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Fantasy (diverse)



Kevin Hearne

Die Chronik vom eisernen Druiden 1:
Die Hetzjagd

rezensiert von Thomas Harbach

Mit "Die Hetzjagd- Die Chronik des Eisernen Druiden" beginnt der Klett Cotta Verlag die in den USA inzwischen auf sechs B├╝cher angewachsene Serie um einen mehr als zweitausend Jahre alten Druiden mit jugendlichem Geist, der in den USA in der Gegenwart lebt und einen Laden f├╝r seltene B├╝cher und verschiedene Tees betreibt. Auf den ersten Blick erinnert diese Mischung aus alten Legenden und magischen Realismus an Neil Gaimans "American Gods", der auch die in erster Linie europ├Ąischen G├Âtter auf amerikanischen Boden versetzt hat. Im Gegensatz zu Gaimans sehr viel mehr ambitionierten und handlungstechnisch auch kritischeren Werk pr├Ąsentiert Kevin Hearne - der vorliegende Roman stellte sein Deb├╝t dar - ein deutlich cineastisches Werk, das in dieser Form mittels CGI Tricks aufgrund der durchlaufend bodenst├Ąndigen Handlung ausgesprochen geschickt verfilmt werden k├Ânnte.
Wie schon angesprochen lebt Atticus O┬┤Sullivan in einer kleinen amerikanischen Stadt. Der Druide ist Identifikationsfigur des Lesers und Erz├Ąhler. Er gibt zwar sein Wissen bereitwillig an die Leser weiter, aber stellenweise verh├Ąlt er sich absichtlich subjektiv. Er lebt seit zweitausend Jahren auf der Flucht, auch wenn er zugeben muss, das in Zeiten des Internets ein Verstecken nicht mehr so leicht ist. Er ist potentiell unsterblich, auch wenn er diesen Aspekt seiner Existenz im Verlaufe der turbulenten Handlung mittels eines neuen Deals zumindest bis auf unvorhergesehene Unf├Ąlle bzw. Tod durch Feinde erneuern muss. Es macht ihm nichts aus, alle paar Jahre umzuziehen. Im Gegensatz zu anderen Unsterblichen sehnt er sich weniger nach einer Frau, als verbringt die Zeit mit seinem kommunikativen Wolfshund, der als eine Art Extrasinn zumindest die besten Dialoge f├╝r sich verbuchen kann.
Vor langer Zeit hat Atticus dem Gott der Liebe und Sch├Ânheit - beides wird eher ironisch verwandt - Aenghus Og das m├Ąchtige, fast unbesiegbar machende Schwert Fragarach gestohlen. Mit diesem Schwert hofft Og, die Herrschaft ├╝ber die anderen keltischen G├Âtter zu erlangen. Kaum hat Og Atticus in der kleinen Stadt gefunden, hetzt er ihm neben b├Âsartigen und wehrhaften Feen eine Reihe von anderen ├╝bernat├╝rlichen Kreaturen auf den Hals. Als die einzelnen ├╝bernat├╝rlichen Wesen nicht zum Zuge kommen, sucht Og nicht nur in einem Hexenkreis Verb├╝ndete, sondern schreckt nicht davor zur├╝ck, Atticus Hund Oberon und seinen Anwalt - einen Werwolf - entf├╝hren zu lassen, um das Schwert wieder in Besitz zu bekommen.
Wie schon angesprochen ist Kevin Hearnes Roman eine sehr angenehm Unterhaltung, die mit einer Reihe von Klischees des Genres spielt. Handlungstechnisch zerf├Ąllt das Buch in zwei Teile. Zu erst muss Atticus auf die verschiedenen "Angriffe" - nicht jede G├Âttin will das Schwert, nicht jede Hexe einen Zaubertrunk - reagieren und gleichzeitig versuchen, in der ├ľffentlichkeit weiterhin das Bild eines ehrbaren Kaufmannes zu hinterlassen. Wenn seine Nachbarin kein Problem damit hat, Briten um die Ecke zu bringen oder die Heuchler von Gegen├╝ber ihn am liebsten denunzieren, dann f├╝hlt sich der Leser in dieser so typisch exzentrischen Nachbarschaft wohl. Mit Hilfe seines Anwaltteams - ein Werwolf, ein Vampir, der sich mit wertvollstem Druidenblut bezahlen l├Ąsst - kann er die verwirrte Polizei in den Griff bekommen. In dieser Anfangsphase zeigt Hearne auf allen Ebenen das Potential dieser Serie. In der zweiten H├Ąlfte muss der Autor den obligatorischen finalen Konflikt vorbereiten. Atticus muss noch ein wenig gereizt werden, bevor er gegen jede Chance auf seine "Feinde" zu rennt. Das das Finale von einer Entf├╝hrung eingeleitet wird, wirkt dagegen eher wie ein Kompromiss. Zu oft ist diese Idee verwandt worden. Zu schlecht stehen die Chancen, die beiden sehr unterschiedlichen Geiseln zu befreien und zu erfolgreich ist Atticus schlie├člich wie schon angesprochen gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Die zweite H├Ąlfte des vorliegenden Buches wirkt daher ein wenig zu bem├╝ht, bevor der Autor im unterhaltsamen Epilog sein erz├Ąhltechnisches Gleichgewicht wiederfindet und den Roman zufriedenstellend und pointiert abschlie├čt. ├ťber den ganzen Plot gesehen ist das Tempo ausgesprochen hoch. Atticus kommt zwischen den einzelnen Begegnungen mit ehemaligen Freunden, jetzigen Feinden und der M├Âglichkeit, eine attraktive Auszubildende f├╝r die n├Ąchsten f├╝nfzehn Jahre in der alt ehrw├╝rdigen Druidenkunst zu unterrichten kaum zum Atmen.
Bei der Zeichnung der Charaktere ragen nat├╝rlich wie schon angesprochen Atticus und sein Wolfshund Oberon heraus. Haerne bem├╝ht sich, Oberon weniger als Helfer in der Not zu zeichnen, sondern als tierischen Freund mit einem feinen Sinn f├╝r Humor. So rettet schlie├člich auch nicht der Hund sein Herrchen, sondern Atticus muss sich selbst und damit auch sein Schwert retten. Trotzdem geh├Âren die Dialoge zwischen Atticus und Oberon aufgrund des subtilen Humors zu den H├Âhepunkten auch der gut ├╝bersetzten deutschen Ausgabe. Atticus selbst erscheint als moderner Mensch. Er gibt sein ├╝ber Jahrtausende angesammeltes Druidenwissen nur unwillig und nicht selten voreilig Preis. Er kennt sich bei verschiedenen klassischen Heilmethoden sehr gut aus, greift aber nur selten ├╝ber verschiedene Schutzzauber hinaus auf sein magisches Wissen zur├╝ck. Erst wenn er am Ende den Kontakt zur Erde sucht, um seine zwischenzeitlich von einer G├Âttin aufgefrischten Kr├Ąfte zu regenerieren, zollt er seinem Alter Tribut. Bis dahin ist er ein ausgesprochen munterer einundzwanzig Jahre alt erscheinender Gesch├Ąftsmann. Um diese beiden dominierenden Personen herum hat Hearne sehr viele interessant gezeichnete Figuren gestellt. Bei Atticus Anw├Ąlten - Werwolf und Vampir - spielt er mit den entsprechenden Klischees des Genres. Die Absurdit├Ąt mancher Gesetze ger├Ąt Atticus zum Vorteil, aber alleine die Idee, die Monster verschiedener Modeserien als Rechtsverdreher in 3000 Dollar Anz├╝gen zu sehen, von denen keiner das Ende des Buches ├╝berlebt, ist kennenlernenswert. Was die mystischen Figuren der in erster Linie keltischen G├Âtterwelt angeht, so wirken diese wie in Gaimans Buch zu modern. Sie sto├čen sich zwar an ihrer Umwelt und nehmen insbesondere die kindischen Amerikaner war, aber in erster Linie leben sie ihr Leben und fechten ihre Konflikte aus. Lustig wird der Roman immer, wenn "Normalb├╝rger" mit den G├Âttinnen und ihrer Freik├Ârperkultur konfrontiert werden. Die Schurken sind zwar bedrohlich und aggressiv gezeichnet worden, aber insbesondere der im Hintergrund ├╝ber weite Strecken agierende Dauerfeind Aenghus Og wirkt zu eindimensional, zu pragmatisch gezeichnet. In diesem Punkt h├Ątte sich Kevin Hearne mehr M├╝he geben sollen. Dagegen sind die Hexen modern und ambivalent gezeichnet worden. Auch den Motiven verschiedener anderer Personen in erster Linie G├Âttinnen kann Atticus nicht zu trauen. Durch diese kleinen ÔÇ×KonflikteÔÇť baut der Autor im Mittelteil w├Ąhrend einer plottechnisch notwendigen Tempopause nicht nur wieder Spannung auf, sondern variiert die einzelnen kleinen historisch bedingten Kriegsschaupl├Ątze. Dabei gibt sich der Autor sehr viel M├╝he, den einzelnen Frauenfiguren ihren F├Ąhigkeiten entsprechend sehr unterschiedliche Charakterz├╝ge zu geben. Auf der anderen Seite droht der Plot manchmal ├╝berambitioniert stehen zu bleiben. Da ist manchmal eine Verschw├Ârung zu viel im Spiel und den G├Âttern nur alleine aufgrund ihrer Stellung als G├Âtter gelingt w├Ąhrend der ersten Schritte ihrer jeweiligen Pl├Ąne zu viel zu einfach. Die Verbindung zwischen der ohne Frage befremdlichen Realit├Ąt und den Ansichten der von ihren Thronen gesto├čenen Wesen h├Ątte schwieriger, sicherlich auch slapstickartig humorvoller und nachhaltiger gebaut werden m├╝ssen. Hearke unterliegt phasenweise besondere in der ersten H├Ąlfte der Versuchung, Tempo zu machen und alleine den Plot mit verschiedenen Charakteren und ihren nicht immer einwandfreien zu bestimmenden Geschichten/ Hintergr├╝nden voranzutreiben, bevor er versucht, im Mittelteil diese roten F├Ąden wieder ein wenig einzufangen und das Buch besser zu strukturieren.

Zusammengefasst stellt der Auftaktband der Chronik des eisernen Druiden - der Name kommt vom Schutz des Eisens gegen magische Angriffe ÔÇô trotz der angesprochenen Schw├Ąchen eines Erstlingswerkes eine unterhaltsame, vergn├╝gliche, nicht allzu anspruchsvolle, im Rahmen moderner cineastischer Unterhaltung gestaltete Lekt├╝re mit solide charakterisierten, vielschichtigen und ausbauf├Ąhigen Protagonisten dar.



Kevin Hearne: "Die Chronik vom eisernen Druiden 1: Die Hetzjagd"
Roman, Hardcover, 349 Seiten
Klett Cotta 2013

ISBN 9-7836-0893-9316

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