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Logan Dee und Catalina Corvo

Coco Zamis 19 - Hexenwahn

rezensiert von Thomas Harbach

Unter der Führung von Uwe Voehl mit den beiden Autoren Logan Dee und Catalina Corvo geht Michael Zamis Kampf um neue Verbündete gegen Asmodis weiter. Am Ende des achtzehnten Abenteuers haben die Oppositionsdämonen Coco Zamis als ihre Verbündete anerkannt und mit einem magischen Permit ausgestattet. Die Tätowierung zeigt einen doppelgesichtigen Adler. Michael Zamis ahnt zunächst nichts von der Bevorzugung seiner Tochter. Als er schließlich die Tätowierung erblickt, ist er außer sich vor Wut und verbannt Coco zum wiederholten Male aus der Stadt. Uwe Voehls Story windet sich in diesem Punkt zum wiederholten Male im Verlaufe der “Coco Zamis” Reihe um die eigene Achse. Inzwischen müsste selbst Michael Zamis erkannt haben, das die junge Hexe eine besondere Verbündete ist. Anstatt diesen Punkt im Verlaufe der jetzt vorliegenden Romane weiter zu entwickeln, verfallen die Autoren inklusiv der Exposeredaktion zu leicht in die “Klischees” einer Heftromanreihe. Der Leser hat insbesondere auf der ersten Handlungsebene des vorliegenden Romans das Gefühl, sich in einem Zeitfeld zu befinden, das sich endlos langsam bewegt. Nicht das “Hexenwahn” ein schlecht geschriebener oder nicht unterhaltener Roman ist, aber es bewegt sich im Gesamtkonzept zu wenig. Wieder wird ein Plan ausgeheckt, der Michael Zamis Reputation schaden soll. Die Vergangenheit greift nach Michael Zamis und erst in letzter Sekunde kann Coco Zamis dank ihres entschlossenen, aber ebenfalls zum wiederholten Male nicht gewürdigten Eingreifens in letzter Sekunde die Familie vorläufig retten. Diese Handlungsebene läuft zu mechanisch ab und im Gegensatz zu ihrem Debüt im letzten “Coco Zamis” Abenteuer wirkt auch Catalina Corovs Stil zu schwerfällig, die Dialoge ein wenig steif und insbesondere beim Auftakt werden unnötigerweise eine Reihe von Klischees bemüht. Die Erotik dieser Sequenz wirkt gekünstelt. Während die Autorin mit der Gegenwartsebene überraschende Schwierigkeiten hat, gelingt ihr der Sprung in die Vergangenheit deutlich effektiver. Der Leser hat inzwischen positiv gesprochen den Eindruck, als suche Uwe Voehl Lücken im “Coco Zamis” Universum zu füllen und gleichzeitig die Stadt Wien weiter mit dunklen Mächten zu beleben. 1917 kehrte Michael Zamis nach seinem Sieg über Rasputin - eine der interessantesten Facetten des Buches - nach Wien zurück, um den damaligen Anführer der schwarzen Familie Anubis von Graab zu besiegen. In eindrucksvollen, sprachlich gut umgesetzten Bildern beschreibt die Autorin das Elend dieses vorletzten Kriegsjahres. Vor dieser geisterhaften Kulisse feiern die dunklen Mächten - in diesem Fall die Ghouls - ihre immer stärker werdende Macht. Der Rückblick ermöglicht es auch Uwe Voehl, Michael Zamis in einem anderen Licht als nur egoistischer und leider nicht selten arrogant handelnder Familienvater mit einem Herz aus Stein erscheinen zu lassen. Im Vergleich zu den Gegenwartsszenen kommen die Rückblicke fast zu kurz und der “Coco Zamis” Serie hätte es gut getan, einmal einen Roman zu präsentieren, der auch aufbautechnisch einfach aus der Rolle tanzt und auf die im vorliegenden Band eher blasse und teilweise stereotyp an einen “Alias” Verschnitt erinnernde Coco Zamis außen vor zu lassen. Warum nicht einmal einen ganzen Roman in der Vergangenheit spielen lassen? Insbesondere die “Dämonenkiller” Romane haben sich durch ihre fundiert recherchierten historischen Hintergründe ausgezeichnet. Im Gegensatz zu Michael Zamis ahnt der Leser dank dieser verschachtelten Struktur zu schnell die Zusammenhänge.
Sehr viel schwächer - sowohl hinsichtlich des Exposes als auch vom Autoren her - ist der zweite Teil des Doppelbands “Die 13 ist dein Tod”. Mit der Idee, auf den dritten Teil zu verzichten, die Bände umfangtechnisch handlicher zu machen und damit auch für den Leser erschwinglicher ging die einzigartige und in den besten Bänden der Serie souverän aufgebaute Fugenstruktur verloren. Erst im letzten dritten Teil konnte der Leser die Zusammenhänge ahnen und was mehr als einmal überrascht, wie gut alles arrangiert worden ist. Zu Beginn des Buches verschwindet Coco Zamis Bruder, den die Hexe zu suchen beginnt. Wieder erfährt der Leser in die Parallelhandlung Ereignisse aus Michael Zamis Leben. Inzwischen sind wir im Jahre 1932 angekommen und Michael Zamis versucht sich an der Beschwörung eines Höllen- Herzogs. Sicherlich keine schlechte Idee angesichts der drohenden braunen Gefahr. Ihm zur Seite stehen eher als Bauernopfer die Mitglieder eines Zigeunerclans. Coco Zamis ist passend durch die Zeit gereist und nimmt plötzlich auf der Seite der Opfer an der Beschwörung teil. Die Sitzung endet natürlich in einer Katastrophe, der Höllen- Herzog nimmt Rache an seinen Beschwörern und nur einer - der Leser braucht nicht lange zu fragen, wer - kann entkommen. Aber wie die Ghoule im ersten Teile beginnen die Geister ihn zu suchen. Die Verbindung zu den Oppositionsdämonen ist die Gestalt, in welcher der Höllen- Herzog aufgetreten ist: ein doppelköpfiger Adler, wie Coco Zamis Tätowierung. Auch hier gilt wie im ersten Teil, dass Coco Zamis Präsenz zwar eine Brücke zum Leser schlägt und insbesondere die Beschwörung in einer inzestuösen Orgie zu enden droht, sich die Beteiligung der jungen Hexe aber auch negativ auf den Handlungsverlauf auswirkt. Der Leser weiß ja, das Coco Zamis nicht sterben kann, bzw. erst im möglicherweise letzten Band der Serie vorläufig zur Seite geschafft wird. Noch stärker als in den vorangegangenen Teilromanen leidet “Die 13 ist dein Tod” - ein Titel, der eher an “Jerry Cotton” erinnert - das vorliegende Werk unter einem vorhersehbaren Schema. Die Vergangenheit wird überzeugend beschrieben und die Verbindung zwischen historischem Schrecken - insbesondere dem Schicksal der Zigeuner im Dritten Reich - und übernatürlichen Erscheinungen funktioniert. Wahrscheinlich wird in den folgenden Bänden die Chronik Michael Zamis weiter geschrieben. Allerdings sollten die Autoren inklusiv Uwe Voehl ihm auch das Recht auf eine eigene Persönlichkeit und noch wichtiger eine eigene Geschichte zugestehen. Vielleicht könnte über diese Idee auch die Vater/ Tochter Verbindung gestärkt werden. Der Cliffhangar, in dem Coco Zamis wieder zu einem wichtigen Baustein in Michael Zamis Vernichtung wird, lässt nichts Gutes hoffen. Die Fokussierung auf die im vorliegenden Roman nur durch plumpe Erotik, aber kein leidenschaftliches Feuer auffallenden jungen Hexe ist zu stark und sollte im Verlaufe der Chroniken des Michael Zamis deutlich reduziert werden. Eine leichte Veränderung der Perspektive könnte insbesondere in den Vergangenheitsszenen die Spannungsbögen deutlich verstärken und die plastischen, dreidimensionalen und sehr überzeugenden Hintergrundbeschränken effektiv ergänzen. “Hexenwahn” ist ein solide geschriebener, im Gesamtzyklus aber nur durch die in der Vergangenheit spielende Handlungsebene herauszuhebender Roman. Im Gegensatz zu den vorangegangenen Büchern findet der Leser keine grenzwertigen sadomasochistischen Gewaltexzesse, die Antagonisten sind ein wenig blutleer - ich bitte das Wortspiel zu entschuldigen - beschrieben und die von ihnen ausgehende Gefahr wirkt ein wenig zu sehr konstruiert.

Logan Dee und Catalina Corvo: "Coco Zamis 19 - Hexenwahn"
Roman, Hardcover, 252 Seiten
Zaubermond- Verlag 2009

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