Corvos Arbeit „999“ sehr gut miteinander. Die Gegenwartsebene zeigt Thekla Zamis Reise zu den Oppositionsdämonen. Allerdings im Auftrag ihres Vaters Asmodis. Der Weg führt zuerst in die Türkei, wo sich die stolze Thekla zahlreichen Demütigungen durch den Titel gebenden Derwisch unterwerfen muss. Diese Rituale sollen die eigentlichen Oppositionsdämonen neugierig machen und heranlocken. Im Vergleich zu den in der Vergangenheit spielenden Handlungsbögen kommt die Gegenwartsebene etwas zu kurz. Die türkischen dunklen Mächte werden aber grotesk und fremdartig genug beschrieben, um die Neugierde des Lesers aufrechtzuerhalten. Erst in Catalina Corvos „999“ nimmt dieser Spannungsbogen Fahrt auf und wird deutlich interessanter. Das liegt sicherlich auch in der Tatsache begründet, das Michael Zamis seine Frau jetzt unter allen Umständen wieder zurückholen möchte und Coco Zamis nach Deutschland geschickt wird, um einem alten Feind aus der Vergangenheit zu begegnen, mit dem ihr Bruder Georg schon Erfahrungen gemacht hat. Die beiden Autoren wecken in ihren Figuren insbesondere am Ende des sich zügig entwickelnden Plots ausreichend Zweifel, um zumindest vordergründig eine neue Front entstehen zu lassen. Ob sich die Verdachtsmomente erhärten oder alles zu einem komplexen Plan gehört, bleibt positiv gesprochen offen und vertieft rückblickend auf den gelesenen Roman den bislang offen gelegten Plot. Vor allem durchbrechen die Autoren mit der vorliegenden Arbeit die zu starre Struktur der letzten Bände und präsentieren einen deutlich mehr abgerundeten Roman.

Im Gegensatz zur Gegenwartsebene, die in erster Linie aus Reaktionen auf die Ereignisse aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts zu verstehen ist, funktionieren die beiden langen Passagen, die im Wien der Jahre 1937 und 1938 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs spielen, sehr viel besser. Wenn Georg Zamis die Kriegsdämonen sieht, die sich unmittelbar vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sammeln oder Teile von Hitlers Rede zum Angriff auf Polen in die Handlung integriert werden, beschleicht den Leser ein fast greifbares Unbehagen. Angesichts der realen historischen Schrecken ist es nicht leicht, eine phantastisch- mystische Gruselgeschichte zu erzählen. Eingerahmt wird der erste historische Abschnitt durch ein familiäres Gespräch zwischen Tochter Coco Zamis und ihrem Vater Michael. In diesem berichtet er seiner Tochter von der ersten Auseinandersetzung mit Asmodis Häschern während seiner Machtübernahme in Wien. Die Dualität von Zamis wachsendem Einfluss parallel zum Aufflammen des Nationalsozialismus ist vielleicht für eine Metapher zu schwach, wird aber von Thurner zufrieden stellend ohne in all zu gruselige Details zu gehen erzählt. Die dekadenten Partys auch für wenige eingeladene Menschen erinnern an die Übertreibungen der amerikanischen „Weird Tales“ Comics aus den fünfziger Jahren. Ein zweiter wichtiger und wahrscheinlich auf die Folgeromane übergreifender Aspekt dieser Rückschau ist die erste Begegnung mit Coco Zamis Mutter und Asmodis Tochter Thekla. Dabei macht es Michael M. Thurner sichtlich Spass, Michael Zamis erst als arroganten Macho mit seinem übertrieben dämonischen Gehabe und seiner zügellosen Vergnügungssucht zu beschreiben, der plötzlich an die Grenzen seiner übernatürlichen Macht zu stoßen droht. Die attraktive Thekla unterliegt nicht seinem Charme und seinen erotischen Avancen, sondern beginnt sehr früh emotionslos ihre Pläne zu machen, bei denen er Bestandteil, aber nicht Katalysator ist. Im Grunde verbünden sich Michael Zamis und Thekla schließlich eher in Form einer Zweckgemeinschaft als das sie den Bund der Ehe eingehen. Der Leser gewinnt aber einen guten Eindruck von beiden in der Serie bislang eher eindimensional entwickelten Figuren. Erstaunlich ist, das Michael Zamis überspitzt „heute“ die gleichen Fehler macht wie vor knapp siebzig Jahren. Mit einem guten Auge für die zahlreichen dunklen Details der österreichischen Hauptstadt entwickelt Michael M. Thurner eine solide, sehr unterhaltsame Geschichte, die schließlich in zwei Duellen auf dem historischen Bluthügel ihren Höhepunkt findet. Während Michael Zamis noch um alles Politische in dem nach Widervereinigung mit dem Nazireich lechzenden Österreich einen sehr großen Bogen macht, zeigt Catalina Corvos im zweiten großen Vergangenheitsabschnitt auf, wie stark sich das politische Klima kein Jahr später verändert hat. Dabei handelt es sich bei den Opportunisten nicht nur um Menschen aus Fleisch und Blut. Wenn am Ende des Buches zumindest kurzzeitig der Eindruck erweckt wird, das die Schreckensherrschaft der Gestapo schlimmer ist als die der Dämonen, hat die Autorin ihr Ziel erreicht.

In der ersten Hälfte dieses zweiten historischen Handlungsbogens konzentriert sich die Autorin sicherlich ungewöhnlich auf die zarten Bande zwischen Georg Zamis und der schönen Lea. Es ist schon erstaunlich, Georg Zamis derartig unbedarft bis schüchtern zu erleben. In welchem Zusammenhang die Ereignisse um das Monster „999“ mit der Gegenwart stehen, wird erst auf den letzten Seiten aufgelöst. Auf jeden Fall werden die Motive der Frankensteinlegende interessant in den Horrorkosmos übertragen. Dabei belässt es Catalina Corvos bei fast surrealistisch oberflächlichen Beschreibungen und die Liebesgeschichte endet auf einer melancholischen, aber sehr konsequenten Note.

Michael Thurner hatte ein sichtliches Vergnügen, sowohl Georgs Vater als Opfer einer sorgsam gesponnenen, rückblickend für sein zukünftiges Leben aber positiv erscheinenden Intrige zu beschreiben, während Catalina Corvos Georg Zamis Feinde mit sadistischen Vergnügen den Finger in dessen Wunde legen. Während Coco Zamis bislang immer das „menschlichste“ Mitglied der schwarzen Familie gewesen ist, bekommen Michael und Georg Zamis zumindest für einen Augenblick ähnliche Züge. Das wirkt ein wenig gewöhnungsbedürftig, wird aber von den beiden Autoren sehr überzeugend gelöst. Ohne allzu kitschig zu werden, zeigen Michael Thurner und Catalina Corvos zwei sehr unterschiedliche „Romanzen“. Plottechnisch muss zwar wieder Coco Zamis die Eisen aus dem Feuer holen, aber die Werkzeuge der Feinde sind dieses Mal subtiler und effektiver. Sowohl die Gegenwartsepisode als auch der erste lange Vergangenheitsbogen rücken vor allem Thekla Zamis in ein anderes Licht, was teilweise zumindest in der bisher präsentierten Form ein bisschen der Gegenwartshandlung widerspricht. Während sie dort Asmodis Auftrag teilweise gegen den eigenen Willen (?) und vor allem auch die eigene Überzeugung ausführt, ist sie in der Vergangenheit das dominierende Element, das teilweise Michael Zamis Probleme auf kurzem Dienstweg und wahrscheinlich etwas unorthodox löst. Ihr Charakter ist auf beiden Zeitebenen nicht ganz einheitlich beschrieben worden. Sollte sich das alles als geschickte Täuschung herausstellen, haben die Autoren zumindest in einzelnen Passagen die Einstellung Thekla Zamis geschickt „vertuscht“ bzw. die Leser ein wenig manipuliert. Die letzten Seiten deuten zumindest in diese Richtung und es bleibt abzuwarten, ob die Auflösung wirklich in sich lgoisch ist. Vielleicht hätte dieser überdurchschnittliche Roman in der Gegenwartsebene von einer noch mehr entschlossenen Thekal Zamis profitieren können. Insbesondere bei den ersten Begegnungen zwischen den türkischen Dämonen mit ihren exotischen wie grotesken Ritualen sowie Thekla Zamis wirkt letztere zu stark wie eine Kopie Coco Zamis, die im Verlaufe der Serie mehr als einmal ähnliche Situationen zu überstehen hatte. Diese Vorgehensweise widerspricht den Erkenntnissen Georg und Michael Zamis am Ende des vorliegenden Romans. Unabhängig von diesem noch zu beweisenden Widerspruch ist „Der teuflische Derwisch“ eine sehr gute Fortsetzung der in „Biikebrennen“ begonnenen ansprechenden, sowie deutlich originelleren und vielschichtigeren Handlung. Im Gegensatz zum zwanzigsten „Coco Zamis“ Abenteuer sind im Band die beiden Romanhälften qualitativ gleich stark, wobei Michael M. Thurner bzgl. des heimatlichen Wiener Flairs atmosphärisch einen kleinen Vorsprung hat.

Michael M. Thurner & Catalina Corvos: "Coco Zamis 21: Der teuflische Derwisch "
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond Verlag 2010

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