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rezensiert von Thomas Harbach
Mit dem ersten neuen Roman betritt auch ein neuer Autor der Serie die Szenerie: Michael Schmidt. Er setzt mit diesem kurzweiligen Roman das Szenario mit den konkurrierenden Konzernen, der Werksspionage und schließlich dem Wirken eines der beiden bislang unbekannten Hintergrundspieler fort. „Freie Seelen“ ist der eine Konzern, im dreizehnten Band wird dann mit MAFIA – Nomen est Omen – die sizilianische Variante eingeführt.
Ob es sinnvoll ist, gleich mit dem ersten neuen Roman den bisher faszinierenden Handlungsbogen der Reisen zu fremden Welten gegen eine profane Spionagehandlung mit wenigen utopischen Elementen einzutauschen, darf bezweifelt werden. Hinzu kommt die Unentschlossenheit im stilistischen Bereich. Oft wirken die Dialoge ein wenig steif und Michael Schmidts Text weist einige stilistische Ungereimtheiten auf.
Die Idee des Konventionen brechenden Konzerns mit seinem Motto „Lebe Dich mal richtig aus“ ist dagegen originell, wird aber selten effektiv in Szene gesetzt. Es wäre sinnvoller gewesen, die kaum vorhandene Handlung mit zum Beispiel einer Hommage an die klassischen Film Noir Filme oder die Verschwörungstheorien mit ihren Paranoia Ansätzen der siebziger und achtziger Jahren zu beleben. Michael Schmidt hätte eine Handvoll von außergewöhnlichen, exzentrischen, aber mit hohem Wiedererkennungswert versehene Charaktere schaffen können. An ihnen wäre es einfacher gewesen, die einzelnen Strukturen der Konzerne aufzulösen. Durch die vorangegangenen Romane haben die Leser einen Wissensvorsprung vor den einzelnen hier beschriebenen Charakteren. Darum wirkt ihr Agieren eher bemüht und sie fügen der Handlung keine neuen Ideen und Impulse hinzu.
Dese Schwäche des Exposes hätte man mit einem einfachen Trick übergehen können: Humor sowie sanfte Ironie oder so außerordentlich charismatische Figuren, die alles andere überdecken.
Es ist wichtig, durch eine weitere Erzählebene der Grundhandlung entweder eine neue Perspektive zu schenken – während ihrer Spionagetätigkeit erhalten sie Informationen, die die durch das STARGATE abgestrahlten Protagonisten nicht haben, deren Tätigkeit aber bedrohen – oder direkt in das Geschehen einzugreifen. Unglaubwürdig wirkt die Schilderung der Untergrundorganisation „Neue Welt“, die weltweit in Landesverbänden – erinnert einen sofort an unsere Politik und nicht an eine Terror- oder Befreiungsorganisation – aufgeteilt sind . Dem guten Ansatz, dass die Konzerne in der alten Dritten Welt am Schwächsten aufgestellt und deshalb verwundbar sind, steht die Idee, ein eigenes STARGATE zu bauen gegenüber. Das wirkt aufgrund der bisherigen Informationen – zwei Riesenkonzerne sind im stetigen Wettstreit um ein funktionierendes STARGATE und geben Milliarden aus – unglaubwürdig. Effektiver wäre es gewesen, wenn „Die Neue Welt“ direkt nach den bekannten Toren gegriffen hätte. Sei es durch einen Anschlag oder durch die Besetzung einer der Stationen. Damit wäre der Kontrast zwischen deren Ambitionen und einer überzeugenden und logischen Umsetzung nicht so groß gewesen.
Erst am Ende des Buches fügt Schmidt die einzelnen Fragmente zusammen. Bea und der Ich- Erzähler Uli durchschreiten das STARGATE, ein getarnter Saboteur mit einer falschen ID hat sich eingeschlichen und wird sicherlich in den nächsten Romanen für Ärger sorgen. Diese Raffung des Handlungsstranges kommt aber zu spät.
Michael Schmidt hat sich redlich bemüht, einen spannenden und interessanten Stoff zu verfassen. Über weite Strecken zeigt sich – ähnlich wie bei Frank Rehfeldt bei dessen ersten Romanen – seine schriftstellerische Unerfahrenheit. Einige wenige Szenen sind gut und dramatisch geschrieben worden, dagegen stehen Stillleben einer Reihe von unsympathischen und eher oberflächlichen Charakteren. Es bleibt abzuwarten, in wie weit diese Handlungsebene das zukünftige Geschehen beeinflussen wird, aber „Freie Seelen“ ist zu selten ein wirklich fließender Roman mit interessanten Ideen und wirkt im Vergleich zum bisherigen Höhepunkt der Serie – die Trilogie von Uwe Anton – verhalten und unauffällig.
Rückblickend auf beide hier vorliegenden Romane kann noch nicht von einem Aufbruch zu neuen Ufern gesprochen werden. Trotz des Enthusiasmus Wilfried Harys ist er immer noch in dem komplexen Netz aus vorhandenem Material, guten Ideen und im BLITZ Verlag publizierten Werken gefangen. Die inhaltliche und stilistische Schwäche insbesondere der Paperbacks setzt sich im zwölften Band über weite Strecken fort. Hier sollte sich Wilfried Hary fragen, warum er nicht einen stärkeren und erfahrenen Autoren – sich selbst? – an diese Aufgabe gesetzt hat, den Schlüsselroman des Übergangs zu schreiben. Er hat aus seiner TERRANAUTEN Zeit ausreichend Erfahrungen mit der Beschreibung der düsteren Machenschaften großer Konzerne. Außerdem hätte eine exotische Kulisse und ein actionreicher, aber vielschichtiger Stoff effektiver neue Leser gewinnen können.
STARGATE ist einer der wenigen Versuchen, neben „Perry Rhodan“ und „Sternenfaust“ – „Maddrax“ kann wegen der überwiegend Horrorelementen nicht in diesen Kreis einbezogen werden – eine originale und originelle neue Serie etablieren. Die Redaktion darf aber nicht den Fehler machen, in ein gegenwärtiges „Bad Earth“ Szenario abzugleiten, in dem nur noch Insider durch die künstlich komplizierten Ideen und Handlungsstränge schauen können. Von den Autoren ganz zu schweigen.
In den bisher zwölf vorliegenden Heften stecken eine Reihe von ökologisch kritischen Ideen, eine differenzierte Auseinandersetzung mit kapitalistischen Tendenzen und natürlich das Flair fremder Welten. Bislang konnte die Serie aber ihre Stärken nur beschreibt den Lesern zeigen. Bei den Bänden des Merkur- Verlages lag das an der fehlenden Koordination. Die neuen Romane sind nach dem ersten Band noch nicht zu beurteilen. Mit Wilfried Hary und Werner Kurt Giesa werden demnächst erfahrene, routinierte Autoren publiziert und wahrscheinlich wird die Serie dann auch erst wieder Fahrt aufnehmen. Bis dahin sollten die Leser STARGATE zumindest im Auge behalten, vielleicht wird aus der kleinen Nova noch ein glänzender Stern am Firmament der Heftromanserien.
Michael Schmidt: "12 - Freie Seelen"
Heftroman, Softcover
Hary Production 2006
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