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rezensiert von Thomas Harbach
Inzwischen liegen die ersten fünf Romane der „Sternenfaust“ Historie alle aus der Feder Alfred Bekkers vor. Sein Universum nimmt mehr und mehr Format an. Die Idee, nicht nur abgeschlossene Abenteuer zu präsentieren, sondern vor allem der Heftromanserie ein vernünftiges Fundament zu geben, wächst mehr und mehr zusammen. Dabei ist Alfred Bekkers Vorgehensweise nicht nur bewundernswert, sondern ausgesprochen professionell. Die Romane spielen meistens auf zwei Ebenen, dazu kommt eine Art Ausblick auf den letzten des Bandes auf den nächsten Roman. Im vorliegenden Band die Möglichkeit eines Putsches durch einflussreiche Industrielle mit Hilfe einiger hochrangiger Militärs. Dieser düstere Ausblick kommt im Anschluss an eines der besten Szenarien der bisherigen Serie.
Die „Sternenfaust“ ist wieder im heimatlichen System angekommen. Die Krieger sind müde, aber wie schon aus anderen Serien wie „Raumpatrouille“ oder „Star Trek“ bekannt, bleibt ihnen keine Zeit, wirklich auszuruhen. Dabei böte das vom Autoren Bekker bislang konzipierte Szenario durchaus den Raum, einmal zu verschnaufen und andere Mannschaften die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen. Zumindest in der einen Handlungsebene. Hier stürzt ein Shuttle auf dem Weg zum Merkur mit einem Besatzungsmitglied ab. Ein nicht zu erklärender Impuls hat die Elektronik lahm gelegt. Während die Angehörigen auf dem Merkur um das Schicksal der Besatzung bangen, beginnt für die Überlebenden auf der unwirtlichen Welt der reine Überlebenskampf. In dem einzelne Besatzungsmitglieder in Gefahr gebracht werden, nimmt der Autor von dem, Raumschiff „Sternenfaust“ ein wenig den Nimbus, der insbesondere Serien wie „Star Trek“ nach der fünf Jahres Mission und eben auch „Raumpatrouille“ den Vorwurf der unrealistischen Wiederholung eingebracht haben. Das Problem liegt nur im eigentlichen Szenario. Auch ein Routinier wie Alfred Bekker kann dieser ausgelutschten Idee keine neuen Impulse mehr abringen und diese Handlungsebene lenkt das Interesse des Lesers nur aufgrund der verbrauchten Seiten von dem viel spannenderen Geschehen im Sonnensystem ab. Denn kurz nach dem rätselhaften Impuls taucht mitten im Sonnensystem ein geheimnisvoller Doppelplanet auf. Anscheinend haben schon Astronomen im 19. Jahrhundert diesen auftauchenden und dann verschwindenden Planeten entdeckt, dann aber aus den Augen verloren. Die Tore dieser Welt öffnen sich und eine Flotte dringt in das Sonnensystem ein. Die arachnoiden MSSSARRR haben sich die Erde ausgesucht, um ihre neue Brut zu züchten. Unabhängig vom Auftauchen dieser spinnenartigen Spezies auch in den laufenden Heftromanen beschreibt Alfred Bekker die Verzweifelung der irdischen Militärs sehr gut, einen Zweifrontenkrieg gegen überlegene außerirdische Rassen führen zu müssen. Auch die Kridan suchen die Entscheidung im Sonnensystem. Die wenigen wirklich tauglichen Raumschiffe der Solaren Verteidigungsflotte reichen nicht einmal für einen Feind aus, geschweige denn zwei.
Von Beginn haben die Redakteure der „Sternenfaust“ Serie darauf Wert gelegt, von den einfachen Raumflügen bis zu komplexen Raumschlachten die unendlichen Weiten zwischen den Sternen gebührend zu berücksichtigen. Kein Flug vergeht in Sekunden, keine taktischen Manöver erinnerten an Spielzeugflugzeuge, sondern müssen wie bei den alten Segelschiffen genau geplant werden. Diese Erhabenheit und Zeitlosigkeit spiegelt sich nicht nur in den Raumschlachten wieder, die zumindest dreidimensional, wenn auch manchmal ein wenig zu pathetisch und vor allem zu heroisch beschrieben werden. Auch die Zeit, die benötigt wird, um auf den plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Feind reagieren zu können, vergeht für die Menschen unendlich langsam. Es ist schon eine besondere Art der Folter, den Entwicklungen eher hilflos folgen zu müssen. Aufgrund dieses Szenario ist der Versuch der Industriellen eher zweifelhaft, die politische Ordnung als einzige noch funktionierende Barriere gegenüber reiner Panik und Anarchie unter diesen Umständen zu zerschlagen. Es entspricht eher dem Wesen dieser Opportunisten, die Lage abzuwarten und sich dann auf die zurückgebliebenen Feinde/Menschen/Ordnungsorgane zu stürzen.
Bekker bemüht sich wieder, den Plot aus verschiedenen Perspektiven zu beschreiben. Er wirkt bei der außerirdischen Sichtweise hoch konzentriert und zeigt auf der einen Seite eine fremde Rasse, deren Denkweise allerdings zu nahe am Menschen dran ist. Hier wäre es sinnvoller gewesen, die individuellen Unterschiede – immerhin geht es für die Arachnoiden um die Schaffung von Lebensraum für die Brut – stärker herauszuarbeiten und ihnen eine gänzlich fremde Denk- und Handlungsweise zu geben. Die Vorgehensweise des Autoren wirkt ein wenig ernüchternd, da die Passagen teilweise auch im Verlauf des Buches herunter geschrieben wirken. Zu sehr wiederholt er sich in seinem im Vergleich zur Perry Rhodan Serie nicht sonderlich umfangreichen Kosmos und negiert viele seiner guten Ideen.
Der neue „Sternenfaust“ Romane ist angenehme Unterhaltung auf einem zufrieden stellenden Niveau. Die einzelnen Bände der im Zaubermond – Verlag mit guten Titelbildern erscheinenden Serie fügen sich mehr und mehr zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Geschickt baut Alfred Bekker Hinweise aus den vorangegangenen Büchern in den jeweils neuesten Band ein, gibt einen Ausblick bis zur laufenden Heftromanserie – die ebenfalls unter einigen wenig originellen und vor allem an den Haaren herbeigezogenen Ideen leidet – und bemüht sich, eine bodenständige, aber spannende Space Opera zu erschaffen. An einigen Stellen fehlt ihm allerdings die Originalität, seine durchaus vorhandenen guten Ideen überzeugend zu extrapolieren und jeweils etwas Neues anzubieten. Der Rückgriff auf schon ausgenutzte und vor allem auch im ersten Remake nicht mehr innovative Ideen nimmt den Hardcovern aber zu viel von ihm Reiz.
Alfred Bekker: "Sternenfaust 005 - Msssarrrr!"
Heftroman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond Verlag 2007
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