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Fantasy (diverse)



Robert E. Howard

Das Blut Belsazars

rezensiert von Thomas Harbach

Im empfehlenswerten Nachwort von Christian Enders ist zu Lesen, dass Robert E. Howard am liebsten weniger die phantastisch barbarischen Abenteuer um ÔÇ×ConanÔÇť geschrieben h├Ątte, sondern sich als Abenteuerschriftsteller sah. Vielleicht entsprechen die hier gesammelten zwei vollst├Ąndigen Geschichten um den halbnormannischen, halbirischen Krieger Cormac ÔÇô nicht die einzige Figur Howard, welche den Vornamen Cormac trug - Fitzgeoffrey zur Zeit des dritten Kreuzzugs am ehesten den Wunschvorstellungen des Schriftstellers Howards. Das Fragment einer dritten Story inklusiv der vom Autor niedergeschriebenen Synopsis ist zur Abrundung beigef├╝gt. Christian Enders schreibt auch, dass Fitzgeoffrey trotz des ├╝berwiegend solide recherchierten historischen Hintergrundes ein erster Entwurf Conans gewesen sein k├Ânnte. Statur, Temperament, Furchtlosigkeit, ein insbesondere in der archaischen Welt solider Ehrenkodex und Kampfeskunst entsprechen dem ber├╝hmteren Barbaren.
Mit der kleinen Schwester ÔÇ×Oriental StoriesÔÇť des ber├╝hmten ÔÇ×Weird TalesÔÇť Magazins verf├╝gte Howard pl├Âtzlich ├╝ber einen Markt f├╝r seine historischen Geschichten.

Auf etwas ungew├Âhnliche, aber f├╝r historische Geschichten konsequente Art und Weise f├╝hrt Robert E. Howard seinen Charakter in ÔÇ×Die Falken von OutremerÔÇť ein. Fitzgeoffrey kehrt zwar nicht in seine Heimat, aber in eine Taverne zur├╝ck, in der man ihn bislang f├╝r tot gehalten hat. Gefallen in einem der unseligen Kreuzz├╝ge. Fitzgeoffrey spricht ├╝ber die letzten Jahre, seine ketzerische Haltung dem K├Ânig von England gegen├╝ber und versucht das Schicksal von Kameraden zu eruieren. Zwischen den Zeilen kann der Leser ab dem ersten Augenblick erkennen, dass Fitzgeoffrey ein furchtloser auch k├Ârperlich ├╝berdimensionaler Krieger ist, der weder Freund noch Feind f├╝rchtet. Der Kern der Geschichte ist allerdings eine Idee, die Robert E. Howard mehrmals insbesondere in seinen sp├Ąter ver├Âffentlichten Barbarengeschichten sowohl im Conan oder Kull aufgegriffen hat. Fitzgeoffrey sucht nach einem Mann, der einem seiner Freunde in der Not nicht beigestanden, sondern aufgrund seiner Passivit├Ąt zu seinem Tod beigetragen hat. Auf dem Weg dahin findet er einen jungen Krieger, der aufgrund seiner Liebe zu einer der vielen Frauen des Sultans Fitzgeoffreys Freund in Lebensgefahr gebracht hat. Diese zweite Begegnung wirkt plottechnisch ein wenig zu stark konstruiert, zumal Fitzgeoffrey dem jungen Hei├čsporn zu schnell verzeiht und mit ihm zusammen dessen Geliebte aus dem Sultanpalast befreien und eine zweite Rechnung begleichen will.

Howards Geschichte ist nach einem langsamen, aber angesichts der Hintergrundinformationen notwendigen Auftakt rasant, aber sehr stringent geschrieben. Typische Versatzst├╝cke sind das Eindringen in den Palast; die Rettung der holden ÔÇ×JungferÔÇť vor brutaler Folter und schlie├člich die abenteuerliche Flucht aus dem gigantischen, labyrinthischen Geb├Ąude. In der anschlie├čenden Titelgeschichte ÔÇ×Das Blut BelsazarsÔÇť geht es um einen gigantischen, aber nat├╝rlich mit einem Fluch belegten und Ungl├╝ck bringenden Edelstein. Positiv oder negativ zeigen die hier vor einem vordergr├╝ndig historischen Hintergrund angesiedelten Geschichten, wie variabel Robert E. Howard die Grundversionen seiner Texte gestaltet hat.
In Bezug auf Fitzgeoffreys Charakter sind Howards klassisch zu nennenden Komponenten vorhanden. Auch wenn der Halbnormanne manchmal ein Hei├čsporn sein kann, ist er ein grundehrlicher, von vorne angreifender Krieger mit einem klar definierten, aus heutiger Sicht zwar archaischen Ehrenkodex. Er steht seinen Freunden bedingungslos zur Seite und hat eine Schw├Ąche f├╝r das weibliche Geschlecht, dem er in allen Situationen manchmal ein wenig blindlings zur Hilfe eilt. Seine imposante Gestalt gibt ihm einen Mythos der Unbesiegbarkeit und der legend├Ąre Ruf, der ihm voraneilt, erinnert sehr stark an die ersten ÔÇ×ConanÔÇť Geschichten, in denen Robert E. Howard seinen Barbaren zu schnell im Vergleich zu ÔÇ×Solomon KaneÔÇť zu einem ├ťberhelden stilisierte.
Auf der anderen Seite ist Fitzgeoffrey allerdings auch Opportunist. In der zweiten Geschichte ÔÇ×Das Blut BelsazarsÔÇť will er sich einer Diebesbande anschlie├čen. In deren angeblich so Furcht einfl├Â├čenden Anf├╝hrer sieht er nur einen Trunkenbold und Maulhelden, dem Fitzgeoffrey gleich w├Ąhrend der ersten Begegnung seine Grenzen aufzeigt. Er will die Truppe bei n├Ąchster Gelegenheit verlassen. In der Nacht wird er in seinem Zimmer angegriffen. Ein sich stetig wiederholendes Motiv in Howards Texten, mit dem er unterstreicht, dass seine Helden wie die Wildtiere einen leichten Schlaf haben und Allzeit bereit sind. Gleichzeitig wird der Anf├╝hrer der Bande ├╝berfallen, get├Âtet und der gigantische Edelstein, welcher der Geschichte den Titel gab, gestohlen. In dem sich anschlie├čenden Chaos mit wechselnden Koalitionen kann Fitzgeoffrey an der Seite eines gefangen genommenen Mongolen entkommen. Der Hintergrund der Geschichte erinnert noch mehr an die phantastischen Abenteuer. Meistens hat Robert E. Howard w├Ąhrend der Flucht seiner Helden noch eine mystische Figur oder ├╝berdimensionale Bedrohung eingebaut, um das letzte Viertel der Texte dynamischer, exotischer und spannender zu gestalten. Angesichts des eher variabel eingesetzten historischen Hintergrunds verzichtet er auf diese Exzesse. Wer neu ├╝ber diesen Sammelband auf Robert E. Howard st├Â├čt, wird ohne Frage besser unterhalten als dessen Fans. Viele kleine Szenen kommen dem Leser nat├╝rlich vor anderen Hintergr├╝nden bekannt vor. Howard vergisst, eine wirkliche Bedrohung f├╝r seinen ├╝berdimensionalen Helden aufzubauen und selbst bei der ersten Begegnung mit dem angeblich so gef├╝rchteten R├Ąuberhauptmann dominiert Fitzgeoffrey das Geschehen. Chrisitian Enders argumentiert in seinem Nachwort, dass Fitzgeoffrey wie Conan ein Mann au├čerhalb seiner Zeit sein k├Ânnte. Der Kontrast zwischen Fitzgeoffrey und den auseinanderbrechenden Reichen w├Ąhrend der Kreuzz├╝ge sowie dem Barbaren und der Neuordnung einer primitiven Zeit ist ohne Frage kleiner. Wie Conan beugt Fitzgeoffrey nicht sein Knie vor einem K├Ânig, f├╝r den er in Person K├Ânig L├Âwenherzs als ├╝berspitzte Ironie aber tapfer im Morgenland k├Ąmpft. Im Gegensatz zu ÔÇ×ConanÔÇť durchl├Ąuft Fitzgeoffrey im Zeitraffer die verschiedenen Stufen eines Howard┬┤schen Helden vom ├╝ber den Tod hinaus treuen Freund und Kameraden; dem Dieb mit einem Hauch Ehre bis im Fragment zu einer eher klassisch ├╝berdimensionalen Heldenfigur auf der Suche nach seiner Position in einer der Abendd├Ąmmerung und dem Untergang entgegen driftenden Welt.

Vielleicht den besten Einblick in Howards Arbeit geben das Fragment ÔÇ×Die SklavenprinzessinÔÇť und die ebenfalls ver├Âffentlichte Synopse des Autoren. Fitzgeoffrey m├Âchte die verbl├╝ffende ├ähnlichkeit einer Sklavin zu einer verschwundenen Prinzessin ausnutzen, um eine hohe Belohnung zu kassieren. Es entwickelt sich ein Katze- und Mausspiel verschiedener Parteien, die sich nat├╝rlich gegenseitig misstrauen, bis es im Laufe des packenden Showdowns zum Durchschlagen mehrere Knoten kommt. Im Gegensatz zu Conan scheint Fitzgeoffrey mit sch├Ânen Frauen gar nicht anfangen zu k├Ânnen. So wird mit Amory ein jugendlicher Liebhaber f├╝r die Prinzessin eingef├╝hrt. Im Falle des Barbaren h├Ątte sich die Sklavin gleich in ihn verliebt. Obwohl nur als l├Ąngeres Fragment vorhanden ist ÔÇ×Die SklaenprinzessinÔÇť die beste der drei Geschichte. Handlungstechnisch sehr dynamisch erw├Ąchst die Spannung aus den verschiedenen Fronten, da Fitzgeoffreys Plan an keiner Stelle wirklich glatt geht. Zum einen misstraut ihm der Suleiman Bay und will die potentielle Prinzessin erst einmal sehen, bevor er das L├Âsegeld kauft. Dann wird die Prinzessin mit einem von Howard gerne und wiederholt angewandten Trick aus Fitzgeoffreys Wirkungskreis entf├╝hrt, bevor sich der inzwischen erz├╝rnte Normannenmischling im abschlie├čenden Duell durchsetzen kann. Howard scheint bei der Anlage der Handlung weniger von Sir Henry Rider Haggard denn Karl May und Konsorten inspiriert worden zu sein. Sein zusammengefasster Plot folgt den manchmal leicht vorhersehbaren Wendungen des Kolportageromans.

Aus heutiger Sicht k├Ânnte manch abqualifizierende Bemerkung oder gar Beschreibung nicht nur in den hier zusammengefassten Texten als rassistisch verstanden werden. Dabei wird vergessen, dass Pulpgeschichten generell pragmatisch plakativ sind. Lange Einf├╝hrungen sind verp├Ânt, die Sprache muss direkt, ein wenig verrucht derbe und einfach bleiben. Inhalt geht vor Stil. Au├čerdem verf├╝gen die Christen mit Fitgeoffrey im Vergleich zu den Moslems oder Juden nicht ├╝ber einen Heilsbringer, der sich ├╝ber die anderen Religionen oder Rassen, sondern aus dem Kampf heraus nur ├╝ber aus seiner Sicht unehrenwerte M├Ąnner, aber niemals Frauen stellt. Howard konzentriert sich eher auf die manchmal eher zweidimensionalen, wie mit der Axt charakterisierten M├Ąnner, die um ihre Position auf der Welt k├Ąmpfen als ihre Herkunft oder gar ihren Glauben. So werden sie manchmal als Kontrast zu ├╝berdimensionalen Helden austauschbar, obwohl sie bei genaueren Lesen die Merkmale ihrer Rassen in konzentrierter Form auf sich vereinigen. W├Ąhrend der Klappentext von den hohen Idealen ritterlicher Tugenden und Tapferkeit schreibt, ist Fitzgeoffrey eher eine kleine Flamme in der barbarischen Dunkelheit, der sich weniger um die aus seiner Sicht eitlen Adligen und ihre Spielzeugwaffen k├╝mmert, sondern sich mit Dickk├Âpfigkeit und brachialer Gewalt einen Weg durch diese Welt schl├Ągt.

In seinem Vorwort geht ├ťbersetzer und Herausgeber Joachim K├Ârber noch auf die Faszination des origin├Ąren, nicht von verschiedenen Fantasyautoren f├╝r diverse Neuauflagen bearbeiteten Robert E. Howard ein. Inzwischen liegen auch seine Western, seine Boxer und seine eher humorvollen Texte um einen Seemann mit einer Faust in jedem Hafen zumindest als E- Books preisg├╝nstig und komplett vor. Sie komplettieren das Bild eines jungen, ungest├╝men, talentierten Pulpautoren, der ohne Frage mit zunehmender Alter den billigen Magazinen entwachsen w├Ąre. Der historische Hintergrund der Geschichten ist solide recherchiert und wird von Howards manchmal ein wenig zu oft recycelten Grundideen interessant sowie packend inspiriert. Mit Fitzgeoffrey liegt eine von Howards fr├╝hen, vorbarbarischen Figuren in dieser empfehlenswerten Paperbackausgabe komplett und am wichtigsten unbearbeitet in den von Robert E. Howard niedergeschriebenen Fassungen auf deutsch vor.

Robert E. Howard: "Das Blut Belsazars"
Anthologie, Softcover, 158 Seiten
Edition Phantasia 2012

ISBN 9-7839-3789-7523

Weitere BŘcher von Robert E. Howard:
 - Almuric
 - The Haunter of the Ring
 - The Savage Tales of Solomon Kane
 - Volk der Finsternis

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