Buchecke


:: Home
:: Suche


:: 24 (4)
:: Abenteuer (55)
:: Alias (1)
:: Babylon 5 (7)
:: Buffy & Angel (25)
:: Comics (diverse) (17)
:: Die Bibliothek von Babel (30)
:: Fantasy (diverse) (181)
:: Darkover (2)
:: Die Chroniken von Narnia (7)
:: Drachengasse 13 (2)
:: Saga vom magischen Land Xanth (2)
:: Farscape (1)
:: Heftromane (314)
:: Horror (diverse) (168)
:: Komödien (diverse) (2)
:: Krimi (diverse) (59)
:: Literatur (diverse) (26)
:: Mystery (diverse) (102)
:: Perry Rhodan (122)
:: Roswell (4)
:: Sachbücher (103)
:: Science Fiction (diverse) (715)
:: Star Trek (43)
:: Stargate (1)
:: Thriller (61)
:: TV (diverse) (10)
:: Vampire (37)
:: Zeitschriften / Magazine (15)


:: Artikel (6)
:: Interviews (7)
:: Nachrufe (2)


:: Weitere Sendungen


:: SciFi-Forum: Buchecke


Fantasy (diverse)



Kevin Hearne

Die Chronik vom eisernen Druiden 1:
Die Hetzjagd

rezensiert von Thomas Harbach

Mit "Die Hetzjagd- Die Chronik des Eisernen Druiden" beginnt der Klett Cotta Verlag die in den USA inzwischen auf sechs Bücher angewachsene Serie um einen mehr als zweitausend Jahre alten Druiden mit jugendlichem Geist, der in den USA in der Gegenwart lebt und einen Laden für seltene Bücher und verschiedene Tees betreibt. Auf den ersten Blick erinnert diese Mischung aus alten Legenden und magischen Realismus an Neil Gaimans "American Gods", der auch die in erster Linie europäischen Götter auf amerikanischen Boden versetzt hat. Im Gegensatz zu Gaimans sehr viel mehr ambitionierten und handlungstechnisch auch kritischeren Werk präsentiert Kevin Hearne - der vorliegende Roman stellte sein Debüt dar - ein deutlich cineastisches Werk, das in dieser Form mittels CGI Tricks aufgrund der durchlaufend bodenständigen Handlung ausgesprochen geschickt verfilmt werden könnte.
Wie schon angesprochen lebt Atticus O´Sullivan in einer kleinen amerikanischen Stadt. Der Druide ist Identifikationsfigur des Lesers und Erzähler. Er gibt zwar sein Wissen bereitwillig an die Leser weiter, aber stellenweise verhält er sich absichtlich subjektiv. Er lebt seit zweitausend Jahren auf der Flucht, auch wenn er zugeben muss, das in Zeiten des Internets ein Verstecken nicht mehr so leicht ist. Er ist potentiell unsterblich, auch wenn er diesen Aspekt seiner Existenz im Verlaufe der turbulenten Handlung mittels eines neuen Deals zumindest bis auf unvorhergesehene Unfälle bzw. Tod durch Feinde erneuern muss. Es macht ihm nichts aus, alle paar Jahre umzuziehen. Im Gegensatz zu anderen Unsterblichen sehnt er sich weniger nach einer Frau, als verbringt die Zeit mit seinem kommunikativen Wolfshund, der als eine Art Extrasinn zumindest die besten Dialoge für sich verbuchen kann.
Vor langer Zeit hat Atticus dem Gott der Liebe und Schönheit - beides wird eher ironisch verwandt - Aenghus Og das mächtige, fast unbesiegbar machende Schwert Fragarach gestohlen. Mit diesem Schwert hofft Og, die Herrschaft über die anderen keltischen Götter zu erlangen. Kaum hat Og Atticus in der kleinen Stadt gefunden, hetzt er ihm neben bösartigen und wehrhaften Feen eine Reihe von anderen übernatürlichen Kreaturen auf den Hals. Als die einzelnen übernatürlichen Wesen nicht zum Zuge kommen, sucht Og nicht nur in einem Hexenkreis Verbündete, sondern schreckt nicht davor zurück, Atticus Hund Oberon und seinen Anwalt - einen Werwolf - entführen zu lassen, um das Schwert wieder in Besitz zu bekommen.
Wie schon angesprochen ist Kevin Hearnes Roman eine sehr angenehm Unterhaltung, die mit einer Reihe von Klischees des Genres spielt. Handlungstechnisch zerfällt das Buch in zwei Teile. Zu erst muss Atticus auf die verschiedenen "Angriffe" - nicht jede Göttin will das Schwert, nicht jede Hexe einen Zaubertrunk - reagieren und gleichzeitig versuchen, in der Öffentlichkeit weiterhin das Bild eines ehrbaren Kaufmannes zu hinterlassen. Wenn seine Nachbarin kein Problem damit hat, Briten um die Ecke zu bringen oder die Heuchler von Gegenüber ihn am liebsten denunzieren, dann fühlt sich der Leser in dieser so typisch exzentrischen Nachbarschaft wohl. Mit Hilfe seines Anwaltteams - ein Werwolf, ein Vampir, der sich mit wertvollstem Druidenblut bezahlen lässt - kann er die verwirrte Polizei in den Griff bekommen. In dieser Anfangsphase zeigt Hearne auf allen Ebenen das Potential dieser Serie. In der zweiten Hälfte muss der Autor den obligatorischen finalen Konflikt vorbereiten. Atticus muss noch ein wenig gereizt werden, bevor er gegen jede Chance auf seine "Feinde" zu rennt. Das das Finale von einer Entführung eingeleitet wird, wirkt dagegen eher wie ein Kompromiss. Zu oft ist diese Idee verwandt worden. Zu schlecht stehen die Chancen, die beiden sehr unterschiedlichen Geiseln zu befreien und zu erfolgreich ist Atticus schließlich wie schon angesprochen gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Die zweite Hälfte des vorliegenden Buches wirkt daher ein wenig zu bemüht, bevor der Autor im unterhaltsamen Epilog sein erzähltechnisches Gleichgewicht wiederfindet und den Roman zufriedenstellend und pointiert abschließt. Über den ganzen Plot gesehen ist das Tempo ausgesprochen hoch. Atticus kommt zwischen den einzelnen Begegnungen mit ehemaligen Freunden, jetzigen Feinden und der Möglichkeit, eine attraktive Auszubildende für die nächsten fünfzehn Jahre in der alt ehrwürdigen Druidenkunst zu unterrichten kaum zum Atmen.
Bei der Zeichnung der Charaktere ragen natürlich wie schon angesprochen Atticus und sein Wolfshund Oberon heraus. Haerne bemüht sich, Oberon weniger als Helfer in der Not zu zeichnen, sondern als tierischen Freund mit einem feinen Sinn für Humor. So rettet schließlich auch nicht der Hund sein Herrchen, sondern Atticus muss sich selbst und damit auch sein Schwert retten. Trotzdem gehören die Dialoge zwischen Atticus und Oberon aufgrund des subtilen Humors zu den Höhepunkten auch der gut übersetzten deutschen Ausgabe. Atticus selbst erscheint als moderner Mensch. Er gibt sein über Jahrtausende angesammeltes Druidenwissen nur unwillig und nicht selten voreilig Preis. Er kennt sich bei verschiedenen klassischen Heilmethoden sehr gut aus, greift aber nur selten über verschiedene Schutzzauber hinaus auf sein magisches Wissen zurück. Erst wenn er am Ende den Kontakt zur Erde sucht, um seine zwischenzeitlich von einer Göttin aufgefrischten Kräfte zu regenerieren, zollt er seinem Alter Tribut. Bis dahin ist er ein ausgesprochen munterer einundzwanzig Jahre alt erscheinender Geschäftsmann. Um diese beiden dominierenden Personen herum hat Hearne sehr viele interessant gezeichnete Figuren gestellt. Bei Atticus Anwälten - Werwolf und Vampir - spielt er mit den entsprechenden Klischees des Genres. Die Absurdität mancher Gesetze gerät Atticus zum Vorteil, aber alleine die Idee, die Monster verschiedener Modeserien als Rechtsverdreher in 3000 Dollar Anzügen zu sehen, von denen keiner das Ende des Buches überlebt, ist kennenlernenswert. Was die mystischen Figuren der in erster Linie keltischen Götterwelt angeht, so wirken diese wie in Gaimans Buch zu modern. Sie stoßen sich zwar an ihrer Umwelt und nehmen insbesondere die kindischen Amerikaner war, aber in erster Linie leben sie ihr Leben und fechten ihre Konflikte aus. Lustig wird der Roman immer, wenn "Normalbürger" mit den Göttinnen und ihrer Freikörperkultur konfrontiert werden. Die Schurken sind zwar bedrohlich und aggressiv gezeichnet worden, aber insbesondere der im Hintergrund über weite Strecken agierende Dauerfeind Aenghus Og wirkt zu eindimensional, zu pragmatisch gezeichnet. In diesem Punkt hätte sich Kevin Hearne mehr Mühe geben sollen. Dagegen sind die Hexen modern und ambivalent gezeichnet worden. Auch den Motiven verschiedener anderer Personen in erster Linie Göttinnen kann Atticus nicht zu trauen. Durch diese kleinen „Konflikte“ baut der Autor im Mittelteil während einer plottechnisch notwendigen Tempopause nicht nur wieder Spannung auf, sondern variiert die einzelnen kleinen historisch bedingten Kriegsschauplätze. Dabei gibt sich der Autor sehr viel Mühe, den einzelnen Frauenfiguren ihren Fähigkeiten entsprechend sehr unterschiedliche Charakterzüge zu geben. Auf der anderen Seite droht der Plot manchmal überambitioniert stehen zu bleiben. Da ist manchmal eine Verschwörung zu viel im Spiel und den Göttern nur alleine aufgrund ihrer Stellung als Götter gelingt während der ersten Schritte ihrer jeweiligen Pläne zu viel zu einfach. Die Verbindung zwischen der ohne Frage befremdlichen Realität und den Ansichten der von ihren Thronen gestoßenen Wesen hätte schwieriger, sicherlich auch slapstickartig humorvoller und nachhaltiger gebaut werden müssen. Hearke unterliegt phasenweise besondere in der ersten Hälfte der Versuchung, Tempo zu machen und alleine den Plot mit verschiedenen Charakteren und ihren nicht immer einwandfreien zu bestimmenden Geschichten/ Hintergründen voranzutreiben, bevor er versucht, im Mittelteil diese roten Fäden wieder ein wenig einzufangen und das Buch besser zu strukturieren.

Zusammengefasst stellt der Auftaktband der Chronik des eisernen Druiden - der Name kommt vom Schutz des Eisens gegen magische Angriffe – trotz der angesprochenen Schwächen eines Erstlingswerkes eine unterhaltsame, vergnügliche, nicht allzu anspruchsvolle, im Rahmen moderner cineastischer Unterhaltung gestaltete Lektüre mit solide charakterisierten, vielschichtigen und ausbaufähigen Protagonisten dar.



Kevin Hearne: "Die Chronik vom eisernen Druiden 1: Die Hetzjagd"
Roman, Hardcover, 349 Seiten
Klett Cotta 2013

ISBN 9-7836-0893-9316

Leserrezensionen

:: Im Moment sind noch keine Leserrezensionen zu diesem Buch vorhanden ::
:: Vielleicht möchtest Du ja der Erste sein, der hierzu eine Leserezension verfasst? ::