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rezensiert von Thomas Harbach
Die alten Romane aus dem Merkur- Verlag sind inzwischen veröffentlicht worden, jetzt geht es Winfried Hary um die Kontinuität und vor allem logische Überbrückung zu den später im Rahmen des BLITZ Verlages erschienenen Romanen. Mit Miguel de Torres – einem Pseudonym – betritt ein neuer Autor das STARGATE Universum und liefert gleich drei Romane nacheinander ab. Torres hat schon im Rahmen von Harys AD ASTRA Reihe einen Zyklus von nicht immer ganz ernst gemeinten farbenprächtigen Space Operas geschrieben. Um es gleich vorweg zu nehmen, im Vergleich zu Hermann Schladt – „Das MAFIA Experiment“, dessen Handlung hier fortgeführt wird – oder Michael Schmidt – „Freie Seelen“, eine Idee aus diesem Heft bildet den Hintergrund von Torres zweiten Roman – ist Torres ein angenehmer Erzähler. Stilistisch sauber, die Dialoge über weite Strecken sehr gut zu lesen und nicht wie bei einigen anderen Autoren der Serie eine gewisse Mischung aus Theatralik und Hilflosigkeit, ein ausgewogenes Verhältnis aus Actionszenen und Hintergrundinformationen und verschiedene Handlungsebenen, die er routiniert parallel laufen lässt. Zusätzlich bekommt er eine gewisse Unterstützung vom Plot, der konzentriert – bis auf einen Spannungsbogen – und sehr direkt verläuft.
In „Der Schatz des Poseidon“ setzt sich Torres weniger mit der Frage auseinander, ob das Trojanische Pferd auch ein Sternentor gewesen sein kann – diese Idee wird nur kurz als eine Art Theorie angeschnitten, aber zumindest in diesem Band nicht weiter verfolgt - , sondern zeigt auf, welch Zufallsbedingten, aber letzt endlich doch effektiven Plan der MAFIA Konzern in Gang setzt, um Lino Frascati – den Chef von MECHANICS, dem großen Konkurrenten – zu entführen und um MAFIA eigenen Sternentor zu duplizieren. Der Auftakt des Heftes – zwei Einheimische machen sich nachts auf, um unter der Ebene Troja Null nach weiteren Schätzen zu suchen – erinnert in seiner Intention ein wenig an eine Abenteuergeschichte mit einem tragischen Ausgang. Mit der richtigen Mischung aus Emotion und Sadismus vernichtet Torres einen der gerade eingeführten Charaktere, um dann plötzlich auf die Katze des Mafiabosses umzuschalten. Diese hat auch in den weiteren Heften ihren Auftritt. Der Schnitt ist schon hart, aber die ganze Handlungsebene um die Katze und ihren dicken, ängstlichen Bewachern gehört zu den Schwachstellen der vorliegenden Hefte und steht in einem starken Kontrast zu der ansonsten sehr geradlinigen packenden Geschichte. Es wäre effektiver gewesen, anstelle dieser Katzengeschichte eine historische Handlungsebene in den Roman zu integrieren und vielleicht der Idee von dem Sternentor im trojanischen Krieg ein wenig mehr Fleisch als nur das Titelbild und den Fund unter den Ruinen der Stadt zu geben. Im Laufe der nächsten beiden Romane etabliert Torres nicht nur den Entführungsplot, er setzt ihn auch in einer sehr komplizierten Abfolge von Ideen und Zufällen um. Das Original bleibt in der italienischen MAFIA Zentrale, die Kopie wird auf den Weg gebracht und ein Geheimagent alleine auf weiter Flur will seinen Chef retten. Erschwerend kommen zwei mehr oder minder gute Ideen hinzu. Auf den ersten Blick ist die Konfrontation zwischen dem Konzernchef Frascati und seinem Sicherheitschef fasziniert, auf den zweiten Blick allerdings ist das Konzept, dass der Sicherheitschef seinen unmittelbaren Vorgesetzten – den Vorstandsvorsitzenden des Gesamtkonzerns – beseitigen möchte, um dessen Position einzunehmen, untragbar. Unabhängig von unterschiedlichen Hierarchiestrukturen würde eine solche Machtübernahme nach einem Quereinstieg vielleicht leichter zu bewerkstelligen, aber von kurzer Dauer sein. Selbst der mächtigste Konzern der Welt wird im Grunde nicht mehr von einer Person alleine geführt, sondern von einer ganzen Führungsebene direkt unter der Leitung mit eigenen Ansprüchen, eigenen Vorstellungen und eigenen Anforderungen an den Ersten und Gleichen. Ein Sicherheitschef Fisher hätte hier keine Chance.
Ein weiteres, leider eher lächerliches als lustiges Element sind die Exzesse Jackson „Jackie“ Chans, einem chaotischen Schrecken des Sicherheitsdienstes und leider ein entfernter Verwandter natürlich von Jackie Chan. Da es noch einen Chan bei MECHANICS Sicherheitsdienst gibt, spricht man nur vom anderen Chan. Von Beginn an – er versucht in der Tradition seines Vorbildes dem Chefbuchhalter dessen Koffer mit Steuerunterlagen zu entreißen, weil er der Meinung ist, es handelt sich um eine Bombe – weniger als Hommage, denn als Klischee konzipiert, hat er seine großen Auftritte im mittleren Band der Serie „Frascati mal zwei“. ER infiltriert das feindliche Hauptquartier und agiert schließlich als Bote/ Verkäufer von Essen auf Rädern, um als einziger Agent seinen entführten Boss zu finden und zu befreien. Diese hat der MAFIAkonzern inzwischen kopiert und mit einer kleinen Nackenbombe ausgestattet. Seine Aufgabe ist die kontinuierliche Übergabe des größeren MECHANICS Konzern in die Hände der MAFIA. Beginnend mit einer Geldüberweisung über 10 Milliarden Verrechnungseinheiten. Der Chefbuchhalter liegt ja noch dank Chans Rettungsaktion im Krankenhaus und MAFIA ist der Überzeugung, dass vom Chef ausgeführte Aktionen niemand auf den Konten merkt. Warum man dem Frascati Duplikat nicht gezwungen hat, aus seinem eigenen Vermögen die ersten Zahlungen zu tätigen oder ihm zur Seite gestellt hat, MAFIA Mitarbeiter an Schlüsselpositionen zu postieren, wird allerdings das Geheimnis des Exposeautoren bleiben. So verlockend die Idee auch ist, nicht nur der Sicherheitschef Fisher, der sich alle Transaktionen anzeigen lässt und damit wahrscheinlich bei einer Firma dieser Größe einen eigenen Buchhalter bräuchte, fällt eine solche Überweisung sofort auf. Nach einigen Tagen würde der fehlende Beleg bemerkt und ein internes Revisionswesen in Gang gesetzt werden. Auch wenn Frascati alles abblocken könnte, bliebe ein gewisser Makel zurück. Gott sei Dank setzt rechtzeitig die „Invasion der Kyphorer“ ein und der Roman beginnt zumindest mit einem Paukenschlag.
Der Abschlussband seiner Trilogie „Die Invasion der Kyphorer“ ist leider stilistisch ein zweischneidiges Schwert. In einer ersten Actionsequenz mit Haiko Chan in einem Fahrstuhl und auf der Flucht vor den Invasoren schreibt er so schwerfällig und gleichgültig, dass ein aufmerksamer Leser auf den ersten Blick nicht glauben kann, immer noch den gleichen Autoren wie im fünfzehnten und sechzehnten Heft der Serie vor sich zu haben. Torres fängt sich erst in der spannenden Evakuierungshandlung. Auf einer anderen Ebene – Jackie Chan und die Katze, sowie Frascati und die Katze – funktioniert der ansonsten sehr geradlinig und stringent geschriebene Roman ein wenig besser. Im Zuge der vielen kleinen Puzzleteile, die der Autor zusammenfügen muss, gehen sowohl die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten unter diversen Extremsituationen wie auch einige Emotionen unter. Noch immer wirkt die Integration der Katze – auch wenn sie aktiv einem Protagonisten jetzt das Leben rettet – oberflächlich und im Grunde störend. Der Überlebensspezialist Chan wird mehr und mehr von einer Karikatur zu einem erträglichen Charakter. Der Versuch, zumindest verbalen Humor in das Geschehen einzubeziehen, schwankt zwischen gelungen und kindisch. Gelungen sind die morbiden Anspielungen auf den bevorstehenden Hafenausbau in Neapel, weil die Leichen mit Betonfüßen inzwischen die Schifffahrt gefährden, in der Absicht gelungen, in der Ausführung vollkommen misslungen ist der Seitenhieb auf die Pessimisten, die eine Versicherung gegen eine Invasion von den Sternen abgeschlossen, aber das Kleingedruckte nicht gelesen haben. Hätte Torres das Fernsehinterview in einem ernsten Ton zu Ende gebracht, wäre diese Idee nett und lustig gewesen, so nimmt er sich im Grunde selbst die Pointe weg und negiert seinen satirischen Schlag gegen die allmächtigen Versicherungen.
Abschließend zusammengefasst wirken die drei Romane aus seiner Feder deutlich überzeugender als die letzten Heftromane der Serie. Nicht zuletzt, weil sich nach und nach die einzelnen Handlungsfäden zu einer wieder geradlinigen und nachvollziehbaren Geschichte zusammenfügen, sich ein zweites Team – neben dem Überlebensspezialisten Randall, welcher seit dem 11. Band nichts mehr zu tun hatte – findet, das ebenfalls auf seine Art und Weise den Geheimnissen der STARGATEs auf die Spur kommen möchte. Viele interessante Ideen werden allerdings wieder ungewöhnlich hektisch umgesetzt, im dritten Band zu konzentriert, in den ersten beiden Heften dagegen zu weitläufig und oft schwerfällig. Bis auf dieser Kinderkrankheiten entwickelt sich STARGATE anscheinend in einer verfolgenswerte Richtung. Mit den nächsten fünf Romanen - alle aus der Feder Wilfried A. Harys – dürfte dann endgültig klar sein, wie die einzelnen Fragmente – die ursprüngliche eingestellte Serie, die nicht veröffentlichten Heftromane, die chronologisch später einsetzende Neuauflage im BLITZ- Verlag und die jetzt neu geschriebenen Romane – sich verbinden und ob die Serie das jetzt mit diesen drei lesenswerten Romanen eingeschlagene Tempo halten oder gar ausbauen kann.
Miguel de Torres: "15 bis 17 - Stargate"
Heftroman, Softcover
Hary 2006
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