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rezensiert von Thomas Harbach
Zu Beginn des Welterfolges von „Krieg der Sterne“ und der „Unheimlichen Begegnung der Dritten Art“ versuchten alle Verlage in Deutschland auf den Zug Science Fiction aufzuspringen. Mitte der achtziger Jahre stellten viele Heftroman und Taschenbuchreihen ihr Erscheinen mangels Lesern wieder ein. Darum war die Gründung des ambitionierten Merkur- Verlages und der Start einer gänzlichen neuen Science Fiction Heftromanserie eine kleine Sensation.
Zu den Autoren der ersten Stunde gehörten Werner K. Giesa, der den Auftaktband „Das Transmitter-Experiment“ geschrieben hat, der spätere Perry Rhodan Autor Uwe Anton und Wilfried A. Hary. Insgesamt erschienen nur elf Hefte, bevor die Serie nicht zu letzt wegen eines katastrophalen Vertriebssystems eingestellt werden musste. Die nicht mehr veröffentlichten, aber fertigen Manuskripte erschienen gesammelt in einem Sonderdruck des „Ersten Deutschen Fantasy Clubs“. Einige Jahre später nahm sich der BLITZ Verlag der Serie an und veröffentlichte eine Reihe von Paperbacks, die einige Jahre nach der in den Heftromanen begonnenen Handlung spielten. Inzwischen sind zehn Paperbacks lieferbar. 2005 entschloss sich Wilfried A. Hary die ursprünglichen Heftromane im Eigenverlag neu zu veröffentlichen. Inzwischen sind zehn der elf Hefte lieferbar und der Erfolg ermöglicht es ihm, nicht nur die Hefte des Sonderdrucks ebenfalls als Einzelromane erscheinen zu lassen, sondern auch neue Abenteuer in Auftrag zu geben. So kann er nicht nur den STARGATE Kosmos komplexer gestalten, sondern die Lücken zwischen den bisherigen drei Inkarnationen der Serie durch eine geschickte Exposeredaktion schließen.
Die Menschheit hat in Form einer Pyramide ihren ersten Materietransmitter entwickelt. Während die ersten Versuchssprünge gelingen, wird ein Team von sieben Wissenschaftlern nicht von der Erde zum Mond transportiert, sondern sie landen in einem fremdartigen Tor auf einer fremden Welt. Die Urbevölkerung ist ihnen feindlich gesonnen und nur unter größeren Opfern können sie vom Militär gerettet werden. Der nächste Sprung führt das Team aber nicht zur Erde zurück, sondern auf eine noch fremdere Welt, auf denen die geheimnisvollen Konstrukteure der Sternentore ein Exempel für alle Völker der Galaxis statuiert haben, die gegen die Regeln verstoßen wollen. Raumfahrt ist verboten, nur das Durchschreiten der seit Jahrtausenden existierenden Sternentore ist erlaubt.
Inzwischen liegt mit dem elften Band der letzte Roman der ursprünglichen Inkarnation vor. Wilfried Hary hat ihn leicht überarbeitet, um dann mit den Roman der Komplexität der dreigeteilten Fortsetzungen – die nicht veröffentlichten ursprünglichen Romane aus dem EDFC Sammelband, die Paperbacks aus dem BLITZ Verlag, deren Handlung vier Jahre später einsetzt und schließlich die neuen hier exklusiv veröffentlichten Romane – Genüge zu tun.
Frank Rehfeld hat mit dem elften und als letztem erschienenen Heftroman eine undankbare Aufgabe übernommen. Zum einen führt er die Handlungsebene weiter, die auf der Erde spielt und die Sabotage und Spionageaktionen zwischen den beiden Großkonzernen im Kampf um die STARGATE Technologie beschreibt, zum anderen wird ihm eine Idee zur Wiederverwertung gegeben, die – allerdings durch einen Unfall und nicht einen Zerstörungsakt – die erste Reise bis zum Planeten Phoenix bestimmt hat. Nicht umsonst hat der Leser mehrmals das Gefühl, eine schon bekannte und abgearbeitete Handlung in leicht veränderter Form zu lesen. Da Frank Rehfeld über kaum Erfahrungen als Serienromanautor verfügt, wirkt er verunsichert und überzeichnet besonders die Actionsequenzen in fast ironischer, aber sehr ernst erzählter Weise. Die Motivation des Autoren, aus diesem bekannten Stoff mehr zu machen, kann man ihm nicht absprechen, das Ergebnis ist nicht zuletzt aufgrund der schwachen Handlungsvorgabe uneinheitlich und der Roman liest sich ungewöhnlich spröde.
Dabei steckt in der Substanz des Handlungsbogens eine Reihe von interessanten, an die hinterfragenden Werke eines Philip K. Dick angelehnten Ideen. Aus der Figur des Reporter Jerry Bernstein, der nach seiner fehlgeschlagenen Aktion in den ersten Heftromanen wieder im Mittelpunkt steht, erhält sein Gedächtnis zurück. Alle aus dieser Konstellation hätte eine interessante und facettenreiche Auseinander nicht mit einer komplexen Persönlichkeit, sondern Ethos und Fiktion des Reporterberufs werden können. Nach dem Bernstein eine Forderung nicht erfüllen kann, wird eine Reihe von Attentaten auf ihn verübt. Eines gibt ihm augenscheinlich die Möglichkeit, vor den Augen der Öffentlichkeit zu sterben. Da er sich auf dem hermetisch abgeriegelten Firmengelände befindet und seine Identität umgehend aus den Computern gelöscht wird – warum, wenn alle davon ausgehen, dass er bei einem Attentat wahrscheinlich zusammen mit seinem ID Karten und Scheckkarten verbrannt ist, dies erfolgt, wird nur im Zuge der Logik dieser Handlung beantwortet. Damit er aus der Bedrängnis heraus wieder „erwachen“ und den Guten wichtige Informationen geben kann. Zu schnell wird diese Idee wieder fallengelassen. Nicht nur bei diesem Ansatz hat der Leser das Gefühl, als versuche Rehfeld verzweifelt die vorgegebenen Textmenge auf der einen Seite zu füllen, auf der anderen Seite aber möglichst wenig verfängliches und zukünftige Entwicklungen störendes zu verfassen. Es wäre interessantes gewesen, Bernstein weiterhin als Leiche, als Lücke im ansonsten perfekten System agieren zu lassen. Damit hätten beiden Verfolgergruppen – die Verbrecher als auch die Firmensicherheit – vor erhebliche und neuartige Probleme gestellt werden können.
Die Dialoge sind ein wenig geschmeidiger als in Rehfelds ersten Romanen. Seine Schwierigkeit ist weiterhin die Charakterisierung der einzelnen Handlungsträger. Sie wirken steif und agieren teilweise unbeholfen oder übermotiviert. Rehfeld gelingt es nicht, einzelne Charakterzüge herauszuarbeiten und eine Sympathieebene zwischen den Lesern und den wichtigsten Handlungsträgern herzustellen. Erst im letzten Drittel des Romans fällt es ihm deutlich leichter, einen geradlinigen Plot spannend und unterhaltsam zu erzählen. Der Leser hat unwillkürlich das Gefühl, wenn der Stein der Handlung ins Rollen kommt, atmet der Autor tief durch und lässt sich auch stilistisch und inhaltlich mitreißen. Wilfried A. Hary hat als Übergang zum ersten neuen Roman einen Epilog geschrieben, dessen pseudoreligiöse Intention wahrscheinlich erst in den folgenden Bänden aufgelöst wird. „Das Transmitterinferno“ ist ein unterdurchschnittlicher Roman der Serie eines jungen Autoren auf der Suche nach einer eigenen literarischen Stimme, allerdings auch von einem schwachen, vorhersehbaren und in seiner Absicht wenig originellen Expose unterstützt.
Wie Hary in seinem Nachwort weiter erläutert, teilt sich jetzt die STARGATE Handlung auf. Erst mit dem vierzehnten und nicht mit angekündigt dreizehnten Band „Planet der Götter“ wird das Schicksal der 24 Menschen, die durch das Attentat auf der STARGATE aus ihrer Existenz geblasen worden sind, enthüllt. Dann beginnen zwei Handlungsstränge zu laufen. Einmal die hier vorliegenden Romane und dann muss zusätzlich auf die Handlungsebene Rücksicht genommen werden, die vier Jahre nach dem plötzlichen Abschluss im MERKUR Verlag in den Paperbacks des BLITZ Verlages aufgenommen worden ist. Darum „teilt“ man Ken Randall quasi in ein Original und ein Duplikat. Etwas Vergleichbares geschieht mit Cat Groscowsky, über die Frank Rehfeld einen Roman schreiben soll. Bis zur Nummer siebzehn ist dieser nicht angekündigt worden. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um einen der fünf fertig gestellten, aber nicht mehr im Merkur- Verlag, sondern nur noch als Sonderdruck beim „Ersten Deutschen Fantasy Club“ erschienenen Paperback handelt. Dann wirft Hary noch einen Blick auf den achtzehnten Band, in dem eben diese zweite Randall Handlungsebene aufgenommen werden soll. Diese Zusammenfassung verwirrt mehr als das sie außen stehenden Lesern hilft, zumal mit dem gleichzeitig erschienenen ersten neuen Roman „Freie Seelen“ von Michael Schmidt noch die Konzernebene aus Rehfelds „Das Transmitterinferno“ fortgeführt wird. Wilfired Harys verständlicher Enthusiasmus bordert ein wenig bei seiner Vorschau über.
Kurt Carstens: "11 - Das Transmitterinferno"
Heftroman, Softcover
Hary Production 2006
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