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Fantasy (diverse)



Robert E. Howard

Almuric

rezensiert von Thomas Harbach

Mit Robert E. Howards “Almuric” erst drei Jahre nach seinem Freitod veröffentlichten Space Fantasy Kurzroman „Almuric“ in neuer Übersetzung von Joachim Körber und als Auftakt einer neuen Reihe “Pulp Fiction“ liegt ein Schlüsselwerk des „Conan“ Erschaffers zum ersten Mal ungekürzt auf Deutsch vor. In den USA ist der Roman als Serial drei Jahre nach Howards Freitod in seinem Stammmagazin „Weird Tales“ veröffentlicht worden. Zusammen mit dem autobiographischen Roman „Rauher Sand und wilde Eichen“ bildet „Almuric“ ein faszinierendes, wenn auch nicht vollständiges Selbstportrait, wobei Howard in der vorliegenden Science Fantasy Geschichte noch auf die Romane Edgar Rice Burroughs zurückgegriffen hat, der in seinen John Carter Romanen ja auch seinen Protagonisten in eine fremde archaische, aber seinem Charakter entkommende Welt versetzt hat. Beide Werke zeichnet – wie auch später eine Reihe anderer Fantasy Romane – der unvollständige Rahmen aus, der es dem Leser ermöglicht, wie in dem in der Ich- Perspektive geschriebenen Werk ganz nahe an den Protagonisten heranzurücken, dessen Ende aber auf die Einschränkungen der Erzählung in der ersten Person verzichtet. Vielleicht sogar wie es – zumindest dank der zahlreichen inneren Monologe Cairns impliziert - Howards Wunschtraum gewesen ist, mit ihm in eine andere vom Geist des klassischen Abenteuers geprägte Zeit entfliehen zu können.

In der Rahmenhandlung versucht der zweite, distanzierte aber nicht neutrale Erzähler Howards Helden Esau Cairn als einen ehrlichen Mann darzustellen, der aufgrund seiner körperlichen Kräfte und seines Temperaments – beides körperliche Vorzüge bzw. Charakterzüge, die ihm in der barbarischen Spiegelwelt mehrmals das Leben retten - , aber nicht aus Bosheit oder Kriminalität mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Der Wissenschaftler hilft ihm mittels seiner nicht näher definierten Maschine zum Planeten „Almuric“ in den Tiefen des Kosmos herüberzuwechseln. Der Verzicht auf jegliche überdrehte wissenschaftliche Erklärungen stammt aus den schon angesprochenen John Carter Romanen und die von „Flash Gordon“ übernommene Idee der Geheimnisse, die vor der Öffentlichkeit in einem Observatorium versteckt worden sind, zeigen, wie unsicher Howard hinsichtlich des Beginns seines Romans und vor allem der Einführung seines vielschichtigen, aber wie „Conan“ oder „Solomon Kane“ eher zwiespältigen Charakters gewesen ist. Im Grunde beginnt für Howard und somit den Leser die Geschichte erst in der Sekunde, in der Esau Cairn ein wenig unsanft auf dem erdähnlichen, aber doch archaisch primitiven Planeten „Almuric“ nackt wie ihn Gott erschuf oder in Bezug auf sein vorangegangenes Leben wiedergeborenen landet.
Zuerst lebt Cairn einige Wochen abgeschieden von jeder menschlichen Zivilisation in der Wildnis und ernährt sich von der Flora und Fauna. Eine erste Begegnung mit den Bewohnern Almurics endet wie nicht selten im folgenden Roman in einem Zweikampf, den Cairn natürlich gewinnt. Während auf der Erde sein barbarisches Verhalten eher gerügt und verboten wird, ist die neue Welt im Grunde ein idealer Spielplatz für Cairn, auf dem nur der stärke Überleben kann. Obwohl ausgesprochen komplex geschrieben setzt sich „Almuric“ im Grunde aus zwei unterschiedlichen Hälften zusammen. Nach der Landung und den ersten Begegnungen mit den Guras – ihre Gesellschaft erinnert an eine berühmte „Pulp“- Serie aus der Feder Burroughs, nämlich die verlorenen Städte der „Tarzan“ Geschichten – beginnt er sich in dieser islamisch orientierten Gesellschaft mit geehrten, verehrten und verzogenen Frauen sowie einer reinen männlichen Kriegerkaste wohl zu fühlen und nach oben zu kämpfen. Eine fast den irdischen Schönheitsidealen entsprechende junge Frau und Tochter eines einflussreichen Guras – Altha - verliebt sich in Cairn, der sie schließlich von einem Jagdauflug zurückkehrend vor dem sicheren Tod – es stellt sich später als Selbstmordversuch aus Verzweifelung hinsichtlich der starken Einschränkungen für Frauen heraus – rettet. Allerdings wird sie von den fledermausartigen Yagas – eine Idee, die Howard seiner eigenen Solomon Kane Geschichte „Wings in the Night“ entnommen hat – entführt, die als Kannibalen in ihrer hoch in den Bergen liegenden Festung das Land tyrannisieren. Cairn dringt in die Festung ein, kann später fliehen und die barbarischen Stämme vereinen, um das Joch das Yagas endgültig zu brechen. Die zweite Hälfte des Romans erinnert nicht nur an einige Conan Geschichten inklusiv der verschiedenen Sorcery Anspielungen und dem, brutalsten Gemetzel am überaus hektischen bis abrupten Ende des Romans, sondern an die Kane Geschichte „The Moon of Skulls“ , aus der Howard neben der Eifersucht der Königin auf Cairns Geliebte, die Opferung der jungen Frau als Mondjungfrau sowie den exakten Fluchtweg und das spätere Eindringen mit Verstärkung in die Festung zurück entnommen hat. Robert E. Howard hat viele Ideen variiert und Kurzgeschichten umgeschrieben. Viele Jahre nach seinem Tod haben Autoren wie L. Sprague de Camp unabhängige Kurzgeschichten Howards ebenfalls zu „Conan“ Texten umgestaltet.
Joe R. Landsdale spricht in seinem lesenswerten Nachwort die Stärken und aus seiner Sicht wenigen Schwächen “Almurics“ fast übertrieben pathetisch an. Im Gegensatz zu seinen „Sword & Sorcery“ Geschichten nutzt Howard die erzähltechnische Tiefe der Novelle, um selbst aus der Ich- Perspektive überzeugend und nicht arrogant zu beschreiben, wie Cairn seinen Traum von einem Abstreichen der Zivilisation, der Unfreiheit und der Anpassung vollzieht. Im Vergleich insbesondere zum Showdown dauert dieser Abschnitt nicht nur lange, sondern Howard versucht diesen feuchten Jungentraum von unendlichen Abenteuern mit einer schönen Maid als Belohnung mit einer realen Leidenschaft zu verbinden: dem Boxen. Immer wieder muss sich Cairns im Gegensatz zu „Conan“s bevorzugtem Schwert mit seinen überdimensionalen, an menschliche Dampfhammer erinnernden Fäusten zur Wehr setzen. Die immer unrealistisch wirkenden Kampfszenarien lenken den Leser von einer der interessantesten Figuren in Howards umfangreichen Kanon ab. Obwohl sich Cairs als Barbar sehr viel wohler fühlt, ist er nicht dumm oder politisch ungebildet. Er geht keinem Kampf aus dem Weg und wirkt Frauen im Allgemeinen und Altha im besonderen gegenüber skeptisch, ist aber auch im finalen Showdown ein charismatischer Anführer und natürlich am Ende auch ein glücklicher Ehemann. Cairn dient wie manch andere Figur als klassisches Alter Ego Robert E. Howards, dem all das gelingt, was dem jungen Mann im kleinen texanischen Dorf im Grunde verwehrt wird. Als Autor nutzt Howard die Ich- Perspektive aber nicht sonderlich effektiv und baut immer wieder eine Mauer zwischen seinem Protagonisten und den Lesern auf. Es ist vielleicht Zufall, dass ausgerechnet in diesem letzten seiner insgesamt vier Romane der Held seinen Platz in einer archaischen Gesellschaft und damit sein Glück findet. Das liegt allerdings auch in der Tatsache begründet, dass Howard ihm mit Altha einen Art unrealistischen Kompromiss geschenkt hat. Sie ist deutlich überzeugender als zahlreiche Frauenfiguren in Howards Werk gezeichnet. Ohne nähere Erklärungen abzugeben erscheint sie ebenfalls als Außenseiter in ihrer eigenen Gesellschaft. Sie könnte durchaus als zivilisiert, ausgesprochen offen, körperlich sehr attraktiv und absolut Menschenähnlich sowie in den wenigen Passagen, in denen sie aus Angst nicht ohnmächtig wird, als intellektuell gleichberechtigter Partner Cairns bezeichnet werden.
Alle Antagonisten sind dagegen bis auf wenige Ausnahmen in Howards Werk eindimensional bis klassisch funktional – die verführerische Königin/ Zauberin; der ewige Feind, den sich Cairn beim ersten gewonnenen Duell macht; das Kraftpaket, das im Grunde stolz darauf ist, von Cairn besiegt zu werden – beschrieben und lenken von der stringenten, mit einem sehr hohen Tempo bis zur unglaubwürdigen Selbstzerstörung der Festung des absoluten Feindes beschriebenen Handlung nicht sonderlich ab.
Der Planet „Almuric“ selbst ist eine im Grunde klassische Howard Schöpfung mit Festungen aus grünem Smaragd; einer primitiven ihren Zenit überschrittenen Kultur, die im wahrsten Sinne des Wortes eine Blutauffrischung braucht und einer Mischung aus überdimensionalen gefährlichen Tieren bzw. phantastischen Kreaturen, denen Robert E. Howard Fans schon in zahlreichen anderen Geschichten des Texaners begegnet sind. Es ist eine Welt, die einen ganzen Mann fordert und mit Cairns einen Mann erhält, der im wahrsten Sinne des Wortes in der falschen Zeit geboren worden ist.
Als Novelle ist „Almuric“ im Vergleich zu den „Solomon Kane“ Geschichten oder einigen „Conan“ Stories schlechter gealtert. Zu vieles erinnert zu stark an die statischen Pulpgeschichten und die Novelle hinterlässt an einigen Stellen im Leser den Eindruck, als handele es sich um einen ersten Entwurf, den Howard wegen seines Freitodes nicht mehr gründlich überarbeiten konnte. Wer sich in Howards Werk auskennt, wird sich in erster Linie auf die zahlreichen Parallelen zu anderen Texten konzentrieren und „Almuric“ als lesenswerte, unterhaltsame, aber überwiegend dank Howard oder Burroughs bekannte Geschichte abhacken. Die empfehlenswerte Übersetzung Joachim Körbers und die ungekürzte Veröffentlichung im Rahmen der „Edition Phantasia“ im Vergleich zur verstümmelten „Heyne“ Taschenbuchausgabe ermöglicht es allerdings einer neuen Generation in Kombination mit der absolut empfehlenswerten, aber untergegangenen „Solomon Kane“ Verfilmung Robert E. Howard für sich zu entdecken.

Robert E. Howard: "Almuric"
Roman, Softcover, 200 Seiten
Edition Phantasia 2010

ISBN 9-7839-3789-7424

Weitere Bücher von Robert E. Howard:
 - Das Blut Belsazars
 - The Haunter of the Ring
 - The Savage Tales of Solomon Kane
 - Volk der Finsternis

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