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rezensiert von Thomas Harbach
Im vorliegenden neunten Band der „Chroniken des Star Corps“ geht Alfred Bekker nicht nur weiter auf den offenen Konflikt zwischen den Kridan und den Menschen ein, geschickt wählt er eine andere Perspektive und lässt den Roman überwiegend – leider nicht ganz – aus der Sicht ein Kridans erzählen. Und zwar nicht nur in Berichtsform, sondern Sun Tarin berichtet rückblickend mit der Erfahrung aus seiner Dienstzeit an Bord der STERNENFAUST von seinen ersten kriegerischen Begegnungen mit den Menschen. Diese beruhen zum Teil auf Missverständnissen und falschen Informationen.
Die Idee, die Begegnung zwischen Menschen und Kridan und deren erste Gefechte aus einer gänzlich anderen Perspektive zu erzählen, ist grundsätzlich gelungen. Im Rahmen insbesondere der ZAUBERMOND- Hardcover gehörten die Schilderung exotischer Welten und fremder Rassen immer zu den Stärken Alfred Bekkers. Um seinem „Bericht“ mehr Authentizität zu verleihen, greift der Autor auch auf Zitate verschiedener fiktiver Gelehrter zurück. Der Leser verfolgt die frühe Raumfahrerkarriere Sun Tarins, der eigentlich zu den Elitetruppen wechseln wollte, aber von seiner Familie an diesem Vorhaben gehindert worden ist. Eher gegen den eigenen Willen zu den Raumstreitkräften versetzt erlebt Sun Tarin insbesondere im Konflikt mit den Menschen natürlich Tragödien wie auch Triumphe. Aus der Entfernung seiner späteren Erfahrungen kann er diese besser einschätzen. Diese Distanz trennt allerdings den Leser auch vom Geschehen ab und stellenweise hat man das Gefühl, als fehle dem vorliegenden Roman ein roter Faden, eine stringente Handlung, an welcher das auch historische Geschehen besser aufgehängt werden könnte. Die Berichtsform an sich ist im Grunde zu trocken, auch wenn der Leser zusammen mit Sun Tarin in dessen Erinnerungen eintaucht. Da man weiß, das diese Figur das Geschehen überleben wird, fehlt den Raumschlachten und Auseinandersetzungen eine innere Dynamik. Wahrscheinlich hätte es dem Roman gut getan, wenn Sun Tarin Aufzeichnungen anderer Kridan gefunden und zu einem von ihm kommentierten Bericht zusammengefasst hätte. Unabhängig von dieser Schwäche gelingt es Bekker allerdings überzeugend, den Kridan als dreidimensionale Figur zu entwickeln. Bis auf den Forscher Beltran umgibt Bekker allerdings Sun Tarin nur mit eindimensionalen und uninteressanten Charakteren. Sie agieren eher statisch und stoisch, es fehlen Emotionen. Diese Vorgehensweise ist um so enttäuschender, da Bekker im Grunde zwei Familienclans gegenüber stellt, die sich im Verlaufe der Entdeckung und Besiedelung des Tau- Ceti System und den einzelnen Konflikten immer wieder begegnen. Auf der einen Seite die Vorfahren Sun Tarins bis zu seiner Person, auf der anderen Seite Jennings, welche Tau- Ceti besiedeln. Insbesondere die Menschen wirken im Vergleich zu Sun Tarin farblos und handeln eher klischeehaft. Mit einem kleinen Geniestreich hat Bekker aber die Historie der „Sternenfaust“ Serie geschlossen. Er impliziert, das die erste Begegnung zwischen Menschen und Kridan schon viel früher stattgefunden hat. Nur haben es die Menschen nicht bemerkt, denn die Kridan haben verächtlich einige der schwachen und unbewaffneten Kolonistenschiffe nach einer zufälligen Entdeckung vernichtet. Es sind diese kleinen Episoden, welche die „Chroniken des Starcorps“ aus fiktiv- historischer Sicht so interessant machen.
Der Hauptteil des Romans nimmt der Kampf um das Tau Ceti System ein. Einen für die Kridan strategischen Vorposten nur wenige Lichtjahre vom Sonnensystem entfernt, für die Menschen nicht nur der erste Planet, der von ihnen besiedelt worden ist, sondern auch eine wichtige Basis. In Rückblicken beschreibt Bekker die Erfahrungen der erste Kolonisten, die auf die Eigeninitiative eines reichen Industriellen ausgesiedelt sind. Dieser Idealismus scheint ein beherrschendes Thema in der gegenwärtigen Science Fiction zu sein. Schon in Pulpzeiten sind es weniger die stoischen Regierungen gewesen, sondern Einzelinitiativen, welche zu den Sternen und neuen Kolonien geführt haben. Auch in der gegenwärtig laufenden Perry Rhodan Handlung eröffnet ein Mitglied des Warringerclans die Besiedelung der Planeten des STARDUST Systems. Auf Tau Ceti stossen die Menschen auf Mitglieder einer außerirdischen, vogelsaurierähnlichen Spezi. Natürlich sind die Konflikte vorprogrammiert und schließlich wird die fremde Rasse zum Nahrungs und Jagdobjekt.. Für die Kridan der Beweis, das die Menschen primitive Zweibeiner sind. Kreaturen, welche nicht in Gottes Schöpfungsplan passen. Diese Verbindung zwischen den Tau Ceti Einwohnern und den Kridan wählt Bekker sehr geschickt, er gibt den Kridan ein zusätzliches, aber in ihrem Heiligen Krieg nicht unbedingt notwendiges Motiv. Pointiert stellt Bekker schließlich heraus, das die intelligenten nach ihrem Erforscher Beltran genannten Vögel nicht nur über eine sehr komplexe Sprache verfügen, sondern sich quasi als Bestandskontrolle den Menschen sowie später den Kridan durchaus freiwillig als Nahrung zur Verfügung stellen. Vor der Ankunft der Menschen haben Seuchen bzw. geheimnisvolle Rituale den jeweiligen Bestand in regelmäßigen Abständen reduziert. Für die Kridan in Person von Sun Tarins Vorfahren ein herber Schlag, der ihre Ideologie aufs Tiefste erschüttert. In diesem Abschnitt des Romans spielt der Autor sehr überzeugend mit den Erwartungen der Leser und einiger seiner Charaktere und macht aus einem eher durchschnittlichen und nicht unbedingt originellen Bestandteil der Science Fiction eine interessante Variante.
Auf der anderen Seite beschreibt er das Vorgehen auf der Siedlungswelt ein wenig zu einfach und klischeehaft. Wie es sich für unzählige First Contact Romane gehört, stellt Bekker die Interessen der Siedlung dem ehrlichen Forschergeist eines Individuums gegenüber, der von seiner Entdeckung, das die Beltran intelligent sind und über eine sehr komplexe Sprache verfügen sollen, schweigen muss. Allerdings bekommt Bekker wie auch auf der Handlungsebene mit den Kridan in letzter Sekunde den Bogen und beginnt auf das Missverständnis zwischen den Rassen einzugehen. Trotzdem wäre es insgesamt sinnvoller gewesen, wenn Bekker das Geschehen ausschließlich aus der Perspektive der Kridan erzählt hätte und deren überraschte Reaktion nicht nur auf die Menschen, sondern vor allem auf deren brachiales Vorgehen in Berichte/ Worte gefasst hätte. Die exotische Atmosphäre wird durch diese handlungstechnisch nicht unbedingt notwendigen Schwenks auf die Menschenebene immer wieder unterbrochen und Bekker geht plottechnisch einen zu einfachen Weg. Dazwischen springt der rote Faden auf eine dritte Ebene über – die STERNENFAUST in der direkten Konfrontation mit den angreifenden Kridan. Diese wollen die Menschen a´la „Pearl Harbour“ überraschen und aus den Tiefen des Alls angreifen. Sun Tarin ist der Anführer dieses Stosstrupps.
Gegen Ende des Buches überschlagen sich im Positiven die Ereignisse. Dienten oft die menschliche Offiziere als Strohpuppen in einem Verschwörungsplot, deutet Bekker am Ende des Romans an, das auch Sun Tarin missbraucht wird. So befreit er als eine Art Epilog den menschlichen Revolutionsführer, da sich die Kridan von einem derartig oppositionellen Menschen Hilfe bei der Unterwerfung der Menschheit erwarten. Der alt gediente Priester der Kridan wird auch vor den Augen Sun Tarins ermordet. Das sind im Grunde zu viele Handlungspunkte, die Bekker noch im Vorbeiflug abhandeln möchte. Darum wirkt der Plot gegen Ende des Buches sehr hektisch, teilweise werden einzelnen Szenen abrupt und unentschlossen beendet, um neue Baustellen aufzumachen. Warum sich Bekker der Seitenbeschränkung unterwirft und nicht wie bei MADDRAX oder den PROFESSOR ZAMORRA Hardcovern die Handlung etwas weiter dehnt und so mehr erzähltechnischen Raum sich nimmt, ist schon bei den letzten Büchern hinterfragt worden. Im Falle von „Raumkapitän Sun Tarin“ wirkt das alles zu statisch auf einen Cliffhanger hin konstruiert.
Den gesamten Plot betrachtend gehört der vorliegende neunte Roman ebenfalls zu den besseren Zaubermond Hardcovern. Alfred Bekker bietet fast zu viel Handlung an. Das macht den Roman teilweise unrund. Auf der anderen Seite gehört „Raumkapitän Sun Tarin“ zu den bisherigen Schlüsselromanen. Der Leser erfährt sehr viel über den Konflikt mit den Kridan vor allem auch aus deren Sicht. Die Szenen sind packend und sehr stringent erzählt. Die vielen Handlungsstränge lassen kein Füllmaterial zu. Alfred Bekker säht auch in einigen Szenen zukünftige Konflikte und gibt dem Leser in anderen Abschnitten etwas zum Nachdenken. Eine handlungstechnisch sehr solide und vor allem erfreulich zu lesende Arbeit, die stilistisch allerdings eher durchschnittlich erscheint. Einige Szenen hinterlassen einen eher unter Zeitdruck geschriebenen Eindruck. Das Titelbild von Arndt Drechsler ist eines der besten der ZAUBERMOND STERNENFAUST Hardcover.
Alfred Bekker: "Sternenfaust 9 - Raumkapitän Sun Tarin"
Roman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond- Verlag 2008
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