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rezensiert von Thomas Harbach
Inzwischen liegt der siebente Band der “Chroniken des Star Corps” aus der Feder Alfred Bekkers vor. Während er sich aus den Heftromanen zumindest zeitweise fast gänzlich zurückgezogen hat, baut er die Vorgeschichte der laufenden Serie sehr konsequent und kontinuierlich weiter aus. Es ist nicht mehr möglich, ohne genauere Vorkenntnisse in die laufende Hardcoverhandlung einzusteigen. Alfred Bekker beendet zwar pro Roman einen kleinen Teil der vielschichtigen Handlungsgespinste, hintergründig bilden sie aber nur einen vernachlässigbaren Ausschnitt aus dem Gesamtszenario. So auch im vorliegenden Band “Stützpunkt Roter Stern”. Die Menschen folgen dem Artefakt der MSSSARRR- Invasion aus dem vorangegangenen Band. An Bord befinden sich auch Menschen. Die Spur führt in eines der Systeme, das von den eher den unglücklichen Umständen folgenden neuen Verbündeten, den Starr, besetzt wird. Die STERNENFAUST unter dem Kommando von Richard J. Leslie bricht auf, um die Menschen zu retten und gleichzeitig hinter die Geheimnisse der Starr zu kommen. Die erste Begegnung beschreibt Alfred Bekker mit leichten Humor in Hinblick auf die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten der irdischen Sprache. Ganz bewusst - was in vielen Bänden bislang auch zu seinen Stärken gehörte - beschreibt er das Geschehen aus zwei unterschiedlichen Perspektiven. Auf der eine Seite die Starr mit ihrer vordergründig perfekten und radikalen Art der Demokratie, die schließlich die Befehlshierarchien in Lethargie verfallen lässt. Immerhin könnte eine kritische Entscheidung die Wiederwahl nach Ablauf der laufenden Periode verhindern bzw. den Widersachern, die oft als Untergebene auf den Schiffen Dienst tun, in die Karten spielen. Wie so oft in seinen Romanen baut Alfred Bekker diese Idee viel zu wenig aus und kratzt allerhöchstens an der Oberfläche. Insbesondere durch das Zusammentreffen mit den Menschen wären hier hervorragende Ansätze, um die unterschiedlichen Vorstellungen von Demokratie und Diktatur durchzuspielen, gegeben. Auch die Mannschaft der STERNENFAUST erweist sich zumindest im vorliegenden Band nicht unbedingt als Beherrscher der guten Sitten. Die Beobachter an Bord des Schiffes machen eine Reihe von verblüffenden Entdeckungen. So finden sich keine Spuren des außerirdischen Artefaktes mehr im Sonnensystem, die Starr agieren so, als hätten sie niemals von dem fremden Schiff gehört oder es geortet und doch sind deren Antimateriegeschütze auf den einzigen Planeten gerichtet, der über eine trockene, aber erdähnliche Atmosphäre verfügt und auf deren Oberfläche sich eine kleine Forschungsstation der Strr befindet. Das hier nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann, ist weder den Lesern noch der Besatzung der STERNENFAUST verborgen geblieben, warum aber Bekker die Menschen so primitiv mit der Tür ins Haus agieren läßt, in der Hoffnung, wichtige Informationen zu behalten, bleibt das Geheimnis des Autoren. Da helfen auch die Seitenlangen Dialoge nicht, wie man sich bei der Kontaktaufnahme mit den Fremden zu verhalten hat. In diesem Fall stinkt der Fisch schon am Kopf und das ist Commander Richard J. Leslie, der von Bekker sehr eindimensional und nur selten überzeugend im vorliegenden Band beschrieben wird.
Im Roman selbst kommt es zu einem handlungstechnischen Bruch. Das Szenario schwenkt aus den Tiefen oder Höhen des Alls auf die Planetenoberfläche, wo eine elefantenähnliche Rasse von mathematisch begabten Fremden in kleinen Siedlungen lebt. Sie ahnen nicht, das die Starr ie lieber opfern würden als irgendwelche Gefahren zuzulassen bzw. Geheimnisse an die anderen Rassen zu verraten. Die Außerirdischen leben auf ihrer kargen und immer unwirtlicher werdenden Welt in relativem Wohlstand und Frieden. Nur ein Glücksbringer, wie eine besondere kaste heißt, ist mit dem Zustand nicht mehr zufrieden und sucht auf seine vielen Fragen entsprechende Antworten. Dieses Szenario ist nicht unbedingt neu, wird von Alfred Bekker auch nicht sonderlich originell aufgearbeitet, aber zumindest gelingt es dem Autoren zum wiederholten Male, im Kleinformat eine interessante, fremdartige und vielschichtige Kultur zu schaffen. Leider nutzt Bekker zu wenig den Raum, den er sich mit dem schließlich folgenden lesenswerten Szenario geschaffen hat. Die Idee eines Paralleluniversums ist zwar nicht unbedingt neu, aber einen Kreuzpunkt auf einem Planeten zu erschaffen, deren Bewohner die jeweils in der anderen Dimension lebenden Fremden als Geister sehen, wird sehr kompakt und überzeugend beschrieben. Aber wieder macht der Autor wahrscheinlich in diesem Fall aus Platznot viel zu wenig aus der Idee und hinterlässt am Ende des Buches durchaus beim Leser einen frustrierten Eindruck. Insbesondere rückblickend wirken sowohl die Einschübe in Form fiktiver historischer Daten und dem Interview mit dem einzigen Überlebenden eines im Kampf gegen die Invasoren heldenhaft untergegangenen Schlachtschiffes wie Füllmaterial, das von dem interessanten Schlussdrittel ablenkt. Alfred Bekker würde es sehr helfen, wenn er von dem starren Umfang der Sternenfaust Hardcover sich ein wenig lösen würde und variabler seine Geschichten erzählen könnte. Im vorliegenden Band bestünde durchaus Raum für weitere fünfzig Seiten, auf denen er insbesondere die außerirdische Geschichte sehr viel nuancierter, packender und befriedigender hätte erzählen und so weit wie möglich abschließen können. Vor allem hätte Bekker die außerirdische Perspektive durchhalten sollen, um den Leser noch effektiver in das auch für die Menschen fremdartige Geschehen einzubeziehen. Die Kontaktaufnahme mit dem verschwundenen Besatzungsmitglied geht schließlich zu einfach - auch wenn die Idee der Morsezeichen inzwischen etwas universelles hat, das immer wieder gerne genommen wird, wenn nichts anderes mehr hilft -, hier wäre es sinnvoll gewesen, erst die Kommunikationsebene mit dem Glücksbringer noch weiter herauszuarbeiten, bevor der folgerichtige zweite Schritt kommt. Die zeitliche Komponente soll zwar den Spannungsbogen verstärken, ist aber insbesondere in den letzten STERNENFAUST Romanen ein wenig zu oft verwandt worden, um wirklich noch zu überzeugen. Das Zeit und Raum schließlich relativ sind, erfahren die Leser in dem nuancierten Epilog, welcher die Hoffnung auf deutlich mehr weckt. Im Vergleich zu einigen anderen STERNENFAUST Romanen aus Bekkers Feder gewinnt der Roman insbesondere in der zweiten Hälfte an Tiefe und Spannung. Es bleibt sicherlich zu hoffen, das die insbesondere zu Beginn ausführlich eingeführten, aber später kaum effektiv verwandten Charaktere in den nächsten Romanen mehr zu tun bekommen. Als fortlaufende Serie betrachtet gewinnen “die Chroniken des Star Corps” mehr und mehr an Format. Insbesondere die politischen Ränkespielen - in diesem Band nur auf die unmittelbare diplomatische Ebene zwischen Starr Basiskommandant und STERNENFAUST Commander Leslie sowie den obligatorischen brüderlichen Ratgeber reduziert - des letzten Bandes haben unterstrichen, das Alfred Bekkers Gesamtversion deutlich umfangreicher ist als die ersten, teilweise doch sehr simplifiziert geschriebenen Romane erahnen ließen. Wie die Heftromane lassen sich die STERNENFAUST Hardcover sehr gut lesen, Alfred Bekker verfügt über einen einfachen, aber angenehmen Stil. Insbesondere die exotischen Fremdvölker - wenn auch nicht immer wirklich befriedigend genutzt - lockern die kompakte Handlung auf. Was den Romanen fehlt, ist phasenweise in Hinblick auf die militärisch schwierige Situation des Star Corps noch eine dunklere, nihilistischere Note. In Hinblick auf den Militärputsch macht es sich Bekker teilweise zu einfach und verschenkt sehr viele gute und überdenkenswerte Ansätze. Alles in allem gehört insbesondere die zweite Hälfte von “Stützpunkt Roter Stern” zu den besten Teilen der ZAUBERMOND Ausgabe und es bleibt zu hoffen, das das angedeutete Parallelweltszenario vor allem aus der Perspektive der Fremdvölker in den nächsten beiden zufrieden stellender und eingehender extrapoliert wird.
Alfred Bekker: "Sternenfaust 7 - Stützpunkt Roter Stern"
Roman, Hardcover, 252 Seiten
Zaubermond- Verlag 2007
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