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rezensiert von Thomas Harbach
Eine erste Struktur ist erkennbar. Stellt man die „Sternenfaust“ Hardcover ins Regal bildet sich der Schriftzug der Serie auf deren Buchrücken. Auch die Idee der „Chroniken des Star Corps“ und nicht mehr nur der ersten STENENFAUST wird deutlicher. Alfred Bekker beginnt über den einzelnen Hardcover hinaus die Ereignisse zu planen, so befindet sich zu Beginn des Buches die Sternenfaust immer noch im „Triple Sun“ – System, in dem sie nicht nur einen geheimnisvollen Artefakten gefunden und in Form eines Black Holes wieder verloren haben, sondern im Grunde ein tragischer Pyrrhus Sieg mit Verlierern auf allen Seiten stattgefunden hat.
Dieses Ausgangsszenario nutzt Alfred Bekker, um zumindest in der nachfolgenden zweigeteilten Handlung verschiedene allerdings aus anderen Heftromanserie und Einzelromanen bekannte Szenarien durchzuspielen.
Da ist zum die weitere Untersuchung des Artefakts – es sollte noch angemerkt werden, dass die zweite Handlungsebene ungefähr zehn Jahre vor der Haupthandlung spielt und durch den Rückblickscharakter immer wieder wichtige Informationen produziert – mit der Entdeckung natürlich eines weiteren Puzzleteils auf dem Planeten Dambanor II, der später im Mittelpunkt der Ereignisse steht. Hier erwartet der Leser zwar keine richtige Informationen oder gar eine Auflösung der Geheimnisse, doch ein wenig mehr Informationen und weniger Vermutungen hätten dieser Ebene deutlich besser getan. Zu oft philosophieren die Besatzungsmitglieder der ersten Sternenfaust unter dem blassen, fast klischeehafte überzeichneten Richard J. Leslie über Chancen und Risiken dieser Erkundung. Das sie das Unternehmen trotzdem angehen, steht außer Frage, doch es fehlt entweder die Entschlossenheit – vom Autoren und damit auch seinen Charakteren – die Untersuchung konsequent und schnell durchzuführen oder zumindest irgendetwas originelles damit anzustellen. Dabei wäre eine intensivere, bedrohliche Atmosphäre genauso hilfreich wie einige wirklich originäre Funde. Zu sehr setzt sich dieser Abschnitt des Buches aus Versatzstücken zusammen, die seit den sechziger Jahren immer wieder konsequent und nicht mehr neuartig benutzt oder genutzt werden. Die letzte Autorin, die zu dieser Thematik wirklich Überraschendes berichten konnte, war Nancy Kress mit ihrer „Probability“ Trilogie, von welcher nur der ersten Roman in der kurzlebigen Science Fiction Reihe des FESTA- Verlages erschienen ist.
Wendet sich der Leser von den Ereignissen im All ab und kehrt mit Dana Frost als Erster Offizier der SURVIVOR auf ihrem ersten richtigen Feldeinsatz zu Dambanor II zurück, wird die Handlung nicht unbedingt besser. Auf dieser zweiten Welt haben sich Menschen zu den einheimischen Echsen – den echsenartigen Gherror – gesellt. Gemeinsam bewohnen sie einen wasserreichen Planeten. Die Menschen haben die Einheimischen von einem Kontinent vertrieben. Diese leben auf der Entwicklungsstufe des 16. oder 17. Jahrhunderts, Kontakte und Handel zwischen den Menschen und ihnen sind verboten und auch gesellschaftlich verpönt. Natürlich will eine Gruppe auf beiden Seiten dieses nicht akzeptieren und beginnt einen Schwarzmarkthandel inklusiv des entsprechenden Schmuggels zu etablieren. Ein Segelschiff wird von Piraten überfallen, die von der Besatzung in einem harten an die Piratenfilme und Fantasy- Abenteuer erinnernden Szenen besiegt und schließlich ein blutrünstigen Vogelart zum Verspeisen überlassen werden. Diese Szenen braucht Bekker, um schließlich die obligatorische Quest nach dem natürlich auf dieser Welt gefundenen zweiten Artefakt aufzunehmen und die einzelnen Gruppen – nicht unbedingt mit hilfreicher Unterstützung des Bruderordens, der insbesondere bei der Erkundung dieser Welt ein derartig blasses Bild abgibt, das der Leser schnell seine Existenzberechtigung in Frage stellt – auf die Reise zu schicken. Die erste in der Vergangenheit spielende Handlungsebene zeigt die Ursprünge der auf der zweiten Ebene spielenden Ereignisse, aus dieser Konstellation bezieht der Roman wenn auch keine Spannung, so doch zumindest eine gewisse unterhaltsame Komponente.
Mit stoischer Ruhe nutzt Bekker seine Chronik, um im Großen und Kleinen verschiedene historische Ereignisse in Dana Frost Lebensweg aufzuzeichnen. Hier erfährt der Leser von ihrer Verwundung und dem daraus resultierenden Anhänger mit der entsprechenden Kugel. Auch beginnt Bekker zumindest ansatzweise einen kleinen Bogen zur laufenden Handlung – in Form von Aufzeichnungen zu Beginn einzelner Kapitel – zu schlagen, in dem Dana Frost ja an Bord eines Raumschiffs der Weltenplünderer Fronarbeit zu leisten hat Diese kleinen Episoden gehören zu den Höhepunkten des Romans, weniger weil sie gut geschrieben worden sind, sondern weil sie ein Bild vervollständigen, das in der Heftromanserie insbesondere in den dreißiger und vierziger Romanen sehr gut begonnen worden ist. Wie die neuen Sternenfaust Heftromane leiden aber auch die Hardcover unter der fehlenden Originalität. Es sind alle Komponente für einen geradlinigen Abenteuer Science Fiction Roman vorhanden, die Konflikte zwischen zwei unterschiedlichen Kulturen – die wegen noch nicht vorhandener Siedlungsgesetze überhaupt die Möglichkeit gehabt haben, eine Welt sich zu teilen -, einige wenige Raumgefechte von kurzer Dauer, dazu die Suche nach der Technik eines fremden, inzwischen verschwundenen Volks – in schwachen Büchern immer eine dankbare Möglichkeit, Handlung zu generieren -, verschiedene sehr unterschiedliche Völker, die Bekker in seinen vorangegangen Romanen schon vorstellen konnte und deren Entwicklung er leider in „Die Kanonen von Dambanor II“ nicht weiter hinzufüge. Dadurch verliert diese latent exotische und zumindest im zweiten Buch Handlungstragende Komponente an Effektivität und das Buch an einem vernünftigen Hintergrund. Insbesondere die Konflikte zwischen den eher aggressiv arrogant beschriebenen menschlichen Siedlern und den Echsen wird selten wirklich ausgeführt, Bekker bleibt an der Oberfläche und beschränkt sich auf die Aktionversatzstücke anstatt wirklich einmal in die Tiefe zu gehen und aus den fundamentalen Unterschieden einen wirklich überzeugenden Konflikt mit einem überraschenden Ausgang zu fabulieren.
Über allem steht natürlich der sich immer weiter entwickelnde Konflikt mit den Kridan, deren Folgen die Leser der Heftromane verfolgen konnten. Dieser übergeordnete Handlungsfaden wird allerdings eher im Hintergrund weitergesponnen, Bekker schließt den „Triple Sun“ Zweiteiler mit der ersten Raumschlacht gegen die Kridan ab. Dazu erhält der Leser einige wenige, nicht unbedingt schon nutzbare Informationen. Auch für die Raumschlachten gilt die Problematik – darunter leidet auch die Perry Rhodan Serie - , dass man sie nur bedingt variieren kann und zu oft sich wiederholende Elemente in den Beschreibungen finden. Vor diesem Problem stehen Leser und Autor. Handlungstechnisch der erste offene Konflikt, in der Veröffentlichungsreihenfolge eine weitere Schlacht von vielen.
„Die Kanonen von Dambanor II“ leidet auch unter Bekkers fast lethargischem Schreibstil. Alle Emotionen wirken aufgesetzt, nicht natürlich. Die Beschreibung der Technologie wird in einem vernünftigen Rahmen eingesetzt, bietet aber nicht die notwendigen Überraschungen, um den Leser wirklich mitzureißen. Da er versucht, den Status Quo zu festigen, kann er auch nicht auf neue außerirdische Völker ausweichen, die bei den letzten beiden Hardcovern insbesondere schwächere Passagen mit einem Hauch Fremdartigkeit auflockerten. Insbesondere gelingt es ihm nicht, die Charaktere wie Dana Frost, Richard J. Leslie oder die echsenartigen Händler wirklich dreidimensional und überzeugend in Szene zu setzen. Der vierte Hardcover scheint noch mehr unter Bekkers unglaublichem Arbeitspensum zu leiden – parallel erscheint ein weiterer umfangreicher Roman zur „Bad Earth“ Reihe im Zaubermondverlag und momentan veröffentlicht er die meisten „Sternenfaust“ Heftromane, unabhängig von den anderen unzähligen Pseudonym- Veröffentlichungen – als die ersten Veröffentlichungen. Eine im Grunde enttäuschende Arbeit, die in erster Linie die Hardcorefans befriedigen wird, auf der Suche nach den wenigen interessanten Hintergrundinformationen. Es ist wahrscheinlich sehr wichtig, dass sich der Verlag als Unterstützung Bekkers einen guten Autoren wie Christian Montillon oder Achim Mehnert – beide prädestiniert für eine Science Fiction Serie – ins Team holt, damit die Chroniken des Starcorps überzeugende Geschichten werden und nicht distanzierte Berichte ohne Herz bleiben. „Die Kanonen von Dambanor II“ haben von allem zu wenig und das Wenige wird leider durch die aus verschiedenen anderen Quellen bekannte Handlung überdeckt.
Alfred Bekker: "Die Kanonen von Dambanor II"
Heftroman, Hardcover, 256 Seiten
Zaubermond Verlag 2007
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