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Fantasy (diverse)



Fritz Leiber

Das Meerweib

rezensiert von Thomas Harbach

Gisbert Haefs leitet mit kurzen, aber prägnanten Worten die letzten Sammlung der „Fafhrd und der Graue Mausling“ Edition in der Edition Phantasia ein. Er versucht wie auch Joel Schumacher in seinem sehr persönlichen Nachwort den Unterschied zwischen Fritz Leibers Anti- Helden und der Fantasyerwartung herauszuarbeiten. Übersetzer Joachim Körber kombiniert in einem weiteren Artikel das Werk Leibers und dessen Einfluss mit der Zeit, in welcher die Geschichten erschienen sind. Magazine wie „Weird Tales“ standen noch zu sehr unter dem starken Einfluss Robert E. Howards und seiner „Conan“ – Geschichten, um den Willen zu haben, die weitere Entwicklung der Fantasy von „Sword and Socery“ mitzugestalten. Das Fritz Leibers vor allem die fast sklavische Götteranbetung – auch wenn Conan im Grunde seinen Weg mit dem Schwert in der Hand alleine gegangen ist, spielte die Anbetung Croms eine wichtige Rolle in Howards Texten – immer wieder parodiert hat und seine Götter trotz ihrer magischen, übernatürlichen oder übermenschlichen Fähigkeiten mit einer Unzahl eher menschlicher Fehler dargestellt hat. Die sieben Todsünden befallen in seinen Geschichten Menschen wie Götter. Und das insbesondere die kleinen Götter auf der einen Seiten um „Helden“ wie Fafhrd und den Grauen Mausling buhlen, auf der anderen Seite ihren Einfluss gerne unter Kontrolle haben, zieht sich durch den ganzen Zyklus. In der vorliegenden Sammlung „Farewell to Lankhmar“ setzen sich von den vier Geschichten zwei Texte auf unterschiedliche Weise mit dieser Thematik auseinander. Fritz Leiber berichtet im vierten Artikel „Mein Leben und mein Werk“ über sein Leben als Schriftsteller, seine Schwierigkeiten mit der Science Fiction und seinem Pazifismus. Immer wieder vergleicht er seine Lebensumstände und den Einfluss des Zweiten Weltkriegs mit dem drohenden Einzug in die amerikanische Armee auf sein Werk. Obwohl seine Äußerungen sehr ehrlich erscheinen, lässt er zwei Themen aus, auf die Judith Merril in ihrer von ihrer Nichte vervollständigten Biographie eingegangen ist. Fritz Leiber war kein geringerer Frauenheld als seine beiden Helden und Zeit seines Lebens starker Trinker. Das hat in einigen Phasen seine Produktion erheblich beeinträchtigt. Er konnte keine Termine einhalten und einigen veröffentlichen Geschichten mehr man eine zunehmende Lustlosigkeit an, die sicherlich auch auf Konzentrationsschwächen zurückzuführen ist. Trotzdem liest sich das lange Essay sehr fließend und gibt einen guten Einblick in Leibers literarische Vorgehensweise. Es empfiehlt sich, den Text im Grunde vor Beginn der Lektüre des ganzen Zykluses zu lesen. Im ersten Band der Edition Phantasia ist man allerdings schon einmal auf die Entstehung Fafhrd und des Grauen Mauslings eingegangen. Die beiden Figuren stammen nicht gänzlich von Leiber, sondern verdanken ihre Geburt einer eifrigen Korrespondenz mit einem Freund, der zwar viele Ideen hatte, sich aber niemals hinter den Schreibtisch setzte, um diese niederzuschreiben.

Zu Beginn der letzten Sammlung “Ritter und Knappe des Schwertes” haben sich Fafhrd und der Graue Mausling getrennt. Während sich Fafhard in den Eislanden von seiner schweren Verletzung und dem Verlust seiner linken Hand erholt, sucht der Graue Mausling als Kapitän eines Handelsschiffes reiche Beute durch unehrlichen Handlung zu machen. Trotzdem begegnen die beiden Helden in den ersten beiden Geschichten der Sammlung unabhängig voneinander zwei gefährlichen Frauen. In “Meeresmagie” übt sich Fafhrd zu Beginn des Handlungsbogens im Bogenschießen, seine Schießkünste werden von einem sehr jungen Mädchen bewundert. Eines Nachts werden die wertvollen goldenen Ikonen gestohlen und für einen Augenblick fällt der Verdacht auf Fafhrd, der sich in der gleichen Nacht aus dem Dorf gestohlen hat. Mehr durch einen Zufall gelingt es ihm, den wahren Täter nicht nur zu finden, sondern in einer Auseinandersetzung unter Wasser zur Aufgabe zu zwingen. Wie eine Reihe anderer Leibertexte leidet “Das Meeresweib” unter einer sehr ungleichmäßigen Aufteilung. Der Erzähler nimmt sich Zeit, Fafhrds Genesung zu beschreiben. Die eigentliche Konfrontation dagegen wirkt überhastet und überzogen. Dazwischen sind nur einige wenige Szenen, in welchen Leiber die einzigartig dekadente Atmosphäre der Eislanden beschreibt. Die Titelgeschichte der Sammlung “Das Meerweib” beschreibt die Heimfahrt des Grauen Mausling nach reichen Tauschgeschäften. An Bord schmuggelt sich eine sehr junge Frau, in welcher der Mausling eine Prostituierte vermutet. Er fesselt sie, steckt sie zurück in das Versteck - eine riesige Truhe - und läßt sie in seine Kabine bringen. Der Besatzung fällt der Verlust der wertvollen Truhe schnell auf, allerdings beschäftigt sie ihr Kapitän während der stürmischen Überfahrt. Anscheinend wissen tatsächlich nur zwei Offiziere von der Anwesenheit des Mädchens an Bord. In seiner Kabine unterliegt der Mausling zumindest einmal ihrem erotischen Zauber, auch wenn er sie gerne gebunden auf seinem Bett als Sklavin hält. Bei diesen sadistisch - masochistischen Anspielungen nähert sich Fritz Leiber Normans “Gor” Texten. Im Gegensatz zu dessen Geschichten dreht Leiber allerdings am Ende den Spieß um, denn das junge, scheinbar so hilflose Mädchen entpuppt sich als mächtige Feindin. Der Endkampf mit dem sinkenden Schiff im Sturm allerdings ist so überzogen beschrieben worden, dass der Leser eher an eine Episode aus Münchhausens langem Leben als einen Teil der Fantasy- Saga glaubt. Bis auf das Ende gelingt Leiber eine atmosphärisch dichte Geschichte, insbesondere der Auftakt ist stimmig und die Charakterisierung des Grauen Mausling als egoistischen Opportunisten entspricht wieder den frühen Texten. Natürlich kommt Hochmut vor dem Fall, in Leibers Universum können sich seine Helden im Gegensatz zu Howards “Conan” aber inzwischen gut behaupten. Insgesamt eine solide Geschichte, deren Handlungsbogen deutlich besser strukturiert worden ist als in “Meeresmagie”. Sie leidet nur unter dem unwahrscheinlichen Höhepunkt und je mehr Erklärungen Leiber seiner Novelle hinzufügt, desto mehr Fragen türmen sich auf. Die nächste Novelle “Der Fluch des Banalen und der Sterne” könnte sehr schön Fafhrds und des Grauen Mauslings Schicksal zusammenfassen. In Leibers Welten unterscheiden sich Götter und Menschen nur durch die Richtung ihres Glaubens. Die Götter wollen, dass die Menschen an sie glauben und daraus beziehen sie ihre Stärke, die Menschen sollen an die Götter glauben. Ansonsten sind beide sowohl Wein als auch Weib und seltener dem Gesang zugewandt. Die kleinen Götter würden gerne die beiden Helden aus Eislanden wieder herauslocken. Eine Verschwörung mittels ihrer Frauen ist gescheitert, als werden die beiden verflucht. Gleichzeitig gibt es Kräfte, welche eine Rückkehr der beiden nach Lankhmar verhindern möchten. Diese Kräfte schicken zwei professionelle Killer der Gilde in die Eislanden. Unerklärlicherweise - für ihre Freundinnen und Mitmenschen, aber nicht die Leser - beginnen sich Fafhrd und der Graue Mausling zu verändern. Diese Veränderung hat Leiber überzeugend, wenn auch im Vergleich zu den früheren Geschichten fast zu sanft beschrieben. Zu den Höhepunkten des Zyklus gehört die Begegnung Fafhrd und des Grauen Mausling mit ihren Killern, also ihrem Tod. Wie geschickt sie sich aus der schwierigen Situation retten, wirkt schon fast surrealistisch und Fritz Leiber gelingen einige sehr spannende und innovative Passagen. Leider dauert es verhältnismäßig lange, bis die Novelle ihren Höhepunkt erreicht. Nicht selten hat der Leser das Gefühl, als verfolge er eine Zusammenhang ihres Universums aus der Perspektive einer Parallelwelt. Im Vergleich allerdings zu den ersten beiden Geschichten ist “Der Fluch des Banalen und der Sterne” - der Titel ist Programm und Leiber streift beide Themen - deutlich stringenter und unterhaltsamer angelegt. Am besten funktionieren die “Schwerter” Geschichten , wenn die beiden Freunde zusammen agieren, auch wenn sie sich manchmal bis aufs Blut necken.


In der längsten Geschichte „Der Mausling in der Unterwelt“ will der zornige Gott Loki die beiden Helden endgültig eliminieren. Er beauftragt den Tod, zumindest einen der Helden in sein Reich zu holen. Der Gott wurde aus seinem Schlaf befreit, als einer der Männer des Mauslings den Stiller vom Meeresgrund geborgen hat, mit dem der Mausling die Invasion Eislanden im Vorgängerband abgewehrt hat. Die Lebensgefährtinnen der beiden Helden haben eine neue Bekannte, die Prinzessin Finger. Sie ist von einem Sklavenschiff in Eislanden geflohen und sucht hier Exil. Nur mit Hilfe der beiden Frauen konnte sie sich in Sicherheit bringen. Der Mausling traut ihrer Geschichte nicht. Wie in Neil Gaimanns „Sandmann“ Geschichten ist der Tod fairer als gedacht und will sich nicht von zweitrangigen Göttern herumkommandieren lassen. Die Freunde sehen nur, wie der Mausling im Erdboden versinkt. Mit über einhundertsechzig Seiten weißt der Text Romanlänge auf. Zu den negativen und jetzt verstärkt auffallenden Punkten gehören die softerotischen Episoden. Das sich Leiber als Schriftsteller zu Masochismus und Sadismus hingezogen fühlt, ließ sich schon in den letzten Storys erkennen. Im vorliegenden Fall unterstützen diese Szenen allerdings nicht den stringenten Plot, sie lenken eher ab und verzerren an einigen Stellen die Perspektive. Wenn sich die beiden Lebensgefährten über den Wunsch ihrer Männer nach einer Menage de Trois unterhalten, wirkt diese Szene wie eine Phantasie eines alten Mannes, hat aber weder etwas mit den Charakteren noch dem Plot zu tun. Schilderte Leiber die sexuellen Eskapaden seiner Helden insbesondere in den ersten Geschichten noch als gut zu erkennende Parodie auf Howards „Conan“ Geschichten, ist der Ton jetzt dunkler und der Autor verliert sich in voyeuristischen Details. In einer Szene beobachtet der Mausling das Treiben einer Herrin mit ihrer Sklavin, Leiber verdeutlicht allerdings, dass sein Protagonist am liebsten mitspielen würde.

Handlungstechnisch ist „Der Mausling in der Unterwelt“ allerdings kompakter geschrieben und der Plot ist vielschichtiger. Dem Text fehlen die teilweise satirisch überzogenen Szenen, dafür beschreibt Fritz Leiber zwei Helden, die älter, nicht unbedingt weiser, aber gesetzter geworden sind. Sie haben zwar noch Heimweh nach Lankhmar, fühlen sich allerdings auch bei ihren Frauen und in den Eislanden wohl. Der Status des Kapitäns, des Befehlsgeber hat die Persönlichkeit des grauen Mauslings beeinflusst. Er führt seine Untergebenen an einer sehr kurzen Leine, auf der anderen Seite beschreibt Leiber auch dessen Mannschaft als eine Mischung aus Schurken und Spießgesellen. Die Beziehung zu seiner Lebensgefährtin Cif ist teilweise allerdings sehr ambivalent beschrieben worden. Treue ist für den Mausling eher ein Begriff als eine Tugend und so kann der Autor in Ruhe einige masochistisch- sadistische Szenen einfügen. Fafhrd dagegen entwickelt sich nur oberflächlich weiter. Natürlich spricht er mit seinem Freund über die neue Heimat und fühlt sich auch in seiner Beziehung sehr wohl, aber seine Bemerkungen wirken eher wie Phrasen. Nicht umsonst holt der Tod den Antreiber des Duos in die Unterwelt.

Immer wieder nimmt der Autor Bezug auf vorangegangene Geschichten. Es ist wichtig, um den melancholischen Tenor des Textes richtig einordnen zu können, zumindest einige der vorangestellten Abenteuer zu kennen. Weiterführende Erläuterungen fügt Leiber seinem Text nicht hinzu. Die Reise des Mauslings durch die Unterwelt ist interessanter als die Reaktionen der Zurückgebliebenen. Hier gelingen Leiber einige surrealistisch- phantastische Szenen. Im Gegensatz zu anderen Texten, in denen die beiden Helden getrennt agieren mussten, hat der Autor dieses Mal das Szenario fester im Griff. Als wusste er, dass es sich um die letzte Geschichte um Fafhrd und den Grauen Mausling gehandelt hat. „Der Mausling in der Unterwelt“ ist stilistisch routiniert, die Exzentrik der Figuren ein wenig abgeschliffen, plottechnisch konzentrierter und weniger parodistisch angelegt, von einer dunklen, fast nihilistischen Stimmung durchzogen.

„Das Meerweib“ beinhaltet nicht die besten Geschichten der Serie um Fafhrd und den Grauen Mausling, aber insbesondere „Der Mausling in der Unterwelt“ und Leibers erfrischend zu lesendes Selbstbekenntnis machen den vierten und abschließenden Band zu einem empfehlenswerten Lesevergnügen.

Fritz Leiber: "Das Meerweib"
Anthologie, Softcover, 300 Seiten
Edition Phantasia 2007

ISBN 9-7839-3789-7219

Weitere Bücher von Fritz Leiber:
 - Der traurige Henker
 - Der unheilige Gral
 - Die Herren von Quarmall
 - Die Umtriebe des Daniel Kesserich
 - Hexenvolk

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